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Suche nach dem Ort der Stille
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Ausdruck eines Wertewandels: Retreat-Center als moderne Klöster
Im Zentrum von Hamburg-St.Pauli haben junge Leute eine ehemalige Schiffsschraubenfabrik in ein Meditations-Zentrum verwandelt. In Berlin erfuhr laut einem STERN-Bericht eine frühere Autowerkstatt eine erstaunliche Umwidmung zu einer spirituellen Rückzugsoase für berufstätige Großstädter. Noch öfter jedoch sind es in idyllischer Landschaft in historischen Villen und Schlössern eingerichtete Retreat-Center, die mit einem großen Angebot für Körper, Geist und Seele das zunehmende Inter-esse vieler Zeitgenossen nach individuellen Lebensalternativen und ideo-logiefreien Sinnerfahrungen beantworten.
Im Zentrum von Hamburg-St.Pauli haben junge Leute eine ehemalige Schiffsschraubenfabrik in ein Meditations-Zentrum verwandelt. In Berlin erfuhr laut einem STERN-Bericht eine frühere Autowerkstatt eine erstaunliche Umwidmung zu einer spirituellen Rückzugsoase für berufstätige Großstädter. Noch öfter jedoch sind es in idyllischer Landschaft in historischen Villen und Schlössern eingerichtete Retreat-Center, die mit einem großen Angebot für Körper, Geist und Seele das zunehmende Inter-esse vieler Zeitgenossen nach individuellen Lebensalternativen und ideo-logiefreien Sinnerfahrungen beantworten.
Genau diese Erfahrung und diese übende Praxis wird heute von vielen Menschen als Gegengewicht zur Hektik des modernen Alltags gesehen und verstanden. Die Teilnehmer suchen in mehrwöchigen Retreats seelische und körperliche Entspannung sowie im weiteren Sinn Gesundung und Orientierung. Die an Körper, Geist und Seele gleichermaßen gerichtete Zuwendung soll einen Gewinn an Kraft und Vision für das eigene Leben bringen. Das Spektrum der Besucher umfasst in der Regel gut ausgebildete und aufgeklärte Menschen aller Altersgruppen. Mit ihrem Interesse an ganzheitlichen Angeboten gelten sie für Beobachter als repräsentativ für die neuentstandene Bevölkerungsgruppe der „kulturell Kreativen“. Als solche bezeichnet der US-Soziologe Paul Ray die Träger eines seit den letzten Jahrzehnten bei fast einem Drittel der amerikanischen Gesellschaft vor sich gehenden Wertewandels, den eine großangelegte Untersuchung zu Lebensstil und Werteorientierung in den USA dokumentiert (siehe u.a. www.kulturkreativ.net). Erstaunlich ist laut Ray, dass sich dieser Wertewandel noch weitgehend unerkannt vom Mainstream der Gesellschaft vollzieht. Kulturell Kreative glauben, „dass die heutige Welt zu komplex ist, um sie allein mit linearem, analytischem Denken zu lösen. Sie setzen sich mit Ökologie und nachhaltigem Wirtschaften auseinander und sind interdisziplinären wissenschaftlichen und psychologischen Themen gegenüber aufgeschlossen. Spiritualität und Selbstverwirklichung haben für die Mehrzahl von ihnen eine große Bedeutung.“ (Psychologie Heute).
Das im schweizerischen Bad Schönbrunn auf hohem Niveau geführte „Lassalle-Haus“ ist eines der bekanntesten Beispiele für die in den letzten Jahren an mehreren Orten Europas entstandenen kulturkreativen Klöster. Sie nennen sich Zentren der inneren Stille oder Häuser der kreativen Einkehr.
Gemeinsam ist ihnen, dass sie, jenseits einer ausschließlichen Ausrichtung auf religiöse oder therapeutische Schulen oder einen spirituellen Meister, einfache und fundierte Möglichkeiten zur Entdeckung der Stille in uns selbst aufzeigen. Die Gäste dieser neuen Art von Retreat-stätten erwartet eine Vielfalt von Meditationskursen, Coaching-angeboten, Seminaren und unterschiedlichen Hilfen für ihre berufliche und private Lebensweg- und Sinnsuche. Begleitend und ergänzend finden sich in den Zentren anspruchsvolle Wellness-Bereiche, Massagemöglichkeiten, therapeutische Behandlungen sowie eine kulinarisch und biologisch hochwertige Ernährung, oft mit vegetarischer Betonung.
Auch das in absehbarer Zukunft unweit der Ostseeküste bei Wismar seine Tore öffnende „Gut Saunstorf“ steht stellvertretend für die besondere Ausdrucksform und Erfahrungsmöglichkeit der kulturell-kreativ ganzheitlichen Orientierung. Im Umfeld eines denkmalgeschützten und liebevoll restaurierten Gutshofes wird sich, integriert in ein ökologisches Gesamtkonzept, ein weitläufiges Gelände mit Haupthaus, Badehaus, Cafe, Restaurant und Gästeappartements im Park entfalten. In Einzel- und Gruppenarbeit können die Besucher Kurse, Vorträge und Seminare für sich nutzen oder an längeren Meditations- und Einkehrwochen teilnehmen. Darüber hinaus will die Stiftung Gut Saunstorf an diesem Ort Kongresse, Symposien, kulturelle Veranstaltungen und Begegnungen im Spannungsfeld von Wissenschaft und Spiritualität fördern und initiieren (siehe www.gut-saunstorf.de). Initiatoren von Gut Saunstorf sind der Verein Allionce (www.allionce.de) und der Advaita-Lehrer OM C. Parkin. Parkin beschreibt den Genius Loci – und damit auch den Zeit-Geist – so: „Die Realisierung eines Ortes, der Menschen darin unterstützt, ihren verloren geglaubten Seelenfrieden wiederzufinden, ist nicht etwa der Luxus einer Wohlstandsgesellschaft. Es ist vielmehr eine soziale Notwendigkeit in einer Gesellschaft, die die Herzensangelegenheit des Menschen, seinen Wunsch nach Einkehr in sich selbst, nicht mehr unterstützt!“
Es mag also nur noch eine Frage der Zeit sein, bis sich diese Pioniere einer neuen Integration von innerer Stille und weltlichem Engagement im vollen Blickfeld der Öffentlichkeit wiederfinden. In Deutschland und anderen Ländern bereiten jedenfalls verschiedene Gruppen unter Federführung des Club of Budapest eine Studie vor, die den Wertewandel eines nicht unerheblichen Teils der Gesellschaft auch hierzulande für alle sichtbar machen kann. ´
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Autoren |
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Schmidt-Reinecke, Wolfgang
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Partner
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