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Zauber-Eicheln
erschienen in Ausgabe 134  PDF-Version (304.88 KB)
Der Wiederaufbau unseres Planeten beginnt mit dem Pflanzen von Wald. Jochen Schilk berichtet über Aufforstungsprojekte in aller Welt

SPUREN EINER NEUEN KULTUR
Die „Kulturell Kreativen“ sollen ein Viertel der westlichen Gesell-schaften ausmachen (http://www.kulturkreativ.net). Ihr aktiver Kern schafft die Bausteine einer neuen, „integralen“ Kultur, die auf Nachhaltigkeit setzt. Vernunft und Selbstverantwortung finden darin zur Synthese mit Spiritualität und Gemeinschaftssinn. Noch ist diese auftauchende Kultur keineswegs manifest. Mit dieser Artikelreihe lade ich ein, über eine Welt nachzudenken, die von den Kulturell Kreativen mitgeprägt wird.
Nach den beiden vorangegangenen Beiträgen über historische und aktuelle Gemeinschaftsgarten-Projekte befasse ich mich diesmal mit erfolgreichen Aufforstungsprojekten. In der nächsten Ausgabe von KursKontakte werde ich die Reihe über mögliche andere, grünere Welten mit einem Baumpflanz-Special abrunden.


Wenn man mit dem Auto Spanien durchquert – so wie ich das als Kind einige Male mit meinen Eltern getan habe – kommt man regelmäßig in weite Landstriche, die man nur als baumlose Steppen beschreiben kann. Das war nicht zu allen Zeiten so. Bevor auf der iberischen Halbinsel ungeheure Holzmengen zum Bau der spanischen Flotte – der berühmt-berüchtigten „Armada“ – geschlagen wurden, konnte ein Eichhörnchen ganz Europa von Gibraltar bis Dänemark von Ast zu Ast durchreisen, ohne auch nur einmal den Boden berühren zu müssen – so dicht stand einst der europäische Wald auch in den Ländern des Mittelmeerraums!
Ich habe mich schon als Kind während solcher endloser Autoreisen durch wüstenartige Landschaften gefragt, warum eine so schöne, stolze und eigentlich wohlhabende Nation wie die spanische nicht alles daran setzt, ihre stellenweise halbtote Heimat durch Baum-Anpflanzungen wiederzubeleben. Denn Bäume, so schien es mir als kleiner Bewohner des noch immer leidlich bewaldeten Bayern, repräsentieren wie sonst nichts den wahren Reichtum eines Landes, viel mehr noch als alle Häuser, Paläste, Autos und Industrieanlagen zusammen! Freilich war dies damals mehr eine ästhetische Empfindung, der das tiefere Verständnis für die ökologischen (und ökonomischen) Zusammenhänge noch fehlte. Heute jedoch wird mir, wie vielen anderen Menschen auch, die essenzielle Bedeutung der Bäume für das Ökosystem einer Landschaft immer bewusster. Auch beginne ich langsam, die nicht minder wichtige spirituelle „Aufgabe“ der Bäume in der Schöpfung zu verstehen. So beschreibt der Naturphilosoph Jochen Kirchhoff in seinem neuen Buch die Bäume als unsere „stillen andersweltlichen Helfer im laufenden Prozess der ‚spirituellen Revolution‘“. Sie wirken unter anderem dadurch, dass „sie Himmel und Erde auf wundersame Weise verbinden und uns leiblich-seelisch und spirituell spüren lassen, was Verwurzelung ist und was es bedeutet, aufgerichtet zu sein; Bäume sind Säulen, sie stehen fest auf der Erde (weil sie tief ins Erdreich hinabreichen) und tragen das große Gewölbe, den Tempel der heiligen Natur“.
In vorchristlichen Zeiten war für die Menschen Mitteleuropas diese zweifelsfreie, gottgegebene Heiligkeit sämtlicher natürlicher Phänomene (nicht nur die der Bäume!) integraler Bestandteil ihrer Weltsicht, und indem sie auf diese Weise jedes Ding ihrer Umgebung mit spiritueller Bedeutung aufluden, kannten sie auch in ihren Tätigkeiten keinerlei Trennung zwischen sakralen und profanen Angelegenheiten. Dennoch trafen sie sich anlässlich ihrer Stammesversammlungen und religiösen Riten häufig unter ganz besonderen, uralten Bäumen und Baumgruppen. Das letzte Kapitel solcher „heiliger Haine“ schrieben dann christliche Missionare, die den zu bekehrenden Heiden zum Beweis der Überlegenheit des Christengottes die unantastbaren heiligen Eichen umschlugen und sie so angesichts des ausbleibenden strafenden Götterblitzes des Aberglaubens überführten – bekannt sind die Fällung der Donar-Eiche durch Bonifatius oder des irischen Eichenhains Derry in den Tagen von Patrick. (Interessant ist, dass die strafenden Blitze Thors keine zwei Jahrtausende später in Form einer kettensägenverursachten Klimakatastrophe doch noch kommen …). Der Baumforscher Fred Hageneder geht so weit, von einem „Kreuzzug der katholischen Kirche gegen Bäume“ zu sprechen, „der in der Geschichte seinesgleichen sucht.“ Jochen Kirchhoff ergänzt: „Erst der Sturmlauf christlicher Eiferer und ihrer Erben, der technischen Gnostiker, hat mit der Sakralität der Bäume, der nicht-menschlichen Natur überhaupt, auch die Anderswelt-Dimension als eine über die Natur erfahrbare Seinswirklichkeit auszulöschen versucht. Mit flächendeckendem und beklemmendem Erfolg.“

Planetenkräfte für Bäume der Zukunft

Nun soll dieser Artikel jedoch weniger von dem noch immer unvermindert andauernden Krieg der Megamaschine gegen die Natur handeln. Er soll vielmehr aufzeigen, dass es – entgegen häufig gehörten Befürchtungen – durchaus möglich ist, den durch Entwaldung in Gang gesetzten Teufelskreis (Bodenaustrocknung durch Grundwasserabsenkung und fehlender Schatten, was zu Bodenversalzung und zur Erosion der Humusschicht durch Wind und Wasser führt) aufzuhalten und umzukehren! Menschen in verschiedenen Teilen der Erde haben es geschafft, Wüste in ein grünes Paradies zurückzuverwandeln. Von diesen mutigen und ausdauernden Menschen soll hier die Rede sein.
Den Projektbeschreibungen stelle ich das Werk des Baumforschers Stephan Schmidt voran. Seine Herangehensweise besitzt als eine im besten Sinn ganzheitliche forstwirtschaftliche Methode durchaus Vorbildcharakter. Zukünftige Aufforstungsprojekte zum Wiederaufbau unseres Planeten dürften gut daran tun, in der einen oder anderen Form auf seiner Arbeit aufzubauen. Schmidt experimentiert seit über 25 Jahren in einer eigenen Baumschule im hessischen Rittershain, wo er mit seiner Familie auf 4 Hektar Land mittlerweile rund 100000 Bäume gepflanzt hat. Aus der Anthroposophie kommend, hat er die Lehren der biologisch-dynamischen Landwirtschaft aufgegriffen und für die Forstwirtschaft umgesetzt. Rudolph Steiners Landbau-methode verzichtet bekanntlich auf chemischen Dünger und Pestizide und arbeitet statt dessen mit selbst zubereiteten, „transmateriell“ wirksamen Kompostpräparaten sowie mit einem Aussaat- und Erntekalender, der sich nach Mondrhythmen richtet. Da Bäume als mehrjährige Pflanzen jedoch sehr viel langsameren Rhythmen unterworfen sind als die einjährigen Agrarkulturen, hat Stephan Schmidt frühzeitig damit begonnen, seine Baum-Aussaattermine nicht (bzw. nicht nur) nach dem Mondkalender, sondern vielmehr nach den Haupteinflusszeiten der Planeten unseres Sonnensystems zu bestimmen, da diese im Vergleich zum Mond sehr viel langsamere Zyklen durchlaufen und deshalb für das Baumwachstum von größerer Bedeutung sind. Die Wechselwirkung eines Planeten mit der Erde ist dann am stärksten, wenn er in Opposition zum Mond steht. Ein zu diesen Zeitpunkten gesäter Baum weist in seinem Wachstum bestimmte Merkmale auf, die als Wechselwirkung zwischen individueller Qualität der Pflanze und ihrer Art sowie der betreffenden Planetenqualität gedeutet werden kann. Eine Eiche, die unter dem Einfluss des Jupiters gepflanzt wird, entwickelt einen anderen Charakter als eine Merkur-Eiche. In der heutigen Welt der Monokulturen und des standardisierten Saatguts sind solche Entwicklungen zu mehr Individualiät und damit zu größerer Widerstandsfähigkeit von hohem Wert.
Neben dem Einbezug dieser kosmischen Aspekte ist Stephan Schmidts Erfolg bei Wiederaufforstungsprojekten (u.a. in China und Tibet, siehe Bild links) sicherlich nicht zuletzt auf eine umfassende Kenntnis der biologischen Zusammenhänge zurückzuführen sowie auf die bewusste Integration der jeweiligen geomantischen Gegebenheiten vor Ort. In Zukunft wird Stephan Schmidt die weiteren Aufforstungsarbeiten auf dem Gelände des anthroposophischen Vorzeigeprojektes SEKEM inmitten der kargen ägyptischen Wüste übernehmen; dort hat man in zwei Jahrzehnten die Wüste in eine Oase zurückverwandeln können, die heute tausende von Menschen ernährt. (In KursKontakte Nr. 131 war ein ausführlicher Bericht über die mit dem alternativen Nobelpreis ausgezeichnete SEKEM-Initiative zu lesen; siehe auch das neu eingerichtete Artikelarchiv unter www.kurskontakte.de)

Grüne Hölle statt roter Erde

Den vielleicht eindrucksvollsten Beweis dafür, dass aus Wüste wieder veritabler Dschungel werden kann, haben in dreißigjährigen Bemühungen die Pioniere und Bewohner des als utopische „Stadt des Zukunftsmenschen“ konzipierten Auroville erbracht. Idee und Name dieses weithin bekannten Siedlungsprojekts an der südindischen Pazifikküste gehen auf den Begründer des Integralen Yoga, Sri Aurobindo (1872–1950), zurück. Wer sich tiefere Einblicke in die bewegte Geschichte Aurovilles verschaffen möchte, dem sei Renate Börgers Buch „35 Jahre Auroville: Eine Vision in Arbeit“ (Connection-Verlag) ans Herz gelegt. Sie schreibt darin über die 1968 am Ort der geplanten Stadt vorgefundenen ökologischen Bedingungen: „In diesem subtropischen Küstengebiet am Golf von Bengalen tummelten sich noch vor 200 Jahren wilde Elefanten im Dschungel. Jetzt liegt es im Sterben, zerstört durch jahrelange Holzausbeutung und Überweidung. Die Aurovillianer finden eine rote, ausgedörrte Erde vor, von der Sonne hart gebacken und von Canyons zerklüftet. Den Segen des Monsunregens kann kein Wurzel- oder Blattwerk mehr bewahren, er flutet über die Erde hinweg, nimmt die obere Schicht mit sich, hinterlässt Gräben wie Schnittwunden. Nur noch vereinzelte Palmen und Dornbüsche halten sich, die Einheimischen in der Umgebung können nur noch kläglich von Nusssträuchern leben; wer kann, verdingt sich in Pondicherry als Tagelöhner. Und hier soll eine Zukunftsstadt aus dem Boden gestampft werden!“ Tatsächlich beginnen noch die ersten Siedler, die aus aller Welt nach Südindien kommen, parallel zum Hüttenbau in der glühenden Sonne mit den ersten Aufforstungsmaßnahmen. Ein als Experte geladener deutscher Professor für Wasserbau erklärt das Vorhaben der Pioniere allerdings schlichtweg für verrückt: ‚Die Erde hier ist so gut wie tot, die Canyons dürfen auf keinen Fall tiefer werden!‘“ Auf seinen Rat hin versuchen die Menschen zunächst erst einmal, mittels Erdwällen das Wasser des Monsuns zu halten, denn es scheint klar, dass man „erst einmal die Erde retten muss, bevor irgend etwas anderes geschieht“.
35 Jahre später wird die Anzahl der Bäume, die die Bewohner Aurovilles zum Teil mit Permakultur-Methoden gepflanzt und am Leben erhalten haben, auf drei Millionen geschätzt! Ein indienreisender Freund berichtete mir kürzlich von Auroville, dass die Bäume den Menschen dort nicht nur wortwörtlich, sondern sogar im übertragenen Sinn „über den Kopf gewachsen“ seien, denn vielerorts ist die Vielzahl der wuchernden Pflanzen kaum mehr zu kontrollieren, und der Dschungel nimmt den Siedlungen zunehmend das Tageslicht. „Grüne Hölle!“ – welch ein Kontrast zu dem oben beschriebenen Bild der Anfangsjahre …

Genial-einfache Permakultur

Eine faszinierende Methode zur Wiederbegrünung selbst weit entlegener Gebiete hat der japanische Permakultur-Pionier Masanobu Fukuoka mit seinen Lehm-Pellets entwickelt. Dabei werden eine möglichst große Bandbreite von Samen verschiedener heimischer und nicht-heimischer Pflanzen in einen Teig aus Humus, Wasser und Lehm gerührt, dieser dann zu ca. 1–2 cm großen Lehmbällchen geformt und in der Sonne getrocknet. Fukuoka empfiehlt, die Samen von mindestens einhundert verschiedenen Arten zu verwenden, darunter Gründüngungspflanzen, Blatt- und Wurzelgemüse, Blumen, kleine Mengen verschiedener Getreidearten sowie auch Busch- und Waldbaumsamen, Obstsamen und -kerne. Die derart hergestellten Lehmbällchen sind insbesondere für solchen Flächen bestimmt, denen die fruchtbare Erdkrume durch Entwaldung und Erosion verloren gegangen ist. Der Lehm schützt die Samen so lange vor hungrigen Nagetieren, Vögeln und Insekten, vor starkem Wind, Krankheiten und vor dem Austrocknen in der Sonne, bis eine geeignete Menge Regen fällt, um das Lehmpellet aufzuweichen. Umhüllt von einem Mini-Lebensraum aus Nährstoffen und unterstützenden Bodenmikroben können die Samen nun sprießen. Obwohl wegen der extremen Bedingungen nicht sämtliche Samenarten eines Bällchens keimen, schaffen es doch diejenigen unter ihnen, welche die richtigen Voraussetzungen für die jeweiligen Verhältnisse der Mikro-Umgebung mitbringen. Die übrigen, zumeist nicht-heimischen Pflanzen, die für den Standpunkt nicht geeignet sind und eingehen, liefern den überlebenden Pflanzen mit ihrer Biomasse weitere wertvolle Nährstoffe.
Fokuoka und die Permakulturszene denken vor allem pragmatisch: Für die Herstellung der Samenbällchen für größere Gebiete benutzen sie Betonmischmaschinen und bringen – wie etwa in Tansania, Indien und Griechenland – die Pellets auch schon mal mit Flugzeugen aus. Im Frühjahr 1998 initiierten Masanobu Fukuoka und sein langjähriger Schüler Panaiotis Manikis in Griechenland die Initiative „Grüner Gürtel für Südeuropa“. Um die Realisierbarkeit ihrer Vision zu beweisen, organisierten sie eine erste große Pellet-Aussaataktion am Vegoritidasee in Nordgriechenland. Freiwillige aus ganz Europa, darunter mehrere hundert Schüler, Studenten und Bauern, haben damals sieben Tonnen Samen mit 60 Tonnen Tonerde pelletiert und auf 2.500 Hektar ausgesät. Weitere Aussaataktionen im Rahmen der Grüngürtel-Initiative fanden später in Tamera/Portugal, in Süd-Griechenland und in Italien statt.

Noch mehr grüne Gürtel

Das abschließende, wunderbare Beispiel für eine erfolgreiche Wiederaufforstungsstrategie könnte eigentlich in vielen Ländern der dritten Welt politischen Modellcharakter haben. Obwohl seine Anfänge fast dreißig Jahre zurückliegen und es durch Medienberichte und Auszeichnungen einen weiten Bekanntheitsgrad erlangte, habe ich bislang jedoch leider noch nicht von Nachahmungsprojekten gehört.
Der folgende Bericht über das kenianische Greenbelt-Movement ist eine leicht adaptierte und gekürzte Form des entsprechenden Kapitels aus Geseko von Lüpkes äußerst lesenswertem Buch über die Preisträger des alternativen Nobelpreises, „Die Alternative“ (Riemann Verlag).
„Wie in so vielen Gegenden der Erde war auch in Kenia aus einem biologisch reichen Farmland durch eine falsche Entwicklungspolitik tote Erde geworden. Große Monokulturen für den lukrativen Kaffee- und Teeanbau hatten die Böden ausgelaugt. Alter Baumbestand und windbrechende Büsche waren gerodet worden, um immer mehr Anbauflächen für den Export zu gewinnen. Die Qualität der Böden nahm ab; ohne Wurzeln wurde die dünne Humusschicht vom Wind abgetragen; es gab immer weniger Feuerholz für die Armen, um zu kochen und zu heizen. Die Versteppung und Ausdehnung der Wüsten nahmen zu, das Grundwasser sank immer tiefer. Für ein Land wie Kenia, in dem 90 Prozent der Menschen auf und von dem Land leben und Holz 75 Prozent des Energiebedarfs deckt, war das eine katastrophale Entwicklung. Die Menschen flohen von dem Land, das sie nicht mehr ernähren konnte. Alternativen waren außer Sichtweite. Die Krise wurde genau mit den Methoden bekämpft, die sie hervorgebracht hatte: Mehr Monokulturen sollten mehr Devisen ins Land bringen, mit denen mehr Dünger, Pestizide und Chemikalien gekauft werden sollten, um mehr zu produzieren. Ein Wachstum in den Untergang.
Inmitten der Krise wuchs bei der jungen kenianischen Biologin Wangari Maathai folgende Einsicht: ‚Die Slums in den Städten waren nur ein Symptom der Umweltzerstörung. Die heutigen Probleme hängen direkt mit den Fehlern von gestern zusammen.‘ Um das Problem an der Wurzel zu lösen, musste das Land neu ‚verwurzelt‘ werden. Anstatt auf jedes Problem isoliert und ohne Verständnis für die Zusammenhänge zu reagieren, war eine Lösung gefragt, die jeder verstehen und umsetzen konnte. Mehr Bäume, so erkannte sie, waren die Lösung! Sie würden alle Aspekte der Spirale in Armut und Abhängigkeit berühren. Bäume könnten Feuerholz liefern, düngendes Laub, Früchte, Honig, Heilkräuter und neue Rohstoffe für Häuser, Zäune und Gebrauchswaren. Bäume konnten die Schönheit der Landschaft wiederbeleben und mit ihr die Liebe zum Land, sie lieferten Lebensqualität und Schatten, Nahrung für Leib und Seele.
Als Wangari Maathai mit ihrer Idee, in Kenia 15 Millionen Bäume zu pflanzen, im staatlichen Forstamt vorstellig wurde, lachte man sie aus und versprach ihr voreilig, für die nötigen Samen schon sorgen zu können. Das Lachen sollte den Staatsförstern jedoch schon bald vergehen. Längst sind Millionen von Bäumen gepflanzt, überall im Land sind Baumschulen entstanden, Kenia ist von einem Netz grüner Gürtel überzogen, und die Landbevölkerung hat ihr Selbstbewusstsein wiedergefunden. Wangari Maathais Trumpf war dabei ihre enge Zusammenarbeit mit dem kenianischen Frauenverband. Hier verstand man 1977 die Zusammenhänge zwischen mangelnder Gleichberechtigung, sozialer Not, verkehrter Entwicklung und Umweltzerstörung und war mit einer schon gut funktionierenden Infrastruktur bereit, die Idee zu unterstützen, Kenia mit ‚grünen Gürteln‘ aus der Not herauszuführen. Gerade die Frauen reagierten begeistert auf die Idee, Baumschulen zu gründen und mit Hilfe der Schwächsten – Kinder und Behinderte – das Land aufzuforsten, den fruchtbaren Boden zu sichern und sich dabei zugleich ein nachhaltiges Einkommen durch den Verkauf von Samen und Setzlingen zu schaffen. Nicht nur am Rand der Slums, sondern überall im Land wurde gebuddelt und gepflanzt, gehegt und gepflegt.
‚Doch das Wundervollste an den Bäumen war ihre Lebendigkeit‘, erinnert sich Wangari Maathai. ‚Je mehr sie wuchsen, desto tiefer traten die Menschen mit ihnen in Beziehung, freuten sich an ihnen, pflegten sie.‘ Aus einer Aktion gegen die pure Not war eine Sache des Herzens geworden. Und mit jedem neuen Baum wurde zeremoniell an die Rechte künftiger Generationen erinnert:
‚Wir wissen, dass Kenia von der Austrocknung bedroht ist und das Wachstum der Wüsten die Folge einer falschen Landwirtschaft ist, die durch Rodungen die Erosion der Böden fördert und zu Dürren, Nahrungsmangel, Hungersnöten und Tod führt. Wir erklären hiermit, unser Land durch Pflanzungen, überall wo es möglich ist, retten zu wollen. Indem wir dies erklären, verpflichtet sich jeder von uns persönlich dazu, unser Land vor Handlungen und Einflüssen zu bewahren, die für heutige und künftige Generationen die Fülle der Natur zerstören, die unser Eigentum und Lebensrecht ist.‘
Darin lag nicht nur eine klare politische Ausrichtung, sondern auch eine psychologisch tief gehende Rückbindung an die afrikanische Vergangenheit. ‚Wir alle bringen etwas Entscheidendes aus der Vergangenheit mit‘, so Wangari Maathai. ‚Darin liegen unsere Identität und Sicherheit, die wir brauchen, um unseren Platz in der Menschheit einzunehmen. Um uns zu vertrauen, müssen wir wissen, wer wir sind, und uns selbst wertschätzen. Und wenn wir uns selbst wertschätzen, geben wir auch der Natur und künftigen Generationen einen Wert.‘
Gezielte finanzielle Förderungen staatlicher Stellen und internationaler Organisationen bei der Bereitstellung des Saatguts, der Betreuung und Ausbildung der Mitarbeiter, der Öffentlichkeitsarbeit machten die Bewegung zu etwas, was weit über Kenias Grenzen hinaus wahrgenommen und bewundert wurde. Schon zu Anfang der 90er-Jahre waren in tausenden von Dörfern mehr als zehn Millionen einheimische Bäume gepflanzt worden, lokale Greenbelt-Initiativen hatten mehrere hundert Baumschulen gegründet, analphabetische Frauen waren zu Kleinunternehmerinnen geworden, zahllose Arbeitsstellen waren neu geschaffen wurden, die Integration von Behinderten hatte die dörflichen Gemeinschaften solidarischer werden lassen und den Rechtlosen neuen Mut gegeben.
Die Bäume begannen nicht nur, das Land aufzuwerten und das Leben der Frauen zu erleichtern. Der Mythos, hilflos der Armut und Zerstörung ausgeliefert zu sein, zerbrach. Frauen, Kinder und Behinderte lebten den Männern eine Lösung vor. Die Grüngürtel-Bewegung wurde von Schulen übernommen, Kleinbauern erkannten die Chance und ergriffen sie. Die Bewegung wuchs explosionsartig und begann ganz von selbst, sich grundlegenderen Fragestellungen zuzuwenden: Was war in Kenia passiert? Wieso war öffentliches Land privatisiert und bis zur Zerstörung ausgebeutet wurden? Wer hatte Interesse an solch einer Landwirtschaftspolitik, welche Politiker profitierten als Großgrundbesitzer? Welche internationalen Zwänge lagen auf dem Land, durch schnell wachsende Monokulturen Schuldendienste leisten zu müssen? Wie hatte Kenia die Kontrolle über das eigene Land und die eigene Zukunft verloren? Wieso war den ausländischen Unternehmen gestattet, die gefährdete Umwelt weiter zu belasten?
Es schien, als würden die gesunden Bäume der Grüngürtel-Bewegung die Wurzeln der Fehlentwicklung immer mehr bloßlegen: Das Greenbelt-Movement und seine Aktivisten wurden politisch, begannen Forderungen zu stellen, sich zu organisieren, die Mechanismen der Globalisierung zu erkennen und zu einem kritischen und nicht immer beliebten Faktor der Politik zu werden. Es war deutlich geworden, dass menschliche Entwicklung, Gleichberechtigung, wirtschaftliche Stabilität und sozialer Friede nur in einer gesunden Umwelt wachsen konnten. Das ging nicht ohne grundlegende politische, rechtliche und wirtschaftliche Reformen.
Und je mehr die herrschenden Strukturen von der Bewegung und ihren selbstbewusst gewordenen Aktivisten infrage gestellt wurden, desto schwieriger wurde die Zusammenarbeit mit der Regierung.
Heute steht die Grüngürtel-Bewegung an einer Wegscheide. Ihr ökologisches Wirken hat mit hunderttausenden von freiwilligen Mitarbeitern längst eine hohe Eigendynamik erreicht und lässt sich kaum mehr aufhalten. Ob die Bäume und ihre sozialen und ökologischen Früchte langfristig auch die Politik Kenias verändern können, wird sich erst noch zeigen. Die Spirale der ökologischen Zerstörung und der daraus resultierenden sozialen Not konnte durch die Initiative der Betroffenen vielerorts gebremst und häufig umgekehrt werden. Dem verbreiteten afrikanischen Selbstbild als Versager und Opfer im globalen Konkurrenzkampf haben die Schwächsten der Schwachen ein nachhaltiges Modell entgegengesetzt. Neue Einsichten, neues Selbstbewusstsein, neuer Stolz, neue Forderungen sind daraus wie von selbst entstanden. Die Menschen haben sich selbst entwickelt.“

Ein Feiertag für die Bäume
[Ergänzung 12/2004]

Das Eingangs erwähnte Spanien könnte in Puncto Wiederaufforstung noch von einem weiteren Land etwas lernen: von Israel. Zwar ist hier das Bäumepflanzen durch die Bevölkerung in einer religiösen Tradition begründet und nicht etwa in staatlicher oder privater Initiative – aber darauf kommt es ja auch nicht unbedingt an!
Jedes Jahr im Frühling, am 15. des jüdischen Kalendermonats Schewat (Ende Januar/Anfang Februar), wenn die Obstbäume knospen und die Mandelbäume zu blühen beginnen, feiert man in Israel und in den jüdischen Gemeinden der Welt Tu Be-Schewat, das „Neujahrsfest der Bäume“. Seit dem Bestehen des Staates Israel hat diese Tradition eine besondere Bedeutung erhalten und wird von orthodoxen wie von reformierten Juden als offizieller staatlicher Feiertag begangen. Die Menschen -und hier vor allem die Kinder- pflanzen zur Verschönerung und Belebung der Strassen und Plätze ihres Lebensumfeldes möglichst viele Bäume. Im heutigen Israel ist das Pflanzen der Bäume mit einer Feier verbunden. Man tanzt und singt und veranstaltet Festessen, zu Hause und in der Öffentlichkeit.
Im modernen Tel Aviv findet an Tu Be-Schewat alljährlich ein Fest statt, das in der ganzen jüdischen Welt bekannt ist. Vom frühen Morgen an ist überall Trompetengeschmetter zu hören. Das ist ein Zeichen für die Kinder, sich dort zu versammeln, wo die Bäume gepflanzt werden sollen. Der älteren Jugend fällt die Aufgabe zu, in festlichen Ansprachen die Bedeutung dieses Feiertages zu erklären, wobei die Redner in symbolische ‚Priestergewänder‘ gekleidet sind. Darauf folgt ein buntes Programm, es wird gesungen und rezitiert. Die Feier erreicht ihren Höhepunkt, wenn je drei oder vier Kinder aus jeder Gruppe ein Bäumchen zum Pflanzen erhalten. Die Pflanzlöcher werden an den dazu bestimmten Stellen ausgehoben, die Bäume werden gesetzt und sorgfältig begossen.
Bereits 1901 wurde von zionistischen Juden die Keren Kayemet-Stiftung (“Jüdischer Nationalfonds” JNF) gegründet, um Land für Landwirtschaftssiedlungen zu erwerben und Erschließungs-, Urbarmachungs- und Aufforstungsprojekte in Israel durchzuführen. Bis zur Errichtung des Staates Israel konnte der JNF mit Geldern, die von Juden aus aller Welt bereitgestellt wurden, 96 000 Hektar Land erstehen. Ein Teil dieses Landes stellt die Keren Kayemet-Stiftung für neue Anpflanzungen an Tu Be-Schewat zur Verfügung, wobei sie sich auch um Saatgut und weitere Pflege kümmert. Insgesamt hat die Arbeit des JNF in den letzten einhundert Jahren dazu beigetragen, etwa 4,5 Millionen neue Bäume auf den Felshängen des Landes Israel anzupflanzen – eine beeindruckende Tatsache, die jedoch insofern nachdenklich macht, wenn man sich in Erinnerung ruft, dass die israelische Regierung zur gleichen Zeit willkürlich die Olivenhaine palästinensischer Ölbauern abholzen lässt und/oder ihnen durch den Bau der neuen Mauer den Zutritt zu ihren Ländereien verwehrt ... [Ergänzung Ende]

Mammutunternehmen Zaubereicheln

Bei all solchen nach wie vor existenten Problemen und Konflikten: reichen die hier angeführten Beispiele nicht aus, um die Zukunft der Erde wieder etwas grüner sehen zu können? An effektiven Aufforstungsmethoden scheint es nicht zu mangeln. Wie könnte jedoch konkret erreicht werden, dass auch in anderen verwüsteten Gegenden der Erde die Menschen den einfachen Zusammenhang zwischen Bäumen, Wasser und Leben verstehen und selbst initiativ werden? Gewiss, die notwendige Wiederaufforstung der Erde ist ein Mammutprojekt unvorstellbaren Ausmaßes. Aber sind wir zu dieser Zeit nicht über sechs Milliarden Menschen, so viele Hände wie noch nie? War nicht auch die einstige Entwaldung weiter Landstriche – zumeist nur mit einfachen Äxten und Zugtieren – ein schier unvorstellbares Unterfangen, dessen Umsetzung letztlich nur Willen und die aus der jeweiligen Zeit heraus verstandene Notwendigkeit gebraucht hat? Anders als der Bau der Pyramiden oder des Panamakanals, bei denen abertausende Menschen den Tod fanden, aber nur ganz wenige vom Bau profitierten, würde dieses grüne Mammutunternehmen das Leben auf der Erde erhalten und somit allen Lebewesen gleichermaßen zugutekommen.
Um den Bogen zu meinen ersten Gedanken am Anfang dieses Artikels und somit zu meiner eigenen Kindheit zu schlagen, will ich Sie hier noch in eine Fantasie über die Wiederaufforstung hineinnehmen, die mich schon seit Jugendtagen fasziniert: die Zauber-eicheln des Miraculix, die in der Asterix-Folge „Die Trabantenstadt“ zum Einsatz kommen. Cäsar hofft in dieser Episode, den Widerstand des kleinen, unbeugsamen gallischen Küstendorfs langfristig dadurch schwächen zu können, indem er es mit einer „modernen“ Römerstadt, einem Ableger Roms, umbauen lässt und es auf diese Weise langfristig „zu einem unbedeutenden Vorort“ macht. Der kluge Druide Miraculix taucht jedoch Eicheln in seinen sagenhaften Zaubertrank und lässt die derart präparierten Samen von Asterix und Obelix nachts auf die von den Römern für die Baustelle gerodeten Flächen aussäen. Sobald diese Zaubereicheln mit dem Boden in Kontakt kommen, schießen in explosionsartiger Schnelligkeit neue Bäume in den Himmel – und die verzweifelten römischen Bauplaner müssen jeden Morgen aufs Neue feststellen, dass die mühsam dem gallischen Wald abgerungenen Lichtungen über Nacht wieder vollständig zugewachsen sind …
Ach, wenn mir doch eine gute Fee einen einzigen Wunsch erfüllte und mir zum Wohle der Welt zwanzig Lastwagenladungen mit Zaubereicheln bescherte! Wie einfach, kurzweilig und vor allem effektiv wäre damit der kreative Widerstand gegen die „lebensfressende Megamaschine“. Man male sich das einmal ausführlich aus: zwanzig Vierzigtonner voller Zaubereicheln! Was ließe sich damit nicht alles anstellen?
Träumen Sie mit, liebe Leserinnen und Leser – und greifen Sie dann zum bewährten Saatgut aus Gottes zauberhafter Natur! Denn diese Lehre sollten wir aus der aktuellen Ethik-Debatte um die vermeintliche Notwendigkeit der Gentechnik gezogen haben: Die Natur ist bereits perfekt und bedarf – anders als das menschliche Verhalten – keiner Verbesserung! Üben wir uns also in Geduld und Hoffnung, wenn wir für die nachfolgenden Generationen Bäume pflanzen und es mit Martin Luther halten, dem sinngemäß der Ausspruch nachgesagt wird: „Und wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge – ich würde heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen“.


Ergänzungen 5/2005:
Der mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnete Ökologe Dr. Michael Succow erwähnte in einem Vortrag im Rahmen der Konferenz "Die Alternative" im Münchener Goethe-Institut im März 2005 einige erstaunliche, im Westen bislang unbekannte ökologische Bemühungen des boomenden China. So läßt die dortige Partei von einem riesigen Heer ehemals arbeitsloser Industriearbeiter jährlich eine Fläche von der Größe Deutschlands aufforsten. In der Mongolei (?) wird Steppe von der Fläche Schleswig-Holsteins und im tibetischen Hochland riesige Moorgebiete wiederhergestellt. Zudem hat ein Parteibeschluß festgelegt, dass die durch Grundwasserentnahme ausgetrockneten, einzigartigen Wüstenpappelwälder wiederangepflanzt werden...
Diese Schritte weisen natürlich in die richtige Richtung, wenngleich natürlich bezweifelt werden darf, dass die ergriffenen Maßnahmen die ungeheure Ressourcenentnnahme im Rahmen des derzeitigen chinesischen Wirtschaftsboomes (mit zweistelligen Wachstumsraten!) ausgleichen können.
Siehe dazu auch hier:
http://www.china-embassy.ch/ger/4/t135719.htm

Die Autoren Eric Biehl und Volker Freystedt beschäftigen sich in ihrem Buch "Equilibrismus – Neue Konzepte statt Reformen für eine Welt im Gleichgewicht" (Signum, Wien 2005) u.a. mit dem unausgeschöpften Potenzial von Pflanzenölen als einer Energiequelle mit unvergleichbarem Wirkungsgrad. Dabei berichten sie über eine Ertragreiche und gleichzeitig äußerst anspruchslose Ölpflanze, die sich sehr gut als Pionierpflanze zur Rekultivierung von Wüstenrandzonen eignet: die Purgiernuss (Jatropha curcas L.):
"Ihre Vorfahren waren bereits vor 70 Mio. Jahren in den Tropen und Subtropen verbreitet - sie hat also schon einiges miterlebt. Und da es ca. 170 Unterarten mit verschiedensten Eigenschaften gibt, bestehen für Kreuzungen schier unerschöpfliche Möglichkeiten. Die Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) hat in den 80er Jahren unter dem Schock steigender Ölpreise und zunehmender Verknappungsängste eine Untersuchung angestellt: “Die Purgiernuss – Mehrzweckpflanze als Kraftstoffquelle der Zukunft?“ Jatropha ist äußerst anspruchslos und hält auch längere Trockenperioden aus. Eingesetzt wird sie vorrangig zur Bodenbefestigung und als Erosionsschutz. Purgiernusshecken halten aber nicht nur den Wind ab, sie eignen sich auch als Einfriedung für Felder, die vor Tieren geschützt werden sollen, da sie wegen ihrer Bitter- und Giftstoffe nicht von Ziegen gefressen werden.
Die Purgiernuss wurde auch als Heilpflanze verwendet, u.a. als Kontrazeptivum, Wunddesinfektion, Abführmittel und zur Behandlung rheumatischer Schmerzen. Extrakte eignen sich auch als biologisches Pestizid gegen zahlreiche Schädlinge. Wegen ihres Gifts ist ihr Samen allerdings nicht für die Ernährung geeignet, und auch der Presskuchen, der bei der Ölgewinnung anfällt, kann nur als Dünger Verwendung finden.
Das Öl lässt sich in Lampen und Kochern einsetzen und wird auch zur Seifenherstellung genutzt.
[... Und] auch einige Dieselmotoren können mit diesem Öl betrieben werden: Aus einem Kilometer Hecke lassen sich ca. 300 Liter Öl gewinnen und die Energieversorgung gerade in entlegenen Gebieten, in die in der Regenzeit oft kein Tankwagen durchkommt, sicherstellen.
Mit Hilfe der Purgiernuss können so in vielen Gegenden die Erosion bekämpft und die Qualität des Bodens verbessert werden. Gleichzeitig wird den Bewohnern eine Einkommensquelle verschafft (wobei besonders die Frauen davon profitieren können) und die lokale Energieversorgung sichergestellt.
Mit deutscher Unterstützung sind bereits Projekte in Mali, Tansania, Sambia und Ghana angelaufen. Andere Organisationen unterstützen Jatropha-Initiativen in Mittelamerika, der Karibik und Sri Lanka.
In Indien ist geplant, auf einer Länge von 25 000 Kilometern beidseitig der Eisenbahnschienen Jatropha-Sträucher zu pflanzen und fünf bis zehn Prozent des Petrodiesels der Züge durch Pflanzenöl zu ersetzen. Da auf die Eisenbahn in Indien ein Zehntel des nationalen Dieselverbrauchs entfällt, würde hier für die heimischen Bauern eine willkommene Einnahmequelle entstehen und die Umweltbelastung um einiges gemildert werden.“
http://www.equilibrismus.de

Ergänzungen 10/2005:
In der „Wissen“-Rubrik der Süddeutschen Zeitung fanden sich in den vergangenen Wochen zwei interessante Beiträge zum Thema Aufforstung.
Unter dem Titel „Böse Bäume“ erschien am 24. August 2005 ein Artikel von Alexandra Hoster, in dem sie von den Untersuchungen Ian Calders von der University of Newcastle berichtet. Dieser hatte in Indien, Costa Rica, Südafrika und Tansania den Einfluss von Bäumen auf den Wasserhaushalt erforscht und war zu dem Schluss gekommen, dass Aufforstungsmaßnahmen – die ja vor allem dazu beitragen sollen, dass der Boden mehr Wasser halten kann – mitunter sogar kontraproduktiv für den Grundwasserspiegel sind. Das sei so, weil „viele Bäume über ihre Blätter mehr Feuchtigkeit verdunsten, als dies zum Beispiel Gräser tun. … So verdunsten Arten, die schnell wachsen und tiefe Wurzeln haben, besonders viel Feuchtigkeit.“ Wichtig scheint neben der sorgfältigen Auswahl der Baumarten auch der Standort und die Bodenbeschaffenheit zu sein: Angeblich entziehen an Gewässern stehende Bäume diesen mehr Wasser, als durch ihren Schatten vor dem Verdunsten bewahrt wird. Aufforstungen auf Grasland mit lockerem Boden, können laut Calders Untersuchungsergebnissen sogar die Erosion des Bodens verstärken; die Wasserspeicherfähigkeit der Bäume sei nicht wesentlich besser als die von intaktem Grasland. Doch die Ergebnisse zeigen auch, dass eine Aufforstung sehr wohl helfen kann, wenn das Erdreich durch intensive Landwirtschaft dünn und hart geworden ist. Die Böden könnten sich dann erholen und wieder mehr Wasser speichern, das sie in trockeneren Perioden abgeben. Diese erhöhte Speicherkapazität der Böden könne die starke Verdunstung über die Blätter ausgleichen. Der Artikel zitiert auch den Direktor eines forstwirtschaftlichen Forschungsprogramms, John Palmer. Selbst wenn die Bäume mehr Wasser verdunsten als die bestehende Vegetation, könne es Gründe für eine Aufforstung geben, sagt dieser. „Der Nutzen des Waldes als Lieferant von Holz, Früchten und hundert anderen Dingen und seine Vorteile für das Ökosystem können den höheren Wasserverbrauch durchaus aufwiegen.“

In der Ausgabe der Süddeutschen Zeitung vom 13. September 2005 erschien dann ein weiterer Baum-Beitrag, diesmal von Friederike Lorenz: „Ein Wald, den es nicht geben dürfte – Ökologen rätseln, wie am Rand der israelischen Nagev-Wüste Bäume gedeihen können“. Im Jahr 1965 hatte man in einer Art Trotzreaktion tausende Bäumchen in die Nagev-Wüste gepflanzt und auch die ersten Jahre hindurch künstlich bewässert. Bald konnten die Bäume jedoch zum allgemeinen Erstaunen ohne Bewässerung leben, denn ihre Wurzeln hatten eine bis dahin unentdeckte wasserführende Schicht erreicht. „Doch der Wald gab neue Rätsel auf. Er wuchs und wuchs – und das viel schneller, als das Wälder in einem so trockenen Klima normalerweise tun. Mit 40 Jahren ist er heute schon der größte von Menschen angelegte Wald Israels mit einer Fläche von 3000 Hektar.“ Forscher haben nun festgestellt, dass der neue Wald viel mehr Kohlendioxid aufnimmt, als es die Bedingungen eines Trockengebietes je vermuten ließen. Sie stellten deshalb einen Zusammenhang zwischen der erhöhten Kohlendioxidaufnahmefähigkeit und dem erhöhten Wachstum her. Kohlendioxid könne Wüsten begrünen, lautet ihre griffige These, weil der Anteil dieses Gases in der Luft heute allgemein höher liegt als vor der Industrialisierung: „Für Pflanzen ist CO2 ein überlebenswichtiger Stoff, den sie zum Wachsen brauchen. Normalerweise haben die Pflanzen in trockenen Gegenden aber ein Problem: Um CO2 aufnehmen zu können, müssen sie ihre Poren öffnen. Wenn sie das tun, verlieren sie jedes Mal Wasser. Mit dem kostbaren Nass muss die Wüstenpflanze aber unbedingt gut haushalten: Also nimmt sie nur wenig Kohlendioxid auf und wächst deshalb sehr langsam. Heute aber ist der CO2-Gehalt in der Luft durch den Verbrauch fossiler Brennstoffe höher als früher. Für die Pflanzen reicht es jetzt, die Poren weniger weit aufzumachen – trotzdem kriegen sie genug Kohlendioxid“, begründet der Wissenschaftler Dan Yakir von der Universität in Newcastle seine Theorie. Doch der Artikel zitiert auch Annette Freibauer vom Max-Planck-Institut, die anhand eigener Untersuchungen festgestellt haben will, dass „Kohlendioxid einfach nicht der entscheidende Faktor“ für das Wachstum der Wälder ist. Wie dem auch sei – der Bericht über das rätselhaft schnelle Wachstum des Yatir-Waldes beweist in jedem Fall die die grundsätzliche Möglichkeit, tote Erde in ein grünes Paradies zu verwandeln.
Beide zitierten SZ-Artikel können aus dem kostenpflichtigen Online-Archiv der Zeitung unter http://www.sueddeutsche.de eingesehen werden. Auf Anfrage verschicke ich auch Abschriften der Artikel: js_AT_humantouch.de


Böse Bäume, Teil II:
Dass Bäume, wie im oben zitierten Artikel bereits angeklungen, nicht immer nur positive Auswirkungen auf das Ökosystem haben, beweist auch das nachfolgende Fundstück aus dem Internet:
„Bäume sind Luftverschmutzer,“ gab einst Ronald Reagan dem erstaunten Publikum zu besten. Das Zitat wurde weltberühmt und galt als Beleg für die umweltpolitischen Ignoranz von good old Ronny. Jetzt stellt sich heraus: Er hatte gar nicht so unrecht. Britische und kalifornische Forscher fanden unabhängig von einander heraus, dass Bäume tatsächlich auch Schadstoffproduzenten sei können. So produziert in den Bergen der Sierra Nevada eine Eichenart vierzig bis siebzig Prozent der Bodenozons, das die dortigen Kiefernwälder schädigt. (Quelle: independent.co.uk vom 24.11.2002)




Weitere Informationen:

Schöne Internetseiten sind http://www.spirit-of-trees.de sowie die Seite von „Grüner Gürtel Südeuropa“: http://www.mir.org/greenbelt/deutsch/edessa.htm

Literatur:
Jochen Kirchhoff: Die Erlösung der Natur. Impulse für ein kosmisches Menschenbild, Drachen Verlag, Klein Jasedow, (erscheint September 2004), ISBN 3-927369-11-X.
Renate Börger: 35 Jahre Auroville, eine Vision in Arbeit, Connection Verlag, München 1993, Neuauflage 2001,
ISBN 3-928248-01-4
Geseko von Lübke: Die Alternative. Wege und Weltbild des Alternativen Nobelpreises, Riemann-Verlag, München 2003,
ISBN: 3-570-50031-4
Masanobu Fukuoka: Die Suche nach dem verlorenen Paradies. Natürliche Landwirtschaft als Ausweg aus der Krise, Pala-Verlag, 1999, ISBN 3923176635

Es seien noch die erstaunlichen Auswirkungen bestimmter Mondphasen auf die Holzqualität angesprochen. In manchen Gebieten des Alpenraums gibt es noch ein tradiertes Wissen über den richtigen Erntezeitpunkt der Bäume. Das Buch von Erwin Thoma, „Dich sah ich wachsen“, Brandstätter-Verlag, 1998, hat in den letzten Jahren ein Revival des „Mondholzes“ eingeläutet.

Ein sehr erstaunlicher ZEIT-Artikel zum Zustand des europäischen Waldes inklusive einer tollen "Waldkarte Europas" findet sich unter http://www.zeit.de/2003/02/N-Wald. Es ist in dieser Hinsicht auch sehr erhellend, den Wikipedia Eintrag zum Stichpunkt „Waldsterben“ zu lesen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Waldsterben




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Schilk, Jochen

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