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Über uns
Impressum
„Es gibt keinen privaten Konsum!“
erschienen in Ausgabe 139  PDF-Version (216.42 KB)
Ein Gespräch mit Gerhard Breidenstein, dem Mitinitiator der Initiative „Aufbrufch – Anders besser leben!

Eurotopia: Warum haben Sie noch eine neue Organisation gegründet? Es gibt doch schon zu viele!

Gerhard Breidenstein: Ja, es gibt viele, oft auch sehr effektive Initiativen im Bereich Umwelt und Eine-Welt. Aber erstens sind die meisten auf ein Thema spezialisiert, während wir uns darauf „spezialisiert“ haben, alle Themenfelder der Nachhaltigkeit/Zukunftsfähigkeit zusammenzufassen und sie ganzheitlich zu vertreten, einschließlich der geistig-kulturellen und sogar spirituellen Aspekte.
Und zweitens arbeiten gerade die großen „Nicht-Regierungs-Organisationen“ mit Öffentlichkeitsarbeit und Gremienarbeit „nach oben“ in die Politik. Dagegen wollen wir „nach unten“ wirken, an die Basis der Konsumenten und in den privaten Alltag hinein. Wir halten das für eine notwendige Ergänzung. Deshalb kooperieren wir mit verwandten Organisationen und wirken an Vernetzung mit.

v Was ist das Besondere an den „Aufbruch“-Gruppen ?

„Aufbruch“-Gruppen sollen keine Konkurrenz zu bisherigen Informations- und Aktionsgruppen vor Ort sein, sondern eine Ergänzung. Sie sollen dazu ermutigen, aus den vielen Informationen Konsequenzen zu ziehen und Aktionen nach außen durch Veränderungen im eigenen Leben zu unterstreichen. Durch einen besonderen Stil und eine vertrauensvolle Atmosphäre wollen sie einen Raum schaffen, in dem man auch von Schwierigkeiten und Widerständen bei sich oder in der Familie sprechen kann.

v Wieviele solche „Aufbruch“-Gruppen gibt es und wo?

Anfang 2005 gab es 16 bestehende und weitere entstehende Gruppen im Süden, Westen und Osten Deutschlands. Deren Kontaktadressen findet man auf unserer Website unter „Gruppen“ oder erfährt sie bei unserem Servicebüro.

v Gab es nicht früher schon ganz ähnliche Initiativen?

Ja, die Ökumenische Initiative „Eine Welt“ oder die „aktion e“ von „Brot für die Welt“ haben bereits in den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts das Thema „Lebensstil“ angesprochen, ebenso die vielfältige Alternativ-Bewegung. Aber es wurde in den neunziger Jahren von anderen Themen völlig verdrängt. Es braucht heute, da es dringender wurde denn je, neue Impulse. Immer lauter wird von den Industrieländern nachhaltiger Konsum gefordert.

v Wen erreicht ihr mit eurer Initiative? Und wieviele?

Wir gehen mit unseren Materialien nicht „auf die Straße“, sondern versuchen, gezielt jene Menschen anzusprechen, die längst über den Zustand der Welt und dessen Ursachen Bescheid wissen. Diese – und das dürften in Deutschland einige Millionen sein – wollen wir an ihr meist verdrängtes Wissen erinnern und zu neuen, konsequenteren Handlungsschritten motivieren. Deshalb legen wir unser Flugblatt in Naturkostläden, Eine-Welt-Läden oder Meditationszentren aus und bemühen uns um Artikel in entsprechenden speziellen Zeitschriften. Auf diese Weise und durch persönliche Werbung haben wir bisher rund 1500 Menschen so angesprochen, dass sie ihren Namen und Adresse unter unseren Aufruf setzten. Wer mit Unterschrift und Adresse zu unseren Zielen Zustimmung ausdrückt, wird nicht Mitglied einer Organisation und muss sich auch nicht in unserer Initiative engagieren. Aber er oder sie wird mit ihren oder seinen Überzeugungen „sichtbar“. Auch wenn wir keine Massen-Unterschriften-Sammlung betreiben, so wollen wir doch zeigen, wieviele Menschen heute „anders“, d.h. zukunftsfähig leben wollen.

v Die „Handlungsschritte“ in Eurem Aufruf stellen einen hohen moralischen Anspruch. Macht ihr den Menschen damit nicht ein schlechtes Gewissen?

Die „Handlungsschritte“ in unserem Faltblatt zählen Möglichkeiten auf, wie man heute in Deutschland nachhaltig bzw. zukunftsfähig leben kann. Denn unsere Verantwortung vor der Umwelt, vor den Armutsländern und vor den Zukünftigen lässt sich gar nicht ohne Gewissensprüfung wahrnehmen. Und keine Gesellschaft kann ohne „Moral“ bzw. ethische Werte bestehen. Schließlich: Die heutigen globalen Krisen machen gerade in den reichen Ländern ein Umdenken und eine Änderung der Lebensweise sehr dringend, worauf immer mehr Experten hinweisen.
Es geht uns nicht darum, zu missionieren und freudlosen Verzicht zu predigen, sondern mit Geduld einzuladen zu einer Befreiung aus überholten Gewohnheiten und zu einem gesünderen, bewussteren Leben. In der Initiative „Aufbruch“ trifft man vor Ort oder bei Seminaren Gleichgesinnte, mit denen man sich über alle Schwierigkeiten austauschen kann.

v Ist es nicht unpolitisch, wenn globale Probleme von Euch privatisiert werden?

Unter den Bedingungen der neoliberalen Globalisierung gibt es keinen „privaten Konsum“ mehr: Mit jeder Tasse Kaffee, Baumwollwäsche oder elektronischen Anlage nehmen wir als Endverbraucher am Welthandel teil. Art und Umfang unserer Mobilität wie unseres sonstigen Energieverbrauchs beeinflussen das Weltklima. So ist das Private politisch und das Politische privat. Unsere Arbeit am Privaten soll die unerlässliche Arbeit am Politischen nicht ersetzen, sondern ergänzen. Deshalb arbeiten wir vor Ort und auf Bundesebene gerne mit politischen Organisationen (wie z.B. BUND oder attac) zusammen.

v Bei diesen globalen Problemen kann doch der Einzelne kaum etwas erreichen!

Das sagen Millionen! Wenn alle, die das „eigentlich“ möchten, tatsächlich ökologisch produzierte und transfair gehandelte Produkte einkaufen würden, ihre Mobilität ökologisch gestalten und Öko-Strom beziehen würden, dann wäre das eine spürbare Verbrauchermacht. „Warten Sie nicht auf andere – die warten auf Sie!“

v Warum stellt ihr spirituelle Werte so stark heraus?

Der Konsumismus unserer Gesellschaft wurzelt in einem materialistischen Wertesystem. Deshalb lässt er sich ohne eine geistige Neuorientierung nicht überwinden. Es liegt nahe, dass das Geistige (lat. spiritus) und Spiritualität (im Sinn einer undogmatischen Religiosität jenseits der Religionen) einen höheren Stellenwert bekommt. Es geht um ein neues, ganzheitliches Bewusstsein. Dabei sind uns Toleranz und Offenheit sehr wichtig! ´




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Breidenstein, Gerhard

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