Das Jahresrad als Symbol für Kontinuität und Entwicklung
Vor einem Jahr haben wir die Holon-Seiten in KursKontakte eröffnet. Einige Mitglieder haben uns in diesem Jahr verlassen. Zu politisch ist ihnen das Ganze geworden. Andere wurden eher angezogen vom gesellschaftlichen Bezug und Engagement. ’Holon im Wandel' haben wir damals getitelt. Und nach einem Jahr ist vielleicht der passende Moment gekommen, einmal innezuhalten und genau hinzuschauen, was sich da wandelt.
Weihnachten steht vor der Tür, die Wintersonnenwende, das Jul-Fest und die Rauhnächte, die dunkle Zeit zwischen den Jahren. In den verschiedenen naturreligiösen Traditionen ist dies die Zeit, die Aktivitäten herunterzufahren, sich Muße und Selbstreflexion zu gönnen, in der Stille oder mit Freunden das eigene Leben und die Vorhaben für das nächste Jahr in Ruhe zu betrachten und das Vergangene zu prüfen.
In einer kaum noch christlichen Kultur ist diese Zeit eher mit Hektik und erhöhtem Geldausgeben gefüllt. Einige haben nun angefangen, die naturreligösen Bräuche wiederzubeleben. Anknüpfend an das Wissen unserer Vorfahren versuchen sie, den Zusammenhang von Wandel und Kontinuität zu verstehen.
Regelmäßige rituelle Feiern von Übergangssituationen können helfen, persönliche, gemeinschaftliche und größere Naturzyklen klarer und im Zusammenhang zu erleben. Das alteuropäische Bild vom Rad des Jahres mit seinen acht regelmäßig wiederkehrenden Festen war von besonders gemeinschaftsstiftender Bedeutung. Sein Rhythmus bestimmte die Phasen des persönlichen wie des Gemeinschaftslebens.
Die Wintersonnenwende, die Wiedergeburt des Lichtimpulses in der Mitte der Nacht, ist ein uralter Mythos und vielen Religionen gemeinsam. Wenn wir uns meditativ darauf einlassen, können wir unseren oberflächlich dahinschnatternden Verstand hinter uns lassen und in die Stille der Zeit hinein lauschen. Ohne Aktion und ohne Bewertung einmal nur wahrnehmen, was ist, um und in uns, und was sich ständig wandelt. Ohne Kontinuität wäre nur Chaos und ohne Wandel wäre nur Tod.
Zentrales Anliegen von Holon ist von Anfang an die Integration von Polaritäten. Ein entschiedenes politisches Engagement und der persönliche Weg nach innen schließen sich nicht aus, im Gegenteil! Je tiefer, persönlicher und authentischer wir den Wandel in der Welt auch als Wandel in unserem individuellen Bewusstsein erfahren, umso mutiger können wir auch den Wandel im Außen verantwortlich mitgestalten.
Unsere keltischen Vorfahren nannten die Zeit zwischen Samhain/Allerheiligen (1. November) und Imbolc/Lichtmess (1./2. Februar) das Nicht-Jahr. Und vielen sensibleren Menschen fällt es auch heute noch schwer, in dieser Zeit sehr aktiv, extrovertiert oder kreativ zu sein. Wenn wir uns das Jahr als einen großen Atemzyklus vorstellen und diesen mit den Phasen eines individuellen Atemzugs vergleichen, wo wir nach dem Einatmen einen Punkt der Ruhe ohne Atembewegung erfahren können, so ist auch im Jahresrad eine Ruhephase zu beobachten.
Zu gegebener Zeit werden wir auf weitere Übergänge im Jahresrad hinweisen und dabei Schritt für Schritt tiefer in die Zusammenhänge einer Kultur einführen, die nicht nur den Jahreszyklus, sondern auch andere und ganz persönliche Zyklen durch bewusste Wahrnehmung und Gestaltung in den Übergängen handhabbar macht. Es geht dabei um ganz konkrete Ansätze, das Wissen unserer Ahnen für uns heute zu prüfen und da, wo es erwiesenerweise hilfreich ist, auch praktisch anzuwenden.
Ich möchte allen Leserinnen und Lesern, die die Möglichkeiten dazu haben, vorschlagen, die zwölf Tage und Nächte im Anschluss an den 21. Dezember einmal in folgender Weise zu begehen: alle äußeren Aktivitäten in dieser Zeit zu reduzieren, allein oder mit guten Freunden oder Verwandten Zeit zu verbringen, ohne schlechtes Gewissen so wenig wie möglich zu ’erledigen? und täglich eine gewisse Zeit nach innen zu lauschen!
Der neue Aufbruch in die Aktivität kommt sicher, und er wird davon profitieren. ´
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