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Energie- Medizin
erschienen in Ausgabe 124
Marco Bischof beobachtet Zeichen eines Paradigmenwechsels in der Medizin

Energiemedizin – was verbirgt sich hinter diesem Schlagwort? Marco Bischof zeichnet die Entwicklung dieser medizinischen Richtung nach, deren Wurzeln in der Medizin traditioneller Kulturen liegen. Ihr liegt die Vorstellung von einer Lebensenergie zugrunde, die über die Gesundheit bestimmt. Ein derartiges Weltbild wird von der Quantentheorie gestützt – doch kann man heute schon von einer neuen „Quantenmedizin“ sprechen?


Stellen Sie sich vor, Sie sind BürgerIn der Zukunft. Zu Ihrer Wohnung gehört auch eine „Gesundheitszelle“, die Sie regelmäßig aufsuchen, um sich über Ihren Gesundheitszustand zu informieren. Wenn Sie die Zelle aktivieren, tasten in den Wänden verborgene Sensoren die verschiedenen von Ihrem Organismus ausgehenden Energiefelder ab und melden die Daten über das Internet an einen zentralen Computer. Nach wenigen Sekunden sagt Ihnen die Gesundheitszelle, dass nichts Organisches vorliegt, aber eine leichte energetische Störung festgestellt wurde, und dass Sie gleich fünf Minuten lang mit den geeigneten Magnetfeld- und Lichtfrequenzen behandelt werden. Die freundliche Stimme erklärt, dass Sie diese Behandlung nun an jedem der nächsten vier Tage erhalten werden. Sie sollen auch das mit bestimmten Informationen „imprägnierte“ Glas Wasser trinken, das der Apparat bereits in einer kleinen Nische für Sie füllt, und die nächsten Tage den kleinen Informationsträger aus speziellem Material am Leib tragen, der von der Zelle für Sie ausgeworfen wird. Wenn Sie außerdem zwei Wochen lang auf scharfe Gewürze verzichten und täglich eine Stunde Fernsehen durch einen Abendspaziergang ersetzen, dann könnten Sie das andernfalls entstehende Magengeschwür noch verhindern …
Etwa so stellen sich manche Vertreter der so genannten Energiemedizin die Zukunft dieser neuen medizinischen Richtung vor. Der aus den USA zu uns gekommene Begriff ist der gemeinsame Name für eine Gruppe von Verfahren, die Energiefelder zur Diagnose und Therapie verwenden. Die Felder können die bekannten physikalischen Felder wie elektrische, magnetische oder elektromagnetische Felder, Schallwellen, mechanische Vibrationen oder Lichtwellen sein; eine wichtige Rolle spielt in der Energiemedizin aber auch die Möglichkeit von Feldern, die der Physik noch unbekannt und bisher nicht messbar sind. Dazu gehören z.B. das chinesische Qi, das indische Prana oder das Orgon Wilhelm Reichs. Solche Lebenskraftvorstellungen spielen eine zentrale Rolle in außereuropäischen Medizinsystemen wie der traditionellen chinesischen Medizin (TCM), zu der die Akupunktur gehört, im Ayurveda und der Yogamedizin oder in der Medizin der nordamerikanischen Indianer. Energiemedizinische Konzepte sind auch aus der medizinischen Vergangenheit unserer eigenen Kultur, bis zum Aufstieg der wissenschaftlichen Medizin Ende des 19. Jahrhunderts, nicht wegzudenken. Zur heutigen Energiemedizin zählt man sowohl Methoden, die natürliche Energiefelder verwenden – vom Handauflegen oder Geistheilen über Yogatherapie bis zur Homöopathie, der Bachblütentherapie und dem Kristallheilen –, wie auch solche, die künstlich erzeugte Felder verwenden, von farbigem Licht, Magnetfeldern oder heilenden Klängen bis zu Elektroakupunktur, Bioresonanztherapie, Radionik, „Orgonstrahlern“ und „Tachyonenfeldgeneratoren“.

Traditionelle Lebensenergiekonzepte in Ost und West

Die moderne westliche Schulmedizin ist vermutlich die einzige medizinische Tradition in der menschlichen Geschichte, die (seit etwa 1850) ohne ein solches Lebensenergiekonzept auskommen zu können glaubt. Lebensenergiekonzepte gehen in die früheste menschliche Vorgeschichte zurück und dürften auf Wahrnehmungen beruhen, die der Mensch in Körperempfindungen und in der „Atmosphäre“ um sich herum und zwischen sich und anderen gemacht hat. Wie der französische Völkerkundler Lucien Levy-Bruhl schreibt, war der archaische Mensch „weniger an der Unterscheidung von Gegenständen interessiert, als an der Wahrnehmung einer hinter allen Erscheinungen stehenden Essenz oder eines Prinzips, dessen Intensitätsgrad und Wohlgesonnenheit oder Übelgesonnenheit er zu unterscheiden versuchte“. In diesem Prinzip ist aber, im Gegensatz zu den modernen physikalischen Feldern und Energien, noch Subjektives und Objektives, Materielles und Psychisch-Geistiges vereint. Ursprünglich wurde es wohl einfach als Gegenwart des Göttlichen, als Präsenz einer „Kraft“ oder „Macht“ erlebt. Namen dafür kennen wir erst aus geschichtlicher Zeit. Die Völkerkunde verwendet dafür gern den Begriff des Mana, der aus der Südsee stammt. In der Medizin der verschiedensten Kulturkreise spielen Lebensenergiekonzepte eine zentrale Rolle. Aus der chinesischen Medizin ist uns das Qi bekannt, das in den zwölf Energiekanälen der Akupunkturmeridiane fließen und die Tätigkeit der Organe und physiologischen Systeme regulieren soll. Yoga, ayurvedische Medizin und der Tantrismus Indiens kennen das Prana und die Kundalini-Energie als dynamische Grundlagen des Geschehens im leib-seelischen Organismus. Das Konzept der „Medizin“ der nordamerikanischen Indianer bezieht sich auf das Wirken einer Kraft – bei den Irokesen Orenda, von den Algonkins Manitu, im Stammesverband der Sioux Wakonda oder Wakan genannt – , die bestimmten Gegenständen, Menschen oder Orten in besonderem Maße eigen ist und durch Rituale, Schwitzbäder, Trancen, Musik, bestimmte Pflanzen oder andere Mittel hervorgerufen oder verstärkt werden kann. Aus den hippokratischen Schriften des antiken Griechenland, Ursprung sowohl der wissenschaftlichen Medizin wie auch der Ganzheitsmedizin, geht klar hervor, dass auch die Urväter der westlichen Medizin das Wirken einer Lebenskraft als Grundlage der Medizin ansahen. Krankheit und Gesundheit werden als Zustände des dynamischen Gleichgewichtssystems von vier „Säften“ im Organismus betrachtet. Wie Annie Berner-Hürbin in ihrem wichtigen Buch „Hippokrates und die Heilenergie“ gezeigt hat, sind diese aber eher als Wandlungsformen einer Lebensenergie denn als materielle Flüssigkeiten zu verstehen. Die Vorgänge in diesem Hauptregulationssystem des Organismus verstand der hippokratische Arzt als Ausdruck der Tätigkeit der Physis, der Natur, die als Lebens- und Selbstheilkraft zu verstehen ist, und die wir heute vielleicht als Selbstregulationsfähigkeit des Organismus bezeichnen würden. Sie ist es, die Störungen im Organismus ausgleicht und die verlorene Ganzheit und Harmonie ausgleicht. Der hippokratische Arzt versteht sich als Diener und Helfer dieser Kraft, der das natürliche Streben nach Wiederherstellung des Gleichgewichtes nur zu unterstützen braucht. Wesentlich für die Heilung ist die aktive Mitwirkung des Patienten, die vor allem in der Gestaltung einer Lebensführung besteht, bei der es auf das rechte Maß in allem ankommt. Die Heilkunst hilft dem Menschen, sich selbst, d.h. die eigene körperliche und seelisch-geistige „Konstitution“, kennen zu lernen, mit sich selbst zurecht zu kommen und den für jeden Lebensabschnitt optimalen Lebensstil zu entwickeln. Als therapeutische Interventionen werden neben Diät, Gymnastik und Musiktherapie vor allem Traumtherapie (Tempelschlaf) und psychische Katharsis, also die gezielte Erzeugung veränderter Bewusstseinszustände, verwendet. Lebensenergiekonzepte finden sich in der europäischen Biologie- und Medizingeschichte bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts und werden meist als „Vitalismus“ bezeichnet. Wie schon bei den Begründern des Vitalismus, dem Deutschen Georg Ernst Stahl (Ende des 17. Jh.) und den Franzosen Theophile de Bordeu und Paul Joseph Barthez (18. Jh.), entwickelte sich diese Richtung als Alternative zur aufsteigenden mechanistischen Auffassung des Lebens. Auch Samuel Hahnemann, der Begründer der Homöopathie (spätes 18. Jh.), war ein Vertreter dieser frühen Energiemedizin; er sah in der „Verstimmung der Lebenskraft“ die Ursache der Krankheiten. Zusammen mit der hippokratischen Tradition lebte der Vitalismus in der Biologie und Medizin der Romantik noch ein letztes Mal auf, bevor er mit dem Aufkommen der „wissenschaftlichen Medizin“ in Naturheilkunde und Volksmedizin abgedrängt wurde. Christoph Wilhelm Hufeland, berühmtester Vertreter der romantischen Medizin, betonte, dass jeder Mensch entsprechend seiner Lebenskraft anders auf krankmachende und therapeutische Reize reagiere; der Reaktionsfähigkeit des Organismus komme die zentrale Rolle in Erkrankung und Heilung zu. Als wichtiger Vorläufer der neuen Energiemedizin muss selbstverständlich der Arzt Franz Anton Mesmer genannt werden, dessen Lehre vom „animalen Magnetismus“ nicht nur am Ursprung von Hypnoseforschung und Psychoanalyse stand, sondern auch der erste Versuch war, die Heilung mit Lebensenergie ins wissenschaftliche Zeitalter zu überführen.

Die Globalisierung der Medizin und die neue Energiemedizin

Der Begriff der „Energiemedizin“ selbst kam Mitte der 80er-Jahre in den USA auf, als man eine Bezeichnung für die durch die Begegnung der westlichen Medizin mit nichtwestlichen Medizinsystemen reaktivierten ganzheitlichen Ansätze suchte. Wie „Der SPIEGEL“ vor kurzem schrieb, erleben wir derzeit eine „Globalisierung der Medizin“, durch die eine Art von „globalisierter postmoderner Medizin“ zu entstehen beginnt, in der eklektisch Elemente aus allen Weltmedizinen, teils in Hightech-Technologien umgesetzt, teils in der Form von einfachen, naturnahen Anwendungen, kombiniert mit westlicher Medizin, eingesetzt werden. Diese Entwicklung begann 1972, als der Bericht des prominenten amerikanischen Journalisten James Reston über seine Blinddarm-Notoperation in China, mit nur ein paar Akupunkturnadeln gegen den Schmerz, ein großes Interesse der westlichen Wissenschaft für die chinesische Medizin und entsprechende Grundlagenforschungen auslösten. Zur gleichen Zeit hatten auch Psychophysiologen damit begonnen, die außergewöhnlichen Fähigkeiten indischer Yogis zur physiologischen Selbstregulation zu dokumentieren und zu erforschen, was zur Biofeedbackforschung führte. 1978 empfahl die Weltgesundheitsorganisation WHO in der „Erklärung von Alma-Ata“ zur weltweiten Sicherstellung der medizinischen Grundversorgung die Einbeziehung der traditionellen Medizinsysteme. Damit wurde eine Wende eingeleitet: Die traditionellen nichtwestlichen Medizinsysteme der Hochkulturen (wie China und Indien) und die Ethnomedizin „primitiver“ Völker sollten nicht mehr ignoriert und zugunsten der westlichen Medizin unterdrückt, sondern ihre Mitarbeit gesucht werden.
Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit den energiemedizinischen Konzepten fremder Kulturen verlieh nun auch beinahe vergessenen ganzheitsbiologischen und -medizinischen Ansätzen der ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts wieder neues Leben, in denen Biologen und Mediziner die alte hippokratische Tradition auf ein wissenschaftliches Fundament gestellt hatten. Ein moderner energiemedizinischer Ansatz begann sich abzuzeichnen, in dem nicht nur Elemente westlicher biophysikalischer Konzepte und Methoden mit östlichen „Feldtheorien“ (wie etwa dem Qi-Konzept der TCM oder Vorstellungen der indischen Yoga- und Tantra-Physiologie) zusammenflossen, sondern auch Erkenntnisse und Vorstellungen aus Gebieten wie Psychosomatik, Biofeedback- und Selbstregulationsforschung, Meditationsforschung, transpersonaler Psychologie, Parapsychologie und Ethnomedizin. Grundelemente dieses neuen Konzepts sind ein psychobiologischer Ansatz, Einbeziehung transpersonaler und spiritueller Aspekte, ein regulationstherapeutisches Konzept mit Bevorzugung elektromagnetischer oder anderer nichtsubstantieller Einwirkungen statt chemischer oder chirurgischer Maßnahmen, die Betonung der Rolle körpereigener Energiefelder und die Betrachtung des Organismus als feldartiges Element innerhalb der umfassenderen Felder seiner Umwelt. Ein wichtiger Aspekt ist auch die Annahme einer kausalen Rolle des Bewusstseins – Geist und Körper stehen nicht nur isoliert nebeneinander, sondern der Geist ist ebenso in der Lage, das Körpergeschehen direkt zu beeinflussen, wie körperliche Prozesse auf den Geist einwirken. In Russland, wo dafür der Begriff „bioenergetische Medizin“ geprägt wurde, hat ein ähnlicher Ansatz bereits eine längere Tradition. In den USA kam der Begriff der „Energiemedizin“ in den 80er-Jahren auf, und wurde erstmals anlässlich einer wissenschaftlichen Konferenz sichtbar, die vom 27. Februar bis 1. März 1987 in Madras (Indien) abgehalten wurde und an der mehr als 60 Vorträge und Posterpräsentationen von Ärzten und Forschern aus den USA und Kanada, Russland, Indien, Japan und England stattfanden. Sie wurde von der bekannten John-E.-Fetzer-Stiftung (Kalamazoo, Michigan) gesponsert, der viele alternativmedizinische Initiativen und Forschungsprojekte ihre finanzielle Unterstützung verdanken. Seit 1989 gibt es auch eine internationale Fachgesellschaft, die „International Society for the Study of Subtle Energies and Energy Medicine“ (ISSSEEM) in Arvada, Colorado. In ihr sind mehrere tausend Ärzte, Psychologen, Wissenschaftler und nichtärztliche Therapeuten hauptsächlich aus den USA, aber auch vielen anderen Ländern zusammengeschlossen; sie veranstaltet jedes Jahr eine große Konferenz und gibt die vielbeachtete Fachzeitschrift „Subtle Energies and Energy Medicine“ heraus. Inzwischen gibt es auch in Deutschland solche Fachgesellschaften und Institute, wie z.B. das Wilhelm-Reich-Institut in Berlin, die Deutsche Gesellschaft für Energetische und Informationsmedizin in Stuttgart, das Institut für Resonanztherapie in Lünen/Westfalen und das Berliner Institut für Energiemedizinische Systeme.

Ist der Begriff „Energie“ angemessen?

Die Tauglichkeit des „Energie“-Begriffs, der ähnlich wie in der hiesigen Esoterik-Szene ursprünglich als „Schlachtruf“ auf die Notwendigkeit einer Ergänzung der soliden Aspekte des Organismus durch den feldartigen Aspekt und auf die Existenz nichtsubstantieller Wechselwirkungen hinweisen sollte, ist jedoch in den letzten Jahren zunehmend in Frage gestellt worden. In der ISSSEEM beschränkt man heute den Begriff der Energiemedizin auf den Bereich bekannter physikalischer Felder, also in erster Linie elektromagnetische Felder, während für einen zusätzlich angenommenen Bereich noch nicht messbarer Felder nach einem Vorschlag von Albert Einstein der Begriff subtle energies verwendet wird. Statt den Begriff „Energie“ zu verwenden, wäre es wohl besser, vom Feldaspekt des Organismus zu sprechen. Dieser besteht vermutlich außer aus den elektromagnetischen Feldern (einschließlich Biophotonen) aus einem oder mehreren Feldern bisher unbekannter Natur, möglicherweise sogar fundamentaler als das elektromagnetische Feld. Außerdem sprechen die beobachtbaren Wirkungen dieser unbekannten, nicht messbaren, aber teilweise indirekt nachweisbaren Felder oft weniger für eine Energieübertragung, sondern eher für eine Auslösung (Triggerung) von Prozessen durch Informationsübertragung. Aus diesem Grund sprechen die Russen heute teilweise von einer „Bioenergoinformatik“ und wird im Westen der Begriff der „Informationsmedizin“ verwendet.
Von ihrer Geschichte her und aus ihrem Wesen heraus ist die Energiemedizin vor allem eine diagnostische und therapeutische Anwendung natürlicher, vor allem vom Menschen selbst ausgehender Energiefelder. In diesem Sinne gehören zu ihr Gebiete wie Geistheilung, Handauflegen, schamanistisches Heilen, Reiki, Yogamedizin, Taiji, daoistische Energiemedizin, die Reichsche Orgonmedizin und der bewusste Umgang mit zwischenmenschlichen Feldern und Energien, wie ihn einzelne Psychotherapeuten praktizieren. Da die moderne westliche Energiemedizin aber versucht, die traditionellen Energiekonzepte mit westlichen wissenschaftlichen Methoden und Konzepten zu begründen und zu erklären, wird unter dem Begriff der Energiemedizin auch (und oft ausschließlich) die Anwendung elektromagnetischer Felder und Ströme wie die Magnetfeldtherapie oder die Elektroakupunktur nach Voll mit ihren vielen Tochtermethoden verstanden. So zählt man zur Energiemedizin die Anwendung von Geräten, die wie die MORA-Methode, die Bioresonanztherapie, die Radionik oder die unzähligen Orgonstrahler, Tachyonenfeldgeneratoren etc. angeblich oder tatsächlich der Physik bisher nicht bekannte Felder erzeugen oder sie vom Menschen aufnehmen und umwandeln. Für elektromagnetische Felder und elektrische Ströme ist die Physik zuständig; wenn es sich um die Einwirkung solcher Felder auf Lebewesen oder die Existenz von Feldern handelt, die von Organismen abgegeben werden, ist die Biophysik angesprochen, und auch auf die Frage nach der Existenz neuartiger Felder hin müsste zunächst die Physik befragt werden. Wie weit kann sich die Energiemedizin auf naturwissenschaftliche Grundlagen berufen ?

Quantenbiologie und Quantenmedizin

Tatsächlich bildet sich in den letzten Jahren eine neue, ganzheitlich orientierte Biophysik heraus, die auf einem Feldmodell des Lebens aufbaut, zum ersten Mal in der Geschichte der Biophysik auch die Erkenntnisse der Quantenrevolution berücksichtigt und auf dieser Grundlage auch hofft, das Bewusstsein als wesentliches Element der menschlichen Existenz einbeziehen zu können. In der Entwicklungsbiologie der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts haben prominente Forscher wie Hans Driesch, Hans Spemann, Joseph Needham, Ross Harrison, Paul A.Weiss und Alexander Gurwitsch mit dem Konzept „biologischer Felder“ oder „morphologischer Felder“ gearbeitet, um die Formbildungsprozesse im Laufe der Entwicklung vom befruchteten Ei zum ausgewachsenen Organismus zu verstehen. Während diese Biologen sich nicht festlegen mochten, ob es sich dabei um reale physikalische Felder handle oder um eine bloße Hilfsvorstellung, gab es bereits in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts Biologen und Mediziner wie Rudolf Keller, George W. Crile, Elmer J. Lund, Georges Lakhovsky und Harold S. Burr, die die Existenz elektromagnetischer Biofelder annahmen. Die Grundlage für die modernen Vorstellungen legte dann in den 60er-Jahren der Russe Alexander Presman auf der Basis der erfolgreichen sowjetischen Bioelektromagnetik-Forschung. Nach Presman ist der Organismus als komplexes Resonanzgefüge von dynamischen Feldern zu verstehen, die an die feste Materie gekoppelt sind. Die verschiedenen Felder innerhalb des Organismus sind ihrerseits Teil eines den gesamten Organismus umfassenden Feldes, das wiederum durch Resonanzen in die Felder von Umwelt und Kosmos eingefügt ist. Diese Hierarchie von Feldern vermittelt, wie Presman annahm, sowohl den Zusammenhalt, die Koordination wie auch die Kommunikation zwischen den Teilchen (und Teilen) des Organismus, wobei in allen diesen biologischen Funktionen der elektromagnetischen Felder neben den energetischen Wirkungen auch informative Wirkungen eine Rolle, wenn nicht gar die Hauptrolle spielen. Dass solche sehr schwachen, aber dennoch bedeutsamen körpereigenen elektromagnetischen Felder existieren, sowohl im optischen Bereich – die „Biophotonen“ im engeren Sinn im Frequenzbereich von UV- und Infrarotstrahlung sowie des sichtbaren Lichts – wie auch die Biophotonen im weiteren Sinn im langwelligeren Bereich von Radio- und Mikrowellen, ist heute anerkanntes Wissen.
Zur Herausbildung einer eigentlichen Quantenbiologie bzw. Quantenmedizin, deren erste Konturen heute sichtbar werden, waren jedoch noch weitere Grundlagen notwendig. Am Ursprung dieser Entwicklung stand die Tradition einer nicht-reduktionistischen Physiologie, in der etwa das Konzept der Homöostase (Selbstregulation) eine zentrale Rolle spielt und aus der sich auch Kybernetik und Systemtheorie entwickelten. Zu den Wurzeln einer solchen ganzheitlichen Biophysik gehört aber auch die ganzheitliche Tradition in der Medizin. Sowie sie sich anschickt, die Folgerungen der Quantenrevolution zu verarbeiten und ein „Quantenbild“ des Lebens zu entwickeln, wird klar, dass das Bild des Lebens der ganzheitlichen biologischen Medizin aus hippokratischer Tradition weit besser den Prinzipien der nachklassischen Physik entspricht. Zu diesen Grundlagen der neuen Quantenbiologie gehören neben der Quantentheorie unter anderem auch die durch den Nobelpreisträger Ilya Prigogine bekannt gewordene Nichtgleichgewichts-Thermodynamik offener Systeme, die Relativitätstheorie und die Physik des Vakuums.

Makroskopische Quantenphänomene

Bereits seit den 20er-Jahren hat sich das Konzept des lebenden Organismus als eines „offenen Systems“ „fern vom thermodynamischen Gleichgewicht“ entwickelt, das auch die Möglichkeit nicht-mechanischer Ordnungsprinzipien durch Prigogines „dissipativen Strukturen“ und der Selbstorganisation durch Energiezufuhr beinhaltet. Der spätere Nobelpreisträger Erwin Schrödinger verknüpfte dann diese Erkenntnis mit der Quantentheorie und legte damit eine der wichtigsten Grundlagen für die Quantenbiologie. Er zeigte, dass lebende Organismen eine ähnliche makroskopische Ordnung besitzen wie unbelebte Systeme nahe am absoluten Temperatur-Nullpunkt. Dies widerlegte die bisherige Annahme, dass quantenmechanische Gesetze nur in der unsichtbaren Mikrowelt anwendbar seien, während der makroskopische Bereich unserer Erfahrung von den Gesetzen der klassischen Physik beherrscht werde. Es gibt auch makroskopische Quantenphänomene, eine Erkenntnis, die gerade für die Biophysik grundlegend ist. In der modernen Physik der Superfluidität und Supraleitung wurde dann vollends die Möglichkeit „kollektiver Zustände“ erkannt, in denen eine große Zahl von Teilchen sich wie ein Ganzes verhalten und dabei gleichzeitig quantenhaftes und klassisches Verhalten zeigen. Ende der 60er-Jahre wies Herbert Fröhlich darauf hin, dass das von Prigogine festgestellte kohärente Verhalten von Teilchen auf elektromagnetischen Feldern beruht, die die Teilchen erst zu einem ganzheitlichen Verhalten verbinden, und dass eine solche „Kohärenz“ charakteristisch für lebende Organismen ist. Wichtig für das neue Bild des Lebens ist auch die Erkenntnis der Nichtlinearität vieler Wirkungszusammenhänge in komplexen Systemen, was die mechanistischen linearen Kausalitätsvorstellungen über den Haufen wirft und, unter anderem, begründet, warum im biologischen Geschehen kleine und kleinste Ursachen große Wirkungen haben können und warum biologische Systeme über eine so große Sensitivität für schwache Reize verfügen. Erst in den letzten Jahren wurden die für die Praxis bedeutsamen philosophischen Konsequenzen aus dem Weltbild der Quantenmechanik gezogen, die vorher den meisten Physikern nur als Rechenmethode zur Berechnung von Molekülen und ihren Wechselwirkungen diente. Es ist die Erkenntnis der grundlegenden Ganzheitlichkeit der Realität, die aus der Quantenmechanik hervorgeht, und die sich in den Eigenschaften der quantenmechanischen Nichtlokalität, Untrennbarkeit und fundamentalen Verbundenheit äußert. Wie der bekannte Schweizer Quantenchemiker Hans Primas schreibt, geht zwingend aus der Quantentheorie hervor, dass die Realität ein unteilbares Ganzes bildet, das keine Teile besitzt. Vor allem seit dies in den so genannten Einstein-Podolsky-Rosen-Korrelationen mathematisch präzise formuliert worden ist, muss die Quantenmechanik als erste und bisher einzige exakte holistische Theorie in der Physik angesprochen werden.
In den letzten Jahren sind die eigenartigen ganzheitlichen Eigenschaften der Wirklichkeit, die man theoretisch noch nicht vollständig versteht, in unzähligen Experimenten bestätigt worden: Teilchen, die räumlich getrennt sind und nicht miteinander wechselwirken, bleiben trotzdem auf rätselhafte Art miteinander verbunden. Man muss daraus schließen, wie es der Einstein-Schüler David Bohm vorgedacht hat, dass es neben der uns vertrauten Ebene der Realität, die aus räumlich getrennten Gegenständen oder Objekten besteht, noch eine fundamentalere Ebene (oder Aspekte der Wirklichkeit) gibt, in der alles mit allem anderen verwoben und verbunden ist und eine unteilbare Ganzheit bildet. Die erste Ebene, die Bohm die „explizite Ordnung“ nennt (von lateinisch explicare, entfalten), ist die Objektwelt, die wir mit den Sinnen wahrnehmen und mit den Instrumenten der Physik messen; die zweite Ebene, von Bohm „implizite Ordnung“ genannt, ist eine Dimension außerhalb von Raum und Zeit, in der alles in „eingefalteter“, potenzieller Form existiert. Es ist eine Dimension reiner Schwingung, eine Welt der Möglichkeiten, aus der die Tatsächlichkeiten der expliziten Ordnung durch „Entfaltung“ entstehen. Sie hat holografische Eigenschaften, d.h. jeder Punkt in ihr enthält das Ganze, und was in der expliziten Ordnung ein lokalisiertes Objekt ist, ist hier über das Ganze verteilt. Die implizite Ordnung bildet somit eine unserer erlebten Wirklichkeit zugrundeliegende tiefere Dimension der Realität, aus der die Objekte und Körper hervorgehen wie Wellen aus einem Ozean. Alle Objekte, also auch der materielle und individuelle Aspekt des Menschen, sind wie Eisberge, die über der Wasserlinie (in der Objektwelt) getrennt zu sein scheinen, darunter (in der expliziten Ordnung) aber eine Einheit bilden. Aus diesem Urgrund der Wirklichkeit geht nach Bohm auch das Bewusstsein hervor, so dass er eine Realitätsebene darstellt, auf der das Subjekt des Wahrnehmenden und das Objekt des Wahrgenommenen noch eins sind.

Neue Aspekte des Elektromagnetismus und die Physik des Vakuums

Diese fundamentale Ebene der Ganzheit wird von der neuen Biophysik als Grundlage für ein ganzheitliches Verständnis des Organismus betrachtet. Bohms Konzept der impliziten Ordnung ist aber nur eine Variante des so genannten Vakuums. Dieser Begriff bezeichnet in der modernen Physik jedoch längst nicht mehr den „leeren Raum“, sondern einen Zustand des Raums, den quantenmechanischen Zustand niedrigster Energie und größter Stabilität, der den „Grundzustand“ jedes physikalischen Systems bildet. Die Quantenfeldtheorie behandelt alle physikalischen Systeme als Feldsysteme, in denen die verschiedenen Felder und Teilchen als Anregungszustände des Vakuumzustandes betrachtet werden. Die modernen physikalischen Einheitstheorien haben gezeigt, dass allen bekannten Feldtypen, vom Elektromagnetismus über die Materiefelder bis zur Gravitation, ein „vereinheitlichtes Feld“ zugrundeliegt. Dessen Grundzustand nenne ich, etwas unkonventionell, das „fundamentale Vakuumfeld“. Es ist ein nichtmaterielles Medium, das den gesamten Raum durchdringt bzw. noch fundamentaler als Raum und Zeit ist. Erst mit der Einführung des Vakuums als einem Bereich reiner Potenzialität, der aktiv-kreativ die Prozesse der Erscheinungswelt aus sich heraus manifestiert, können wir die Eigenart des Lebens verstehen. Makroskopische Quantenzustände sind nämlich eine Widerspiegelung von Eigenschaften und Strukturen des Vakuums; sie vereinigen quantenhafte Unbestimmtheit, Offenheit, „Flüssigkeit“ und Kreativität mit dem klassischen Charakter der Formbeständigkeit und Objekthaftigkeit, und eignen sich somit hervorragend für die physikalische Beschreibung von Organismen. Erst die Theorie der makroskopischen Quantenzustände kann beschreiben, wie sich aus einem Bereich reiner Potenzialität konkrete, eindeutige, objekthafte makroskopische Zustände manifestieren und wie diese dank ihrer fortdauernden Verwurzelung in diesem „Urgrund“ lebendig, kreativ und entwicklungsfähig bleiben – darauf kommt es in der Biologie und Medizin an. Damit wird die hohe Bedeutung des Vakuums für die Quantenbiologie klar, und die neue Disziplin einer „Vakuum-Biophysik“ könnte bald zum Herzstück des neuen biophysikalischen Lebensbildes werden. Für Bohm und eine ganze Reihe weiterer Vordenker in der Wissenschaft bildet das Vakuum eine Art Umsetzungsbereich zwischen einer noch grundlegenderen Ebene eines kosmischen Bewusstseins und dem physischen Körper, und zeigt deshalb selbst transpersonale, bewusstseinshafte Aspekte. Zwischen dem Vakuum und dem physischen Körper wiederum, zu dem ich jetzt auch die mit diesem eng verbundenen bioelektromagnetischen Felder zähle, vermutet man heute einen weiteren Zwischenbereich. Ihm gehören vermutlich jene nicht-elektromagnetischen Felder oder subtle energies an, die im Konzept der Energiemedizin eine zentrale Rolle spielen. Unter Begriffen wie „Potenzialfelder“, „Quantenfelder“ oder „Skalarwellen“ tauchen diese Felder in letzter Zeit vermehrt in der Diskussion auf, allerdings meist als reine Schlagworte ohne wissenschaftliche Grundlage. In der gegenwärtigen Diskussion über eine Erweiterung der elektromagnetischen Theorie spielen die Potenziale eine Schlüsselrolle. Seit der Entdeckung des „Aharonov-Bohm-Effektes“ weiß man, dass elektromagnetische Potenziale, die keine Kraftfelder wie die elektromagnetischen Felder, sondern eher eine Art von Informationsfeldern sind, eine physikalische Realität darstellen und messbare physikalische Wirkungen besitzen. Sie sind fundamentaler als die elektromagnetischen Kräfte, die aus ihnen entstehen, und die eigentlich nur praktische Begriffe für die beobachteten Energie- und Impuls-Übertragungsraten in der elektromagnetischen Wechselwirkung darstellen. Nach William Tiller haben die Potenziale eine wichtige vermittelnde Funktion zwischen den subtle-energy-Feldern des fundamentalen Vakuums des vereinheitlichten Felds einerseits und den elektromagnetischen Feldern sowie der festen Materie auf der anderen Seite. Durch ihre Vermittlung steuern die Impulse aus diesem Informationsfeld die Struktur von materiellen und elektromagnetischen Prozessen. Obwohl sie bisher nicht bestätigt werden konnten, scheinen eine Reihe von Experimenten, die der amerikanischen Neurobiologe Glen Rein seit 1987 durchgeführt hat, zu zeigen, dass Potenzialfelder auch biologische Wirkungen besitzen. Es erwies sich, dass die Aufnahme von Neurotransmittern durch Nervenzellen und das Wachstum von menschlichen Lymphozyten durch die Potenzialfelder beeinflusst werden kann. Die Wirkung der Potenziale war jeweils 20 bis 250 Prozent stärker als diejenige der entsprechenden elektromagnetischen Felder. Quantenfelder sind im Gegensatz zu den Feldern der klassischen Physik nichtlokale, nicht-kausale Felder, die Wahrscheinlichkeiten für Ereignisse beeinflussen, nicht aber konkrete, lokalisierte Ereignisse kausal bestimmen – es sind also Informationsfelder. Der Begriff „Skalarwellen“ wurde durch die Arbeiten des amerikanischen Physikers Thomas E. Bearden bekannt und ist eine eigenwillige, aber interessante Umdeutung des Begriffs der Skalarpotenziale. Bearden hat eine „Theorie der skalaren Elektromagnetik“ aufgestellt, in der die Potenziale ebenfalls eine zentrale Rolle spielen. Skalarwellen sind in seiner Interpretation sich wellenhaft fortpflanzende Verdichtungen und Verdünnungen im skalaren Potenzial des Vakuums. Bearden hat aus seiner Theorie auch interessante Folgerungen für Biologie und Medizin gezogen und eine eigene Vorstellung von Energiemedizin entworfen. Skalarwellen spielen auch eine zentrale Rolle in dem Psi-Feld-Modell, das Ervin Laszlo in seinem Buch „Das fünfte Feld“ als Grundlage für ein neues wissenschaftliches Paradigma vorschlägt.

Kohärente Felder und die Bedeutung des Bewusstseins

Im Gegensatz zu den außen an den untersuchten Organismen gemessenen Biophotonen ist vermutlich auch das unmessbare hochkohärente Biophotonenfeld im Inneren der Zelle, das den gesamten Körper durchdringt und aus dem die gemessenen Biophotonen abgegeben werden, kein elektromagnetisches Feld im üblichen Sinne, sondern ein Vakuumfeld. Diese Vermutung wurde von Fritz-Albert Popp, der es als den Bereich der „potenziellen Information“ im Organismus bezeichnete, bereits 1985 geäußert. Bernd Zeiger hat in seinem Modell des „superflüssigen Vakuums“, das er in die Biophotonenforschung eingeführt hat, die Existenz zweier verschiedener Grundzustände vorgeschlagen. Ein „absoluter“, kollektiv-kohärenter Grundzustand (Vakuumzustand), gebildet von dem an die Materie gekoppelten, superflüssigen, kondensierten Strahlungsfeld der im Organismus gespeicherten Photonen, verleiht dem Organismus ein ruhiges Hintergrundfeld, das alle Komponenten des Organismus durch langreichweitige Phasenbeziehungen untereinander und mit der Umgebung verbindet und Popps „potenzieller Information“ entspricht. Während dieses Vakuum in sich ruht und nicht auf äußere Reize eingeht, ist der zweite, „relative“ Grundzustand ein interaktives Vakuum, das aus den Anregungszuständen des ersten besteht und für die Flexibilität des Organismus sorgt. Die sogenannte „Energielücke“ zwischen beiden Vakuumzuständen schützt den absoluten Grundzustand vor Störungen und liefert dem Biophotonenforscher ein wesentliches Maß für den Zustand des Organismus, an dem sich z.B. seine Gesundheit oder die Keimfähigkeit und Vitalität bei Samen ablesen lassen.
Solche und ähnliche physikalische Vorstellungen werden zu Hilfe gerufen, um die zahlreichen Phänomene von feldartigen Zuständen zu erklären, die in der Energiemedizin und auf anderen Gebieten seit langem bekannt sind und bisher nicht erklärt werden konnten. Dazu gehört zum Beispiel die wohlbekannte Erscheinung der „emotionalen Ansteckung“ und anderer „Übertragungserscheinungen“ in Psychiatrie, psychotherapeutischen Situationen und auch im Alltag. Wer hat nicht schon das fast greifbare psychische Feld erfahren, das unter besonderen Umständen zwischen Menschen, vor allem in Gruppen, bewusst wird und dessen Wahrnehmung wir gerne unterdrücken, weil uns der drohende Verlust unserer Ich-Grenzen Angst macht? Momente telepathischer Übermittlung auf weite Distanz zwischen Menschen, die sich nahe stehen, sind ebenfalls vielen von uns vertraut. Solche Feldphänomene sind teilweise, zumindest indirekt, auch durch Messungen nachweisbar, wie Jacobo Grinberg-Zylberbaum, William Braud und andere Wissenschaftler gezeigt haben. Auch in der Gehirnforschung arbeitet die Wissenschaft mit der Hypothese von nicht-elektromagnetischen Feldern und Vakuumfeldern. Zunehmend verbreitet sich hier die Auffassung, das Bewusstsein nicht als eine Sammlung von Gedanken, sondern als ein dynamisches Feld zu sehen. Möglicherweise ist das Bewusstsein nicht nur ein individuelles, privates Geschehen, das sich räumlich auf den Bereich beschränkt, den das Individuum mit seinem physischen Körper einnimmt, sondern etwas, das räumlich unbegrenzt und allen Menschen eigen ist, ähnlich dem kollektiven Unbewussten C.G. Jungs. Mit anderen Worten, Bewusstseinsprozesse wie Denken, Fühlen, Vorstellen, Erinnern usw. würden sich in einem das ganze Universum oder zumindest den Raum der Erde erfüllenden Feld abspielen, mit dem der einzelne Mensch verbunden ist wie ein Radioempfänger mit dem Wellenfeld eines Senders. Aus diesem greift er sich durch Einstellung auf bestimmte „Sendefrequenzen“ Teilinformationen des Gesamtfeldes ab, die dann in seinem individuellen Feld manifestiert werden. Prominenter Verfechter dieser Auffassung ist der amerikanische Arzt und bekannte Autor Larry Dossey, der auch das Konzept einer neuen Stufe der Medizin vertritt, die auf der Basis dieses „nichtlokalen Bewusstseins“ heilt.
Obwohl die meisten Wissenschaftler dem Bewusstsein selbst keine elektromagnetische Natur zuschreiben, nimmt man an, dass sowohl elektromagnetische Felder als auch Potenziale in der Vermittlung zwischen Bewusstsein und Gehirnzellen eine Rolle spielen. Bereits in den frühen 70er-Jahren hatte Karl Pribram vorgeschlagen, dass ein kohärentes Biophotonenfeld zwischen Bewusstseinsprozessen und neurologischen Vorgängen vermittelt. Der 1997 verstorbene Nobelpreisträger Sir John Eccles postulierte zwanzig Jahre vor seinem Tod, das Bewusstsein besitze eine vom Gehirn unabhängige Existenz, und unser Selbst benütze nur das Gehirn, um auf den Körper und die materielle Welt einzuwirken. 1984 schlug der amerikanische Physiker Henry Margenau vor, das Bewusstsein könnte eine besondere Art von nicht-materiellem Feld sein, ähnlich den Wahrscheinlichkeitsfeldern der Quantenphysik. 1986 griff Eccles diesen Vorschlag auf und fügte hinzu, dieses Feld könnte die Wahrscheinlichkeit einer Abgabe von Neurotransmittern an den Synapsen beeinflussen. Vor einigen Jahren begründete Pribram dann zusammen mit weiteren bekannten Wissenschaftlern wie Roger Penrose und Stuart Hameroff die neue Forschungsrichtung der Quanten-Neurodynamik, die der Möglichkeit nachgeht, dass die Prozesse im Gehirn auf der Grundlage von so genannten Quantenpotenzialen und kohärenten Biophotonen zu verstehen seien. Hier wird das Langzeitgedächtnis als strukturierter Komplex von Vakuumzuständen verstanden und die Erinnerung als Emission kohärenter Biophotonensignale aus dem Vakuumzustand erklärt.
Auf der Grundlage aller dieser Vorstellungen ist eine Art „allgemeiner Feldtheorie“ denkbar, die sowohl physikalische und biologische Phänomene, wie auch psychische und geistige Zustände und soziale Interaktionen in Begriffen unterschiedlicher lokaler Feldzustände eines fundamentalen Feldes versteht, das die physikalisch nicht messbaren subtle energies der mentalen, psychischen und Lebensenergien, aber auch die messbaren Potenziale, elektromagnetischen Felder und Materiefelder als Sekundärerscheinungen hätte. Ein solches Konzept scheint sich in der Tat zur Zeit herauszubilden und könnte zur wissenschaftlichen Grundlage von Quantenbiologie und Energiemedizin werden.

Ein neues Modell des Organismus

Das energiemedizinische Modell des menschlichen Organismus, das sich aus diesen Vorstellungen ergibt, umfasst eine mehrstufige Hierarchie von Regulationsebenen oder Ebenen biologischer Funktion. Zwischen den festen Körper und das Bewusstsein treten die Zwischenstufen der physiologisch-biochemischen Regulation (Säure-Basen-Gleichgewicht, Redoxpotenziale, bioelektronische Regulation usw.) und der ganzheitlichen Regulationssysteme des Organismus (Nervensystem, hormonelle Regulation, Immunsystem, Grundregulation des Bindegewebesystems usw.), dann die Regulationsebene der elektromagnetischen Felder (Biophotonen), die man die „bioenergetische Ebene“ nennen könnte, dann die „Bioinformations“-Ebene der subtle energies (Potenziale, Skalarwellen usw.) und schließlich die transpersonale Ebene der „impliziten Ordnung“ und des „vereinigten Feldes“ der modernen Physik. Die beiden letzten Ebenen bilden die Domäne des Vakuumbereichs. Das Modell geht davon aus, dass die jeweils „höhere“ Ebene die „darunter“ liegende Ebene reguliert. Veränderungen und Störungen, also auch Krankheitsprozesse, haben ihren Ausgangspunkt oft in dem, was die östlichen Lehren die „Kausalebene“ nennen, d.h. im höheren Bewusstsein oder Selbst des Individuums. Auf dieser Ebene entstehen ungesunde geistige Haltungen und seelische Blockierungen, die später zu Krankheiten führen können. Werden diese geistig-seelischen Ungleichgewichte nicht korrigiert, können sie zu Störungen im „energetischen“ Bereich des Organismus führen, der die physiologischen Prozesse steuert. Wird die Balance auf dieser Ebene nicht wieder hergestellt, resultieren Störungen auf der physiologisch-biochemischen Ebene, wo sie erstmals materiell fassbar werden. Erfolgt hier keine Korrektur, führt dies zu Veränderungen am physischen Organismus, erst noch zu umkehrbaren, dann aber zu unumkehrbaren. Da die Energiemedizin auf die energetisch-informativen bis geistigen Ebenen einwirkt, wo sich die Vorstufen des materiellen Krankheitsgeschehens abspielen, kann sie im Prinzip präventiv-krankheitsverhindernd wirken.

Idee und Realität der Energiemedizin

Wir können somit feststellen, dass tatsächlich im Bereich neuer wissenschaftlicher Ansätze so etwas wie eine Quantenbiologie im Entstehen begriffen ist, deren Anwendung im medizinischen Bereich man dann Quantenmedizin nennen könnte. Dass die Prinzipien der Quantenbiologie in jedem Verfahren, das sich quantenbiologisch oder energiemedizinisch nennt, auch verwirklicht sind, dürfen wir aber nicht annehmen. Es muss betont werden, dass sich dieses Gebiet noch in einem sehr frühen Stadium der Entwicklung befindet, in dem die Grundlagenforschung im Vordergrund steht und selbst dort noch vieles spekulativ ist. Man kann bisher höchstens davon sprechen, dass sich nun langsam einige Grundvorstellungen zu einer möglichen Quantenmedizin herausschälen. Wer vorgibt, es sei dies ein entwickeltes, oder gar bewährtes Gebiet, kann nicht als seriös betrachtet werden. Viele, die den Begriff im Munde führen, haben nichts mit der geschilderten Entwicklung innerhalb der Wissenschaft zu tun, ja sie kennen ihn nicht einmal wirklich, sondern man hängt sich den gerade „in der Luft“ liegenden Begriff als einen wissenschaftlichen Anstrich verleihendes Mäntelchen um.
Vor allem gegenüber dem Gebiet der „instrumentellen“ Energiemedizin scheint mir Vorsicht angebracht, wo durch Apparate künstlich erzeugte Felder angewendet werden. Was die Anwendung elektromagnetischer Felder anbetrifft, so ist unser Wissen über die exakten Eigenschaften der hochkomplexen körpereigenen Felder, z.B. der Biophotonen, noch viel zu gering, um die natürlichen Felder effizient und angemessen künstlich nachbilden zu können. Die heute existierenden Verfahren sind im Vergleich dazu noch plump und undifferenziert, viel zu sehr auch auf energetische statt auf informative Wirkungen ausgerichtet. Noch größere Zurückhaltung ist gegenüber der apparativen Anwendung von subtle energies zu empfehlen. Hierher gehören einige schon länger existierende Verfahren der unkonventionellen Medizin, wie z.B. Elektroakupunktur, Bioresonanztherapie oder Radionik, aber auch eine große Zahl von erst seit wenigen Jahren auf den Markt gebrachte Technologien. Viele der Geräte, die von den Herstellern unter Berufung auf Skalarwellen-, Tachyonen- oder ähnliche Konzepte angeboten werden, sind zum gegenwärtigen Zeitpunkt mit größter Skepsis zu betrachten. Viele der Erklärungen zu ihren Funktionsprinzipien sind reine Phantasie ohne ausreichende Verbindung zu den möglichen realen Grundlagen einer Quantenmedizin, anderen ist oft eine gewisse theoretische Plausibilität nicht abzusprechen. In der Regel aber gibt es in beiden Fällen keinerlei Beweise dafür, dass das Gerät auch tatsächlich nach den angegebenen Prinzipien funktioniert – und oft auch nicht dafür, dass es überhaupt irgendwelche Wirkungen besitzt oder die beobachteten Wirkungen tatsächlich auf das Gerät und nicht auf eine Placebowirkung zurückgehen. Was manche dieser Hersteller in Wirklichkeit verkaufen, sind Ideen; ihre „Quantenmedizin“ ist oft nicht mehr als ein vages Gerücht, dessen Funktion sich in der Werbewirkung erschöpft.
Im übrigen ist nach meiner Auffassung im Fall, dass ein solches Gerät tatsächlich auf einer subtilen Ebene Einfluss nimmt, erst recht Vorsicht am Platz, denn da diese Ebenen noch fundamentaler sind als die elektromagnetische oder chemische, sind auch entsprechend schwerwiegendere Folgen einer falschen Anwendung zu erwarten, und Nebenwirkungen können auch bei richtiger Anwendung nicht ausgeschlossen werden. Die weitverbreitete Auffassung, „sanfte“, alternativmedizinische oder „subtile“ Therapien müssten automatisch unschädlich und nebenwirkungsfrei sein, ist ein Irrglaube. Sofern es wirkt, besteht die Gefahr, auf die Goethe in seinem Zauberlehrling-Gedicht hingewiesen hat, nämlich dass die Anwendung auf ein verantwortungsloses Herumbasteln mit potenziell sehr „explosiven“ Technologien hinausläuft. Dies gilt auch für die Methoden der „natürlichen“ Energiemedizin: Weil wir in unserer Kultur diese subtilen Ebenen der Wirklichkeit nicht anerkennen, wissen wir zuwenig über ihre Natur und den angemessen Umgang damit. Dies trifft aber besonders für die „instrumentelle“ Energiemedizin zu, weil die technologische Form sehr dazu verleitet, die „Energien“ als etwas von der menschlichen Reife und dem inneren Zustand des Anwenders Unabhängiges zu betrachten. Vieles spricht dafür, dass dies auch bei Methoden wie der Elektroakupunktur, der Bioresonanz oder der Radionik nicht der Fall ist, sondern der Zustand des Anwenders das Resultat beeinflusst. ´



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Bischof, Marco

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