Artikel
Kulturkreatives Spektrum (108)
Andere Welten (55)
Freie Gesundheitsberufe (22)
eurotopia (166)
Matriarchale Perspektiven (35)
Holon (77)
Editorial (30)
Briefe aus Amerika (6)
Anders Lernen (47)


Ausgabe 166 (12)
Ausgabe 165 (12)
Ausgabe 164 (12)
Ausgabe 163 (13)
Ausgabe 162 (13)
Ausgabe 161 (15)
Ausgabe 160 (12)
Ausgabe 159 (11)
Ausgabe 158 (13)
Ausgabe 157 (11)
Ausgabe 156 (15)
Ausgabe 155 (13)
Ausgabe 154 (12)
Ausgabe 153 (16)
Ausgabe 152 (12)
Ausgabe 151 (13)
Ausgabe 150 (14)
Ausgabe 149 (14)
Ausgabe 148 (16)
Ausgabe 147 (13)
Ausgabe 146 (13)
Ausgabe 145 (13)
Ausgabe 144 (11)
Ausgabe 143 (13)
Ausgabe 142 (12)
Ausgabe 141 (13)
Ausgabe 140 (15)
Ausgabe 139 (14)
Ausgabe 138 (12)
Ausgabe 137 (11)
Ausgabe 136 (14)
Ausgabe 135 (12)
Ausgabe 134 (8)
Ausgabe 133 (6)
Ausgabe 132 (9)
Ausgabe 131 (9)
Ausgabe 130 (10)
Ausgabe 129 (8)
Ausgabe 128 (9)
Ausgabe 127 (8)
Ausgabe 126 (6)
Ausgabe 125 (8)
Ausgabe 124 (9)
Ausgabe 123 (6)
Ausgabe 122 (7)
Ausgabe 121 (7)
Ausgabe 120 (3)
Ausgabe 119 (5)
Ausgabe 118 (1)
Ausgabe 115 (1)
Ausgabe 114 (11)

Zuletzt besucht
Artikel: High-Tech & Pappnase

Artikel: Matriarchat und der Weltfrieden

Artikel: Gemeinschaft im Dorf

Artikel: Zeit für Allmende?

Artikel: Mama Anarchija


Über uns
Impressum
Forum: Matriarchale Lebensformen (Teil 3)
erschienen in Ausgabe 130
Antworten auf die Diskussionsbeiträge in den letzten drei Ausgaben.

In dieser Ausgabe präsentieren wir die Antwort von Heide Göttner-Abendroth auf die Kommentare, die wir in den letzten drei Ausgaben von KursKontakte zu ihrer Artikelserie abgedruckt hatten. In sechs Teilen stellte Heide Göttner-Abendroth die Aspekte matriarchaler Kultur dar, die sie aus der Erforschung heute noch existierender Matriarchate herausgearbeitet hat und als wesentliche Anstöße zur Erneuerung unserer eigenen Kultur begreift. Nach einer Einführung in matriarchale Lebensformen beschäftigten sich die Beiträge mit matriarchaler Spiritualität, Sozialordnung, Ökonomie, Politik und Gesellschaftsformen. Danach hatten wir gefragt, in welcher Beziehung der dargestellte Gesellschaftsentwurf zum heutigen Leben der Leserinnen und Leser steht und ob es möglich ist, Aspekte davon in unserer heutigen westlichen Gesellschaft zu verwirklichen.

Mit großer Aufmerksamkeit habe ich die Stellungnahmen zu meiner Artikelserie über die Muster matriarchaler Geselschaften und deren Übertragbarkeit auf heute gelesen. Die verschiedenen Bestätigungen, Kommentare, Einwände spiegeln Fragen auf allen Ebenen der Gesellschaftsbildung wider: auf der ökonomischen, der soziopolitischen und der spirituell-religiösen. In dieser Reihenfolge möchte ich darauf antworten. Doch zuvor zwei generelle Feststellungen:

1. Bei der Entwicklung einer Leitidee oder eines Modells für zukunftsorientiertes Handeln geht es nicht um die Individual-Psychologie heutiger Menschen mit all ihren patriarchalen Deformationen. Das heißt, wenn wir nur auf den gegebenen Ist-Zustand starren und deklarieren, dass dieser für heutige Menschen nicht überschreitbar ist, weil sie ihn „nicht loslassen können“ (siehe Beitrag von Eveline Moede), dann bewegen wir uns nicht weiter und verlängern das Patriarchat in die Zukunft hinein. Leider entspricht dies der Haltung vieler Menschen in unseren westlichen Zivilisationen, sie entspringt aus Saturiertheit und Bequemlichkeit. Es ist aber nicht mein Anliegen, jeden Menschen daraus zu erwecken, sondern wer im Patriarchat sitzen bleiben möchte, mag dies tun.
Die Menschheit hat sich im Lauf der Geschichte jedoch immer verändert, sie ist nie dieselbe geblieben, teils aus Einsicht, teils aus Notwendigkeit. Die Notwendigkeit der fortschreitenden Zerstörung unserer globalen Lebensgrundlage wird sie auch eines Tages zu Veränderungen zwingen. Doch bevor es dazu kommt, wäre es gut zu wissen, wohin die Schritte in der Krise dann getan werden sollen bzw. wäre es noch besser, vorher zu handeln, damit es überhaupt nicht zu dieser globalen Krise kommt (die ja in vielen Teilen der Welt schon stattfindet). Hierzu brauchen wir weder abstrakte Theorien noch blinden Aktivismus, sondern vorausschauendes Handeln. Dafür werden Leitideen entwickelt. Sie sind weder Programme noch starre Regeln, sondern Orientierungshilfen für Menschen, die sich und die patriarchalen Katastrophen verändern wollen. Deshalb brauchen wir auch nicht für die anderen zu denken, ob sie dieser Leitidee etwa folgen wollen oder nicht, sondern wir fangen immer bei uns selber an.
Die matriarchale Leitidee hat gegenüber den anderen einen großen Vorteil: Sie gehört nicht zu den philosophischen Utopien (die nie funktioniert haben), sondern sie beruht auf jahrtausendelangem sozialem und kulturellem Wissen der Menschheit und wurde ebenso lange praktisch verwirklicht. Hier haben wir es also mit einem sehr wertvollen Erfahrungsschatz zu tun, der durch die Matriarchatsforschung wieder ans Licht gebracht wird. Deshalb ist die matriarchale Leitidee stets konkret, denn sie ist – wie ihre Gesellschaftsform – an den grundlegenden Bedürfnissen der Menschen orientiert und nicht an wirklichkeitsfernen Idealen. Darin liegt ihre Stärke.
Psychologie als Technik der Selbsterforschung spielt insofern eine Rolle, als jede bzw. jeder Einzelne die anerzogenen patriarchalen Muster erkennen und sich daran abarbeiten kann, um sie hinter sich zu lassen. Aber auf welchem Boden können wir sie überhaupt erkennen? Und in welche Richtung können wir sie verlassen? Eben dazu braucht es die matriarchale Leitidee.

2. Über die Entstehung des Patriarchats würde ich mich hüten, etwas Saloppes von mir zu geben bzw. mich auf Populärliteratur zu stützen (wie E. Moede). Dies ist ein äußerst komplexes Forschungsfeld, über das bisher nur Ideologien und Pseudoerklärungen verbreitet wurden und das noch auf eine wissenschaftliche Darstellung wartet. „Wir Frauen“ haben mit Patriarchatsentstehung schon gar nichts zu tun, denn wer ist das überhaupt? Es gibt in der Matriarchatsforschung nicht das Gegensatzpaar „Frauen“ versus „Männer“, das stets in eine trivialisierende Sackgasse führt. Sondern es gibt matriarchale Frauen und Männer auf der einen Seite, und es gibt patriarchale Männer und patriarchalisierte Männer und Frauen auf der anderen Seite. Dies ist das Forschungsgebiet!
Matriarchale Frauen und Männer waren weder in der Geschichte noch in der Gegenwart, d.h. bei den letzten noch lebenden matriarchalen Gesellschaften, an der Zerstörung ihrer eigenen Lebensform beteiligt, sondern in jedem Fall ihre Verteidiger. Denn Matriarchate verwandelten sich nicht von innen heraus in Patriarchate, dafür gibt es weder in der Geschichte noch in der Ethnologie einen Beleg. Sondern ihre Zerstörung hat immer mit äußeren Faktoren zu tun, seien diese nun zuerst ökologischer Art und später sozialer Art gewesen. Dies lässt sich beim jetzigen Stand der Forschung mit Sicherheit sagen.
Deshalb kommen wir mit Pauschalisierungen wie „die Männer“ oder „die Frauen“ nicht weiter, ganz egal, wo wir nun die Schuld angesiedelt sehen wollen. Darum geht es auch gar nicht, sondern um die Erkenntnis, dass in Patriarchaten sowohl Männer wie Frauen aus Anpassungsdruck, der von den herrschenden Männern ausgeht, sowohl zu Opfern wie zu Mittätern und Mittäterinnen im Patriarchat werden, wenn auch in unterschiedlicher Weise. Hier hätte jedes Geschlecht für sich seinen Selbsterkenntnisprozess zu leisten, um aus einem derart zerstörerischen System auszusteigen. Und damit wären wir wieder bei der matriarchalen Leitidee als Orientierungshilfe.

Antworten zur matriarchalen Ökonomie

Hier muss man sich zuerst von der falschen Engelsschen These verabschieden, dass Matriarchate angeblich so primitiv gewesen seien, dass die zunehmende Arbeitsteilung schließlich zu Patriarchaten führte.



Lesen Sie sämtliche Forums-Antworten Heide Göttner-Abendroths, alle Forums-Zuschriften und natürlich alle Hauptbeiträge der Serie zu neuen matriarchalen Lebensentwürfen in Heide Göttner-Abendroths neuen Buch „Der Weg zu einer egalitären Gesellschaft – Prinzipien und Praxis der Matriarchatspolitik“ (Drachen Verlag Klein Jasedow 2008, ISBN 9783927369337, 112 Seiten, 12 Euro). Im Anschluss an die Hauptkapitel ist hier auch die vollständige Diskussion über Göttner-Abendroths Vorschläge zwischen ihr und einer Reihe von LeserInnen wiedergegeben, unter anderem mit dem Verleger Johannes Heimrath, dem Philosophen Jochen Kirchhoff und der Matriarchatsforscherin Carola Meier-Seethaler.

Bestellen Sie das Buch bequem über die Seite des Drachen-Verlags:
http://www.drachenverlag.de/books/editions/books_483c0c7e0c534.html

Aus dem Klappentext:
„Die Philosophin Heide Göttner-Abendroth ist als profunde und scharfsichtige Kritikerin des Patriarchats bekannt. Ihre mehr als dreißigjährige Forschungsarbeit und zahlreiche Publikationen machten sie zur Begründerin der modernen Matriarchatsforschung. Sie organisierte die ersten Weltkongresse für Matriarchatsforschung: 2003 ‚Gesellschaft in Balance‘ in Luxemburg und 2005 ‚Societies of Peace‘ in Texas, USA. Heide Göttner-Abendroth wurde im Rahmen der weltweiten Initiative ‚1000 Frauen für den Friedensnobelpreis 2005‘ nominiert.

‚Der Weg zu einer egalitären Gesellschaft‘ ist ein matriarchaler Lebensentwurf, der helfen will, das patriarchale Gesellschaftsmodell abzulösen.
‚Am Anfang die Mütter‘ – so übersetzt Heide Göttner-Abendroth den Terminus ‚Matriarchat‘. Aus dem mütterlichen Prinzip des Lebensschenkens, dem Frauen und Männer gleichermaßen dienen, entwickelt sie das Bild einer Kultur, die Kreisläufe an die Stelle linearen Fortschritts setzt, die eine Ökonomie des Schenkens statt Ausbeutung und Gewinnmaximierung anstrebt und die von Würde, gegenseitigem Respekt der Geschlechter und Lebens­alter sowie der Heiligung allen Lebens getragen ist. Die Besinnung auf die Weisheit matriarchaler Kulturen der Welt, von denen einige bis heute in Frieden und ausgeglichenem Wohlstand existieren, führt zu einer Gesellschaft in Balance, die auf die Kraft und Intelligenz von Gemeinschaften baut. Viele Menschen suchen heute nach Möglichkeiten, lebensfördernd zu wirken. Heide Göttner-Abendroths Entwurf einer matriarchalen Politik ist dafür ein wichtiger Wegweiser.“



  Autoren

Göttner-Abendroth, Heide

Partner
sge-button
© by Human Touch Medienproduktion GmbH, info@kurskontakte.de