Liebe Leserinnen,liebe Leser,
die Besinnung auf die regionale Identität steht in diesem Heft im Mittelpunkt. Eine Reihe von ermutigenden Initiativen kleinen und großen Zuschnitts zeigen, dass auch im Zeitalter der Globalisierung das große Prinzip des Atems nicht verletzt wird: Auf Expansion folgt Kontraktion, und obwohl dies zwei gegensätzliche Bewegungen zu sein scheinen, treiben sie doch ein kontinuierliches Phänomen an, das keinesfalls die Richtung ständig wechselt, sondern sich wie ein breiter Strom in dynamischen Windungen gleichmäßig auf das eine große Ziel der vollen Entfaltung seines Potenzials hinbewegt: das Leben.
Mag manchen von uns die Globalisierung als außer Kontrolle geratener Expansionsprozess bedrohlich erscheinen, so sehe ich überall auf dem Planeten Menschengruppen entstehen, die beginnen, die naturgesetzliche Aufgabe der komplementären Kontraktionskraft zu übernehmen. Mein -Vertrauen in diese transnationalen, transhumanen ja transplanetaren Kräfte ist unerschütterlich: Sie werden sich ausgleichen und nach der Erfüllung ihres Spannungsbogens einem neuen Zyklus des kosmischen Atemschöpfens Raum geben, so wie dies seit Bestehen der Welt geschieht.
Ich habe schon mehrmals an dieser Stelle davon gesprochen, dass solches Vertrauen nicht bedeutet, dass wir uns zurücklehnen dürften. Im Gegenteil: Wenn wir uns als Menschen begreifen, die der Expansion des Kapitals durch die Stärkung der regionalen Wurzeln begegnen, dann braucht das eine immense Kraft, die wir nur aus unserem Herzen schöpfen können. Diese gegenhaltende Kraft finden wir überall dort, wo -diese Herzensqualität erkannt, wertgeschätzt und gepflegt wird, und das sind insbesondere neue Gemeinschaften, die sich in vielfältigen Formen immer deutlicher zu erkennen geben, die sich vernetzen und ein neues Wertbewusstsein in die Welt tragen.
Diese Netze sehe ich regelrecht bildlich über den Globus gespannt. Ihre Haltekraft wird bestimmen, welchen Raum die globale Expansion noch einnehmen kann und wann sie zur Ruhe kommt.
Prähistorische Statuetten der großen Göttin Alt-Europas zeigen den eleganten Körper der Erdmutter häufig eigenartig bekleidet: Sie trägt ein hautenges Netzkleid oder einen knappen Netzrock, der ihr eine überaus erotische Ausstrahlung verleiht. Vielleicht ist es das, was unserer Kontraktionsbewegung die Kraft verleiht, die der Expansionsbewegung komplementär ist: die Erotik des Netzes, die Spannung des Zusammenhaltens, die Intimität und Wärme des Sich-Begegnens und Sich-Ähnlich-Findens, das Bewusstsein, zu einer Familie zu gehören, Kinder desselben schönen kosmischen Körpers zu sein. Das weltumspannende Netz der Regionen – ist es das neue, attraktive Kleid, in dem unser Heimatplanet das Fest der Zukunft feiern möchte?
Fragt sich Ihr
Johannes Heimrath
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