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Impressum
Editorial
erschienen in Ausgabe 137

Liebe Leserinnen,liebe Leser,

die Erde ist ein lebendes Wesen. Wer’s nicht fühlt, ist nicht aufgeklärt. Die Erde als toter, seelenloser Steinbrocken, auf dem wir durch einen sinnleeren Kosmos torkeln, ist ein finsterer Aberglaube aus der Spätphase der intellektuellen Evolution, deren Kennzeichen die Angst vor dem Nichtwissen ist. Darüber täuscht auch die im Katastrophenfall brillierende Technik weltweiter Kommunikation, weltweiter Logistik, die schnelle Hilfe möglich macht, nicht hinweg.
Selbstverständlich ist die Natur ihrer selbst bewusst, ist die Erde ihrer selbst bewusst, ist der Kosmos seiner selbst bewusst: Wir Menschen sind aus nichts anderem gemacht als aus Natur, aus Erde, aus Kosmos. Sprechen wir uns Bewusstsein zu, ist es zugleich das Bewusstsein der Natur, der Erde, des Kosmos, das sich in uns Menschen spiegelt. Wer meint, nur der Mensch habe ein Bewusstsein, hat die Verbindung seines Körpers samt seinem Denkorgan mit der Natur, mit der Erde, mit dem Kosmos verloren. Körper und Gehirn sind natürlicher, irdischer, kosmischer Stoff.
Wie wohl die meisten Erdenmenschen fühle ich mit den Opfern der -Flutwelle. Doch scheint mir: Die größte Naturkatastrophe ist immer noch der Mensch. Ein stiller Tsunami ereignet sich jeden Tag. Allein im Kongo sterben jeden Monat 31000 Menschen – an mangelnder Aufmerksamkeit und mangelnder Anwesenheit der Staatengemeinschaft. Die Hälfte der Toten sind Kinder.
„Wir sind das Weltvolk ...“, so be-ginnt die Präambel der Vereinten Nationen. Der Club of Budapest appelliert: „Wenn wir dies ernst nehmen, können wir gemeinsam die Rahmenbedingungen schaffen für eine humane und zukunftsfähige Gestaltung der Globalisierung. Wir, die wir die Flutkatastrophe überlebt haben, haben die Pflicht gegenüber deren Opfern und gegenüber der Zukunft, substanzielle und bleibende historische Konsequenzen zu ziehen.“
Ich füge hinzu: Wir, die wir den letzten Krieg um nunmehr 60 Jahre überlebt haben, wir, die wir vom weltweiten Hunger nicht bedroht sind, wir, die wir den Großteil der weltweiten Ressourcen für unsere Bequemlichkeit verbrauchen, wir haben die Pflicht, uns daran zu erinnern, dass wir nichts anderes sind als Ausdrucksformen dieses Planeten, der uns hervorbringt und wieder in -seine Elemente auflöst, nichts anderes als Lebenszeugen dieses Kosmos, in denen er sich selbst in seinem Sinnvoll-Sein beweisen möchte. Geben wir uns dieser Einsicht hin, und handeln wir danach!

Ihr Johannes Heimrath





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