Vor rund vier Jahren trafen sie sich zum ersten Mal – im Projekt „Magie des Alters“, einem Gesprächskreis, der von Frieda Radford und Birkhilde Nicolai in München initiiert wurde. Die Frauen und Männer der dort entstandenen Gruppe sind auf der Suche nach Gleichgesinnten, die ihre Erfahrung und Kompetenz nicht mit 60 in den Ruhestand schicken, sondern ihr Alter bewusst und in Würde gestalten wollen. Bald war klar, dass gemeinsames Wohnen eine Grundvoraussetzung dafür ist, denn, so Inge Skaer, 64, eine der Gründerinnen: „Wie sollen wir in der heute üblichen Vereinzelung unsere Erfahrungen, unsere ganze Kompetenz an die nächsten Generationen weiter geben, wenn wir nicht im Alltag mit ihnen zusammenleben?“ „Wir wollen Hoffnungsträgerinnen sein, die ein neues Bild des Alters entwickeln und leben“, schreiben die Frauen in ihrer Selbstdarstellung: „Im Bewusstsein unserer Endlichkeit möchten wir Sterben und Tod wieder ins Leben einbeziehen, Heimat schaffen für uns selbst und damit auch für die nachfolgenden Generationen.“ Im Dezember 2001 ersteigerte die Gruppe das Rittergut in Jahnishausen nahe der Stadt Riesa in Sachsen. Das Ensemble der Gebäude, die zusammen mit dem kleinen Schloss einen großzügigen Innenhof von über drei Hektar Fläche bilden, hat sie auf den ersten Blick begeistert und inspiriert. Allerdings: In seiner gut 300-jährigen Geschichte war das Gut noch nie so abgewirtschaftet wie nach der Nutzung als Lehrlingsheim zu DDR-Zeiten und weitgehendem Leerstand nach der Wende. Das soll sich Schritt für Schritt ändern. Ein neuer Geist wird dem Anwesen Schönheit, Würde und blühendes Leben zurückgeben. Helga Dolch-Weimer, erfahrene Architektin und eine der Gründerinnen, hat bereits Entwürfe für Wohnungen fertig und berichtet von großem Entgegenkommen bei Behörden und Bevölkerung. Ein junges Architekten-Paar aus Berlin wird einen Ensemble-Entwurf erstellen. Mit ökologischem Bauen und Gärtnern, mit alternativen Energien und mit Hilfe gewaltfreier Konfliktlösungsmodelle möchten die Menschen in Jahnishausen „ein Leben gestalten, in dem Achtung für alles Lebende und Respekt vor der Vielfältigkeit und Andersartigkeit des Einzelnen zentrale Werte sind.“ Der Prozess der Gemeinschaftsbildung ist in vollem Gang. Eine Genossenschaft wurde bereits gegründet, ebenso ein Förderkreis, der später zum gemeinnützigen Verein werden soll. Jetzt suchen die GründerInnen alte und junge Menschen mit Ideen und Initiative und handwerklichen Kenntnissen. Auf dem Platz können mindestens 75 Menschen leben und arbeiten. Es gibt Raum für Projekte wie Heilungszentren, Kindertagesstätten, Alten-Einrichtungen, Gartenbau, Handwerk, Bildungs- und Ausbildungsprojekte, auch mit Seminarhaus, etc.
Das nächste Info-Treffen findet vom 20. bis 22. September statt. Monatliche Arbeits- und Informationstermine sollen folgen, zu erfragen bei Inge Skaer, Telefon (03525) 529525, inge.skaer@web.de.
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