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Demokratisch lernen
erschienen in Ausgabe 139  PDF-Version (244.62 KB)
Der Gründer der demokratischen Sands School in England,David Gribble, kümmert sich um die Vernetzung von Schulen,in denen die Menschenrechte der Kinder geachtet werden.

Warum berichten wir diesmal über Schulen, wo es doch sonst auf diesen Seiten immer um Lernen außerhalb von Institutionen geht? Bei den Demokrati-schen Schulen, die hier angesprochen werden, ist die unverzichtbare Grundlage des Lernens der Kinder deren Selbst-bestimmung. Das ist in denjenigen Ländern möglich, wo sich Schulen auf das Bildungsrecht des Individuums berufen können. Das gibt es in Deutschland nicht, weshalb die vier hierzulande beantragten Demokratischen Schulen bisher von den Kultusministerien abgelehnt wurden.


Erstmals nach sechs Jahren wird die International Democratic Education Conference (IDEC) wieder in Europa stattfinden, und zwar in Berlin vom 30. Juli bis 7. August – eine Gelegenheit, die sich wohl erst in fünf Jahren wiederholen wird. Hunderte Schüler, Lehrer und Mitarbeiter demokratischer Bildungsorganisationen aus zwanzig Ländern werden nach Berlin kommen und eine Woche lang über ihre eigenen Erfahrungen und Ansichten sprechen und mit interessierten Teilnehmerinnen und Teilnehmern diskutieren.
Als Mitgründer der Sands School, neben Summerhill die einzige Demokratische Schule in England, hat es mich immer schon interessiert, wie es in ähnlichen Schulen in anderen Ländern aussieht. Ich hatte zwar von einem halben Dutzend solcher Schulen gehört, aber erst nachdem ich 1992 in den Ruhestand trat, hatte ich die Chance, sie zu besuchen. Die Unterschiede zwischen den Schulprojekten, denen ich auf meinen Reisen begegnete, waren erstaunlich, doch die Quintessenz der Erfahrungen zeigte, dass es Kindern wesentlich besser geht, wenn sie die Freiheit haben, Entscheidungen selbst zu treffen. Verordnete Disziplin, Curricula und Prüfungen stehen der kindlichen Entwicklung hingegen hemmend gegenüber. Was zählt, sind Achtsamkeit, Respekt und Freiheit.

Schule und Demokratie

Das konventionelle Schulsystem scheint darauf ausgerichtet zu sein, nur vordergründig kompetente Menschen auszubilden, die nur allzuleicht Konformisten werden. Eigenschaften wie Eigennutz und Rücksichtslosigkeit werden gefördert, und unter einer glattgeschliffenen Oberfläche verbergen sich oft frustrierte, zaghafte, gehorsame und eingeschüchterte Menschen. Sie streben weniger nach ihrem eigenen Weg, sondern geben sich mit allgemein anerkannten Leistungen zufrieden und leiden unter Versagensängsten. Diese Menschen haben einen so großen Teil ihrer Schulzeit in dem Kampf zugebracht, sich Wissen anzueignen, das sie nicht interessiert, und Fertigkeiten zu entwickeln, die für sie nicht von Bedeutung sind, dass sie häufig jegliches Vertrauen in den Wert ihrer eigenen wahren Interessen und Talente verloren haben. Oft halten sie andere für nicht besonders wichtig, weil sie selbst kaum von jemand anderem besonders wichtig genommen wurden.
Woher kommt die Selbstverständlichkeit in vielen Ländern, dass Kinder dazu gezwungen werden müssen, zur Schule zu gehen?
Menschen, die eine demokratische Bildung genossen haben, sind oft sehr anders. Sie kennen ihre Talente und Interessen gut und wollen sie in positiver Weise nutzen. Die Werte an diesen Schulen sind Rücksicht, Begeisterungsfähigkeit, Selbstbewusstsein, Toleranz, Kooperationsfähigkeit und Entschlossenheit. Diese Schulen wollen keine Konformisten hervorbringen, sondern Menschen, die ihre eigene Eigenschaften und Prinzipien gut entwickelt haben, die sich um andere kümmern, weil man sich um sie gekümmert hat. Sicherlich ist das ein Idealbild, nicht alle demokratisch gebildeten Menschen können so sein, aber unter ihnen gibt es eine unverhältnismäßig hohe Zahl von Lehrern, Medizinern, Künstlern, Schriftstellern, Musikern, und Menschen, die sich in vielerlei Hinsicht gesellschaftlich engagieren. Dartington Hall School war z.B. eine sehr teure demokratische Schule, wo die Eltern meist reich waren, aber unter den Absolventen stellte man fest, dass sie downwardly socially mobile waren – also auch, wenn es ihnen entsprach, einen „einfachen“ oder sozialen Beruf wählten. Das Geld war für sie weniger wichtig als für ihre Eltern.
Wenn man von Demokratischen Schulen spricht, will man meistens andeuten, dass es darin sehr viel Freiheit gibt, und junge Leute und Erwachsene die wichtigen Entscheidungen über die Schule gemeinsam treffen. Begriffe wie „Freie Schulen“ oder „Demokratische Schulen“ können aber auch viele Missverständnisse hervorrufen. Waldorfschulen zum Beispiel wollen „frei“ sein, aber sie folgen den Anforderungen der Anthroposophie, meinte Yaacov Hecht, Leiter des israelischen Instituts für Demokratische Bildung (IDE). Wenn man von Vornherein wisse, wie eine Entwicklung verlaufen und was alles passieren müsse, habe die Demokratie keinen Sinn.
Was heißt also demokratische Bildung? Viele Demokratische Schulen beantworten diese Frage ganz unterschiedlich. Nach vielen Diskussionen der letzten Jahre über das Selbstverständnis solcher Schulen haben sich einige Kriterien herausgeschält. Das vielleicht wichtigste ist die Respektierung der Menschenrechte. Daraus wird abgeleitet, dass Schüler selber bestimmen können, was sie tun (freie Wahl der eigenen Beschäftigung). Weitere Kriterien sind z.B. das Vorhandensein demokratischer Verfahrensweisen zur Entscheidungsfindung und damit auch die gemeinsame, geteilte Verantwortung für das Leben in der Schule (aus den Kriterien des „International Democratic Education Network“, siehe dazu -http://idenetwork.org)

Freiheit an demokratischen Schulen

Um die angesprochenen Unterschiede zu illustrieren, möchte ich einige Beispiele für Freiheiten aufzählen, die man in manchen (aber nicht in allen) dieser Schulen findet. Weiterhin nenne ich Beispiele für Einschränkungen, die teilweise in denselben Schulen vorkommen (und freilich wieder nicht für alle gelten). Bei Demokratischen Schulen handelt es sich um offene und lebendige Organisationen, die von allen Beteiligten mitgestaltet werden. Daher hat jede ihre ganz eigene Ausprägung.
Freiheit – Kein Unterricht: In der Sudbury Valley School in Massachusetts (USA) gibt es keine Unterrichtsstunden. Bevor ich dorthin reiste, wusste ich schon, dass Besucher dort oft den Eindruck erhielten, sie kämen während einer Pause. Ich würde mit meinen Erfahrungen im Hintergrund nicht so naiv sein, dachte ich mir, ich würde die Lernatmosphäre sicherlich richtig einschätzen. Aber als ich ankam, konnte ich nicht anders – ich hatte das Gefühl, es sei gerade Pause. Es wäre übertrieben, zu behaupten, dass es dort keinen Unterricht gäbe. Es gibt keinen Stundenplan. Wenn Kinder sich Unterricht wünschen und wenn sie die Erwachsenen davon überzeugen können, dass sie es ernst meinen, können sie für sich selbst und vielleicht für einige andere Freunde entsprechend Stunden vereinbaren. Ich erwartete, viele solche Stunden zu sehen, aber in den vier Tagen, die ich in der Schule verbrachte, wo fast hundertfünfzig SchülerInnen eingeschrieben waren, sah ich nur eine Karatestunde, eine Geschichtsstunde, eine Französischstunde mit nur drei Schülerinnen und eine Sitzung im Labor, in der drei Mädchen unter den Augen einer diplomierten Biologielehrerin ein Eichhörnchen häuteten, das sie draußen auf der Straße gefunden hatten und ausstopfen wollten. Es würden den Rahmen dieses Artikels sprengen, zu erklären, was, wie und wieviel die Kinder in Sudbury lernen, aber ich sollte wenigstens erwähnen, dass sie in akademischer Hinsicht durchaus erfolgreich sind. Viele gehen auf Universitäten.
Freiheit – Keine Strafen: In der Barbara-Taylor-School in New York wurden jegliche Art von Strafen generell abgelehnt. Sie erklärten ihre Gründe dafür:
Die meisten Schulen versuchen, für die Erfolge ihrer Schülerinnen und Schüler Anerkennung zu bekommen. Aber statt die Schule selbst für ihre Misserfolge verantwortlich zu machen, bestrafen sie die Schüler, wenn sie versagen, mit zusätzlicher Arbeit. Sie berauben sie bestimmter Privilegien oder schließen sie aus der Schule aus. Das ist unangemessen, weil wir, erstens, alle füreinander verantwortlich sind. Der Misserfolg ist also derjenige der Schule und nicht derjenige des Kindes. Zweitens bedeutet der Ausschluss von Kindern, dass man sie der einzigen Umgebung beraubt, die für sie therapeutischen Wert hat, und drittens verhindert eine Bestraftung das notwendige Gespräch, dabei sind es doch die fruchtbaren Gespräche, die Veränderungen herbeiführen können.
Freiheit – Keine Einmischung von Erwachsenen in die Angelegenheiten der Kinder: In der Fundación Educativa Pestalozzi von Rebeca und Mauricio Wild in Ecuador dürfen die Erwachsenen sich gar nicht in die Angelegenheiten der Kinder einmischen. Mauricio hat es so zusammengefasst: „Lehren, Erklären, Leiten, Motivieren, Überreden, Antizipieren und Hinweisen sind keine angemessenen Interaktionen zwischen Erwachsenem und Kind.“ Aber in vielen Demokratischen Schulen spielen die Erwachsenen als Partner eine besonders große Rolle im Leben der Kinder.
Freiheit – Keine Schulpflicht: Tokyo Shure ist eine Schule für Schulversager. In Japan gibt es sehr viele junge Menschen, die mit der Schule nicht zurechtkommen, weil das übliche System so grausam und so vereinheitlichend ist. Und da Tokyo Shure eine Schule für Schulverweigerer ist, muss man dort nicht hingehen, auch wenn man eingeschrieben ist. Tokyo Shure ist einfach offen, von halb zehn morgens bis sieben Uhr abends, und es gibt einen vollen Stundenplan. Man geht zur Schule, wenn man möchte, entweder zum Unterricht oder einfach, um seine Freunde zu treffen. Unterrichtet wird, was speziell von den Kindern gewünscht wurde, und das ändert sich von Monat zu Monat. Die meisten früheren Schulversager kommen jeden Tag in die Schule.
Butterflies, eine Einrichtung für arbeitende Kinder in Delhi, hat sogar gar keine Gebäude. Die Streetworker bringen große Koffer voller Lernmaterialen und Spielzeug zu bestimmten Zeiten an bestimmte Orte in der Stadt, und alle Kinder, die wollen, können kommen. Die meisten Kinder, die in Demokratische Schulen gehen, haben Eltern, die sich dafür eingesetzt haben. Für die arbeitenden Kinder, die in Delhi zu Butterflies kommen, ist es ganz anders. Sie werden oft geschlagen, weil sie lesen und rechnen gelernt haben, statt Geld zu verdienen. Sie kommen aber immer wieder. Der Respekt, der jedem Kind in einem demokratischen Zusammenhang entgegengebracht wird, kommt ihm wie ein selbstverständliches Recht vor. Auch wenn es anderswo keinen solchen Respekt genießt, weiß es so doch, dass es ein würdiger Mensch ist.
Für Absolventen Demokratischer Schulen kann es aber eine unangenehme Überraschung sein, später zu erfahren, dass in der Berufspraxis in vielen Unternehmen junge Menschen als untergeordnet gelten und ihre Meinungen als wertlos angesehen werden. Sie müssen mit dieser Situation zurechtkommen, aber zugleich wissen sie, dass ein solcher Umgang mit Menschen ein Fehler ist, an der die Gesellschaft schuld ist. Später werden sie selbst durch ihre Initiative für Veränderung sorgen und alles besser ordnen können.
Freiheit – Keine zu große Ordnung: Tamariki, eine frühere nicht-staatliche Schule in Neuseeland, wollte staatlich anerkannt werden, um finanzielle Unterstützung zu erhalten. Sie musste dafür ihre Grundidee und die besondere Ausrichtung genau beschreiben. Hier sind einige Auszüge zum Thema Unordnung:
„… Bei Kindern dieser Altersgruppe werden Kreativität und Lernen durch ein gewisses Maß an Unordnung gefördert. … Wir möchten eine Umgebung bereitstellen, die Kinder ermutigt, Möglichkeiten wahrzunehmen, um Elemente auf kreative Art immer wieder neu zu kombinieren; eine Umgebung, in der Aktivitäten bis zu ihrem natürlichen Abschluss durchgeführt werden können und nicht willkürlich durch die Aufforderung der Erwachsenen, aufzuräumen, unterbrochen werden. So können Kinder ihre Frustrationspunkte, an denen Unordnung kontraproduktiv wird, direkt erleben.
Da in der Schule wiederholt beobachtet worden ist, dass die Phantasie der Kinder am stärksten bei einem gewissen Maß an Unordnung angeregt wird, sollten Erwachsene sich davor hüten, Ordnung in Bereichen zu verlangen, von denen sie nicht persönlich und unmittelbar betroffen sind.“

Einschränkungen in der Freiheit

Je nachdem, welchen Rahmen sich die Schüler und Lehrer an den Demokratischen Schulen gesetzt haben, existieren verschiedene Einschränkungen der Freiheit. In Summerhill und Sudbury Valley, die als die freiesten Schulen auf der Welt gelten, gibt es eine ganze Reihe von Gesetzen, die von der Schulversammlung verabschiedet worden sind und deren Missachtung eine Reihe von Sanktionen mit sich bringt.
Als die Berliner Kinderrechtsgruppe KRÄTZÄ Summerhill vor einigen Jahren besuchte, waren sie von den vielen Regeln ziemlich befremdet. „Es drängte sich die Frage auf, ob es tatsächlich so viele Regeln geben muss oder ob oft nicht eher nach ‚gesundem Menschenverstand‘ und den individuellen Bedürfnissen der jeweils Beteiligten entschieden werden kann, oder ob Selbstverständlichkeiten per Gesetz geregelt werden müssen. Schulgesetze wie Nr. 109 ‚Man darf nicht über die Tische im Essenraum laufen‘, Nr. 160 ‚Man darf keine Steine auf Leute werfen‘ oder Nr. 124 ‚Man darf nicht mit Keksen im Essenraum rumwerfen‘ könnten den Effekt haben, dass alle anderen Fälle auch geregelt werden müssen, weil sonst Schülerinnen und Schüler über die Tische im Büro laufen, Leute mit Stöcken bewerfen oder die Kekse eben durch den Flur schmeißen.“ (KRÄTZÄ-Dokumentation „Auf dem Weg zu neuen Ufern“, www.kraetzae.de)
Es gibt auch oft Regeln für Lehrerinnen, Lehrer und Eltern. In Hadera dürfen keine Aktivitäten angeboten werden, die nicht für Kinder jeden Alters offen sind. In Moo Baan Dek in Thailand müssen die Erwachsenen denselben Regeln gehorchen wie die Kinder, und das heißt, dass sie keinen Alkohol hineinbringen, keine privaten Fernsehapparate haben und nicht rauchen dürfen.
Auch in Bezug auf die Verantwortlichkeit existieren Begrenzungen. An den meisten Demokratischen Schulen behalten die Erwachsenen einige Entscheidungen für sich. In Summerhill werden neue Lehrer und neue Schüler von der Schulleiterin eingestellt bzw. entlassen. In vielen Schulen darf die Schulversammlung, bestehend aus allen Schülern und Mitarbeitern, keine Entscheidungen treffen, die mit Gesundheit oder Sicherheit zu tun haben. Geld und Buchführung sind gewöhnlich Sache der Erwachsenen. In Room 13 in Schottland aber, wo die ältesten Schüler knapp zwölf Jahre alt sind, machen sie die Buchführung selbst, kaufen alle Materialen und haben ihr eigenes Bankkonto und Scheckbuch.
Es ist offensichtlich, dass es an Demokratischen Schulen nicht die einzig wahre gute Methode gibt, aber alle Methoden beruhen auf einem grundsätzlichen gegenseitigen Vertrauen und Respekt zwischen Erwachsenen und jungen Leuten, deren Auswirkung man nur bewerten kann, wenn man die Kinder selbst kennenlernt. Sie gewinnen an Selbstvertrauen, an Verantwortlichkeit, an Ehrlichkeit, an Selbsterkenntnis. In der Regel sind sie auch nicht im mindesten eingebildet.

Lebendiges Miteinander

Während meiner weltweiten Besuche der Demokratischen Schulen im Jahr 1992 fiel mir auch auf, dass die meisten von ihnen glaubten, sie wären einzigartig oder es gäbe nur sehr wenige ihrer Art auf der ganzen Welt. Es schien mir wichtig, dass sie einander kennenlernten. Glücklicherweise organisierte Yaakov Hecht, der damalige Schulleiter der Demokratischen Schule von Hadera, 1993 die erste International Democratic Education Conference (IDEC) in Israel. Nur vier Länder waren dort vertreten: Israel, Österreich, England und die USA. Im nächsten Jahr fand die Konferenz in England, anschließend in Österreich und in späteren Jahren sogar in der Ukraine, in Japan, in Neuseeland und in den Vereinigten Staaten statt. Letztes Jahr war die IDEC in Indien. Hunderte von Leuten kommen, die ganz erstaunt sind, dass es soviele Gleichgesinnte auf der Welt gibt. Jede Veranstaltung wird von einem Team vor Ort organisiert, das sich freiwillig meldet und alles selbständig regelt: Termin, Einladungen, Kosten, Unterkunft und Stil des Treffens. Yaakov Hecht leitet heute das Institut für Demokratische Erziehung und zählt immer noch zu den interessantesten Referenten der IDEC. Jerry Mintz aus den USA betreute eine Mailing-Liste (Kontakt: idec@pscs.org). Ich bin für die Website www.idenetwork.org verantwortlich, die von Pibop Udomittipong in Thailand verwaltet wird. Dort gibt es eine Datenbank mit Adressen und kurze Beschreibungen von neunzig Organisationen, Schulen und Einzelpersonen.
Es ist immer wieder erstaunlich, wie sehr sich Demokratische Schulen und Einrichtungen, die an der IDEC teilnehmen, unterscheiden. Doch für alle Teilnehmer ist es eine sehr schöne Erfahrung, sich auch über diese Verschiedenheiten mit Gleichgesinnten auszutauschen.
Nach der IDEC in den Vereinigten Staaten in 2003 schrieb Diana Scullin aus Neuseeland: „Es war unglaublich schön, von Leuten umgeben zu sein, die ähnlich wie wir in Tamariki in Neuseeland arbeiteten, und zu wissen, dass es Menschen gibt, denen ich – obwohl sie meine Weltanschaung nicht kennen–, nicht die ganze Zeit alles zu erklären brauche."
Marco Bichsel aus der Schweiz schrieb: „Das, was ich hier gehört und gelernt habe, hat meine Denkweise über Erziehung und über Kinder ganz geändert, weil ich gespürt habe, was es bedeutet, frei zu sein.“
Während der Konferenzen kommt es aber auch zu vielen kontroversen Debatten und Einschätzungen zu den teilweise jahrzehntelangen Erfahrungen aus der Praxis. Daraus ergeben sich stets neue Impulse für Entwicklungen und Veränderungen.
Die IDEC in Berlin wird wesentlich von jungen Menschen, von Schülern und Absolventen Demokratischer Schulen mitbestimmt werden. Diese jungen Menschen werden ihre guten und schlechten Erfahrungen diskutieren. Sowohl 2003 auf der IDEC in Albany (USA) als auch 2004 in Bhubaneshwar (Indien) hat sich gezeigt, dass Jugendliche mehr Einfluss bekommen wollen.
Alle, die in Demokratischen Schulen arbeiten, wissen, dass Schüler und Absolventen die sensibelsten Kritiker sind. Von ihnen werden deshalb die wichtigsten Anregungen zu erwarten sein. Zugleich können Schüler die besten Beweise dafür liefern, dass Demokratische Schulen funktionieren. Mit Hilfe der Schüler und Absolventen hoffen wir die beiden Hauptziele der IDEC zu erreichen: Die Arbeit der Demokratischen Schulen zu verbessern und in die Gesellschaft auszustrahlen. ´


Literatur: Gribble, David: Auf der Seite der Kinder. Welche Reform braucht die Schule?, Beltz-Verlag, 1991.
Gribble, David: Schule im Aufbruch, Arbor-Verlag, 2001.
David Gribble ist Mitbegründer der Sands School, nach Summerhill die zweite Demokratische Schule in England. Er lebt in South Devon, England, zwischen Dartmoor und dem Meer.



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Gribbe, David

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