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Zivile Courage: Irene Fernandez
erschienen in Ausgabe 135  PDF-Version (198.12 KB)
Irene Fernandez ist eine der prominentesten Menschenrechtlerinnen in Malaysia. Sie setzt sich besonders für die Rechte von Frauen ein und hat im Lauf ihres Lebens verschiedene Netzwerke und Organisationen gegründet. Für ihre Publikationen über den Missbrauch an Migrantinnen und Migranten wurde sie angeklagt und inhaftiert. Derzeit befindet sie sich gegen Kaution auf freiem Fuß.

Frau Fernandez, können Sie die Probleme der Plantagenarbeiterinnen in Malaysia schildern?
In Malaysia arbeiten mehr als 30000 Frauen auf Plantagen als Pestizid-Sprayerinnen. Das bedeutet, sie sind täglich den Pestiziden ausgesetzt. Unsere Organisation „Tenaganita“ hat zusammen mit dem „Pesticide Action Network Asia/Pacific“ zwei Jahre lang die Auswirkungen der Pestizide auf die Gesundheit der Frauen untersucht, insbesondere des Mittels „Paraquat“. Wir haben herausgefunden, dass alle Frauen Vergiftungserscheinungen hatten. Chronische Übelkeit, Nervenleiden, Veränderungen der Gebärmutter, Fehlgeburten gehörten zu den Folgen der Vergiftung.
Wie sind Sie dagegen vorgegangen?
Wir haben eine große Kampagne gestartet. Paraquat ist ein Produkt der Firma Syngenta, eine der größten Agro-Chemie-Konzerne der Welt. Aufgrund unserer Studie konnte die Regierung die verheerende Vergiftung nicht leugnen, und so hat die malaysische Regierung Paraquat verboten. Das Verbot wird nächstes Jahr in Kraft treten. Syngenta hat auf vielen Wegen versucht, das Verbot aufzuheben, aber unsere Kampagne war zu stark. Wir haben mit Umweltorganisationen in der Schweiz zusammengearbeitet. Ich glaube, diese Zusammenarbeit war entscheidend. Nicht nur, um die Frauen zu schützen, sondern auch um eine pestizidfreie Landwirtschaft zu fördern. Wir brauchen diese Partnerschaft von Organisationen in Asien und Europa.
Wie geht es nun weiter mit Paraquat?
Syngenta hat seine Machenschaften nun nach China verlagert. China ist heute der zweitgrößte Verbraucher von Paraquat. Ich war letzte Woche in China auf einem Treffen, um den Bauern und den Frauen dort zu sagen, dass sie sich schützen müssen. Unsere Frauen haben zu lange gelitten, jetzt müssen die Menschen in China ihre Regierung auch dazu bringen, diese enormen Nachteile zu sehen. Wir hoffen, dass wir durch eine ähnliche Studie der Welt klarmachen können, dass Syngenta in kein anderes Land weiterziehen darf, um dort die Leute zu vergiften. Aber Syngenta entwickelt sich auch weiter. Sie versuchen jetzt auch, in das Saatgutgeschäft einzusteigen. Das wird nun unser nächster Kampf sein.

(Zur Herbizid-Problematik im Zusammenhang mit Syngenta in Deutschland siehe auch: www.landwende.de)

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