Internationale Jugendbewegung mit anthroposophischen Motiven
Auch in der Anthroposophie tut sich was! Immer mehr Menschen erkennen, dass die heraufdämmernde integrale Kultur etwas mit ihnen zu tun haben könnte, dass sie Elemente enthält, die von bestimmten Gruppierungen schon seit längerer Zeit zu Werten geworden sind, ja, dass sie ein Fundament benötigt, zu dem heute viele beitragen können, die lange Zeit geglaubt hatten, sie wären allein auf weiter Flur. Dass dem nicht so ist, lässt sich auch in einer neuen Strömung der Anthroposophie erkennen. Allzulange mit einem wissend-distanzierten Nimbus behaftet, öffnen sich hier neue Gruppierungen zum Dialog und nehmen an der kulturell kreativen Neubesinnung teil, bei der Selbstkritik und Lernbereitschaft ebenso wichtig sind wie visionäre Kraft und der Wille zur Kooperation. Dieser Ansatz ist in den folgenden Auszügen aus einem offenen Brief zu finden, der jüngst von einer anthroposophischen Jugendbewegung an alle Jugendlichen gerichtet wurde.
In J.R.R. Tolkiens „Herrn der Ringe“ sehen wir, wie gerade die Machtlosen etwas erreichen können. Ein kleiner Gefährtenbund versucht, die Welt davor zu bewahren, im Schatten zu versinken. In diesem Geist ist im Sommer letzten Jahres die Initiative der Jugendbewegung „Unternehmen Lichtblick“ entstanden.
Heute könnte man meinen, die Menschheit und ihr Heimatplanet steuere auf eine Katastrophe zu. Selbst die mühsam errungenen Fortschritte der 68er-Generation und die Friedensbewegung werden scheinbar wieder rückgängig gemacht. Manche geben sich der Illusion hin, irgendwo im All eine neue Heimat zu finden, wenn die Erde nicht mehr zu retten ist, und vergessen, dass die Menschen ihre alten Probleme nur mit sich schleppen würden. Andere rufen nach einer „starken, Ordnung schaffenden Macht“, und hoffen, die USA könnten diese Funktion als Weltmacht übernehmen. Doch die gegenwärtige Politik der USA verkörpert geradezu das Denken, das die Welt bis an den Rand der Katastrophe zu führen scheint. Es kann nicht angehen, die Lösung der durch dieses Denken entstandenen Probleme darin zu sehen, dass es quasi „auf den Thron gehoben“ wird. Was wir brauchen, sind Menschen, die selbst aus sich heraus stark sind, und nicht nach einem „Führer“ rufen, Menschen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen, und in diesem Bewusstsein ihre Stärken verbinden, um etwas zu bewegen, sei es zunächst auch nur im Kleinen.
Lebendige Werte
Oft schon gab es Bestrebungen, sich weltweit zu verbinden, um etwas Gutes zu erreichen. Heute sprechen wir von der Strömung der Kulturell Kreativen, mit denen wir uns verbunden wissen. Wenn wir die Probleme der heutigen Welt betrachten, sehen wir gleichzeitig auch erste Lösungsansätze, sei es z.B. Umweltschutz, Achtung des Lebens, verantwortungsvolles Handeln sowie aktive Toleranz im Umgang mit unseren Mitmenschen. Doch übernimmt man solche positiven Wertevorstellungen von anderen oder versucht sie anderen wie das Auswendiglernen von Vokabeln anzuerziehen, dann ist damit nicht viel geholfen. Wodurch können diese Werte aber lebendig werden? Immer mehr Kinder, die heute geboren werden, bringen spirituelles Wissen und Fähigkeiten mit in die Welt. Vielleicht verfügt ihr selbst über eigene spirituelle Erfahrungen und habt Erlebnisse, die ihr schicksalhaft nennt. Dann werdet Ihr die Schwierigkeit kennen, dies in unserer Gesellschaft zu leben, die solcherlei kaum akzeptiert, auch wenn sich Öffnungsprozesse schon andeuten. Für uns, die wir ein spirituelles Menschenbild haben, ist es selbstverständlich, dass der Mensch nicht nur über einen Körper verfügt, sondern ebenso ein seelisches und geistiges Wesen ist. Doch geht man im allgemeinen meist noch davon aus, der Mensch sei allein über seine Physis zu definieren. Wem diese Anschauung mit all ihren Konsequenzen zu erschreckend scheint, akzeptiert meist nur an den Glauben appellierende Aussagen, wie sie die Religionen treffen.
Altes und neues Wissen verbinden
Dass man über die übersinnlichen Wesensglieder des Menschen ebenso exakte Aussagen treffen kann wie über dessen Physis, wird kaum in Erwägung gezogen. Daraus folgt, dass die Mehrzahl der maßgeblichen Entscheidungen, die heute getroffen werden, auf einseitigen oder unklaren Grundlagen basieren, da man das wahre Wesen des Menschen nicht kennt. Das gilt für die Wissenschaften (nicht zuletzt die Pädagogik, was weitreichende Folgen hat), wie auch die Politik und die Wirtschaft. Dass unter solchen Voraussetzungen langfristig nur Fehlentwicklungen entstehen können, die der wachsenden Zahl spirituell orientierter Menschen nicht gerecht werden, liegt auf der Hand. Aus der alten esoterischen Weisheit allein, die in vielerlei Hinsicht ganzheitlicher und vollkommener ist, als unser heutiges Wissen, können wir viele der heutigen Probleme nicht lösen. Diese sind erst in Folge des naturwissenschaftlichen Denkens mit seinen Vorzügen und Einseitigkeiten entstanden. Was wir in der vergangenen Esoterik finden, entstand oft vor dieser Zeit und kann deshalb auf die brennenden Fragen der Gegenwart nicht Antworten bieten, die sich gegen die naturwissenschaftliche Autorität behaupten können.
Heute leben wir in einer Kultur, in der das Denken maßgeblich geworden ist. Wenn wir Spiritualität in diese Kultur hineintragen wollen, können wir dies nur, indem wir auf dem Feld des Denkens die starren Anschauungsformen des Intellekts überwinden. Wir müssen ein spirituelles Menschenbild so darstellen, dass es für das individuelle Denken aller Menschen zugänglich ist, und –vor allem – wir müssen als Jugendbewegung dieses spirituelle Menschenbild unserem eigenen Handeln und gemeinsamen Wirken in der Welt zugrunde legen. Es ist unsere Aufgabe, das Denken zu verwandeln.
Für das Wohl der Welt wirken
Wir sind jetzt – an diesem wichtigen Zeitpunkt - da, haben die Gelegenheit, wenn wir dies aus freiem Entschluss wirklich wollen, etwas zu bewegen. So rufen wir alle nach einer zeitgemäßen Spiritualität suchenden Jugendlichen und die anthroposophische Jugend auf, sich zu verbünden! Es kann nicht unser Ziel sein, dass wir uns selbst in irgendein Nirvana retten, wo die Probleme der Welt uns nicht mehr berühren, wo der Einzelne gar nicht mehr im eigentlichen Sinn existiert. Unser Ziel ist vielmehr, durch die Inkarnationen hindurch für das Wohl der Welt zu wirken, verantwortungsbewusst gegenüber der Natur, unseren Mitmenschen, ob verkörpert oder unverkörpert, und den Bewohnern der geistigen Welt, die uns wohlgesonnen sind und mit uns gemeinsam gute Ziele verfolgen. Unsere Jugendbewegung will auch dafür eine Plattform bieten. Wir wollen auf Grundlage unseres spirituellen Menschenbildes in alle Lebensbereiche hineinwirken, auch in Politik und Wirtschaft, dies aber aus kultureller Kraft heraus! Als Gesellschaftsbild kann uns dabei Rudolf Steiners Idee der „Dreigliederung des Sozialen Organismus“ hilfreich sein. Euch, liebe Freunde, rufen wir also auf – wenn ihr euch für dieses große Ziel begeistern könnt – euch mit uns zusammen für die Zukunft der Welt und der Menschheit einzusetzen! Wenn nicht aus der Jugend Kräfte kommen, die unserer Zivilisation helfen können, woher denn sonst?
Ihr könnt gegen Rückporto Informationen über unsere Bewegung erhalten oder diese über das Internet anfordern. Wir sind gegenwärtig hauptsächlich damit beschäftigt, ein Manifest unserer Bewegung zu verfassen. Wenn ihr dafür Beiträge habt, auch als Gedicht oder Lied, schickt sie uns einfach zu! Das Thema dieses Manifestes wird die Beschaffenheit einer Gesellschaft sein, in der wir künftig leben wollen. Dies soll unsere Grundlage für weitere Projekte sein. Ein Unternehmen-Lichtblick-Treffen findet am 28./29. September in Karlsruhe statt. Das Ziel ist die Entwicklung gemeinsamer Initiativen. Informationen können erfragt werden unter geistigevernetzung@gmx.net. Den Teilnehmenden bietet sich im Rahmen des Programms zugleich die Möglichkeit, einen Vortrag zum Thema Kaspar Hauser zu besuchen.´
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