Christine Wawra porträtiert die Agrar-Ingenieurin und Geomantin Margit Holland
Inmitten von Obstplantagen liegt nahe Ravensburg das Obstgut Bonhausen. Von einer kleinen Anhöhe aus schweift der Blick über den Bodensee hinweg zu den österreichischen Bergen. Äpfel und Birnen reifen unter einer hierzulande kraftvollen Spätsommersonne. Rosensträucher vor den Reihen verbreiten eine angenehme Ausstrahlung; das Anwesen wirkt schon auf den ersten Blick freundlich. Bei näherer Betrachtung fallen geomantische Steinsetzungen auf. Im Gespräch und bei einer Führung durchs Gelände weist mich Margit Holland in ihre Art des Denkens und Wirtschaftens ein. Ihre Erkenntnisse über Neuerungen im ökologischen Obstbau gibt sie auch als Referentin weiter.
Christine Wawra: Du entwickelst Wege, Landwirtschaft und Geomantie zu verbinden. Wie kamst du dazu?
Margit Holland: Ich bin im Februar 1972 hier in Ravensburg geboren. Nach der Grundschule, einer kleinen Landschule, und der Realschule habe ich eine Ausbildung zur hauswirtschaftlichen Betriebsleiterin gemacht. Durch das viele Stehen auf Steinböden bekam ich Probleme mit den Füßen. Es ging so weit, dass ich damals kaum mehr laufen konnte. Ich entschloss mich, nicht in diesem Beruf zu arbeiten, sondern mich auf ein Studium vorzubereiten. Erst holte ich die Fachhochschulreife nach, anschließend studierte ich Agrarmarketing und Agrarmanagement in Weihenstephan in Bayern. Nach dem Studium arbeitete ich in Innsbruck bei der Landeslandwirtschaftskammer von Tirol als Referentin für Direktvermarktung für die Bergbauern. Diese schlossen sich damals zusammen und bauten gemeinsam Bauernläden auf, damit sie aufgrund einer höheren Produktvielfalt ein für den Verbraucher attraktiveres Angebot bieten konnten. Ich war Ansprechpartnerin und Beraterin der Bauern. Zugleich habe ich eine Fachzeitschrift für Direktvermarktung herausgegeben.
Während dieser Zeit in Innsbruck ging ich zu einem Vortrag über Feng Shui. Der Referent, ein Tischler aus Kitzbühel, hatte bei dem Feng-Shui-Experten Jes Lim gelernt und dessen Buch erwähnt, das ich mir anschließend kaufte. Was mich an dem Thema faszinierte, war das Landschafts-Feng-Shui. Da mein Interesse geweckt war, besuchte ich ein Seminar bei Jes Lim. Während eines persönlichen Gesprächs mit ihm schaute er mich an und sagte: „Geomantie ist gut für Sie“. Damals hatte ich keine Ahnung, was Geomantie eigentlich ist. Über die Adressen in seinem Buch kam ich zu der Schule für Geomantie „Hagia Chora“ in Mühldorf am Inn. Durch deren Programm wurde ich auf eine Englandreise aufmerksam, an der ich teilnahm und die mich der Geomantie näher brachte. Die Erfahrungen auf dieser Reise bewirkten schließlich , dass ich mich für eine Geomantie-Ausbildung entschieden habe. Es gab jedoch noch einen zweiten Grund, warum ich mich in die Thematik vertiefen wollte: ein Ereignis in den Tiroler Bergen. Ich gehe viel ins Gebirge, da mir das Gehen, die Höhe und die Berge an sich viel Kraft geben. Bei einer Wanderung zog es mich vom Weg hinein ins Unterholz. Dort musste ich einfach stehen bleiben. Ich spürte ganz deutlich eine Präsenz, die um mich war. Meine Arme begannen sich zu bewegen, wie von Geisteshand geführt. Nach einiger Zeit bekam ich von dieser Präsenz ein Geschenk in die Hand gelegt. – Es war damals ein unglaublich tiefes Erlebnis für mich.
Welche Rolle spielt euer Obstgut Bonhausen bei deiner Arbeit mit dem Thema Geomantie?
Als ich an der Ausbildung bei Hagia Chora teilnehmen wollte, sprach ich mit meinem Vater, mit dem ich zusammen unseren Betrieb führe. Wir vereinbarten, dass ich mir die Zeit für die Ausbildung nehmen würde und dass ich das, was ich dort lernen würde, gleich im Betrieb umsetzen könnte. Wir bewirtschaften unseren Betrieb seit über 10 Jahren biologisch nach den Richtlinien des Naturland-Verbands. Mein Vater stellte damals um, da er beim Einsatz der chemischen Pflanzenschutzmittel im konventionellen Anbau mehr und mehr Probleme bekam. Er sah, dass in dieser relativ kurzen Zeit, seit der zum Beispiel Herbizide zur Unkrautbekämpfung eingesetzt wurden, der Boden zunehmend darunter litt – und das, obwohl noch nicht einmal eine Generation mit diesen Mitteln arbeitete. Ihm war es ein Anliegen, die Bodenfruchtbarkeit zu erhalten und nicht zu zerstören.
Einige Monate nach der Umstellung auf biologischen Anbau hatte ich ein eigenartiges Erlebnis. Ich war einige Zeit nicht auf dem Hof gewesen. Als ich zurückkam, hatte ich das Gefühl, als würde alles um mich herum sagen: „Danke, dass ihr jetzt anders wirtschaftet!“ – als ob die ganze Gegend hier, alle Pflanzen sich dafür bedankten, wie schön das sei, dass jetzt eine andere Zeit beginne.
Da unser Obsthof einer der größten im Bio-Bereich und einer mit dem modernsten Sortiment in Deutschland ist, sind wir oft Ziel von Fachexkursionen. Die Teilnehmer sind Obstbauern aus der ganzen Welt oder Studenten von Unis oder Fachhochschulen. Wenn ich sie durch den Betrieb führe und über meine Anwendung der Geomantie spreche, merke ich, dass dies für sie etwas ganz Neues ist. Es fasziniert auf der einen Seite, auf der anderen wird es mit einem Lächeln betrachtet. Wenn ich das Thema dann tiefer erörtere, sehen die Leute ein, dass in Zukunft bei der Produktion von biologischen Lebensmitteln die Integration aller Aspekte der Erde stattfinden muss. Schon jetzt stellen Bauern auf Ökolandbau um, die vorwiegend die Wirtschaftlichkeit im Sinn haben und überhaupt nicht die Erde an sich sehen und das, was die ökologische Landwirtschaft eigentlich ausmacht. Es ist lediglich ein Austauschen der Mittel. Ich sehe eine Tendenz, dass es irgendwann einmal Bio erster und Bio zweiter Klasse geben wird. Die erste Klasse wird die Ganzheitlichkeit beinhalten, da gehört die Geomantie dazu.
Manchmal verwende ich den Begriff Geomantie nur noch ungern. So viel wird bereits darunter vermarktet. Mir geht es darum, das Wesen der Erde in meine Arbeit zu integrieren, zu beachten, dass da etwas ist, das lebt.
Wie bist du bei deiner Arbeit vorgegangen, und was hast du verändert?
Ich habe geprüft, wo energetische Blockaden sind, mich in die Atmosphäre des Hofs hinein vertieft und versucht, das Energiesystem hier wieder zu stärken.
Zunächst habe ich über Meditationen gearbeitet und eine Form entwickelt, in der man unter anderem durch Farbvisualisierungen heilend auf die Pflanzenwelt einwirken kann. Einmal hatten wir Probleme mit Feuerbrand, einer schlimmen Bakterienkrankheit. Bei vielen Kollegen kam es damals zu Totalschäden und hohen Ausfällen im Folgejahr. Ich habe versucht, über Reinigungsmeditationen mit Farben über der Flurkarte und vor Ort die Pflanzen zu stärken. Die befallenen Stellen wurden von Hand ausgeschnitten. Jedoch nicht so weit ins gesunde Holz, wie es normalerweise empfohlen wird, sondern wirklich nur die kranken Äste. Die Krankheit ist nicht wieder aufgetreten. Ich kann natürlich nichts beweisen – vielleicht wäre sie ohne meine Arbeit auch verschwunden. Aber für mich war diese Erfahrung faszinierend.
Wenn ich in der Vergangenheit bei den Exkursionen den Besuchern meine Meditationen erklärt habe, fiel mir auf, dass diese Art des Arbeitens für die meisten überhaupt nicht greifbar war. So fand ich den Zeitpunkt gekommen, etwas Sichtbares aufzubauen. Es ist eben bei vielen Menschen so: Wenn sie nichts sehen, ist da auch nichts. So entstanden zwei Steintore, die bestimmte Kraftströme hier am Ort stärken, und ein Stein, der für die Qualitäten der Himmelsrichtungen steht. Der Rorschacher Sandstein vom gegenüberliegenden Bodenseeufer lag schon lange bereit, da ich die Plätze für die Steinsetzungen bereits seit über einem Jahr beobachtete. Die Formen der Kosmogramme, die ich in die Steine gemeißelt habe, erarbeitete ich in Meditationen gemeinsam mit den Plätzen.
Ganz wichtig war mir auch, einen Rückzugsbereich für die Naturkräfte zu schaffen. Die Obstplantage ist ja eine Monokultur, fast alles ist auf Produktion ausgerichtet. Für die Natur heißt das: Geben, geben, geben! Wir haben also einen Naturteich angelegt, der verwildern darf. Auf diese Weise ist ein Ort entstanden, der als ruhender Pol wirkt und wo sich die Kräfte wieder aufladen können.
Unser zweiter Teich dient als Wasserspeicher, da wir unsere Bäume nur mit eigenem Wasser behandeln. In diesem Teich liegen Flaschen mit Quellwasser, welches zusätzlich noch mit Edelsteinen, Bachblüten und homöopathischen Präparaten angereichert ist. Diese Information wird an das Teichwasser abgegeben. Beim Einsatz des Wassers wirkt sie sich auf das Leben der Pflanzen stärkend aus.
Du warst viel auf Reisen und hast andere Kulturen auf nicht-touristischem Wege kennengelernt. Wie hat das dein Wissen und deine jetzige Arbeit beeinflusst?
Ja, es treibt mich immer wieder hinaus in die Welt, um andere Menschen, andere Denkweisen kennenzulernen. Ich habe auf all den Reisen immer wieder meine Erfahrungen der Geomantie vertieft und zum Teil vor Ort in kleineren Projekten umgesetzt. In Australien lebte ich einige Zeit bei den Tiwis auf den Tiwi Islands. Sie zeigten mir die Verbindung ihrer Kunst zur Natur und wie sie ihre Kunst aus der Natur schöpfen. Im Anschluss daran wurde ich zufällig auf eine Aquafarm eingeladen, da der Chef von meinem Agrarmanagement-Studium begeistert war. Auf der Farm, die von weißen Australiern betrieben wird, werden mitten im Meer Fische in riesigen stationären Netzen aufgezogen. Sie hatten dort damals große Probleme mit der Nachzucht. Ich beobachtete den Energiefluss innerhalb der Aquafarm und gab einige Anregungen, wie sich die Situation verbessern ließe.
Später erfuhr ich, dass einige meiner Vorschläge wirklich umgesetzt wurden und bei der Nachzucht viel weniger Jungfische starben. Mir geht es bei derartigen Erlebnissen nicht darum, dass etwas wirkt oder nicht wirkt, sondern darum, dass sich die Menschen, die mit Lebewesen arbeiten, bewusst machen: Sie haben es mit Wesen zu tun, die mit der Natur, mit dem Lebensfluss in Verbindung stehen. Bei der Aufzucht können sie dies nicht außer acht lassen.
Ein Freund meines Vaters hat einmal gesagt: „Auf Reisen verdienst du am meisten.“ Diese Erfahrung kann ich nur bestätigen. Man kann dies zwar auch, aber nicht nur auf den finanziellen Bereich beziehen. All die Erlebnisse, die ich mit Menschen anderer Kulturen auf der ganzen Welt hatte, brachten mich in meinem Denken weiter. Von all den Reisen zu berichten, würde über den Rahmen dieses Gesprächs hinausgehen. Ich kann nur sagen, dass ich immer mit neuen Kräften und Ideen zurückkam. Diese dann in meine Arbeit hier im eigenen Land in einer Weise einfließen zu lassen, die nicht aufgesetzt ist, sondern sie eventuell leicht gewandelt in das Leben hier und jetzt zu integrieren – das sehe ich als eigentliche Aufgabe und Herausforderung.
Du arbeitest nicht nur im eigenen Betrieb, sondern führst Bio-Kontrollen durch und bist als Referentin unterwegs. Was sind hier deine Erfahrungen?
Ich führe neben meiner eigentlichen Arbeit am Obstgut über die Sommermonate noch im Auftrag eines unabhängigen Kontrollinstituts Betriebskontrollen durch. Dabei prüfe ich, ob der Betrieb, der sich den Richtlinien des ökologischen Anbaus unterstellt hat, diese auch einhält. Der Job kam zufällig auf mich zu, eigentlich wollte ich zunächst nur einem Freund aushelfen. Ich bemerkte, dass ich dabei sehr viel über meine Heimat erfahren kann und in Gegenden komme, in denen ich noch nie war und in die ich auch sonst nicht gekommen wäre. Die Betriebe liegen oft ganz verwunschen an den entlegensten Orten.
Da es sich um ein Projekt handelt, an dem oft Kleinstbetriebe beteiligt sind, habe ich es viel mit alten Menschen zu tun. Deren Kinder gehen einer anderen Arbeit in der Stadt nach, da die Bewirtschaftung eines kleinen Hofs nicht zum Überleben der Familie ausreicht. Opa und Oma arbeiten auf dem Hof weiter, damit er nicht vollkommen verfällt. Von diesen Menschen habe ich sehr viel über alte bäuerliche Rituale gelernt, die zum Teil heute noch ganz selbstverständlich in den Tagesablauf integriert werden. Vieles kann ich mit Geomantie in Verbindung bringen. Das Schöne ist, zu erleben, dass die Menschen nicht von etwas Besonderem sprechen, wenn sie mir erzählen, dass sie Wasser suchen oder die Tiere über Handauflegen oder „Streicheln“ wieder gesund werden. Alles ist selbstverständlich und gehört zum Alltag. Auch mit den Kräften der Natur gehen sie noch anders um. Um den Hof vor Unwetter zu schützen – so erzählte mir ein Bauer – schreibe er das Wort „Christus“ in den Himmel. Bisher habe das immer geholfen.
Selbstverständlich erfahre ich auf diesem Weg auch viel über alte bäuerliche Bräuche, die fast vergessen sind, wie das Wetterläuten, die Schrettelsteine, das Hufeisen am Stalleingang, jährliche Feldprozessionen, das Ehren der Leitkuh, die Sichelhänge nach der Getreideernte und auch einiges über gute und böse Geister in Haus und Hof. Dies sind alles Erfahrungen, über die es sich nachzudenken lohnt, um sie bei Gelegenheit aus dem Gedächtnis zu graben, und sie in das eigene Leben, in meine Arbeit zu integrieren oder in meinen Vorträgen weiterzugeben.
Es freut mich, dass ich immer häufiger zu landwirtschaftlichen Tagungen und Seminaren eingeladen werde, um dort von einem ganzheitlichen Standpunkt über biologischen Obst- oder Landbau zu sprechen. Ich sagte ja schon, dass es meiner Ansicht nach in Zukunft immer wichtiger und unverzichtbar wird, sich auf das Wesen der Erde zu besinnen und dieses in die Landwirtschaft zu integrieren.
Zum Beispiel ist Ende November ein verbandübergreifendes Pflanzen-Gesundheits-Seminar, das von den drei größten Bio-Verbänden in Deutschland – Demeter, Naturland und Bioland – organisiert wird. Ich wurde eingeladen, über Geomantie in der Landwirtschaft zu sprechen.
Es ist für mich schön, zu beobachten, dass ganzheitliche Themen in diesen Veranstaltungen wieder ihren Platz finden. Es gab Zeiten, in denen auch im ökologischen Landbau fast nur noch über neue biologische Pflanzen- und Düngemittel und neue Sortenzüchtungen im biologischen Sektor gesprochen wurde. Wo war in dieser Zeit der Ursprungsgedanke der ökologischen Bewirtschaftung geblieben? Ich sehe eine meiner Aufgaben darin, die Bauern dafür (wieder) zu sensibilisieren. Ich sage gezielt: die Bauern; denn seit geraumer Zeit bemerke ich, dass auch unsere konventionell wirtschaftenden Kollegen meiner Arbeit gegenüber immer aufgeschlossener werden und manche Genaueres darüber wissen wollen. Ich freue mich, wenn ich hier dem einen oder anderen einen Denkanstoß in eine „neue/alte“ Richtung geben kann. ´
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