Mitglieder des Holon-Netzwerks stellen sich vor. Diesmal: Die Konvergenz-Gesellschaft fürganzheitliche Wahrnehmung, Bewusstseinsentwicklung und Tiefenökologie e.V.Von Gandalf Lipinski
Man findet das Wort Konvergenz in kaum einem Lexikon. Es heißt: zusammengehen, besser noch: zusammenwirken. Wir verstehen darunter einen tieferen Prozess als etwa nur die einfache Zusammenfassung von äußerlich Ähnlichem. Eher das Gegenteil – Konvergenz bedeutet für uns das Zusammenwirken mit all den Kräften, Menschen und Schulen, denen die Heilung von Menschen, ihre Beziehungen zur Erde wie zur geistigen Welt und ihrer Wiederbefähigung zur Gemeinschaft und damit letzlich auch ein grundlegender Kompetenzerwerb für eine humane, friedliche und nachhaltige Gestaltung unserer Gesellschaft am Herzen liegen. So lang wie dieser Satz ist, so breit ist das Spektrum der genannten Kräfte heute, und so verschieden sind sie scheinbar auch. Konvergenz ist nicht interessiert an der leichten Sortierbarkeit von Etiketten und Schubladen.
Konvergenz sucht nach den inneren Sinnlinien, in denen so verschiedene gesellschaftliche Erscheinungen wie zum Beispiel die aktuell wachsenden Ansätze zur Stärkung der direkten Demokratie mit der Gemeinschaftsbewegung, der Finanzreformbewegung mit einer vertieften Selbsterfahrung oder die Tiefenökologie mit der Erforschung rituell orientierter Theaterarbeit zusammenwirken. Deshalb hat die Gesellschaft auch den langen Namen, und deshalb tun wir uns auch immer wieder schwer, unser Anliegen auf kurze Stichworte mit Signalcharakter zu reduzieren.
So entstand Konvergenz auch auf mehreren Ebenen gleichzeitig und wurde erst im Nachhinein von den Beteiligten durch eine bewusste Zusammenschau sehr verschiedener Aktivitäten als ein Ganzes erkannt und dann 1996 als Bildungsverein gegründet. Da gab es die Salonabende, an denen sich regelmäßig Menschen aus verschiedenen Zusammenhängen (Ärzte, Psychotherapeuten, Veteranen der Gemeinschaftsbewegung, Theatermacher, Schamanen, Pädagogen, Theologen und weitere sprirituell, rituell, ökologisch oder politisch Interessierte) trafen und ’Gott und die Welt? im Innersten zu verstehen suchten, ohne ihre Erkenntnisprozesse durch allzu schnelle praktische Vernutzungszwänge wieder einebnen zu müssen.
Da gab es aber auch eine mehrjährige Ritualforschungsgruppe, die sowohl die jahreszeitlichen als auch individuelle, lebensgeschichtliche Übergänge in reicher praktischer Arbeit und im Kontext verschiedener Traditionen ausgeleuchtet und erprobt hatte. Hinzu kamen auch jene, die die rituelle und energetische Arbeit pur (also ohne Theoriebezug zu traditionellen Wegen) sowie deren gemeinschaftsspendende Wirkung in der Theaterarbeit erfahren hatten.
Einige der Menschen aus diesen drei Kreisen hatten einst ein eigenes Gemeinschaftsprojekt angestrebt, dann wieder als unzeitgemäß fallen gelassen; Menschen aus anderen Gemeinschaftszusammenhängen kamen dazu, das Thema Gemeinschaft wurde nun nicht mehr als Vorbereitung für ein konkretes Projekt, sondern auch als großes Thema im Kontext mit sozialen und politischen Fragen um nachhaltige Gesellschaftsgestaltung überhaupt behandelt.
Einige aus den genannten Kreisen waren dazu übergegangen, zusammen zu wandern und zu reisen. Naturerfahrung, Gemeinschaft auf Zeit, der zunehmende Wunsch nach stressfreier Kommunikation, nach geist- und humorvoller Begegnung ? all dies war schon gewissermaßen kultiviert, als dann auch noch die ersten Schriften zur Tiefenökologie von uns wahrgenommen wurden. Die reichen Begegnungen dieser Zeit befruchteten die Arbeit von vielen Mitgliedern.
Nach ihrer Konstituierung als Bildungsverein ist die Konvergenz-Gesellschaft dazu übergegangen, die Erfahrungsschätze und das ’Know-How? der geschilderten Kreise zu sammeln und aus ihnen ein Seminarprogramm zu entwickeln. Seit 2001 bieten wir Vorträge und Gesprächsabende zu Themen an wie integrale Tiefenökologie, Naturreligionen und rituelle Dimensionen in der Moderne, Anthropologie und Sozialökologie, Bewusstseinsentwicklung und Soziotherapie, Spiritualität und Politik, humane Wirtschaft, ganzheitliche Regionalentwicklung, innere Dynamiken von Gemeinschaftsprozessen u.a.
Die mehr praktisch ausgelegten Erfahrungsbereiche wie theatrale Tiefenarbeit, rituelles Spiel, Gestaltung von persönlichen und jahreszeitlichen Übergängen, Naturerfahrung, Selbsterfahrung im künstlerischen- und Gemeinschaftsprozess etc. bieten wir in Form von Wochenendseminaren und Gemeinschaftsreisen an. Eine Art Königsweg stellt das daraus entwickelte Konvergenz-Training dar, ein praktischer und theoretischer Kompetenzaufbau für alle, die sich im naturpädagogischen, soziotherapeutischen oder tiefenökologischen Feld professionalisieren wollen. Im Zentrum dieser Ausbildung steht der schöpferische Prozess als authentischer Kern von Heilung. Wir beleuchten künstlerische und schamanische Wege zu wachsender Mitverantwortung für gesellschaftliche Prozesse und die uns tragenden Biosysteme.
Für alle, die mit uns tiefer und verbindlicher in gemeinsame, ganzheitliche Lebenszusammenhänge einsteigen wollen, steht unser Projekt ’Sommerland? offen. Es ist derzeit ein kleiner Kreis gesellschaftlicher Visionäre und Pioniere, die am Entwurf eines tiefenökologischen Gemeinschaftsprojektes arbeiten, welches neben kollektiven Mustern und Strukturen vor allem die Kooperation reifer und selbständiger Individuen fokussiert.
Seit 2001 sind wir Mitglied im Holon-Netzwerk und seit 2003 maßgeblich an der Gestaltung der Sommertagungen beteiligt. Um unsere Arbeit in größere Zusammenhänge zu stellen, um Holon auch im Norden Deutschlands zu stärken, aber auch um eine tiefenökologische und ganzheitliche Durchdringung der Regionalentwicklung und der Demokratiebewegung zu impulsieren, haben wir Anfang 2005 zusammen mit Holon und Dynamik5-Deutschland beschlossen, bis zur europäischen Sommertagung 2006 drei gemeinsame Regionalkonferenzen zu veranstalten.
Zu guter Letzt sind wir 2004 mit dem Eintritt in die Holon-Redaktion im Rahmen der Zeitschrift KursKontakte einen weiteren Schritt in die Richtung gegangen, Konvergenz über die Zusammenhänge des eigenen Vereins hinaus zu einer Kraft der Zusammenschau und des Zusammenwirkens auch im größeren Rahmen zu entwickeln. ´
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