Antworten auf den von Heide Göttner-Abendroth in ihrer sechsteiligen Artikelserie vorgestellten Gesellschaftsentwurf.
Auf unseren Diskussionsaufruf zur Artikelserie zu Heide Göttner-Abendroths „Matriarchaler Gesellschaft“ haben wir eine Reihe von interessanten Einsendungen erhalten. In dieser Ausgabe bringen wir einen ersten Teil der Beiträge. Wir hatten gefragt, in welcher Beziehung der dargestellte Gesellschaftsentwurf zum heutigen Leben der Leserinnen und Leser steht. Die Rückmeldungen sind daher sehr persönlich, sie beschreiben die innere Auseinandersetzung mit dem Thema und den eigenen Weg.
Weitere Beiträge sind willkommen!
Eine andere Spiritualität
Von Jochen Kirchhoff
Was Heide Göttner-Abendroth hier vorträgt zur „matriarchalen Spiritualität“, ist mir in den Grundzügen seit mehr als 20 Jahren vertraut. Als Gegenentwurf zur „patriarchalen Spiritualität“ (oder was dafür gehalten wird) sind mir diese Gedanken auch verständlich, und ich bringe ihnen, in unterschiedlichen Graden, durchaus Sympathie entgegen. Wir alle kennen die verheerenden Auswirkungen dogmatisch-repressiver Religionen und Glaubenssystemen mit eindeutiger und autoritärer Dominanz der Männer und die dadurch vollzogene Abwertung aller genuin weiblichen Zugänge zum Göttlichen. Die Geschichte der Religionen war für unzählige Frauen auch eine Kette der Demütigung und der spirituellen Beraubung.Und es ist nicht verwunderlich, daß daraus bei vielen im weiten Sinne „ feministisch“ orientierten Frauen ein grundsätzliches Mißtrauen gegenüber jedweder „Hierarchie“, jedweder „ Transzendenz“ u.ä. erwachsen ist.
Soweit, so gut. Oder eben: nicht gut. Eine sich über viele Jahre erstreckende Diskussion hat stattgefunden, an der sich natürlich auch Männer beteiligt haben, worin denn nun die „ spezifisch weibliche“ Spiritualität sich von der männlichen („patriarchalen“) unterscheidet.
Niemand wird ernsthaft leugnen, daß es neben Gemeinsamem, Geschlechtsübergreifenden in der Spiritualität (wie ja auch sonst) Trennendes, tief Differentes hierin gibt, das auch bei bestem Bemühen nicht überbrückt oder mildernd ausgleichen werden kann. Das Drama von Frau und Mann, auch im Spirituellen, ist ein Abgrund, den bislang noch niemand ausgelotet hat, zumal kaum gewußt wird, was „ das Männliche“ und was „ das Weibliche“ überhaupt ist oder ausmacht, und zwar jenseits ideologischer Grabenkämpfe.
Was unterscheidet etwa die Spiritualität eines George W. Bush (wenn es die überhaupt gibt, aber wer weiß das schon?) von der eines Gandhi oder eines Beethoven? Und was wiederum trennt die Spiritualität dieser drei Männer (und das sind bzw. waren sie ja wohl) von der einer Ricarda huch, einer Käthe Kollwitz und einer „Mother Meera“, aber auch der Ehefrau dieses George W.? Die Antwort, und zwar ohne vorgestanzte Klischees zu Hilfe zu nehmen, ist schwierig. Ich kenne praktisch niemanden, der sie überzeugend geben könnte. Und schon das ist ein signifikantes, vielleicht auch bedenkliches Zeichen.
Wir bewegen uns hier auf einem nicht nur heiklen Terrain, sondern auch auf einem solchen, das vom Licht des Geistes nur unvollkommen erhellt wurde. Mann/Frau kann den Verdacht hegen, daß hier mehr oder weniger alle, ob Männer oder Frauen, bislang überfordert sind, daß hier immer noch wesentliches, vielleicht gar das Wesentlichste unverstanden, undurchschaut und damit „ unbewältigt“ geblieben ist. Vielleicht sollte man /frau so ehrlich sein, dies erst einmal zuzugestehen. Ideologische Antworten auf die Frage nach dem Männlichen und nach dem Weiblichen gibt es zuhauf, substanzielle, tragfähige, geistige überzeugende dagegen erschütternd wenige. Und zwar deswegen, weil es kaum ein substanzielles und tragfähiges Menschenbild gibt, also ein solches außerhalb der etablierten Großreligionen und Großideologien ( die alle Mühe haben, ihr Scheitern zu kaschieren).
Genug der Vorbemerkung, obwohl diese notwendig war. Ich habe sechs Einwände gegen das, was Heide Göttner-Abendroth als „matriarchale Spiritualität“ vorstellt und als menschheitsgeschichtlich rettend und richtungsweisend propagiert:
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Lesen Sie den ganzen Forumsbeitrag, die anderen Beiträge und die vorangegangenen sechs Hauptartikel von Heide Göttner-Abendroths Serie zu neuen matriarchalen Lebensentwürfen in ihrem neuen Buch „Der Weg zu einer egalitären Gesellschaft – Prinzipien und Praxis der Matriarchatspolitik“ (Drachen Verlag Klein Jasedow 2008, ISBN 9783927369337, 112 Seiten, 12 Euro). Im Anschluss an die Hauptkapitel ist hier auch die vollständige Diskussion über Göttner-Abendroths Vorschläge zwischen ihr und einer Reihe von LeserInnen wiedergegeben, unter anderem mit dem Verleger Johannes Heimrath, dem Philosophen Jochen Kirchhoff und der Matriarchatsforscherin Carola Meier-Seethaler.
Bestellen Sie das Buch bequem über die Seite des Drachen-Verlags:
http://www.drachenverlag.de/books/editions/books_483c0c7e0c534.html
Aus dem Klappentext:
„Die Philosophin Heide Göttner-Abendroth ist als profunde und scharfsichtige Kritikerin des Patriarchats bekannt. Ihre mehr als dreißigjährige Forschungsarbeit und zahlreiche Publikationen machten sie zur Begründerin der modernen Matriarchatsforschung. Sie organisierte die ersten Weltkongresse für Matriarchatsforschung: 2003 ‚Gesellschaft in Balance‘ in Luxemburg und 2005 ‚Societies of Peace‘ in Texas, USA. Heide Göttner-Abendroth wurde im Rahmen der weltweiten Initiative ‚1000 Frauen für den Friedensnobelpreis 2005‘ nominiert.
‚Der Weg zu einer egalitären Gesellschaft‘ ist ein matriarchaler Lebensentwurf, der helfen will, das patriarchale Gesellschaftsmodell abzulösen.
‚Am Anfang die Mütter‘ – so übersetzt Heide Göttner-Abendroth den Terminus ‚Matriarchat‘. Aus dem mütterlichen Prinzip des Lebensschenkens, dem Frauen und Männer gleichermaßen dienen, entwickelt sie das Bild einer Kultur, die Kreisläufe an die Stelle linearen Fortschritts setzt, die eine Ökonomie des Schenkens statt Ausbeutung und Gewinnmaximierung anstrebt und die von Würde, gegenseitigem Respekt der Geschlechter und Lebensalter sowie der Heiligung allen Lebens getragen ist. Die Besinnung auf die Weisheit matriarchaler Kulturen der Welt, von denen einige bis heute in Frieden und ausgeglichenem Wohlstand existieren, führt zu einer Gesellschaft in Balance, die auf die Kraft und Intelligenz von Gemeinschaften baut. Viele Menschen suchen heute nach Möglichkeiten, lebensfördernd zu wirken. Heide Göttner-Abendroths Entwurf einer matriarchalen Politik ist dafür ein wichtiger Wegweiser.“
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