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Gutes Geld
erschienen in Ausgabe 125
Wolfram Nolte stellt das größte ethisch-ökologische Geldinstitut in Deutschland vor: die GLS Gemeinschaftsbank eG

Die GLS Gemeinschaftsbank eG (die Abkürzung GLS bedeutet „Gemeinschaft für Leihen und Schenken“) in Bochum, 1974 gegründet, ist die erste – und nach der Übernahme der Ökobank größte – ethisch-ökologische Bank in Deutschland. Für einen Teil der MitarbeiterInnen der GLS ist die Anthroposophie die Quelle ihres Engagements. Die GLS-Bank hat immer wieder innovative Geldanlagen und Bankdienstleistungen hervorgebracht. Insgesamt finanziert sie zur Zeit über 1400 zukunftsweisende, nachhaltige und innovative Projekte in ganz Deutschland.



Die GLS Gemeinschaftsbank eG gibt einen Teil ihrer Gewinne als zinsgünstige Kredite, vorwiegend an gemeinnützige Einrichtungen, weiter. Sie bildet Rücklagen zur Risikovorsorge und zur strategischen Weiterentwicklung der Bank. Die GLS-Bank arbeitet bundesweit und unterhält Filialen in Hamburg und Stuttgart. Durch die Übernahme des Ökobank-Geschäftes kommen ab 1.1.03 Filialen in Frankfurt und Freiburg hinzu. Die Bilanzsumme für das Jahr 2001 betrug rund 223,3 Millionen Euro, was einem Zuwachs von über 18,5% im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Die Zuwachsraten sowohl bei den Kundeneinlagen als auch bei den Kundenkrediten liegen deutlich über den Durchschnittswerten der sonstigen Kreditgenossenschaften. Die Bank hat nunmehr über 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die GLS Gemeinschaftsbank eG ist mit 61,3% an der GLS Beteiligungsaktiengesellschaft (BAG) beteiligt, die über ein Eigenkapital von 2,03 Millionen Euro verfügt. Die BAG stellt Beteiligungskapital für Unternehmer z. B. im Bereich Naturkost/Naturhandel zur Verfügung und verwaltet geschlossene Fonds, etwa im Bereich regenerative Energien.
Daneben arbeitet die GLS-Bank seit ihrer Gründung sehr eng mit der bereits 1961 gegründeten Gemeinnützigen Treuhandstelle e. V. Bochum (GTS) zusammen, einer stiftungsähnlichen Einrichtung. Die GTS verfügt über vielfältige Erfahrungen bei der Gestaltung von Schenkungen und Sondervermögen sowie in Testaments- und Erbschaftsfragen. Die Bilanzsumme der Treuhandstelle betrug per 31. 12. 2001 über 42,7 Millionen Euro.
Eines der Hauptmerkmale der GLS-Bank ist die Transparenz ihrer Geldanlagen. So werden die Kredite und die Projekte der GLS-Bank und der GTS regelmäßig im „Bankspiegel“ veröffentlicht. Zudem legt die Bank Wert auf eine umfassende Kundenberatung.
Ziel der GLS-Bank und der verbundenen Einrichtungen ist es, mit ihren ca. 24.000 Mitgliedern und Kunden neue Formen im Umgang mit Geld zu entwickeln, bei denen die Vorhaben anderer Menschen und Initiativen und nicht eine abstrakte Kapitalverzinsung im Vordergrund stehen. Die GLS Gemeinschaftsbank eG, die Gemeinnützige Treuhandstelle e.V. und die GLS Beteiligungs AG (alle drei haben ihren Hauptsitz in Bochum) leiten das Geld ihrer Sparerinnen und Sparer an gewerbliche, gemeinnützige, ökologische, soziale, reform-pädagogische und kulturelle Initiativen weiter. Für ca. 20% der vergebenen Kredite wird statt einer banküblichen Verzinsung ausschließlich eine kostendeckende Umlage berechnet. Dieser Satz liegt zur Zeit bei 4,4%.

Innovative Finanzinstrumente

Neben den klassischen Finanzierungsinstrumenten wie Grundschuld- und Kontokorrent-Krediten hat die GLS-Bank Kreditinstrumente entwickelt, die sich besonders zur Finanzierung bürgerschaftlichen Engagements eignen: Bürgerschaftskredite sowie Leih- und Schenkgemeinschaften. Bei einem GLS-Bürgerschaftskredit sichert eine Vielzahl kleiner persönlichen Bürgschaften einen Kredit ab. Eine Gruppe von 100 Menschen, die jeweils für 3000 Euro bürgen, kann damit beispielsweise die Sicherheit für einen Betrag von 300000 Euro bieten. Die Leih- und Schenkgemeinschaft dient der Vorfinanzierung von Spenden durch einen GLS-Kredit. Verpflichten sich beispielsweise 100 Unterstützer 4 Jahre lang einen monatlichen Beitrag von 50 Euro zu leisten, ermöglicht dies die Vorfinanzierung eines Betrages von 240000 Euro, der als Eigenkapital in einem Projekt eingesetzt werden kann. Im Einlagenbereich verfügt die Bank inzwischen über ein breites Angebotsspektrum mit den verschiedensten Laufzeiten und Geldanlageformen: Altersvorsorge, Ansparplan, Auszahlplan, Beteiligungsfonds (z.B. Windkraft), Festgeld, Mitgliedschaft (Genossenschaftsanteile à 100 Euro), Projektsparen, Sparkonto, Sparbriefe, Festgeld).
Von der GLS Gemeinschaftsbank eG werden bundesweit zusammen mit den Projekten der Ökobank über 2000 Projekte in den Bereichen ökologische Landwirtschaft, Naturkost, regenerative Energien, Freie Schulen und Kindergärten, Wohnprojekte (Altenwohnen, Ökosiedlungen), Medizin, Alten- und Jugendarbeit, Heilpädagogik, Sozialtherapie, Ausbildung, Kunst und Kultur durch günstige Kredite gefördert. Hier drei Beispiele:

Projekte für die Zukunft

Der 150 Hektar große biologisch-dynamisch bewirtschaftete Dottenfelderhof bei Frankfurt am Main, einer der Pioniere des ökologischen Landbaus, wurde 1968 gegründet.
Zurzeit leben auf dem Hof neun Familien, Gehilfen, Lehrlinge, PraktikantInnen und weitere Mitarbeiter. Neben vielseitigem Ackerbau, Viehhaltung, Obst- und Gemüsebau ist der Dottenfelderhof Wegbereiter einer modernen artgerechten Tierhaltung. Seit 1974 werden Einführungs- und Fortbildungskurse für biologisch-dynamischen Landbau angeboten. Seither wurden hier viele Hundert Landwirte ausgebildet, die überall in Deutschland eigene Höfe aufgebaut haben. Seit seinem Bestehen bemüht sich der Dottenfelderhof um die Erhaltung und Züchtung neuer Pflanzensorten als Alternative zur Gentechnologie.
Weitere Informationen: Dottenfelderhof, 61118 Bad Vilbel, Tel.(06101)529620, www.dottenfelderhof.de.
In der Gemeinde Schönau im Schwarzwald konnte zum ersten mal in der Geschichte Deutschlands eine Bürgerinitiative die Versorgungskonzession für ein lokales Stromnetz erringen. Heute wird dort ein mustergültiges ökologisches Energiekonzept verwirklicht. Diese Entwicklung wurde ermöglicht durch den von der GLS-Bank initiierten und verwalteten Energiefonds Schönau, an dem sich 237 Bürger aus Schönau und dem ganzen Bundesgebiet beteiligten und durch die Stiftung „Neue Energie“, an der sich 3000 Einzelspender, zahlreiche Bürgerinitiativen und politische Gruppierungen beteiligten. Die Elektrizitätswerke Schönau haben ihre ökologischen Ziele wie Stromeinsparung, rationelle Energieerzeugung durch Blockheizkraftwerke und regenerative Energiegewinnung konsequent durchgesetzt. Mittlerweile versorgen die Elektrizitätswerke Schönau rund 15.000 Verbaucher aus dem ganzen Bundesgebiet und fördern bundesweit Ökostromanlagen. Im Jahre 2001 betrug das Gesamtvolumen des bundesweiten Stromverkaufes 22,8 Millionen Kilowattstunden. Dabei werden die CO2-Emissionen um mehr als 70% gegenüber dem bundesweiten Durchschnitt reduziert. Weitere Informationen: Elektrizitätswerke Schönau, Neustadtstr. 8, 79677 Schönau, Tel (07673) 8885-0, www.ews-schoenau.de.
Das Erholungs-, Therapie- und Bildungszentrum Seka für Frauen und Kinder auf der kroatischen Adria-Insel Brac feiert dieses Jahr sein fünfjähriges Bestehen. Es wurde 1997 von Hamburger Frauen und antinationalistischen Frauengruppen aus Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Serbien und Slowenien gegründet. Seka ist die Abkürzung von Seminarna Kuca (Seminarhaus), aber auch das serbokroatische Wort für „geliebte Schwester/Freundin“. Seka will für Frauen und Kinder, die während des Krieges Schreckliches erlebt haben, einen Ort schaffen, an dem sie zur Ruhe kommen können und an dem ihnen Hilfe angeboten wird. Über 1000 Frauen und Kinder waren mittlerweile im Seka-Haus. Seka ist außerdem Teil des kroatischen Frauennetzwerkes für die Demokratisierung in Kroatien. Die Ökobank finanzierte den Hauskauf von Seka mit einem Förderkredit über 140.000 Euro.



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Nolte, Wolfram

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