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Editorial
erschienen in Ausgabe 138

Liebe Leserinnen,liebe Leser,

der Trend zur Aneignung einst obrigkeitlicher Domänen verstärkt sich weltweit. Da ist der neue Kolonialismus, wo sich die Hohenpriester des megatechnischen Pharao – bewaffnet mit -billigen Glasperlen aus dem Konsumgüterkorb und im Namen gläubiger Anteilseigner – weniger technisierte Menschen und deren Ressourcen und Kulturen aneignen. Und da ist eine wachsende Zahl vom Glauben abgefallener Nicht-Anteilseigner, die sich genau das aneignen wollen, was den Hofstaat des megatechnischen Pharao umtreibt: das Geld.
In die Hände derer soll es gelangen, die dem Geld mit ihrer Lebenskraft, mit ihren Erzeugnissen und ihren Leistungen unmittelbar Wert geben. Als Regionalgeld soll es die Abflüsse dichten, durch die das für -viele kaum mehr zum Leben reichende (Inter-)Nationalgeld gurgelnd in die Kassen derer rauscht, die im Dienst des megatechnischen Pharao so reich geworden sind, dass sie sich jeden Morgen die Krösus-Ohren kosmetisch korrigieren lassen könnten.
Nachdem sich die Bürger der westlichen Länder die wichtigsten Selbst-, Mitbestimmungs- und Gleichheitsrechte angeeignet haben, gehört das Geld – wie die Bildung – zu den letzten Dingen, wo -obrigkeitlicher Dünkel und das Diktat von in des Kaisers neue Kleider gehüllten „Experten“ noch immer hingenommen werden. Bei wem der Groschen gefallen ist, der weiß: -Sollen die realen Lebensräume, die Städte und ländlichen Regionen, nicht veröden und verarmen, muss reales Geld zum demokratischen Werkzeug werden. Sonst droht die fiktive Welt des virtuellen Hyperbusiness das -reale Leben der großen Mehrheit der Menschen vollends zu entwerten und zu entwürdigen.
Das Geld gehört den Bürgern – allen. Es ist nur wertvoll, wenn es von ihnen verstanden wird und den wahren Wert ihrer Beziehungen dokumentiert. Es gewinnt nur Sinn als Ausdruck des lebendigen Miteinanders, als Zeugnis eines allgemeinen materiellen, sozialen und spirituellen Wohlstands, zu dem jeder Mensch seinen Beitrag leisten kann.
Denn der Mensch ist ein gebendes Wesen. Das wird nur noch nach -Katastrophen sichtbar: Wir leben von dem, was wir geben und was uns gegeben wird. Unsere bloße Existenz beweist: Wir schenken uns der Welt – und wir überlebten den ersten Tag kaum, würden uns nicht Nahrung und -Liebe geschenkt. -Warum also die Angst vor dem Nicht-Haben? -Warum sind Gemeinschaften von Gebenden so -selten? Die Zeit ist vom Nehmen, von der Gier und dem geilen Geiz vergiftet.
Setzen wir die Dinge an den rechten Platz: Legen wir die Angst vor der eigenen Kraft ab, und wenden wir uns einander zu mit unseren üppigen Potenzialen und unseren gar nicht so großen echten Bedürfnissen. Dann wird das Geld den ihm angemessenen bescheidenen Raum im Leben einnehmen. Wieso Geld überhaupt? Weil es praktisch ist.

Herzlich, Ihr Johannes Heimrath


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Heimrath, Johannes

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