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| Wohl und Wehe der Pflanzenheilkunde |
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Als junger Heilpraktiker vertiefte ich mich voller Enthusiasmus in das Studium der Pflanzenheilkunde. Wie im Stadium der frischen Verliebtheit überschätzt man die Möglichkeiten einer Methode, so wie es vielen medizinischen Laien bei Modedrogen wie Aloe, Noni-Saft oder Kombucha am Anfang auch ergeht. Zuerst ist man begeistert, doch in der rauhen Wirklichkeit des Praxisalltags schrumpfen solche Wundermittel dann rasch auf das Normalmaß, und jeder erfahrene Anwender von Pflanzenheilmitteln weiß, dass Pflanzen durchweg "Soft Drugs" sind – sie wirken überwiegend sanft. Es gibt aber auch Pflanzen mit erstaunlich starken Heilkräften. Leider sind zwei wichtige Heilmittel – Kava-Kava und das Mistelpräparat Plenosol – nicht mehr erhältlich, und damit komme ich zu einem traurigen Kapitel meines Berufslebens, dem unheilvollen Einfluss der naturwissenschaftlich orientierten Pharmazie sowie der Pharmagesetzgebung in Deutschland.
Bei einem der ältesten Mistelpräparate Deutschlands, dem Plenosol, fehlten die herausragenden Heil- und Reizwirkungen, nachdem es nicht mehr in verschiedenen Stärken, sondern wissenschaftlich korrekt auf den Bestandteil Lektinol standardisiert worden war. Der Grund für die bedauerliche, unnötige Umstellung war die Erkenntnis der Mistelforschung, dass angeblich zu geringe Dosen immunologisch nicht nachweisbar sind und zu hohe Lektin-Dosen das Abwehrsystem hemmen. Die jahrzehntelangen Praxiserfahrungen tausender Ärzte und Heilpraktiker wurde dabei zugunsten einer naturwissenschaftlich ausgerichteten Pharmakologie geopfert. Mittlerweile setzt sich die Erkenntnis immer mehr durch, dass Pflanzenheilwirkungen ein komplexes Phänomen sind, bei dem viele, auch pharmakologisch unwichtig erscheinende Bestandteile, zusammenwirken. Ein gutes Beispiel dafür ist das Opium, das weitaus weniger süchtigmachende Eigenschaften enthält als der synthetisierte Bestandteil Morphin. So gibt es im Orient Kulturen, wo der gewohnheitsmäßige Opiumgebrauch weder Sucht noch körperliche Verfallserscheinungen hervorruft, was beim Morphinismus dagegen regelmäßig der Fall ist.
Der verheerendste Kahlschlag im Bereich der naturheilkundlichen "Apotheke Deutschland" der letzten dreißig Jahre, bei dem ein größerer Teil der naturheilkundlichen Präparate liquidiert wurde, geht auf das Konto der Pharmagesetzgebung. Vor kurzem traf es das bei Angsterkrankungen stark wirksame Kava-Kava, den "Rauschpfeffer" der Südsee, der dort von den Insulanern seit Jahrhunderten in höchsten Dosen zu kultischen Zwecken benutzt wird, vergleichbar dem Khat im Orient. Wegen äußerst seltener und in der Fachwelt sehr umstrittener toxischer Leber-Nebenwirkungen wurde der in der Naturheilkunde unentbehrliche Pflanzenheilstoff Kava-Kava kurzerhand verboten. (Einen Ersatz stellt das homöopathische Komplexpräparat "Anxiovita" dar; Info unter www.rubimed.com).
Ähnliche Nebenwirkungen bei chemischen Präparaten werden dagegen von den Pharmabürokraten viel milder beurteilt. So gibt es auch beim Aspirin in seltenen Fällen Todesfälle, aber weil Aspirin ins naturwissenschaftliche Weltbild passt und offensichtlich die chemische Pharmalobby stärker ist als die naturheilkundliche, wird Aspirin im Gegensatz zu Kava-Kava nicht verboten. Beim Kava-Verbot war weltweit unverständlicherweise das deutsche Amt für Arzneimittelsicherheit (Bfarm) in Berlin der Vorreiter, wo doch das Verbot auch zig Millionen an deutschem Volksvermögen und etliche Arbeitsplätze in der deutschen Pharmaindustrie vernichtet hat.
Mittlerweile sind auf diese Weise etliche mittelständische naturheilkundliche Pharmafirmen in Deutschland bankrott oder ins liberale Ausland abgewandert (Beispiel Horvi in den Niederlanden, www.horvi-enzymed.com), denn seit Jahrzehnten wurden immer neue Bestimmungen erlassen, wichtige Inhaltsstoffe in Komplexmitteln entweder verboten, oder man verbot Komplexmittel der Sicherheit halber gleich ganz (bei Pflanzenmischpräparaten). Es werden Wirksamkeitsnachweise gefordert, die völlig überzogen und wirklichkeitsfremd sind. Mit Fassungslosigkeit muss ich feststellen, dass mir als Naturheiler mittlerweile mehr als die Hälfte aller wertvollen Heilmittel fehlen, die ich in der Anfangsphase als Heilpraktiker und junger Arzt noch benutzen konnte.
Bei allem Beklagenswerten gibt es im Gebiet der Pflanzenheilkunde der letzten 30 Jahre aber auch Erfreuliches zu berichten. Den größten Triumph erlebte die Pflanzenheilkunde mit dem tibetanischen Präparat Padma 28, das zum größten Erstaunen der Gefäßspezialisten in einer Schweizer Studie viel besser bei Gefäßverengung wirkte als das chemische Standardpräparat, das dafür üblicherweise benutzt wird (siehe http://www.padma.ch). Eine andere Erfolgsstory ist das vom Apotheker Dr. Willmar Schwabe in der Urwaldmedizin entdeckte Harongan, das innerhalb weniger Jahrzehnte zu einem der wichtigsten Verdauungsmittel in der Naturheilkunde geworden ist. Eine ähnliche Karriere hat der Luffa-Schwamm gemacht, ein von der Heilkundlerin Anita Backhaus vor 60 Jahren in Kolumbien entdecktes Kürbisgewächs, das als Aufkochung bei chronischen Nebenhöhlenentzündungen geradezu Wunder wirkt und in einer Praxisstudie bei über 80% der Fälle erfolgreich war (www.luffa.de). Die chemische Industrie hat mittlerweile erkannt, welche pharmakologischen Schätze in der Natur und vor allem im Urwald verborgen sind. Mittlerweile hat eine weltweite Suche nach neuen Substanzen begonnen. Das hat allerdings auch seine Schattenseiten, weil es zur Ausbeutung von Schätzen anderer Kulturen führen kann. Es gilt zu hoffen, dass die neue europäische Gesetzgebung bewirkt, dass auch die Heilwirkung heimischer Pflanzen wieder stärker in der heilkundlichen Praxis zur Geltung kommt.
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Autoren |
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Banis, Dr. med. Reimar
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Partner
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