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Ein Leben voller Energie
erschienen in Ausgabe 142  PDF-Version (166.47 KB)
Die Philosophin Jutta Gruber sprach mit dem Ingenieur und Energie-Pionier Andreas Manthey.

Es ist der Morgen des 9. November, als Andreas Manthey, waschechter Berliner, Pionier für umweltverträgliche Antriebstechnologien und mehrfacher Deutscher Solarmobil-(Energiespar-)Meister, mir aus seinem Leben erzählt. Wir sitzen nur wenige hundert Meter von der Bornholmer Brücke entfernt, dem ersten Grenzübergang, der 1989 geöffnet wurde, und von dem die legendären Bilder von Ost- nach Westberlin strömender Menschen weltweit ausgestrahlt wurden. Diesen großen Moment hatten wir beide sozusagen verschlafen, ich im fernen Aachen, er in (West-)Ber-lin, unweit der Mauer – aber wir erinnern uns an die ungeheure Aufbruchsstimmung, die während der Wendezeit im Land zu spüren war. Außer diesem großen Moment scheint Andreas Manthey aber nichts Zukunftsweisendes verpasst zu haben. Für ihn war diese Zeit auch ganz persönlich eine Aufbruchszeit.
Die Initialzündung für die Beschäftigung mit dem Energiesparen hatte er als Student der Kraftfahrzeugtechnik bereits im Herbst 1985 erfahren: „Als ich im Fernsehen zufälligerweise einen Bericht über die Schweizer ‚Tour de Sol‘, die weltweit erste Rallye mit Solarautos, sah, hat mich das so begeistert, dass ich im Jahr darauf mit einer von meinem Professor ausgeliehenen Kamera hinunterfuhr, um die Tour zu filmen und darüber Vorträge zu halten. Das war für mich der Beginn der Beschäftigung mit dem Thema umweltfreundliches Auto. Die Autorin des Berichts, Inga di Mar, habe ich inzwischen persönlich kennengelernt und ihr gesagt, dass ihre Sendung für mich so eine Art Schalter war.“
Im Januar 1990, also kurz nach der Wende, stand er mit einem Solarmobil auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin. Hier kam es zur Begegnung mit Thomic Ruschmeyer, mittlerweile langjähriges Vorstandsmitglied des Bundesverbands Solare Mobilität, der aus Hamburg ebenfalls mit einem eigenen Umweltfahrzeug angereist war: „Dort haben wir Adressen gesammelt von Leuten, die Lust hatten, mit uns in Berlin selbst so ein Fahrzeug zu bauen. Ich dachte eigentlich, na, die sehen ja alle nicht nach viel Geld aus, wird wohl so eine Art Elektrofahrrad dabei herauskommen. Aber nein, einer trieb irgendwie so einen ehemaligen Rallyetrabant auf. Der hatte zwar keinen Motor mehr, aber den brauchten wir auch nicht. Die fehlenden Komponenten haben wir uns zusammengeliehen. Eine Firma schenkte uns sogar ausrangierte Flugzeugakkus auf Nickel-Cadmium-Basis, wie sie bei Serienherstellung erst deutlich später eingesetzt wurden. Innerhalb weniger Monate war durch das unglaubliche Engagement etlicher Helfer und Helferinnen – einer reiste jede Woche extra aus Schwedt an der polnischen Grenze an – tatsächlich ein richtig schick designter Trabi mit Elektroantrieb fertig, gesponsert von der Zeitschrift „Prince“, mit dem wir im Sommer 1990 auf mehreren Solarmobilrennen mitgefahren sind. Das tollste davon war zweifelsohne die Rallye Hamburg–Berlin, die durch die damals ja gerade noch so existierende DDR führte. In allen Orten standen die Menschen am Straßenrand, klatschten und jubelten uns zu. Das war für sie ja nicht nur der Westen, das war, als wenn da Aliens kommen. Nachts haben wir geschraubt, und tagsüber sind wir gefahren. Das war wirklich Aufbruchsstimmung. Heute ist das nicht mehr ganz so.“

Vom Schrauber zum Ingenieur

Seine praktischen Fähigkeiten konnte Andreas Manthey schon als Jugendlicher auf die Probe stellen. Geboren 1964 in Berlin, bezog die Familie, als er 6 Jahre alt war, ein eigenes Haus in Reinickendorf, das der Vater im Lauf der Zeit abriss und nach und nach neu aufbaute: „Mit 10 Jahren habe ich meine erste eigene Mauer hochgezogen, und die steht heute noch. Meine Jugend war sehr von diesem Hausbau geprägt und vor allem auch von der Autobastelei, die für meinen Vater, meinen Bruder und mich eine echte Leidenschaft darstellte. Einmal haben wir, ausgerüstet mit hauseigener Grube und einem Hebekran, aus zwei Autos – eins war vorne kaputt, eins hinten – ein neues Auto zusammengeschweißt. So war es erstmal das Vergnügen am Autobasteln, weshalb ich – mein Bruder übrigens auch – nach dem Abitur begonnen habe, Fahrzeugtechnik zu studieren. Nach immerhin 30 Semestern habe ich es auch abgeschlossen – man muss bedenken, dass ich bereits während des Studiums an etlichen außeruniversitären Projekten mitgearbeitet habe, wobei ich die Ergebnisse dieser Projekte zum Teil auch für mein Studium verwenden konnte.“
Heute arbeitet Andreas Manthey – neben vielfältigen überwiegend ehrenamtlichen Tätigkeiten, unter anderem im Präsidium der Deutschen Vereinigung für Raumenergie (DVR e.V.), als Vorsitzender des Binnotec e.V. und Leiter des Berliner Instituts für Innovative Energietechnologien – als Dozent für KFZ-Technik und Wärmekraftmaschinen an der Berufsakademie in Berlin: „Dort unterrichte ich natürlich den üblichen Lehrstoff, erzähle aber im letzten Teil der Vorlesung über die anderen Themen, und da sind die Studierenden dann auch richtig aufmerksam.“
„Die anderen Themen“ sind dabei nicht nur die ressourcensparenden Technologien, sondern auch Versuche, Technologien zu entwickeln, die ihren Energiebedarf völlig ressourcenfrei decken, wie z.B. die sogenannte Freie Energie oder Raumenergie: „Seit ich 1992 in den Bundesverband Solarmobil eintrat und dort auch schnell in den Vorstand gewählt wurde, präsentiere ich zusammen mit meinen Kolleginnen und Kollegen mehrmals im Jahr unsere Energiesparmobile auf verschiedensten internationalen Messen und Konferenzen. Dort wurde ich von Messebesuchern immer wieder auf Antriebstechnologien angesprochen, die angeblich Energie aus dem freien Raum ziehen würden. Als mir 1997 dann auch noch das Buch ‚Freie Energie‘ von Jeanne Manning in die Hände fiel, begann ich an der TU-Berlin – ich arbeitete damals dort als Wissenschaftlicher Mitarbeiter – innerhalb von Studienprojekten über einen Zeitraum von sechs Semestern verschiedene dieser Geräte nachzubauen, unter anderem den Coler-Konverter, einen Magnetstromapparat, der aus Raum- energie Strom erzeugen konnte – und keiner konnte erklären, wie. In dieser Zeit habe ich auch angefangen, Experten zu kleinen Treffen einzuladen und bemerkt, dass es gerade in Berlin nicht nur viele Interessierte gibt, sondern auch viele, die sich bereits intensiv mit diesen Themen auseinandergesetzt haben, wie zum Beispiel Bernd Senf, Professor für Wirtschaft und Experte für Orgonenergie nach Wilhelm Reich, Marco Bischof, der ‚Biophotonen – Das Licht in unseren Zellen‘ und ‚Tachyonen, Orgonenergie, Skalarwellen‘ geschrieben hat, oder auch der inzwischen verstorbene Naturwissenschaftler Otto Oesterle. Diese und andere habe ich immer wieder zu Expertentreffen zusammengeholt. Um ihnen eine größere Öffentlichkeit zu bieten, organisierte ich am 8. Juli 2000, zeitgleich mit der Loveparade, die 1. Berliner Konferenz für innovative Energietechnologien. Um die Gespräche weiterzuführen, machte ich dort das Angebot offener regelmäßiger Treffen, die wir heute an jedem ersten Montag im Monat bisher ungefähr 60 Mal durchgeführt haben.“

Der Weltrekord

Manchmal staunt Andreas Manthey selbst darüber, dass seine Aktivitäten eigentlich immer erfolgreich waren, „obwohl ich doch nur ein Einzelner bin, während in der Autoindustrie manchmal 2000 Ingenieure über fünf Jahre oder noch länger an der Entwicklung eines Autos tüfteln. Vielleicht arbeite ich ja gar nicht alleine, vielleicht habe ich verborgene Kräfte, die mich unterstützen … Aber im Ernst: Ganz sicher habe ich durch meine praktischen Erfahrungen aus meiner Jugend ein ganz anderes Herangehen als ein Ingenieur, der in seinem Leben nur die Schulbank gedrückt hat. Und dann ist wichtig, zu wissen, was man erreichen will. Ich wollte beispielsweise nie ein Auto von vorn bis hinten neu bauen. Mir ging und geht es schlicht darum, dass es Autos und andere nützliche Geräte gibt, die wirklich umweltverträglich arbeiten oder umweltfreundliche Energie produzieren. Ich bin sicher, dass dies alles in den nächsten Jahren kommen wird. Tatsächlich werden heute schon funktio-nierende Produkte angeboten, z.B. zur Trockenlegung von feuchten Mauern, die sogar ganz ohne externe Energieversorgung funktionieren, was physikalisch nicht so recht erklärbar ist. Die Menschen verabschieden sich eben nur ungern von Dingen, die sie zu wissen glauben. Gerade aber in der Technik und in der Physik arbeiten wir immer nur mit Erklärungsversuchen, die so lange gelten, bis es bessere Erklärungen gibt. Für mich persönlich ist es auch gar nicht so wichtig, zu wissen, warum etwas jetzt tatsächlich funktioniert, weil es eine endgültige Erklärung wahrscheinlich sowieso nie gibt. Letztlich zählen die Fakten, wie ich sie zum Beispiel im März dieses Jahres mit einem neuen Weltrekord im Kraftstoffverbrauch für käufliche Fahrzeuge mit geschaffen habe. Bei diesem Rekord ist es mir mit dem gut designten, leicht, aber dennoch sicher konstruierten Jetcar gelungen, pro 100 km auf einen Verbrauch von lediglich 2,1 Liter Diesel zu kommen. Diesen Rekord möchte ich demnächst selbst brechen und dann unter 2 Liter bleiben. Ich bin sicher, dass das möglich ist. Für diese Aktion suche ich gerade Sponsoren.“

Neugierde und Vertrauen

Dass es mehr gibt zwischen Himmel und Erde, als Wissenschaftler plausibel erklären können oder was sie auf den ersten Blick so unglaubwürdig finden, dass sie sich gar nicht erst damit beschäftigen, das weiß Andreas Manthey. Mit unendlicher Neugierde und großem Vertrauen gesegnet, holt er sich immer wieder Anregungen aus Bereichen, die mit seiner eigenen Ausbildung und Tätigkeit nichts zu tun zu haben scheinen – und die für die meisten seiner Hochschulkollegen eher abseitig sind: „Mein Interesse für Themen aus den Grenzgebieten der Wissenschaft wurde Anfang der 90er-Jahre durch einen Kollegen aus der Solarmobilszene geweckt. Er besaß die Fähigkeit, unterstützt durch mentale Konzentration, Löffel zu verbiegen. Auf einem kleinen Seminar, das ich für ihn organisierte, zeigte er ein Video von Harald Wessbecher, der sich in den USA zum Medium hatte ausbilden lassen, was mich sehr beeindruckte. Später lernte ich Remote Viewing, eine Methode, mit der man die eigene Wahrnehmung und Intuition so sehr schulen kann, dass es schon fast nicht zu glauben ist. Ich praktiziere das zwar kaum, aber manchmal ist es durchaus praktisch, wenn man neben der intellektuellen auch die intuitive Wahrnehmung gezielt nutzen kann. Das Wissen und die Erfahrung, dass es in unserer Welt noch mehr gibt, als wir in der Schule gelernt haben, ist zu meinen sonst doch eher bodenständigen Aktivitäten wie von selbst hinzugekommen. Ich sehe das einfach als eine Bereicherung meiner Möglichkeiten.“
Bei einer solchen Vielfalt von Interessen und Aktivitäten ist es verständlich, dass Andreas Manthey auf meine Frage, ob es für ihn so etwas wie eine Lebensaufgabe gibt, erst einmal nachdenken muss. Er erinnert sich: „Auf einem Selbsterfahrungsseminar sollten wir herausfinden, wovor man am meisten Angst hat. Damals dachte ich, dass es meine größte Angst wäre, zu sterben ohne zu wissen, was meine Lebensaufgabe gewesen sein könnte. Was meine Lebensaufgabe ist, weiß ich bis heute nicht, obwohl ich wirklich oft darüber nachdenke. Ich erlebe mich immer eher auf der Suche, immer offen für neue Dinge. Ich weiß lediglich ein bisschen, was ich gerne mache und was mein sehnlichster Wunsch ist: Zusammen mit einer großen Firma ein umweltfreundliches und schön designtes Auto zu entwickeln, das für maximal 15000 EUR zu kaufen sein könnte. Allerdings weiß ich nicht, ob ich Produktionsbedingungen, wie sie ja meistens bei solch günstigen Preisen in Kauf genommen werden, akzeptieren könnte.“
Privat lebt der 41-Jährige ganz bewusst als Teil einer kleinen Patchworkfamilie: „Ich war immer mit Frauen zusammen, die schon Kinder hatten. Das hat zum einen damit zu tun, dass es mir nicht wichtig ist, eigene Kinder zu haben, wenn ich doch auch so mit Kindern zusammenleben kann, und zum anderen liegen mir persönlich ganz kleine Kinder auch gar nicht so. Wenn man mit ihnen reden und mit ihnen zusammen in deren Geistes- und Gedankenwelten eintauchen kann, dann ist das für mich schon viel spannender als ganz kleine Kinder … Die Tochter meiner derzeitigen Freundin ist jetzt sieben Jahre alt und wurde gerade eingeschult. Manchmal sagt sie morgens nach dem Aufwachen, dass sie nicht zur Schule gehen will. Sie dann soweit zu bringen, dass sie pünktlich aus dem Haus geht, ist nicht immer ganz einfach. Sie beschwert sich zum Beispiel darüber, dass sich dort kaum jemand darum kümmert, was sie interessiert. Und das weiß sie – im Unterschied zu uns Großen, die wir ja eigentlich mehr Freiheiten haben als Kinder, auch mehr Möglichkeiten und mehr Geld – eigentlich immer ganz genau. Bei uns Großen ist das wohl ein bisschen wegerzogen. Ich bin mir auch nicht sicher, ob es richtig ist, Kinder jeden Tag zu zwingen, in die Schule zu gehen, wo sie – anders als hoffentlich zu Hause – als Schüler und nicht als ganzer Mensch gesehen werden. Vor kurzem hörte ich das Lied ‚Zeugnistag‘ von Reinhard Mey, in dem er erzählt, wie er einmal versuchte, die Unterschrift seiner Eltern zu fälschen, weil er sehr schlechte Noten hatte. Seine Eltern stellten sich, zum Direktor zitiert, hinter ihn und sagten, dass das ihre Unterschriften seien. Das Lied hat mich enorm berührt und mir klar gemacht, dass es für mich von hohem Wert ist, Vertrauen zu geben und anderen den Rücken zu stärken.
Für mich selbst war Schule eigentlich nie etwas Schreckliches, das Lernen fiel mir sehr leicht. Dennoch erinnere ich mich, dass ich mit noch nicht mal zehn Jahren in der Schule eine Demonstration mit eigens hergestellten Schildern für mehr Ferien angezettelt habe, weil ich mehr Zeit für meine eigenen Interessen haben wollte. Irgendwie trage ich wohl eine Art Meinungsbildner in mir. In der Tat empfinde ich es heute als Luxus, selbst entscheiden zu können, was ich unternehmen will, auch wenn ich dabei manchmal kein Geld verdiene. Letzte Woche war ich wieder einmal auf einem Vortrag von Harald Wessbecher. Er sagte: ‚Krank wird man, wenn man Sachen macht, die man eigentlich nicht tun will. Wenn man Sachen macht, die einem Freude bringen, dann ist man auch gesund.‘ Da wurde mir klar, dass ich – obwohl ich eigentlich ein sicherheitsbewusster Mensch bin – es mir manchmal gönne, mehr Lebensqualität zu haben und dafür eben weniger Geld. Manchmal vergesse ich aber auch, in Zeiten, wo wenig Geld da ist, dass ich eigentlich ein tolles Leben habe. Da ist es gut, wenn irgendjemand einen wieder an die wichtigen Dinge erinnert.“ ´



Jutta Gruber ist Philosophin, Publizistin und Vorstandsmitglied der Deutschen Transpersonalen Gesellschaft. Sie ist Herausgeberin der Zeitschrift „Transpersonale Perspektiven“ , Redakteurin des Internetforums www.transpersonal.de und betreut die Internetseiten der Mediengruppe Kulturell Kreative, www.kulturkreativ.net.


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