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Impressum
Alte Methode mit neuen Möglichkeiten
erschienen in Ausgabe 122
Magnetfeldtherapie in der Diskussion

Die Idee, elektromagnetische Signale für thera-peutische Zwecke einzusetzen, führte bereits zu Beginn des Jahrhunderts zu einer Reihe von interessanten Entwicklungen, zu denen auch die Magnetfeldtherapie gehört. Allen gemeinsam war, dass Frequenzen unterschiedlichster Wellenlänge und Form zur Behandlung von Krankheiten eingesetzt wurden. Im Laufe der Jahrzehnte erregten anscheinend neue Forschungsergebnisse immer wieder die Aufmerksamkeit in diesem Bereich. Ähnlich der Low-Level-Laser erlebten auch die Magnetfeldgeräte in den 70er- und 80er-Jahren einen Boom. Bis Ende der 80er- bzw. Anfang der 90er-Jahre übernahmen die Kassen sogar teilweise die Behandlungskosten dafür. Die konventionelle Magnetfeldtherapie war danach rückläufig, und Weiterentwicklungen blieben seitens der etablierten Hersteller größtenteils aus. Seit Mitte der 90er-Jahre werden allerdings von einigen deutschen und ausländischen Firmen erneut große Anstrengungen unternommen, diese Therapieform in neuem Gewand und moderner Technik wieder aufleben zu lassen und europaweit einzuführen. Als Beispiel dazu seien die Pulsierende Signal-Therapie (PST) aus den USA sowie die Magnetfeldmatten zur Ganzkörperbehandlung erwähnt. Letztere werden bereits von verschiedenen Firmen angeboten, die sie teils mit großem PR- und Werbeaufwand, sei es an Therapeuten, sei es in einem Multilevel-Verkaufssystem, an Endabnehmer vermarkten. Einige Hersteller weisen auf ihre patentierten Verfahren oder spezielle Techniken hin und betonen, dass gerade diese Technik zu dem gewünschten Behandlungserfolg führt. Für einige ist es fast schon ein „Hit-and-Run-Business“ geworden.

Unterschiedliche Angaben

Vergleicht man jedoch die einzelnen Verfahren untereinander, so sind beträchtliche Unterschiede und kaum gemeinsame technische Parameter zu finden. Die Angaben über die optimale Feldstärke sind widersprüchlich und variieren je nach Gerätetyp und Hersteller beträchtlich. Während die früheren Geräte teilweise mit 100 mT (Millitesla, eine Größe für die magnetische Feldstärke) und mehr arbeiteten, sind die neueren Geräte wieder auf eine wesentlich niedrigere Intensität ausgerichtet, die sich eher im Mikro- und unteren Milliteslabereich befindet. Ähnliches trifft auch für die anderen Parameter wie Frequenzumfang sowie die Art der Signale zu. Mit Sicherheit erstreckt sich die biologische Resonanz des menschlichen Organismus bei Behandlungen mit der Magnetfeldtherapie nicht nur auf einzelne Frequenzen oder schmale Durchlassbereiche, sondern über einen großen und breitgefassten Bereich. Dem in der Literatur erwähnten „Fenstereffekt“ dürfte demnach auch nicht die Bedeutung zukommen, wie sie von manchen Geräteherstellern unter Berufung auf wissenschaftliche Untersuchungen immer wieder betont wird. Im Gegensatz zur allgemein verbreiteten Annahme haben nach meinen Erkenntnissen auch spezifische Frequenzen oder bestimmte Impulsformen keinen speziellen Wirkungsgrad, zumindest nicht, wenn sie im herkömmlichen Sinne appliziert werden. Hier fehlen vergleichende Studien, die derartige Aussagen untermauern bzw. eindeutig auch am Menschen bestätigen könnten. Infolge fehlender Anerkennung ist auch eine internationale Nomenklatur für die medizinische Anwendung bisher nicht existent. Konstrukteure scheinen oftmals mehr vom Gedanken der Abgrenzung zum Wettbewerb als von dem eigentlichen Nutzen der Geräte zum Wohle der Anwender beseelt zu sein.

Angegebene Wirkungen

Was dagegen die allgemeine Wirkung einer Magnetfeldbehandlung auf den Organismus betrifft, so ist zumindest in den Unterlagen der Gerätehersteller eine gewisse Übereinstimmung über die zu erzielenden therapeutischen Effekte zu finden. Dazu gehören u.a.
analgetische (schmerzlindernde),
antidepressive (ZNS-Wirkung),
antineuralgische (gegen Nervenschmerzen),
antiphlogistische (entzündungshemmende),
vasodilatorische (durchblutungsfördernde) und
stoffwechselaktivierende Wirkungen.
Betrachtet man jedoch die Angaben über physikalische Größen sowohl bei Magnetfeldgeräten der alten als auch der neuen Generation kritisch, gelangt man zu der Schlussfolgerung, dass im Grunde genommen alle Arten von elektromagnetischen Feldern einen gewissen Einfluss auf biologische Systeme haben müssen und demzufolge die jeweilige Technik nur eine untergeordnete Rolle spielen dürfte. Konsequenterweise ist auch mit allen Gerätetypen ein breites Indikationsgebiet zu beeinflussen. Als Beweis für die Effektivität der Magnetfeldstrahlung werden Vergleichsaufnahmen und Messwerte herangezogen, die gewisse physiologische Veränderungen unter Einfluss der Magnetfeldstrahlung zeigen. Hier muss natürlich immer zwischen einer temporären Wirkung (Behandlungseffekt) und echter anhaltender Wirksamkeit (Heilung) unterschieden werden.

Phototherapie

Hier sei auch ein Exkurs in die Phototherapie erlaubt, bei der ebenfalls elektromagnetische Frequenzen als Therapeutikum eingesetzt werden. Diese Therapieform bewegt sich zwar in einem viel höheren Frequenzbereich und umfasst sowohl den UV-, den VIS-, (sichtbaren) als auch den IR-(infraroten)-Anteil des Lichts, doch viele der angegebenen Indikationsbereiche sind nahezu identisch mit denen der Magnetfeld-Therapie. Zu berücksichtigen gilt dabei, dass Licht ein weit natürlicheres Therapeutikum darstellt und sich damit automatisch die Frage stellt, ob es nicht in vielen Fällen einer Magnetfeldstrahlung vorzuziehen bzw. ihr sogar überlegen wäre. Andererseits sind auch Kombinationen von Licht- und Magnetfeldbehandlungen denkbar, die gegebenenfalls sogar zu synergistischen Wirkungen führen könnten. Einer der oft zitierten Nachteile von Magnetfeldbehandlungen dürfte der Gewöhnungseffekt sein, der in gewissen Bereichen relativ schnell eintreten kann. Hersteller bemühen sich deshalb, dies durch einen gewissen Abstand in der Behandlungsfolge sowie eine Frequenzautomatik zu kompensieren, d.h. höhere Dynamik in der Anwendung, wie z.B. unterschiedliche Intensität und schnellerer Frequenzwechsel (Wellenschaukel) oder Polwechsel (Nord–Süd). Die Magnetfeldtherapie wird im allgemeinen als nebenwirkungsfrei eingestuft. Die Angaben über Kontraindikationen sind jedoch unterschiedlich und variieren auch hier je nach Gerätetyp und Hersteller. Angegeben werden unter anderem: Herzschrittmacher, Schwangerschaft, akute Blutungen, Mykosen, Diabetes juvenilis, Schlafstörungen, schwere Herzleiden, instabile Krankheiten und andere. Grundsätzlich sind mehrere Parameter für die Wirksamkeit einer Behandlung mit elektromagnetischen Feldern von Bedeutung, nämlich
physikalische: Frequenz und Intensität,
zeitabhängige: Dauer der Einwirkung,
physiologische: Körperregion (Punkt/Fläche) sowie
psychische: anwenderbedingte Faktoren.
Vereinfacht dargestellt, sind die beiden ersten Parameter mehr von den technischen Gegebenheiten, d.h. von den Geräten, abhängig (Energie/Induktion), die auch die Dauer der Anwendung mitbestimmen, die anderen zwei mehr von dem jeweiligen therapeutischen Kenntnisstand, d.h. bedienerabhängig. Der therapeutische Wirkungsgrad sowie der Anwendungsbereich erhöht sich allerdings, wenn bewusstseinsrelevante Faktoren in Form einer Zuschreibung (mentale Verankerung einer hypothetischen Eigenschaft, die einer physikalischen Größe, wie z.B. dem Nord- und Südpol, einer bestimmten Frequenz bzw. Frequenzfolge oder einem Frequenzbereich etc., zugeordnet ist) oder einer biokybernetischen Programmgestaltung hinzugefügt werden. Darunter fallen sowohl semantische Formulierungen (Indikationsangaben) als auch sensorielle Signale, wie z.B. Licht und Farbe sowie Ton und Klang, die im Rahmen moderner Elektronik unterstützend mit eingesetzt werden können. Wie das Beispiel der diversen Bioresonanz-Therapien recht deutlich zeigt, können im geeigneten Fall sogar die aktiven physikalischen Parameter durch symbolische Größen vollständig ersetzt werden (siehe dazu auch mein Beitrag „Apparat und Bewusstsein“ in KursKontakte Nr. 116). Entscheidend für den therapeutischen Erfolg der Magnetfeldtherapie, wie übrigens auch vieler anderer biophysikalischer Heilverfahren, ist demnach nicht nur die Technik allein (weder mit noch ohne Patente), sondern vor allem auch der therapeutische Kenntnisstand (Wissen, Erfahrung, Intuition). Hinzu kommt die Interpretationsfähigkeit des zugrunde liegenden medizinischen Konzeptes/Modells durch den Anwender oder die Anwenderin selbst. Die bewusstseinsrelevanten Faktoren stellen auch hier ein wichtiges, wenn nicht sogar das entscheidende Element der Behandlung dar. Heilung geschieht auf einer der Materie übergeordneten Ebene, eine Tatsache, die vor allem von wissenschaftsgläubigen Personen und von Gerätekonstrukteuren nicht gerne gehört und häufig ignoriert wird.

Magnetfeldmatten

Im vergangenen Jahrzehnt erhielt die Magnetfeldtherapie neuen Aufschwung. Zum einen durch verschiedene Kleingeräte, die u.a. auch am Körper getragen werden, und zum anderen durch die bereits erwähnten Magnetfeldmatten, die sowohl für den Heimgebrauch als auch für die ärztliche Praxis empfohlen werden. Letztere bewegen sich zur Zeit in einer Preisklasse zwischen 1500 - und 2500 Euro, je nach Hersteller und Konstruktionsmerkmalen. Die physikalischen Größen sind auch hier unterschiedlich, und die Anzahl der Spulen in den Matten variiert je nach Modell und Hersteller. Als Zubehör sind Kissen für die Teilkörperbehandlung, so genannte Magnetstäbe zur Punkttherapie, und sogar Pferdegamaschen erhältlich. Der Vorteil dieser neuen Kategorie von Magnetfeldgeräten liegt einerseits in der Ganzkörperbehandlung und andererseits in der Punktbehandlung für die Akupunktur und Reflexzonentherapie. Die bisherigen Möglichkeiten der klassischen Magnetfeldtherapie konnten durch diese neue und bequeme Art der Anwendung wesentlich erweitert werden. Die Zahl der Anbieter dürfte sich allerdings in diesem Bereich weiter erhöhen, zumal die Herstellung derartiger Geräte relativ einfach und der geschäftliche Erfolg eher eine Frage des Marketing als der Technik ist. Abschließend noch ein Hinweis zur häufigen Anwendung bzw. zum Langzeitgebrauch der für die Heimanwendung empfohlenen Magnetfeldmatten und Geräte. Auf der einen Seite wird vehement gegen den durch mobile Telefone und Hochspannungsleitungen verursachte Elektrosmog vorgegangen, und auf der anderen Seite werden Menschen regelmäßig elektromagnetischen Feldern bedenkenlos ausgesetzt. Es kann durchaus im Bereich des Möglichen liegen, dass auch Behandlungen mit magnetischen Feldern die Sensitivität einzelner Personen erhöhen. Auch hier wissen wir noch viel zu wenig über eventuell auftretende Nebenwirkungen, die in diesem Zusammenhang auftreten könnten. ´



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Grösser, Hermann

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