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| Die verändernde Kraft des Regenbogens |
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Ein Symbol des ganzheitlichen Wandels. Wolfram Nolte und Dieter Halbach
Der vielbeschworene Wandel findet überall in der Gesellschaft statt, und viele fühlen, dass sie von ihm ergriffen worden sind. Noch ist aber diffus, was für ein Wandel es ist, wohin er führt und wie er sich gestaltet. Viele Menschen fragen sich, was sie tun können, damit der Wandel in die Realität kommt und Veränderungen im Außen sichtbar werden. Ein hoffnungsvoller Versuch ist die Initiative „Anders besser leben“.
Es gibt wohl kaum einen Menschen, der sich nicht von der faszinierenden Schönheit eines Regenbogens berühren lässt. Doch der Regenbogen besitzt darüber hinaus eine starke Symbolkraft, die den entstehenden Bewegungen für eine zukunftsfähige Lebensweise als Orientierung dienen könnte. Der Regenbogen wirkt lebensbejahend, weil jede Farbe mit ihrer eigenen Kraft leuchtet und im Zusammenspiel der vielen ein noch stärker leuchtendes Ganzes ergibt. Würde man die vielen Farben jedoch mischen, ergäbe sich ein langweiliges Braun – ein Symbol für „Einheit in der Vielfalt“. In den gesellschaftlichen Strömungen unserer Wendezeit gibt es zahlreiche Bewegungen, die sich mit eigenen Themen und Schwerpunkten hervortun. Und immer noch gibt es die Versuchung, die eigene Farbe zur wichtigsten und das eigene Thema zum wesentlichen zu machen. „Wenn Du dich selbst veränderst, wird sich auch die Welt verändern!“ – „Nur wenn wir die Gesellschaft verändern, kann sich auch der Einzelne verändern!“ – „Wir müssen tun, was wir sagen, damit sich die Welt verändern kann!“ – „Es braucht einen kulturellen Wertewandel und ein neues Bewusstsein, damit wir die Welt ändern können!“ Ja, alle haben sie Recht – und Unrecht zugleich! Denn es gibt keine geteilte Wahrheit. Solange wir die Bedeutung der anderen Wahrheit nicht sehen können, leugnen oder gar bekämpfen, werden wir persönlich und politisch scheitern. Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass „fundamentalistische“ Verhaltensweisen immer wieder in die Sackgasse geführt haben. So glaubte man in der marxistischen Bewegung lange Zeit, dass die Veränderung der Eigentumsverhältnisse automatisch zu einem neuen Menschen führen würde. Heute gibt es die spirituelle Gegenbewegung dazu, jetzt heißt es, „unser Bewusstsein bestimmt unser Sein“. Aber die Veränderung des Bewusstseins, des persönlichen Handelns, der geistigen Kultur und der politischen Verhältnisse sind eine zusammengehörige Praxis. Alle diese Ansätze sind wie die einzelnen Farben des Regenbogens. Erst wenn er den ganzen Horizont umspannt, entsteht das Bild eines leuchtenden Aufbruchs in eine neue und integrale Lebensweise. Der „Aufbruch – anders besser leben“ oder „You can change the world“ des Club of Budapest sind Beispiele für Initiativen, die sich, wie auch Teile der Gemeinschaftsbewegung und andere neue soziale Bewegungen, als ganzheitlicher Aufbruch zur Veränderung der eigenen und der gesellschaftlichen Lebensweise verstehen. Sie umfassen alle Bereiche der Lebenswirklichkeit: Die inneren und äußeren Aspekte des individuellen Lebens (Bewusstsein und Handeln) als auch die inneren und äußeren Aspekte des kollektiven Lebens (Kultur und Gesellschaft). Jeder Bereich verlangt ein besonderes Verstehen und eine besondere Herangehensweise zu seiner Veränderung. Erst das Zusammenwirken der Veränderungen in den verschiedenen Bereichen führt zu einem integralen Verstehen und Vorgehen, das dem Aufbruch seine verändernde Regenbogenkraft gibt.
Die Regenbogenkraft des Aufbruchs
1. Bewusstsein
Jeder wirklich neue Aufbruch ist ein Aufbruch von innen und beginnt mit der Veränderung des individuellen Bewusstseins (rotes Feld). Heute steht jeder einzelne Mensch vor der Herausforderung, zu erkennen, dass sein Leben und sein Wohlergehen mit allem Leben auf diesem Planeten verbunden ist. Um zu überleben, muss er ein größeres Identitäts-, Verantwortungs- und Mitgefühl entwickeln. Dazu bedarf es der Heilung seelischer Verzerrungen, die im Zuge der menschheitlichen und individuellen Sozialisation aufgetreten sind, und der Integration von Körperempfindungen, Gefühlen, Intuition und rationalem Denken zu einer neuen integralen Wahrnehmungsfähigkeit.
2. Handeln
Im Bereich des individuellen Handelns (gelb) muss der Einzelne nach den ökologischen und sozialen Folgen seines Handelns fragen und sein inneres Bewusstsein und sein tägliches Handeln stärker in Einklang bringen. Er ist herausgefordert, sein Konsumverhalten und seine Umgangsweisen mit anderen Menschen und Kulturen in globaler Verantwortung zu verändern. Damit kann jeder unmittelbar wirksame Voraussetzungen für grundlegende Veränderungen in Kultur und Gesellschaft schaffen.
3. Kultur
In der kulturellen Arbeit (grün) geht es um die gemeinsame Verständigung über die jeweilige Welt- und Selbstwahrnehmung und das Entwickeln einer Kultur des guten Lebens. Es gilt, verbindende Werte zu etablieren und mit Leben zu füllen, die das menschliche und nicht-menschliche Leben achten und feiern, wie es die Erdcharta und das Projekt Weltethos der Weltreligionen vorschlägt: Achtung vor der Natur und Verwirklichung der allgemeinen Menschenrechte.
4. Gesellschaft
Im gesellschaftlichen Bereich (blau) werden zunehmend global, doch immer noch nach partikularen Werten und Interessen Entscheidungen getroffen, die das Zusammenleben aller Menschen und ihren Umgang mit der Natur betreffen. Hier gilt es auf Grundlage anderer Werte und Lebensweisen neue Rahmenbedingungen zu entwickeln, damit die Naturgrundlagen erhalten bleiben und der produzierte Reichtum so verwendet wird, dass jeder Mensch auf der Welt die Chance erhält, seine Begabungen zu entfalten und ein materiell gesichertes, gewaltfreies und erfülltes Leben führen kann.
Der Aufbruch hat begonnen
Es sind bereits Millionen Menschen, die sich in einem oder mehreren Bereichen für zukunftsfähige Veränderungen einsetzen. Auf der individuellen Ebene sind bereits viele Menschen im Aufbruch und auch im kulturellen Bereich zeichnen sich neue Leitideen für nachhaltige, solidarische und humane Lebensweisen ab. Wie die Studie von Ray und Anderson „The Cultural Creatives, How 50 Million People are Changing the World“ belegt, sind es allein in den USA 24 Prozent der Bevölkerung (50 Millionen), die er deswegen als Kulturell Kreative bezeichnet (www.kulturkreativ.net). Für Europa wird mit ähnlichen Ergebnissen gerechnet (www.club-of-budapest.org). Die Erdcharta ist bisher von 10000 Organisationen in der Welt unterzeichnet worden, die ebenfalls 50 Millionen Menschen repräsentieren (www.erdcharta.org, www.oeiew.de). Allerdings folgen den neuen Werten noch nicht immer neue Taten. Hier setzt der Aufbruch „anders besser leben“ an und versucht die Macht der Gewohnheiten und der Verhaltensweisen von unten her zu verändern. Denn im gesellschaftlichen Bereich der wirtschaftlichen und politischen Macht wird so lange nach alten Leitbildern entschieden, wie es die Wähler und Verbraucher möglich machen. Es fehlen Entscheidungen für ein Wirtschaften ohne quantitatives Wachstum, für eine Regulierung der globalen Finanzmärkte, für eine Neubestimmung und Neuverteilung der Arbeit, für eine Grundsicherung aller Menschen der Erde mit Nahrung, sauberem Trinkwasser, Wohnung, Bildung und Gesundheitsfürsorge, für einen sozialen Ausgleich national und weltweit, für eine planetarische Kooperation zur Verbesserung der Lebensqualität für alle Lebewesen auf dieser Erde. Ein grundlegender Wandel setzt Veränderungen in allen Bereichen des Lebens voraus. Deswegen wendet sich die Initiative „anders besser leben“ an Menschen aus allen Bereichen und lädt sie ein, ihre besondere Farbe in das Spektrum einzubringen. Denn der bunte Regenbogen symbolisiert das Zusammenwirken aller Veränderungskräfte für die Schönheit des Lebens.
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Autoren |
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Halbach, Dieter
Nolte, Wolfram
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Partner
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