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Über uns
Impressum
Aufbrechen aus Gewohnheit und Resignation
erschienen in Ausgabe 135
Michael Schriewer und Stephan Mucha berichtenüber ihre Leipziger Aufbruch-Gruppe

Die Initiative „Aufbruch – anders besser leben“ möchte Menschen ermutigen, aus eingefahrenen, oft als unbefriedigend oder gar zerstörerisch erlebten Lebensmustern auszusteigen und gemeinsam mit anderen einen Aufbruch zu einer nachhaltigen, solidarischen und spirituellen Lebensweise zu wagen. Es geht darum, Menschen zu ermutigen, bei sich selbst anzufangen, konkrete Schritte zu tun und nicht darauf zu warten, dass sich die Verhältnisse oder „die Anderen“ ändern. Die im ganzen Land entstehenden Regionalgruppen können helfen, sich in diesem Prozess gegenseitig zu unterstützen.

Wie kommt mensch vom Viel-Haben zum guten Leben? Wie können wir in einer Gesellschaft, in der unser Leben von der Anpassung an einen globalen Wettbewerb bestimmt zu sein scheint, Orte des Vertrauens schaffen, wo offen die Frage gestellt werden kann: „Wie wollen wir leben, und was ist lebenswert?“ Wir in Leipzig haben uns auf den Aufbruch eingelassen und im Frühjahr 2003 eine Regionalgruppe gegründet. Wir suchten Gleichgesinnte, Gemeinschaft, Solidarität. Wir wollen hier von unseren Erfahrungen berichten.

Voneinander lernen, einander unterstützen
Einmal im Monat treffen wir uns in der „Kontaktstelle Orientierung“, einer offenen Einrichtung der katholischen Kirche. „Wir“ – das sind 9 bis 12 Menschen zwischen 26 und 65 Jahren mit ganz unterschiedlichen beruflichen Hintergründen: Ein Bauingenieur, ein Student der Biologie, ein Elektriker, ein Rentner-Ehepaar … Recht schnell hat sich ein fester Stamm von Menschen gefunden, die sich regelmäßig treffen.
Beim Aufbau der Gruppe wurden wir zunächst vom Koordinationskreis der Aufbruch-Initiative unterstützt. Mit ihm zusammen haben wir konkrete Ideen für die Umsetzung des Aufbruch-Gedankens gesponnen und Grund-elemente der Gruppenarbeit eingeführt. Eines ist die „Steinrunde“: Ein „Redestein“ wird von Mensch zu Mensch gereicht, und wer ihn hat, soll die volle Aufmerksamkeit der Gruppe bekommen. So fördern wir das gegenseitige Zuhören und schaffen eine entspannte Atmosphäre, in der jede und jeder wahrgenommen wird. Es geht uns weniger darum, andere zu überzeugen, sondern darum, uns besser wahrzunehmen und auf die konkreten Fragen zu achten, die jede und jeder mitbringt: Wie entkomme ich der Hektik des Alltags? Wie komme ich beruflich und finanziell zurecht? Was suche ich eigentlich in meinem Leben? Wo kann ich ökologische und fair gehandelte Produkte kaufen? Wer kann mein soziales Projekt unterstützen? Wie können wir Vorbilder für Kinder und Jugendliche sein und Courage zeigen? Bei der Auseinandersetzung um die eigenen Ziele sind die Erfahrungen und Einstellungen der anderen hilfreich und inspirierend.
Es nicht immer einfach, alte Verhaltensweisen aufzugeben, und Erfolge lassen oft auf sich warten. Da hilft es, von anderen zu hören, wie sie sich bestärkt fühlten z.B. durch die Entwicklung ihrer Kinder in der offenen Erziehung oder in der erlebten Lebensqualität durch langsamen, aber konsequenten Umstieg auf ökologische Ernährung. Das stärkt die Zuversicht, dass man selbst auch ermutigen und über die Gruppe hinaus etwas bewirken kann.

Engagement und Lebensfreude
Die Initiative „Aufbruch – anders besser leben“ ist an keine Religion oder Konfession gebunden und offen für alle. Trotzdem haben fast alle Mitglieder unserer Gruppe einen Bezug zum Christentum, stehen der Kirche als Institution jedoch kritisch gegenüber. Die meisten Teilnehmer der Aufbruch-Gruppe sind in ihren Gemeinden, aber auch in ökologischen oder Eine-Welt-Gruppen aktiv. So sind viele von uns „Experten“ in unterschiedlichen Bereichen. Bei den gemeinsamen Themenabenden ging es z.B. um die Chancen von alternativen Energien, um faire Handelsbeziehungen zwischen Nord und Süd und um gesunde Ernährung. Wir diskutierten über gesellschaftliche Hintergründe, und es gab auch viele praktische Anregungen und Tipps.
Auch zu Gemeinschaftsaktivitäten wie einem Leseabend an Weihnachten und einer Kräuterwanderung im Frühjahr trafen wir uns. Aufbruch zu einem anderen Lebensstil bedeutet für uns auch mehr Genuss und Lebensfreude. Bei unseren Treffen schmücken die Mitte des Sitzkreises bunte Tücher, Kerzen und Blumen, und auch für das leibliche Wohl ist meist gut gesorgt.
Zusätzlich zu den monatlichen Treffen findet zweimal im Jahr ein Regionaltreffen statt, zu dem auch andere Interessierte und weitere Gruppen aus dem Umland eingeladen sind. Die Treffen wurden bisher vom Koordinationskreis der Aufbruch-Initiative moderiert und dienen dem Austausch, dem Rückblick, der Orientierung und der Entwicklung neuer Ideen für die Gestaltung der Arbeit. Die Regionaltreffen sind eine gute Gelegenheit, die letzten Monate persönlich und in der Gruppe zu überdenken und zusammenzutragen, was jedem und jeder besonders wichtig war und wie er bzw. sie die Gruppe erlebt hat. Wir reden über private und gesellschaftliche Ängste und Hoffnungen und überlegen, was wir persönlich und in der Gruppe zu einem lebenswertem Leben beitragen können. Konkrete Ziele und Schritte können entstehen und mit der Gruppe bekräftigt werden. Die allgemeinen Fragen nach Lebenszielen und Lebenssinn stehen auf den Regionaltreffen im Mittelpunkt, während sie bei den abendlichen Treffen der Gruppe eher im Zusammenhang mit den Themen des Abends diskutiert werden.
Besonders spannend war die Entwicklung von Aufbruch im südwestlich von Leipzig gelegenen Gera zu verfolgen. Hier stieg jemand ganz konsequent aus festgefahrenen Lebensbezügen aus und möchte nun mit Gleichgesinnten eine alltagsbezogene Aufbruch-Gruppe gründen. Dieses Beispiel macht uns Mut. Für das nächste Regionaltreffen ist eine Zukunftswerkstatt geplant, in der wir unseren eigenen Lebensvisionen auf die Spur kommen wollen.

Eine andere Welt ist möglich!
In den eineinhalb Jahren „Aufbruch – anders besser leben“ in Leipzig ist eine vertraute Gruppe etnstanden, und wir haben viel über uns und die Möglichkeiten eines anderen Lebensstils erfahren. Wirklich aufzubrechen und das eigene Leben nachhaltig zu verändern, ist jedoch ein langer Weg, für den man sich ganz persönlich entscheiden muss. Menschen mit gleichem Anliegen können sich bei Aufbruch finden, vernetzen und gemeinsame Projekte entwickeln. Eine Aufbruch-Gruppe kann dafür Anregungen und Ermutigung geben oder auch an andere Orte und Gruppen verweisen, wo eine bestimmte Richtung vertieft wird. Wir sind gespannt, was sich aus diesem Ansatz noch entwickelt.

Kontakt: Aufbruch-Projektbüro c/o ÖIEW
Mittelstraße 4, D-34474 Diemelstadt
Tel. (05694) 1417, aufbruch@anders-besser-leben.de,
Internet: www.anders-besser-leben.de. Unter „Aktuelles“ finden Sie eine Liste der Aufbruch-Gruppen der Ansprechpersonen.
Spenden: Aufbruch finanziert sich ausschließlich aus Spenden: Konto-Nr. 300915300, Waldecker Bank e.G., BLZ 52360059

  Autoren

Mucha, Stephan

Schriewer, Michael

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