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Über uns
Impressum
Erde, Erdung, Wirklichkeiten
erschienen in Ausgabe 136  PDF-Version (315.66 KB)
Die Sommertagung 2004 des Holon-Netzwerks. Ein Bericht von Siegfried Prumbach

Auf seiner Sommertagung im Saarland hat sich das Holon-Netzwerk für die Schweiz, den italienischsprachigen Raum und Deutschland neue Strukturen gegeben. Die intensive Beschäftigung mit den ökologischen, politischen, sozialen und geistigen Aspekten der anstehenden Kulturkrise macht auch vor den eigenen Organisationsformen nicht halt. Es war ein ganzheitlicher Prozess und der Versuch, sich der Komplexität unserer gesellschaftlichen Wirklichkeit zu stellen.

Im Juli 2004 fand in der Neumühle bei Mettlach im Saarland die Sommertagung des Holon-Netzwerks statt. Es waren weniger Menschen da als in den Jahren zuvor. Dafür war es dichter. Die Tallage des „Exercitium Humanum“, unseres Tagungsortes, trug sicherlich dazu bei, unseren thematischen Bogen und den gemeinsamen Prozess zu verdichten.
Offensichtlich war der Sommer dieses Jahres eine Kontraktionsphase in der Entwicklung von Holon. Deren ersten Phase, und damit auch die Zeit der Projektionen und Fixierungen auf die Gründer und Initiatoren des Netzwerks, ist zu Ende gegangen.
Uns begleitete zeitweise die Gefahr, statt zu einem Netzwerk von miteinander kooperierenden Initiativen zu einem Auffangbecken für zum Teil diffus-allgemeine Suchbewegungen zu neuen Ufern zu werden. In Mettlach trafen nun die unterschiedlichen Wahrnehmungen der verschiedenen Ebenen der diversen Krisen aufeinander.

Krise und Wandlung

Da ist zum einen die interne Krise des losen Zusammenschlusses von kulturell Kreativen. Es wurde deutlich, dass man als Netzwerk eigenständiger Gruppen und Organisationen entstanden war. Nun sieht man sich zunehmend den Wünschen und Erwartungen der wachsenden Zahl von Einzelmitgliedern gegenüber, die in Holon ein befriedigendes Umfeld suchen – und das bei fehlender zentraler Infrastruktur.
Parallel dazu wurde gerade von den deutschen Teilnehmern die Talfahrt der Wirtschaft und der Abbau des Sozialstaats Bundesrepublik als gefährlicher, sich beschleunigender Prozess artikuliert. Auch die zunehmenden Verwerfungen in unserer Gesellschaft und bereits offenbare Umweltveränderungen weisen auf die heraufziehende globale Krise hin.
Ohne wissen zu können, wie sich die Themen verbinden und verdichten würden, hatten wir mit unserem ganzheitlichen Tagungskonzept ein Gefäß geschaffen, das half, auch schwer Erträgliches wahrzunehmen und auszuhalten.
Durch meditative, künstlerische und rituelle Elemente wie auch durch sinnliche und emotionale Öffnung konnten wir ein Feld aufbauen, in dem die unangenehmen Nachrichten wahrgenommen und nicht gleich wieder verdrängt werden mussten.
Wir leisteten also „Basisarbeit“ im tiefenökologischen Sinn.

Erdung und Kreativität

Die vorbereitende Erdung durch meinen geomantischen Workshop gipfelte im gemeinsamen Bau eines Steinkreises. Im Kreis wirklich angekommen und verbunden mit dem Platz, hörten wir von den Berichten russischer Grundlagenforscher über die kommenden Veränderungen im magnetischen Schutzschild der Erde, deren Auswirkungen die der Klimaveränderungen und Ozonlöcher bei weitem übertreffen dürften.
Am darauffolgenden Morgen demonstrierte uns Dr. Dieter Petschow erschreckend anschaulich die Zusammenhänge zwischen gesellschaftlicher Entsolidarisierung und Entdemokratisierung einerseits und den Mechanismen der globalen Finanzsysteme sowie deren exponentiell ansteigende Gewaltpotenziale andererseits. Fast gelähmt am Abend des zweiten Thementages, widerstanden wir dennoch der Versuchung, schnelle Lösungen herbeizusehnen. Wir wollten wahrnehmen und aushalten, was sozial und ökologisch auf uns zu kommt.
Am dritten Tag versuchte Gandalf Lipinski, einen Überblick über die katastrophalen Tendenzen, aber auch über die vielen kreativen Potenziale und Perspektiven zu geben. Dabei fiel immer wieder das Wort Gemeinschaft. Obwohl die Bildung von Gemeinschaften als mögliche Antwort auf die globale Destruktion dargestellt wurde, ging es nicht um einfache Lösungen, sondern um die Würdigung verschiedener Bewusstseins- und Aktionsfelder wie Holon, dem Gesellschaftsprojekt dynamik5, Attac, der Tiefenökologie, der Gemeinschaftsbewegung und anderer.
In diesem Zusammenhang stellte Gerhard Breidenstein für alle, die derzeit nicht an Gemeinschaftsprojekten arbeiten oder darin leben wollen oder können, die tieferen Impulse der Initiative „Aufbruch – anders besser leben“ vor. (Eine Projektvorstellung finden Sie auf www.kurskontakte.de, Artikelarchiv Ausgabe 132.)
Am Abend gab es „Herrgottnochmal“ vom Theater Henze und Co., eine köstliche Geschichte vom alten Herrn im Himmel, der auf der Erde noch einmal nach dem Rechten sehen will. Und nach all der Tiefe und dem Ernst der vorausgegangenen Tage krönte, ohne die Tiefe zu verlieren, herzerfrischende Heiterkeit unseren Prozess.

Eine neue Struktur

Nun konnten in der Mitgliederversammlung auch die strukturellen Umbauten des Holon-Netzwerks entspannt angegangen werden. Zunächst wurden die gemeinsame Koordinationsgruppe und das zentrale Büro in der Schweiz aufgelöst. Um die großen Ideen von Holon künftig auch in den Regionen zu „erden“, gründeten wir drei verschiedene Trägergruppen, die in Zukunft zusammenarbeiten werden.
Der italienischsprachige Bereich hatte sich schon früher finanziell und strukturell unabhängig gemacht. Nun gibt es auch eine Trägergruppe, die die Holon-Mitglieder in Deutschland miteinander und nach Möglichkeit regional noch stärker vernetzen wird. Ebenso ist eine kleine Gruppe dabei, Holon in der deutschsprachigen Schweiz neu zu strukturieren.
Als zukünftige inhaltliche Ausrichtung ergab sich, dass Holon noch aktiver auf Initiativen zugehen möchte, die an gesellschaftlichen Themen arbeiten. Langfristig soll eine Kooperation entstehen, die es der Vielfalt der kulturell Kreativen ermöglicht, sich zunehmend als gesellschaftliche Größe zu begreifen und auszudrücken.
Gegen Ende des Treffens war allen deutlich, dass die große Vision eines europäischen Netzwerks nur dann Wirklichkeit werden kann, wenn sie in die regionalen Zusammenhänge eingebracht und dort „durchbuchstabiert“ wird. Zu den ersten drei Trägergruppen werden in Zukunft vermutlich weitere hinzukommen, für die zwei bis drei Initiativen vor Ort Verantwortung übernehmen.
Unsere Sommertagungen mit ihrer ganzheitlichen Gestaltung, auf die wir stolz sind, möchten wir verstärkt auch anderen, die an der Zusammenführung des kulturell kreativen Feldes Interesse haben, als gemeinsame Foren anbieten.
Im nächsten Sommer werden wir vom 23. bis 30. Juli beim Holon-Mitglied St. Arbogast im österreichischen Vorarlberg wieder zusammenkommen. Die Bildungsstätte St. Arbogast wird diese Tagung organisatorisch vorbereiten, und die deutsche Trägergruppe wird wieder die Programmkoordination übernehmen. Die verbindende Überschrift über die Themen der nächsten Tagung wird das Element Wasser sein.

Eine breitere Öffentlichkeit ansprechen

Neben der zentralen Koordinationsgruppe verabschiedeten wir uns auch vom alten Holon-Journal. Ab der vorliegenden Ausgabe Nr. 136 von KursKontakte wird eine Holon-Redaktion regelmäßig diese Seiten betreuen. Damit wagen wir sowohl den Schritt in die Dezentralisierung wie auch in die größeren Zusammenhänge. Beiträgen einzelner Holon-Mitglieder können wir so eine größere Öffentlichkeit verschaffen.
Im Abschlussritual schließlich wurde es sinnfällig: Daniel Nägeli, der nicht nur das alte Holon Journal über Jahre entscheidend getragen hatte, wurde von seiner Last befreit. Der Dank an ihn ging über in den Dank an alle, die Holon einst ins Leben riefen und auf den Weg gebracht haben. Und alle, die am Feuer dabei waren, wissen, dass das keine leeren Floskeln waren, sondern echte Gefühle, tief empfunden und stärkend auch für die, die nun die Fackeln weiter tragen. Wer sich nun berufen fühlt, bei der Stärkung der Regionen, der Sommertagung oder der Redaktion mitzuhelfen, ist herzlich dazu eingeladen. ´



Siegfried Prumbach ist Diplom-Designer und Bildhauer. Er leitet die Akademie für integrale Gestaltung Anima Mundi und lebt in Flammersfeld im Westerwald.


Sommertagung des Holon-Netzwerks:
Für den Wandel – Wie wir wirklich leben wollen
23.–30. Juli 2005
in Arbogast, Vorarlberg, Österreich
Der drohende Zusammenbruch der europäischen Sozialstaaten wird alle Bevölkerungsschichten betreffen und das Leben bis in den persönlichen Bereich hinein verändern. Die Tagung ist als Zukunftswerkstatt konzipiert und zeigt alternative Wege und Strategien für eine lebenswerte Zukunft.
Themen: Job fort – Auswege aus der Arbeitslosigkeit. Ohne Moos nix los – Geld und Selbstwertgefühl. Tiefenökologie – Konferenz der Lebewesen. Gemeinschaften – Nur Stämme werden überleben u.v.m.

  Autoren

Prumbach, Siegfried

Partner
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