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Netz der Begegnung
erschienen in Ausgabe 139  PDF-Version (130.47 KB)
Die Geschichte von Holon

Das Holon-Netzwerk stützt sich auf die fünf Prinzipien Ökologie, Spiritualität, Sozialität, Politik und Kreativität. Als Netzwerk entwickelt es nicht selber Aktivitäten, -sondern sieht seine Aufgabe primär darin, Organisationen und Menschen miteinander in Verbindung zu bringen, die nach diesen Prinzipien leben und arbeiten. Sie verbinden sich nach Möglichkeit in regionalen Netzknoten, aber auch in größeren Regionen und über Landesgrenzen hinweg.



Gegründet wurde das Holon-Netzwerk von 39 interessierten und aktiven Menschen aus der Schweiz, Deutschland und Frankreich am 15. März 1997 in Basel. Viele waren Delegierte ihrer Organisationen, und ihr Ziel war, gemeinsam mit anderen ökologisch, spirituell, sozial und politisch zu wirken, Verbindungen zwischen den Gruppen und Personen zu schaffen, sich gegenseitig zu unterstützen und die Kräfte zu bündeln. Die Gründungsversammlung war ein Wagnis: Würden sich die verschiedenen Gruppierungen mit ihrem kulturellen und individuellen Hintergrund, ihren Tätigkeitsfeldern und Erfahrungen verständigen und finden, würde man sich auf gemeinsame Ziele und Organisationsstrukturen einigen können?

Die Beaulieu-Bewegung

Einer der Vorläufer des Holon Netzwerks war die ökospirituelle Beaulieu-Bewegung. Diese hatte sich 1991 gegründet, auf Initiative einer Gruppe von Personen aus der Entwicklungszusammenarbeit und der Erziehung zur Entwicklung. Die Gruppe gab ein Buch mit dem Titel ’Aufbruch von innen ? Manifest für eine Ethik der Zukunft? heraus. Initiator dieser Beaulieu-Gruppe war Gil Ducommun, Dozent für Entwickungszusammenarbeit in Bern. Die Beaulieu-Bewegung verbreitete sich vor allem in der französischen und deutschsprachigen Schweiz, aber auch in benachbarten Regionen, etwa in Frankreich und im Tessin.
Camille Schmid, Mitgründer von Oekopolis Zürich, war zusammen mit Gil Ducommun und Werner Binder einer der Hauptinitiatoren des Holon-Netzwerks. 1996 stieß Wolfgang Jaeger zu ihnen, der viel Vorbereitungsarbeit zur Gründung am 15. März 1997 leistete und dann zum Geschäftsführer gewählt wurde. Zu den Mitträgern der Gründung eines ökologischen, sozialen, spirituellen und politischen europäischen Netzwerks gehörte eine Vielzahl weiterer Personen aus Organisationen wie Pia Gyger vom St. Katharinawerk Basel, Willi Massa vom ökumenischen Zentrum Neumühle an der Saar oder der Ökonom Hans-Peter Studer. Die Beaulieu-Gruppe, gewissermaßen die Mutter von Holon, stellte zusammen mit dem St. Katharina-Werk Basel das Startkapital für die Gründungsvorbereitung zur Verfügung.

Kulturelle Erneuerung oder Untergang?

Gil Ducommun, der Verfasser des Holon-Grundsatzpapiers, wies eingangs auf die ökologischen Probleme hin, auf die jeder Mensch aufmerksam werden muss. Er erinnerte auch an die sich abzeichnende Verteilungskatastrophe, den Aufschwung Asiens und die Perspektive des Zurücksteckens für Europa. Wenn es nicht gelinge, eine neue Kultur und neue gesellschaftliche Vereinbarung zu schaffen, drohe der Erde der Untergang in Konflikten. Die Spiritualität sei unabdingbar für die neue Kultur, in deren Entwicklung Holon als Schmelztiegel fungieren könne. Ein holozentrisches Weltbild postulierte Camille Schmid für Holon, wo nicht der Einzelne, sondern das Ganze maßgebend ist. Selbstverwirklichung ist nur möglich, wenn ich das Ganze in mich aufnehme, und dazu gehören alle Menschen der Erde, Tiere, Pflanzen, die gesamte Natur. Die herrschende Wirtschaftsordnung geht demgegenüber von einem autozentrischen Bild aus: Gut für alle ist, was mir nützt. Diese sich auf Adam Smith abstützende Theorie ist heute maßgeblich, aber unhaltbar.
Werner Binder erläuterte thesenartig seine Gedanken zu Sinn, Ziel und Aufgaben von Holon: Ein Netzwerk lebt vom Engagement der Teilnehmer. Die Koordinationsgruppe unterstützt die Vernetzungsinteressen der Teilnehmer und hilft, deren Kräfte und Initiative zu bündeln. Damit erhält Holon eine gewichtige Stimme und kann Projekte als Ganze in die Wege leiten. Antrieb zur Mitarbeit bei Holon sind unsere Betroffenheit und unsere Liebe zur Erde. Holon soll Verbindungen und Gefäße schaffen, um Informationen fließen zu lassen. Es kann sich zu einem Lernfeld für ganzheitliches Leben und Kultur entwickeln. Die Vernetzung zwischen den Teilnehmerinnen und Teilnehmern am Netzwerk sollte gefördert und neue Kontakte zu weiteren Intiativen geknüpft werden.

Strukturen für ein europäisches Netzwerk

Zur Festigung des Zusammenhalts bildeten sich sechs regionale Netzknoten, die eine koordinierende Funktion einnehmen, Kontakte pflegen und Informationen weitergeben sollten. Davon lagen vier in Deutschland und zwei in Frankreich. Die Koordinationsgruppe für das gesamte Netzwerk nahm ihren Sitz in Zürich. Die Gründungsmitglieder beschlossen ebenfalls, ein Mitteilungsorgan herauszugeben, das den Namen Holon-Journal erhielt.
Bereits im Herbst 1997 lud Paul Gerrer, unterstützt durch die Koordinationsgruppe, zu einer internationalen Holon-Tagung nach Frankreich ein. Holon fand dort zwar Interesse, konnte aber in Frankreich nie richtig Fuß fassen.
Die erste Jahrestagung fand im Frühjahr im Meditationszentrum Neumühle im Saarland statt. Etliche neue Gruppierungen und Einzelpersonen bekundeten ihr Interesse am Holon-Netzwerk. Viele nutzten die Gelegenheit, um sich den anderen vorzustellen und neue Kontakte zu knüpfen. Eine erste spirituelle Partei wurde aber abgelehnt, weil sie nur für ihre Sache warb und sich nicht für die anderen interessierte.
Die jährlichen Holon-Tagungen begeisterten die Teilnehmer jeweils im Sommer. Sie finden reihum in verschiedenen Regionen Europas statt, wo das Netzwerk Fuß fassen konnte, und beziehen jeweils auch neue Leute in die Organisation ein. Gerne lasse ich darüber Theo von Fellenberg berichten, der von der Gründung an Mitglied der Koordinationsgruppe war.

Perlen im Netzwerk – Begegnungstreffen

’Holon ? das sind vor allem Treffen mit deutschen, französischen, italienischen und schweizerischen Gleichgesinnten, aber auch das Erlebnis verschiedener Kulturen und Landschaften.
Eine wunderbare Perlenschnur zieht sich seit mehreren Jahren über Europa. Die Perlen sind gute Begegnungen mit spirituell interessierten Menschen.
Das erste Treffen nach der Gründung fand im Kloster von St. Antoine in der Nähe von Grenoble (Frankreich) statt. Uns beeindruckten nicht nur die sakrale Architektur, sondern auch die Menschen der Arche-Gemeinschaft.
Die zweite Tagung im ökumenischen Zentrum Neumühle im Saarland stand unter dem geheimnisvollen Charme des stillen Waldsees. Dort spürten wir, unserer Intuition folgend, ein Keltenheiligtum auf einem Hügel auf ? ein Ort der Kraft. Unvergesslich der interreligiöse Tanzgottesdienst in der Kapelle.
Ganz anders das dritte Treffen im Sommer 1999: Eine ganze Woche verbrachten wir in der wilden Berglandschaft der Schweibenalp auf rund 1100 Metern im Berner Oberland (Schweiz). Wir übten uns in frühmorgendlichen Feuerzeremonien, Meditation, Tanz, Musik und Ausdrucksmalen in geistiger Vertiefung. Das Thema ‚Utopie und ihre Verwirklichung‘ suchten wir mit einem Einweihungsweg (Reinigung, Verehrung, Sammlung, Tat, Harmonie, Konflikt und Versöhnung) im Gelände nachzuvollziehen.
Dann noch ein regionales, italienisches Treffen mit ‚Sinergie‘ in den Cinque Terre (Ligurien, Italien) am schäumenden Meer: Lebenslust des Südens.?

Vielfalt der Kulturen und Sprachen

Ausgehend von einer Offenheit für kulturelle und spirituelle Vielfalt hat sich das Holon-Netzwerk stets auch als mehrsprachig verstanden. Es war selbstverständlich, für Französisch- und Italienischsprachige Übersetzungen anzubieten. Wir suchten jeweils Tagungsteilnehmer, die für ihre Sprachgruppe übersetzten. Das Holon-Journal war ebenfalls von Beginn an zweisprachig ? deutsch und französisch ? später dreisprachig, mit dem Italienischen, doch da stießen wir an Grenzen. Es war schon aus Platzgründen nicht möglich, alle Artikel zu übersetzen. Ich denke aber nicht, dass dies der Grund war, dass Holon im französischen Sprachraum nicht richtig Fuß fassen konnte. Eher hat es damit zu tun, dass Frankreich streng laizistisch ist, d.h. Weltanschauung, Glaube und Spiritualität sind strikte Privatsache, und man redet darüber kaum in der Öffentlichkeit. Im Gegensatz zu den Schweizern, die auf allen Seiten Grenzen überschreiten müssen und wollen, sind die Franzosen in ihrer ’Grande Nation? auch eher sich selbst genug. Im Gegensatz dazu entwickelt sich Holon in Italien hervorragend. ´


Daniel Nägeli war Mitgründer, Herausgeber und Redakteur des Holon-Journals bis zu dessen Einstellung 2004. Er lebt bei Zürich.


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Nägeli, Daniel

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