Die Sommertagung 2005 des Holon-Netzwerks. Von Gandalf Lipinski.
Die immer wieder gestellten Fragen, wie sich gesellschaftliche und individuelle Heilung äußern, inwiefern sie sich bedingen und auf welchen Ebenen die meiste Aufmerksamkeit und mögliches Engagement nötig sind, waren bestimmende Themen der Holon-Sommer-tagung. In einer angeregten Atmosphäre, die Kopf, Herz und Hand befriedigte, entstanden positive Zukunftsvisionen.
Vorwiegend Schweizer und deutsche, aber auch zwei österreichische TeilnehmerInnen trafen sich vom 23. bis 30. Juli 2005 im vorarlbergischen St. Arbogast zur gemeinsamen Sommertagung des Holon-Netzwerkes. Mitveranstalter waren Dynamik5 und die Konvergenz Gesellschaft, die Akademie Anima Mundi und das Tagungshaus St. Arbogast selbst.
Wieder einmal wurde deutlich, dass ein Tagungshaus, das von sich aus als Netzwerk-Teilnehmer aktiv mit Holon kooperiert, die allerbeste Basis für die Sommertagung ist. Nicht umsonst wurde St. Arbogast zuerst auf Landes- und dann auf Bundesebene als umwelt- und familienfreundlichster Non-Profit-Betrieb Österreichs ausgezeichnet. Vor allem die gepflegte Gastfreundschaft aller MitarbeiterInnen, auch das überall präsente Wasser und die geistige Atmosphäre des Ortes und der Umgebung wirkten belebend, lösend, reinigend und inspirierend auf das Treffen ein.
Als Zusammenkommen realer Menschen für nur diese Woche im Jahr konzipiert, lädt die Sommertagung des Netzwerks natürlich zu vielfältigen Projektionen ein. Alles, was den Teilnehmenden in ihrem Alltag fehlt, soll sich hier einlösen und verwirklichen. Nicht nur eingestandene und uneingestandene Wünsche und Sehnsüchte werden mitgebracht, sondern auch die verschiedensten negativen Projektionen und Ängste. Und speziell diesmal war ja gerade vor dem Hintergrund des Rahmenthemas ’Wasser? zum Austausch auch der emotionalen Aspekte des Netzwerks eingeladen worden. So prallten von Anfang an die verschiedensten Absichten aufeinander. Einerseits wurde beispielsweise ein Absichtspapier vorgelegt, das die gesellschaftsbezogenen Grundlagen der ursprünglichen Anfänge von Holon völlig ignorierte und nur noch die Arbeit an individuellen Bewusstseinsprozessen fokussierte, auf der anderen Seite wurde eine politische Perspektive vorgestellt, die sogar Dynamik5 noch auf der Ebene gesellschaftlicher Konkretion übertrifft und die Gründung einer spirituellen Partei in der Schweiz anstrebt.
Ein gelassen und souverän agierendes Kooperationsteam der Vorbereitungsgruppe sowie die gemeinsame Erfahrung, dass ein tieferes Verstehen und Bearbeiten solch scheinbarer Divergenzen in großen Gruppen vor allem eins braucht – Zeit –, trugen dazu bei, dass unterschiedliche Bedürfnisse, wenn sie denn transparent gemacht und ausgehalten werden, das Salz in der Suppe des gemeinsamen Prozesses sein können.
Theorie durch Emotionen untermauern
Die vor drei Jahren eingeführte Regelung, Änderungsvorschläge am Anfang der Tagung ausführlich vorzustellen, sie dann ins Plenum wieder loszulassen und erst am Ende zur Entscheidung wieder aufzunehmen, ermöglichte es, die organisatorischen Belange, thematische Inputs durch die Vorträge und ganzheitliche Betrachtungen aus den Workshops viel produktiver miteinander zu verbinden, als dies in normalen ’Mitgliederversammlungen? üblich ist.
So ist es vor allem die ganzheitliche Tagungskultur bei den Holon-Sommertreffen, die den meisten Neudazukommenden positiv auffällt. Obwohl es uns thematisch und auch politisch durchaus um etwas geht, ist durch den hohen Anteil sinnlicher, emotionaler, ritueller und meditativer Aktionen fast ausgeschlossen, dass jemand den Prozess als rein theoretisch oder abgehoben erfährt. Die dezente rituelle Umrahmung, koordiniert von Alexandra Zabe, und die gemeinschaftsfördernden Gruppentänze, angeleitet von Anna-Maria Widmer, haben neben Angeboten in Meditation, Gesang und Theater die denkbar beste Basis geboten für den geistigen Bogen, den vor allem die vier Referenten gemeinsam gespannt haben.
Johannes Heinrichs, Professor für Sozialökologie, hat nicht nur seinen originären Beitrag zu einer zukunftsfähigen Gesellschaftsentwicklung, ein sachbezogenes und viergegliedertes Parlament, vorgestellt, sondern sich darüber hinaus auch als kooperativer Mitinitiator der aktuellen Demokratiereformdebatte eingebracht.
In meinem Vortrag ging es vor dem Hintergrund der Geschichte des Abbaus gemeinschaftlicher zugunsten zentralistischer Strukturen und der Verdrängung des Heiligen aus dem Zentrum der Gesellschaft um den Kontakt jedes Einzelnen zur Quelle seiner tiefsten und persönlichen Wahrheiten. Dieser Kontakt ist unabdingbar, wenn wir uns dem Diktat der sogenannten Sachzwänge und ökonomischen Machbarkeiten nicht länger beugen und Gesellschaft wieder auch aus geistig-seelischer Kompetenz heraus gestalten wollen.
Willi Maurer hat das scheinbar Intimste und Individuellste, nämlich die Umstände, unter denen wir geboren werden, in einem bewegenden Video in Zusammenhang gebracht mit den Mustern, die Angst, Frustration, Sucht und Gewaltbereitschaft als Grundbausteine unserer Kultur permanent reproduzieren. Vor diesem fast deprimierenden Hintergrund war es um so wichtiger, dass Werner Binder den Zusammenhang von Bewusstseinsarbeit, Gemeinschaft und Vernetzung vor allem am Umgang mit der eigenen Vision festmachte. Die tiefe Treue zur eigenen inneren Flamme, das Nicht-Verlassen des eigenen Wegs gibt uns erst die menschliche Größe, Rückschläge, Umwege und Anfeindungen zu ertragen, um unsere Ziele dennoch gelassen und beständig zu verfolgen.
Unser Bewusstsein wurde in dieser Woche dafür sensibilisiert, dass diejenigen, die konsequent den Weg nach innen gehen, und diejenigen, die ihre Träume von Gemeinschaft und einer gerechteren, friedlicheren, naturbezogenen und geisterhellten Gesellschaft in Taten umsetzen wollen, keine Sekunde länger mehr gegeneinander ausgespielt werden dürfen. Im Gegenteil, Holon als Netzwerk ist nicht nur ein geistiges Dach, das diese beiden extremen Pole der Bewusstseinsarbeit nebeneinander akzeptiert, es ist auch ein Herz, das mit dem Blick auf die Welt den wachsenden Wunsch nährt, diese beiden zu lange voneinander getrennten Wege aktiv miteinander zu verbinden.
Soziales und Individuelles verbinden
Die beiden Gruppenmitglieder von Holon, die genau diese Verbindung in die letzten Tagungen am aktivsten hineintrugen, sind Dynamik5 und die Konvergenzgesellschaft. Aber auch vermehrt einzelne Menschen sind in St. Arbogast aufgestanden, um diese Verbindung von individueller und sozialer Bewusstseinsentwicklung, die Holon im Kern ausmacht, in die Regionen zu tragen und dort zu erden.
So werden wir neben der gemeinsamen europäischen Sommertagung nun zum Beispiel in Deutschland auch Frühlings- und Herbstkonferenzen und ein Sommerfest von Holon, Dynamik5 und Konvergenz Gesellschaft gemeinsam veranstalten.
Schließlich haben wir vor dem Hintergrund der derzeitigen sozialen Verwerfungen die festen Mitgliedsbeiträge abgeschafft und durch Selbsteinschätzungsspannen ersetzt.
Und nach wie vor gilt: Auch (Noch-)Nichtmitglieder sind auf unseren Treffen herzlich willkommen. ´
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