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Nachhaltigkeit und Ökologie im ZEGG
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Ein Bericht über ökologische Projekte
im Zentrum für experimentelle Gesellschaftsgestaltung
Praktische Ansätze einer ökologischen Neuorientierung zu schaffen, das ist ein Schwerpunkt der Arbeit im „Zentrum für experimentelle Gesellschaftsgestaltung“ (ZEGG) in Belzig. Seit Gründung des Gemeinschaftsprojekts nahe Berlin vor 12 Jahren entstanden auf dem ehemaligen Stasi-Gelände unter anderem Bauten aus Lehm, eine Pflanzenkläranlage, Permakulturpflanzungen und ein Bio-Gemüse-Garten. Eine neue Broschüre beschreibt jetzt diesen lokalen Weg eines ökologisch verantwortlichen Umgangs als Antwort auf die globale Krise.
Nachhaltige Entwicklung und weltweite Gerechtigkeit erfordern vor allem ein Umsteuern unseres Lebensstils in den Industrieländern,” schreibt Achim Ecker, der den ökologischen Bereich des ZEGG wesentlich mit aufgebaut hat. „Wenn die gesamte Menschheit so leben wollte wie wir, bräuchte es viele Planeten wie die Erde, um alle mit Energie, Nahrung und Rohstoffen zu versorgen. (…) Das ZEGG hat es sich zur Aufgabe gemacht, eine Lebensweise aufzubauen, die die Erde nicht mehr schädigt und die, wo immer es möglich ist, zu ihrer Heilung beiträgt.”
Das Umsteuern braucht Zeit …
… aber innerhalb weniger Jahrzehnte lässt sich schon viel verändern. Ein Beispiel dafür ist der Wald, der einen Teil des ZEGG-Geländes bildet. Die Gemeinschaft übernahm 1991 etwa vier Hektar Monokulturwald aus Kiefern und Birken sowie einen parkähnlichen Baumbestand auf den übrigen zehn Hektar des Geländes. Ausgehend von dem Gedanken, wieder ein artenreiches Holzbiotop aufzubauen, das der ursprünglichen Fruchtbarkeit der Landschaft entspricht, wurden im Laufe der Jahre rund 20 Baumarten neu gepflanzt, darunter auch Esskastanien und verschiedene Obstbäume. Hinzu kamen rund 15 verschiedene Straucharten für den Unterwuchs. Die dominierenden Kiefern und Birken werden teilweise gefällt, um Platz zu schaffen und den eigenen Holzbedarf zu decken.
Eine wichtige unterstützende Maßnahme ist dabei die Bodenverbesserung. Typisch für den „Hohen Fläming“, in dem das ZEGG-Gelände liegt, sind reine, helle und tiefgründige Sandböden, die alle paar hundert Meter von schmalen Lehmflözen durchzogen sind. Im Wald ist die Humusschicht etwa zwei Zentimeter dick, im freien Gelände ist unter einer dünnen Grasnarbe fast nur Sand. Das Bodenleben ist gering, das Nährstoffangebot spärlich. Der Boden enthält viel zu wenig Wasser. Geringer, weiter abnehmender Niederschlag und die minimale Wasserspeicherfähigkeit der Sandböden verschärfen die Situation zunehmend. Fachleute in Brandenburg gehen davon aus, dass die Landschaft allmählich versteppt, falls die derzeitigen Klimatrends anhalten.
Gefährliche Klimaentwicklung
Doch es gibt Möglichkeiten, der Entwicklung entgegen zu steuern, die ja auch global immer gefährlicher wird. So wurde auf dem ZEGG-Gelände begonnen, großflächig eine neue oder kräftigere Humusschicht aufzubauen, mit der sich das Nährstoffangebot verbessern kann und Wasser besser gespeichert wird. Dazu dienen unter anderem Stroh von Bauern der Umgebung, Laub aus Parks und Grünanlagen der Stadt Belzig und Pappe, die als ökologisch verträgliches Verpackungsmaterial zuhauf im ZEGG landet. Der Kompost für die Bodenverbesserung außerhalb des Gartens kommt zum Teil aus einer Komposttoilette, die an einem sehr schönen Platz am Waldrand steht und vor allem im Sommer gerne benutzt wird. Fäkalien und kompostierbare Küchenabfälle werden hier in aerober Zersetzung in ein bis zwei Jahren ohne Umschichtung in gute Erde verwandelt. Das Verfahren produziert keine üblen Gerüche.
Lehm ist ein uralter Baustoff mit Qualitäten, die man heutzutage wieder sucht. Er ist lokal verfügbar, lässt sich mit niederem Energieaufwand verarbeiten und hat gute Wärmedämm- und -speichereigenschaften. Durch seine Qualität als weitgehend unbehandelter Naturstoff kann er ein angenehmes Raumklima mit einer für Menschen passenden Luftfeuchtigkeit Prozent herstellen. Im ZEGG wurden in mehreren Lehmbau-Seminaren und -Workshops seit 1998 unter fachmännischer Anleitung verschiedene kleinere Bauten erstellt oder vorhandene Bausubstanz renoviert. So konnte das Lehmbau-Wissen weitere Kreise ziehen. Modellhaft wurden dabei verschiedene Lehmbautechniken wie Stampflehm, Wellerbau, Lehmziegel, Ausfachung mit Strohlehm und unterschiedliche Putze angewandt und künstlerische Kreativität in der Gestaltung der Bauten groß geschrieben. So entstanden unter anderem Pavillons für den Kursbetrieb, eine Toilettenanlage, die beschriebene Komposttoilette oder Lehmkuppeln in einem Speiseraum. Der jüngste Bau dieser Art ist ein Unterstellplatz für Müllcontainer, vor dem sich Gäste und Einheimische manchmal fragen, warum es der Müll eigentlich so schön hat.
Geheizt wird im ZEGG mit Holzhackschnitzeln aus der Umgebung, das heißt mit regional nachwachsenden Rohstoffen. Bei Übernahme des Geländes wurde die extrem umweltbelastende Braunkohle-Heizung umgerüstet. Dieses Heizverfahren ist CO2-neutral; die Anlage könnte auch mit getrockneter Biomasse wie Elefantengras oder Pflanzen aus der Abwasser-Kläranlage des ZEGG betrieben werden.
Diese Pflanzenkläranlage, die 1992 im ZEGG in Betrieb ging, ist ein Kleinod auf dem Gelände. Die Abwässer von bis zu 300 Einwohnern reinigt sie auf einer Fläche von 900 m, das sind 3 m pro Person. Anlagen dieses Typs, den Joachim Niklas für die auf dem ZEGG-Gelände ansässige Firma Ökotec entwickelt hat, kommen inzwischen durch Verfahrensverbesserungen sogar mit rund 1 m pro Person aus.
Die Anlage basiert auf einem in speziellen Schichten aufgebauten Bodenfilter, der bewachsen ist: mit Schilf-arten, Gräsern und im Falle dieser Anlage mit Korbweiden und Pappeln, die alle zwei bis drei Jahre als nachwachsender Rohstoff abgeerntet werden und wieder neu austreiben. Im Wurzelbereich der Pflanzen geschieht durch Mikroorganismen ein Hauptteil der Reinigungsarbeit. Der Anlage vorgeschaltet ist ein „Rottebehälter“, in dem die Feststoffe zurückgehalten werden und durch ein besonderes Verfahren im Verlauf von zwei Jahren zu Kompost verrotten.
Effektive Wasserreinigung
Die Ablaufqualität des Abwassers wird regelmäßig gemessen und unterschreitet die gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwerte zum Teil erheblich. Es kann zum Beispiel für die Bewässerung in dieser trockenen Gegend benutzt werden. Die Pflanzenkläranlage bereichert die Umwelt mit einem Feuchtbiotop, das vielen Arten Lebensraum bietet. Zur Zeit wird die Anlage im Rahmen eines dreijährigen Forschungsprojektes weiter optimiert, an dem deutsche und mexikanische Einrichtungen und Firmen beteiligt sind.
Ein Langzeitprojekt ist auch die Verwandlung eines großen Löschwasserbeckens in ein naturnahes Teichbiotop. Ein Bodenfilter mit Wasserpflanzen reinigt das Wasser oberflächlich. Seit drei Jahren kommen hier Rotfedern und Karpfen ohne Zufütterung aus. In den letzten Jahren wurden mehrfach „Effektive Mikroorganismen“ nach einem in Japan entwickelten Konzept eingesetzt. Sie steigern die natürliche mikrobakterielle Vielfalt und schaffen nützliche Synergieeffekte. Im vergangenen Sommer wurde eine etwa 10 cm dicke Schicht aus gewaschenem Sand in den mit 2,30 Meter tiefsten Teil des Beckens eingebracht. Dies ist eine gute Lebensgrundlage für Wasser filternde Teichmuscheln und Schlick abbauende Organismen. Die Teichmuschel, in Deutschland vom Aussterben bedroht, filtert ausgewachsen bis zu 2000 Liter Wasser am Tag.
Ein Gesamtkonzept aus vielen Bausteinen
Die neue Broschüre des ZEGG präsentiert noch eine Reihe weiterer Bausteine aus einem Gesamtkonzept, das nachhaltig wirken soll. Dazu gehören der Bewuchs von Häuserwänden und Sonnenschutzdächern mit Wein und Kiwis, die Dämmung und Renovierung vorhandener Bausubstanz mit Naturstoffen, der Betrieb von Autos mit Pflanzenöl, der Ausstieg aus der „Mittäterschaft“ beim Einkauf von Nahrungsmitteln, Ansätze einer direkten Kooperation mit Tieren und Pflanzen oder die geomantische Erforschung des Geländes. Die Broschüre weist auch auf die Notwendigkeit der inneren Heilung des Menschen selbst hin, der im Sinne einer sozialen Ökologie mit der Natur verbunden ist. Das ZEGG sieht diese innere Heilungsarbeit beim Menschen als ein zentrales Anliegen einer wirksamen Friedensarbeit.
Die umgebende Region wird zunehmend in den ökologischen Neuansatz im ZEGG einbezogen. Bei der Holzverarbeitung entwickelt sich bereits das Bild einer regionalen Kreislaufwirtschaft. Für Achim Ecker ist es „überlebenswichtig, weitgehend autarke soziale und ökologisch nachhaltige Regionalstrukturen zu schaffen”, die nach außen sinnvoll vernetzt sind. An dieser Stelle denkt er ähnlich wie der Schweizer Autor P.M. in seinem Buch „Subcoma“, in dem es um praktische Entwürfe für das Leben nach dem Globalkapitalismus geht. Dieses Buch taucht als eine Inspirationsquelle in dieser Broschüre auf, ebenso wie viele Gedanken des Natur- und Technikforschers Viktor Schauberger. ´
Achim Ecker (44) lebt seit 1991 im ZEGG und arbeitet dort als Ökologe und Gruppenleiter. Die Broschüre „Nachhaltigkeit und Ökologie im ZEGG“ gibt es für 5 Euro bei: Ramona’s Buchladen, ZEGG, Rosa-Luxemburg-Straße 89, D-14806 Belzig, ramona.stucki@t-online.de
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Autoren |
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Haring, Hermann
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Partner
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