Die Geschichte einer nicht nur wirtschaftlich erfolgreichen Regionalbewegung.
Ziel des Netzwerks UNSER LAND war und ist, die natürlichen Lebensgrundlagen von Menschen, Tieren und Pflanzen unter Beachtung gesamtökologischer, ökonomischer und sozialer Kriterien in den Regionen zu erhalten und zu verbessern. Es begann Anfang der 90er-Jahre mit der Gründung der Bruckauer Solidargemeinschaft, an deren Aufbau Elsbeth Seiltz von Anfang an engagiert mitarbeitete.
Die Solidargemeinschaft beruht auf fünf Säulen: Landwirtschaft, Handwerk und Handel, Verbraucher, Kirchen sowie Umwelt- und Naturschutz. Erst die Zusammenarbeit vieler Menschen aus allen diesen Bereichen (es gibt Hunderte ehrenamtlicher Helfer) ermöglichte ein wirtschaftliches Handeln, das das ökologische und ökonomische Wohlergehen der ganzen Region im Auge hatte. In den folgenden Jahren bildeten sich acht weitere Solidargemeinschaften im Münchener Umland bis hin ins Landsberger und Werdenfelser Land. Im Jahr 2000 schlossen sich diese Solidargemeinschaften zum Netzwerk UNSER LAND zusammen. Seit 2003 gehören zum Netzwerk auch der Landkreis und die Landeshauptstadt München.
Die Münchnerinnen und Münchner zeigen sich begeistert von dem Projekt. Das Netz arbeitet zweigleisig: Die Landwirte gründeten die UNSER LAND GmbH zur Vermarktung der regionalen Produkte, der Dachverein UNSER LAND e.V. leistet die Arbeit zur Bewusstseinsbildung. Gemeinsam von allen fünf das Netzwerk tragenden Säulen wurden die strengen Richtlinien für Erzeugung, Verarbeitung und Handel von „Unser-Land“-Produkten erarbeitet: Die Landwirte (mittlerweile rund 200) verzichten beispielsweise beim Getreideanbau auf Wachstumsregler und bringen weder Pflanzenschutzmittel noch Klärschlamm auf ihre Felder aus. Sie ziehen ihre Tiere ausschließlich mit heimischen Futtermitteln auf. Sie verzichten auf Milchaustauscher und Leistungsförderer. Das Saatgut für den Futtermittelanbau ist gentechnikfrei. Vierzig Produkte, von Fleisch über Eier, Kartoffeln und Mehl bis hin zur Schafwolle bietet UNSER LAND inzwischen im Einzelhandel an. Beteiligt sind 280 Bäckereien, 17 Metzgereien, 20 Restaurants und über 500 Lebensmittelläden, allein in München 60 Supermärkte. Grundlage dabei sind faire Preise für alle – Erzeuger, Verarbeiter, Handel und Verbraucher.
Innerhalb von vier Jahren schaffte UNSER LAND den Sprung in die schwarzen Zahlen. Das ganze Konzept steht auf sicheren Beinen. Auf der Grundlage fairer Preise für Erzeuger, Verarbeiter, Handel und Verbraucher konnte eine wirtschaftliche Stabilität erzielt werden. „Das A und O dabei ist die Kommunikation mit dem Verbraucher“, erklärt Elsbeth Seiltz, die Vorsitzende des Dachvereins UNSER LAND e.V., „Unsere Produkte kosten im Durchschnitt circa zehn Prozent mehr als konventionelle. Wir gehen immer wieder auf die Menschen zu, lassen nicht nach, sie über den Grund der etwas höheren Preise zu informieren. Der Verbraucher zeigt sich unserer Erfahrung nach demgegenüber sehr aufgeschlossen und erkennt seinen enormen Einfluss, den er mit dem Einkaufswagen auf die Entwicklung in seiner Region ausüben kann.“
Fazit: Wissen schafft Bewusstsein, Bewusstsein schafft Verantwortung. Und UNSER LAND will dem Verbraucher verantwortliches Handeln ermöglichen. ´
Marianne Weber, 40, Mutter zweier Kinder, ist ehrenamtlich für die Solidargemeinschaft München tätig. Sie koordiniert die Öffentlichkeitsarbeit und die Veranstaltungsplanung im Netzwerk.
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