Meditation des Ökophilosophen Henryk Skolimowski
Bei dem Wort „Yoga“ fällt uns zuerst Indien ein, obwohl auch andere Kulturen ähnliche Rituale und Praktiken kennen, die den Einzelnen mit dem Göttlichen, Soma mit Psyche, das Wissen mit dem Sein verbinden. Alle Religionen, denen eine pulsierende Lebendigkeit innewohnt, lehren ein Yoga-System. Die Rituale verschiedener religiöser Richtungen möchten nicht nur den Menschen zum Göttlichen hinführen, sondern auch zur Verwirklichung des höchsten Potenzials in jedem einzelnen Individuum verhelfen. Dies ist auch die Aufgabe aller großen Yogas. Eine lebendige Religion lädt dich ein, täglich am Göttlichen teilzuhaben, mit ihm in Berührung zu sein. In einer Religion, die im Niedergang begriffen ist, sind religiöse Praktiken nichts als leere Rituale. Wenn eine Religion ausgehöhlt ist, suchen die Menschen unweigerlich anderswo nach Ersatz.
Die alten Griechen des goldenen Zeitalters kultivierten ihre eigene spezielle Form von Yoga, auch wenn sie es nicht so nannten. Sie begriffen ihren Körper als Gefäß eines innewohnenden Gottes. Während sie ihre Körper ertüchtigten, wendeten sie sich der Poesie und feinsinnigen Diskursen zu, so dass sie physische mit der spirituellen Gesundheit vereinten. Wir praktizieren Yoga, um Gesundheit und Harmonie für unseren Körper zu erlangen, aber ebenso wichtig ist, dass durch das Yoga unser Geist Frieden findet. Wenn während deiner Yoga-Übungen dein Geist nicht in Frieden ist, werden sie nicht das bewirken, was möglich wäre.
Heutzutage können wir erst dann in uns wirklichen Frieden finden, wenn wir zum Frieden mit Mutter Erde gefunden haben. Die Erde heilen, so dass auch zukünftige Generationen eine Chance zum Leben haben, gehört zum Frieden des Geistes wie auch zum Frieden in unserem Körper. Das ist eine wichtige Botschaft des EcoYoga. Wenn es dir wirklich um Frieden für deinen Geist und die Harmonie in deinem Körper geht, kannst du dich der Verantwortung, den Planeten zu heilen, nicht entziehen. Die Erde zu heilen und dich selbst zu heilen, sind Aspekte desselben Prozesses. Im letzten Jahrzehnt hat sich ein machtvolles neues Symbol ausgeprägt: Gaia, wie die Griechen die Erdgöttin nannten. Als lebendige Mutter Erde in ihrer umfassenden Existenz, als die Quelle allen Lebens, wird Gaia zum Mittelpunkt des gemeinsamen Strebens der heutigen Menschen, zu einem neuen Mythos unserer Zeit. Die Identifikation mit Gaia hat neue Arten der Wahrnehmung, Praktiken und Rituale entstehen lassen. Der gemeinsame Kontext dieser Rituale ist eine Ehrfurcht, die einem Gottesdienst nahekommt. Daraus entsteht so etwas wie eine neue Religon, die dem Yoga der Ehrfurcht vor Mutter Erde folgt. Der gesamte Kosmos ist ihre Kirche!
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