Artikel
Kulturkreatives Spektrum (108)
Andere Welten (55)
Freie Gesundheitsberufe (22)
eurotopia (166)
Matriarchale Perspektiven (35)
Holon (77)
Editorial (30)
Briefe aus Amerika (6)
Anders Lernen (47)


Ausgabe 166 (12)
Ausgabe 165 (12)
Ausgabe 164 (12)
Ausgabe 163 (13)
Ausgabe 162 (13)
Ausgabe 161 (15)
Ausgabe 160 (12)
Ausgabe 159 (11)
Ausgabe 158 (13)
Ausgabe 157 (11)
Ausgabe 156 (15)
Ausgabe 155 (13)
Ausgabe 154 (12)
Ausgabe 153 (16)
Ausgabe 152 (12)
Ausgabe 151 (13)
Ausgabe 150 (14)
Ausgabe 149 (14)
Ausgabe 148 (16)
Ausgabe 147 (13)
Ausgabe 146 (13)
Ausgabe 145 (13)
Ausgabe 144 (11)
Ausgabe 143 (13)
Ausgabe 142 (12)
Ausgabe 141 (13)
Ausgabe 140 (15)
Ausgabe 139 (14)
Ausgabe 138 (12)
Ausgabe 137 (11)
Ausgabe 136 (14)
Ausgabe 135 (12)
Ausgabe 134 (8)
Ausgabe 133 (6)
Ausgabe 132 (9)
Ausgabe 131 (9)
Ausgabe 130 (10)
Ausgabe 129 (8)
Ausgabe 128 (9)
Ausgabe 127 (8)
Ausgabe 126 (6)
Ausgabe 125 (8)
Ausgabe 124 (9)
Ausgabe 123 (6)
Ausgabe 122 (7)
Ausgabe 121 (7)
Ausgabe 120 (3)
Ausgabe 119 (5)
Ausgabe 118 (1)
Ausgabe 115 (1)
Ausgabe 114 (11)

Zuletzt besucht
Artikel: Gewaltfreie Kommunikation
,
Artikel: Wann wird die Welt zu sprechen beginnen?
,
Artikel: Lernen braucht Freiheit

Artikel: Mut und Neugier auf das, was kommen will

Artikel: dynamik5


Über uns
Impressum
Mit Kreativität zur Selbstbestimmung
erschienen in Ausgabe 141  PDF-Version (194.7 KB)
Die Journalistin Simone Böcker sprach mit der Künstelerin der „Bunten Projekte“, Martina Bodemüller

Auf dem Spilburg-Gelände in Wetzlar an einem wunderschönen Sonnentag. Am Eingang vor dem langgestreckten Gebäude steht ein seltsames Gebilde: ein überdimensionaler grauer Stuhl mit zackenartigen, gewundenen Ärmchen, die sich von der Rückenlehne gen Himmel schlängeln. Aus einem Kellerraum des Gebäudes dringen Geräusche. Ein Schaben und Kratzen. Sechs Leute knien am Boden und schleifen die Ecken von Fliesenstücken. Mittendrin eine kleine, zierliche Frau mit dunklen, halblangen Haaren. Martina Bodenmüller ist die Leiterin dieses Projekts von der WALI, der Wetzlarer Arbeitsloseninitiative e.V.
Die Diplom-Pädagogin und Kunsttherapeutin arbeitet auf ganz unterschiedlichen Feldern und mit unterschiedlichsten Zielgruppen. Da sind Skulpturenbau und Computerprojekte mit Arbeitslosen, ein Hörspielworkshop zum Thema Hartz IV, Selbstbehauptungskurse für Mädchen, Kindermalkurse oder Stadtteilarbeit im Rahmen der „Sozialen Stadt“. Als Referentin spricht sie über Kulturarbeit, Streetwork oder ihre kreativ-sozialtherapeutischen Methoden. Sie hat zusammen mit Peter Diegel-Kaufmann einen Leitfaden für Kulturarbeit geschrieben und zwei Bücher über Jugendarbeit herausgebracht. Seit vier Jahren ist sie mit ihren „Bunten Projekten“ selbständig und arbeitet für verschiedene Auftraggeber, hauptsächlich für soziale Einrichtungen in Gießen – wo sie lebt –, Wetzlar und Umgebung.
Der Stuhl ist kein Stuhl, wie sich herausstellt, sondern ein Thron. Genauer gesagt: ein Flammenthron. Er ist das Ergebnis einer Auseinandersetzung mit der historischen Figur Tile Kolup. Mit dieser Skulptur möchte die Arbeitsloseninitiative ein Denkmal für den Bettler errichten, der sich im Jahr 1285 in Wetzlar als der bereits 1250 in Italien verstorbene Kaiser Friedrich II. ausgab und so für kurze Zeit in den Genuss von Ruhm und Reichtum kam, bis er enttarnt und als Ketzer verbrannt wurde. Wenn der Thron fertig ist, sollen sich Arbeitslose auf ihm selbst als Kaiser fühlen können. Sich selbstbewusst präsentieren und eine Aufwertung erleben.

Jeder kann sich ausdrücken

Wenn Martina Bodenmüller versucht, ihre Arbeit zu definieren, dann gibt es ein Schlüsselwort: „Ich möchte die Selbstbestimmung der Leute fördern – das ist mein Konzept. Meine Arbeit soll Menschen zu mehr Selbstbewusstsein, zu einer positiven Selbstwahrnehmung verhelfen. Egal, ob in einem Selbstbehauptungskurs für Kinder oder in einem Arbeitslosenprojekt.“ Kreativität ist nicht nur das Prinzip, das alle ihre „Bunten Projekte“ verbindet. Es ist auch ihr Mittel, um mit Menschen in Kontakt zu treten und etwas in ihnen zu verändern. „In jedem Menschen steckt die Fähigkeit, sich auszudrücken. Jede und jeder hat das Potenzial, sich zu verwirklichen. Es ist mein Anliegen, das zu fördern“, erklärt sie. Doch steht für Martina Bodenmüller nicht das Ergebnis im Vordergrund. „Wichtig ist mir der Prozess. Wie die Menschen an etwas herangehen und was sie dabei erleben. Man arbeitet zwar auf ein Endprodukt hin, aber oft ist der Weg das Ziel. Und das Produkt ist oft nur ein kleiner Teil dessen, was insgesamt passiert.“
Dieser Prozess ist beim Tile-Kolup-Denkmal-Bau live zu beobachten. Der arbeitslose Versicherungskaufmann Georg und der Kunsthistoriker Helmut kleben zusammen mit Martina Bodenmüller auf der Rückseite des Throns die kleinen Fliesen zu einem Mosaik zusammen. Mit den Fingern rühren sie im Zement, suchen für jedes Fliesenstück den richtigen Platz, beratschlagen sich über besonders schwierige Stellen. Eine Arbeit, die ihnen Spaß macht, die für sie neu ist, die Lust auf Anderes weckt. Eine Möglichkeit, sich selbst neu zu erleben, neue Kontakte zu knüpfen und in der oft hoffnungslosen Phase der Arbeitslosigkeit andere Perspektiven zu finden. „Wir haben alle unsere Ideen eingebracht. Dieser Gruppenprozess – wie wir zu dem jetzigen Entwurf gekommen sind – das war das Interessante“, sagt Helmut. Er hat über Denkmäler promoviert und freut sich, endlich an praktischen künstlerischen Prozessen teilzuhaben.
Mit kreativen Prozessen eine Gegenwelt aufzubauen zur lähmenden und stigmatisierenden Situation der Arbeitslosigkeit – dafür setzt sich Martina Bodenmüller in diesem Projekt ein. Und das auf eine einfühlsame, bescheidene Weise mit Respekt vor jedem Menschen. Mit ihren flinken braunen Augen beobachtet sie, was passiert, und sie versucht, bei jedem und jeder den Punkt zu finden, wo er oder sie gestützt werden kann. Dabei fühlt sie sich nicht als Künstlerin, die bestimmt, was getan wird. Ihre Rolle sieht sie eher darin, eine Entwicklung anzuregen und auf den Weg zu bringen, den nötigen Freiraum und die Atmosphäre für Veränderung zu schaffen. „Ich möchte ein Spiegel für die Leute sein und biete mich mit meiner Person als Gegenüber zum Gespräch an.“
Wie in diesen Freiräumen Veränderung entstehen kann, erklärt sie anhand des offenen Gesundheitsprojekts, das sie zusammen mit der WALI im Wetzlarer Nachbarschaftszentrum für die Bewohnerinnen und Bewohner des Stadtteils Westend durchgeführt hat. Das Ziel war, körperliche, emotionale und soziale Handlungen stärker wahrzunehmen und zu lernen, sie im Dienst der eigenen Gesundheit einzusetzen, krankmachende Handlungsmuster zu erkennen und Möglichkeiten zur Veränderung zu erarbeiten. Kurz: lernen, was einem gut tut. Das Angebot erstreckte sich über gemeinsames Kochen bis hin zu sozialtherapeutischem Kreativangebot. In Collagen und Bildern konnten die Teilnehmenden einen persönlichen Zugang zu den Themen Gesundheit, Krankheit und Körper finden. Etwas für sich selbst zu tun, hatten viele bislang völlig vernachlässigt. „Die nonverbale Gestaltung eines Themas ist manchmal der erste Schritt, es auszudrücken. Anschließend wird dann vielleicht ein Beratungsgespräch gewagt. Die Angebote gaben bei vielen den Impuls zur Veränderung der eigenen Situation – insbesondere die Beratung wurde dadurch auch über die Projektzeiten hinaus stark in der WALI nachgefragt.“
Am Ende des Tile-Kolup-Projekts wird – wie bei fast allen „Bunten Projekten“ – die Öffentlichkeitsarbeit stehen. Das Denkmal wird eingeweiht, die Presse wird das Ergebnis und den Erfolg des Projekts loben. Durch die öffentliche Anerkennung erleben sich die Menschen als Schaffende. Nicht zuletzt das wird sie vielleicht ermutigen, ihren neuen Weg weiterzugehen.

Von Streetwork zu Selbständigkeit

Kunst und Kreativität haben für Martina Bodenmüller schon früh eine große Rolle gespielt. 1967 wurde sie am Bodensee geboren und wuchs im Schwabenland auf. Mit einem Werbegrafiker als Vater standen ihr Materialien zur Verfügung, mit denen sie sich künstlerisch erproben konnte. Dazu konnte auch schon mal gehören, das Kinderzimmer anzumalen. „Das war völlig in Ordnung. Bei uns hatten solche Dinge einen ganz anderen Stellenwert“, erzählt sie. In der Kunst war für sie schon damals der freie Ausdruck das Wesentliche, und diese Auffassung widersprach dem engen Rahmen des Kunstunterrichts in der Schule.
Sie entschied sich für das Studium der Diplom-Pädagogik und ging dafür nach Münster. Schnell suchte sie den Bezug zur Praxis und arbeitete nebenher ehrenamtlich in einem Frauenhaus, in der Kinder- und Jugendarbeit. Ihre Diplomarbeit schrieb sie über die Situation wohnungsloser Mädchen. Sie bekam so oft Anfragen nach ihrem Werk, dass sie es schließlich als Buch herausgab. Ihrem Studium folgten vier Jahre als „Vollzeit-Herzblut-Streetworkerin“ in Münster. Sie arbeitete mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen, deren Lebensmittelpunkt die Straße war. Viele waren von zu Hause ausgerissen, waren wohnungslos, einige hatten Psychiatrieerfahrung. Um diese Jugendlichen zu erreichen und ihnen Lebenshilfe anzubieten, versuchte Martina Bodenmüller mit ihrem Kollegen, an deren Lebenswelt teilzunehmen. Vertrauensverhältnisse zu den Jugendlichen aufbauen, sie in ihrer Person und ihrer Lebensweise zu respektieren, sie zu stärken und durch diese Stärkung mehr Selbstbewusstsein und Selbstbestimmung und so vielleicht Veränderung zu erreichen – dieser Gedanke war auch für ihre damalige Arbeit bestimmend.
Häufig nach den Erfolgen der Streetwork gefragt, schrieb sie zusammen mit ihrem Kollegen Georg Piepel eine Dokumentation über die Entwicklung von Jugend-lichen auf der Straße. Darin gehen die beiden Autoren vor allem der für sie wichtigsten Frage nach: Wie können Angebote aussehen, mit denen Jugendliche auf ihrem Weg begleitet werden können? Denn das ist ihr Ansatz: „Ich glaube an die Selbstheilungskräfte der Menschen. Ich denke, dass sich Menschen heilen können von schlimmen Sachen, die sie erlebt haben. Jeder Mensch kann sich weiterentwickeln, er braucht dafür eine positive Atmosphäre, um sich zu entfalten. Meiner Meinung nach müssen Jugendliche nicht geführt oder diszipliniert werden. Ich schreibe den Weg nicht vor. Sie sind selber in der Lage, ihren Weg zu finden. Ich sehe mich als Begleitung, als Stütze.“
Vertrauen, Glaube, Hoffnung – wichtige Eigenschaften, die Martina Bodenmüller in ihre Arbeit einbringt. „Man muss aber auch loslassen können von Vorstellungen, die man sich selber für bestimmte Leute macht. Und man muss aushalten können, wenn Menschen erst mal abstürzen.“ Was gibt ihr dafür die Kraft? „Für mich zählen die kleinen Schritte. Man muss Erfolge auf lange Sicht betrachten, indem man die Veränderung in der Situation jedes Einzelnen wahrnimmt. Es gibt viele Menschen, die ich nach Jahren wieder treffe und dann erst den ‚Erfolg‘ sehen kann. Aber dafür war oft wichtig, wie wir sie damals unterstützt haben.“
Nach dieser intensiven Zeit wuchs in Martina Bodenmüller der Wunsch nach Veränderung. Allem voran der Wunsch, mit verschiedenen Zielgruppen zu arbeiten. Zudem wurde ihr klar, dass Beratung und konkrete Lebenshilfe nur ein Teil ihrer Interessen abdeckten. In verschiedenen offenen Angeboten entdeckte sie ihre kreative Ader wieder. Das weckte in ihr die Idee, Menschen Selbstverwirklichungsmöglichkeiten zu bieten. Zusammen mit ihrem Freund ging sie nach Gießen. Dort bewarb sie sich ein Jahr lang für verschiedene Stellen, fühlte sich in diesen Bewerbungssituationen aber nie wohl. Schließlich entstand der Kontakt zur Gießener Arbeitsloseninitiative, wo sie für ein Jahr eine ABM-Stelle annahm. Gleichzeitig absolvierte sie eine Fortbildung zur Gestaltungs-Sozialtherapeutin. Dadurch verstärkte sich ihre Idee, vielfältiger und kreativer tätig zu sein. Sie bekam das Angebot vom Förderverein gewerkschaftliche Arbeitslosenarbeit e.V. in Bielefeld, einen Leitfaden für Kulturarbeit zu schreiben – ein erster größerer freiberuflicher Auftrag und ihr Sprungbrett in die Selbständigkeit.

Fließender Übergang

„Meine Selbständigkeit war eigentlich ein fließender Prozess und kein radikaler Schnitt“, berichtet sie. „Im Prinzip habe ich davor auch schon immer freiberuflich in verschiedenen Projekten gearbeitet, ohne mir darüber bewusst zu sein. Mich hat die Selbständigkeit schon lange gereizt, und an dem Punkt habe ich dann gesagt: Ich wage es.“
Sie entschied sich gegen eine feste Anstellung, die sie in Frankfurt hätten haben können und rief ihr eigenes Unternehmen ins Leben: „Bunte Projekte“ hat sie es genannt. Dieser für eine Diplom-Pädagogin ungewöhnliche Weg funktioniert für Martina Bodenmüller fantastisch. Es fühlt sich für sie stimmiger an, sagt sie, und man glaubt es ihr sofort. Sie genießt es, nicht mehr in festen Strukturen zu stecken.
Über ihre Internetseite www.bunte-projekte.de kommen häufig Anfragen oder Einladungen als Referentin. Die „großen Sachen“ aber entstehen durch Kontakte. Ihre Arbeit ist ihre Werbung. Martina Bodenmüller ist im Fluss mit sich und ihrem Leben. Vertrauen auch in ihr eigenes Leben macht sie offen für Gelegenheiten, die sich bieten. Manchmal wünscht sie sich eine Pause, um wieder nach vorne schauen zu können. Um zu entscheiden, wie es weitergehen soll. „Aber bislang kommt vieles einfach auf mich zu“. Die Situation kann sich auch wieder ändern, dessen ist sie sich bewusst, aber Angst hat Martina Bodenmüller keine. „Irgendwovon werden wir schon leben können. Und wenn dann mal eine Lücke kommt, dann ist die auch für etwas gut.“
Seit drei Jahren hat Martina Bodenmüller eine kleine Tochter. Sie teilt sich Arbeit und Kind mit ihrem Freund, der sich ebenfalls seine Selbständigkeit aufbaut. Sie müssen klären, wer Franziska zur Kindergruppe bringt, wer sie abholt. Im Elternverein der Kindergruppe ist Mitarbeit gefordert. Und dazu kommt noch Martina Bodenmüllers ehrenamtliches Engagement in mehreren Vereinen. Zum Beispiel bei der Fachzeitschrift für soziale Arbeit „Sozial Extra“ oder dem Deutschen Fachverband für Sozialtherapie (DFS), die sich für psychisch Kranke einsetzen. Jeder Tag ist anders. Beide sind mit ihrer Arbeit flexibel und können vieles schieben. „Wir bewältigen das zusammen, und ich bin sehr froh darüber. Ich hätte nicht zwei Jahre zu Hause bleiben wollen. Und ich glaube, es würde auch vielen Männern gut tun, mal zu Hause zu bleiben und nicht 40 Stunden zu arbeiten.“ Lebensqualität, das bedeutet für Martina Bodenmüller, auch mal Arbeit abzugeben und Zeit zu haben. „Geld ist das eine, aber Zeit ist das andere. Und Spaß machen sollte es. Nur dann kann ich auch etwas vermitteln.“
Martina Bodenmüller propagiert nicht nur Selbstbestimmung durch ihre Projekte, sie hat sich ihr Leben weitgehend nach ihren eigenen Prinzipien eingerichtet. Eine Nische? Vielleicht, sagt sie, doch das hinge nicht allein von ihr ab. „Es geht darum, mit vielen anderen zusammenzuarbeiten, sich zu vernetzen, damit nicht jeder für sich allein ist. Wenn man dadurch auch nicht das große Ganze verändern kann, so kann es vielleicht gelingen, eine Art Gegengewicht aufzubauen zu den herrschenden Strukturen.“ Wertvorstellungen und Lebensentwürfe, die von oben vorgegeben werden, können von unten anders definiert werden. Denn wer bestimmt schließlich, wie Menschen zu leben haben? Durch ein Miteinanderleben, das nicht nach Leistung und Kapital ausgerichtet ist, können alternative Konzepte realisiert werden. Martina Bodenmüller stellt sich das so vor, dass Gemeinschaft und Orte gestaltet und belebt werden, in denen Menschen unterschiedlicher Zielgruppen und Herkunft zusammenkommen und sich gegenseitig bereichern. „Das geht nicht ohne Konflikte, aber das ist besser, als Menschen voneinander zu separieren.“
Hatte sie sich ihr Leben so vorgestellt? „Ich hatte früher einen Traum von einem Haus auf dem Land, wo ich meine Sachen anbiete. Lange dachte ich, ich brauche diesen Ort. Ich habe das oft gemalt, ein buntes Haus taucht in den Bildern auf. Aber vielleicht ist dieses Haus kein festes Gemäuer, sondern ein Symbol. Vielleicht geht es eher um die Inhalte, ohne dass ich mir erst einen Bauernhof ausbauen muss.“ Vorerst bleibt Martina Bodenmüllers Haus also in Gießen. Und von diesem Ort möge sie bitte noch viele, schöne, kunterbunte Projekte ins Leben rufen! ´


Simone Böcker ist freie Journalistin mit Schwerpunkt Soziales und Politik. Sie arbeitet hauptsächlich für Radiosender.


  Autoren

Böcker, Simone

Partner
sge-button
© by Human Touch Medienproduktion GmbH, info@kurskontakte.de