Für die Gemeinschaft Damanhur in Norditalienist Regionalpolitik Teil des spirituellen Konzepts.Christine Schneider sprach mit Roberto Sparagio.
Schon öfter wurde in eurotopia über das Gemeinschaftsprojekt Damanhur in Norditalien berichtet. Zuerst waren es die Reiseberichte von Antar Ketan, der als spiritueller Sucher und als „Working Guest“ seine Begeisterung, sein Befremden und seine Kritik zum Ausdruck brachte (Ausgaben 123 und 124). Später wurde in einem Artikel von Jonathan Dawson über lokales Wirtschaften (Ausgabe 135) -Damanhur neben dem Gemeinschaftsprojekt Findhorn in Schottland als ein besonders zukunftsweisendes Projekt in ökonomischer und sozialer Hinsicht beschrieben. In der Redaktion entstand der Wunsch, an Ort und Stelle mehr zu erfahren. So wurde Damanhur im Sommer dieses Jahres zum -wichtigsten Ziel der Italien-Reise von „eurotopia-tours“. Die Eindrücke waren so vielfältig, dass die wenigen Tage nicht ausreichten, ein umfassendes Bild zu gewinnen. Sowohl in spiritueller als auch in kultureller wie ökonomischer, sozialer und politischer Hinsicht schien uns eine vertiefende Auseinandersetzung für die Gemeinschaftsbewegung lohnend. Wir haben in Damanhur Christine Schneider kennengelernt, die uns sowohl in das spirituelle Denken Damanhurs eingeführt als auch einen Überblick über die Regionalarbeit im Valchiusellatal gegeben hat. In dieser Ausgabe schreibt sie über die soziale und politische Ausrichtung Damanhurs. Es war uns besonders wichtig, die Erfahrung weiterzugeben, dass eine spirituelle Orientierung politisches Engagement nicht ausschließt, sondern gerade die Kraft geben kann, in schwierigen Situationen seien Idealen treu zu bleiben. So wird deutlich, welche inspirierende und tragende Rolle Gemeinschaften in den neu entstehenden Regionalbewegungen spielen können, wie auf diesem Weg gemeinschaftliches Denken und Handeln zu einer neuen Qualität von Politik überhaupt werden kann, um Egoismus, Ausbeutung und Unterdrückung zu überwinden.
Christine Schneider: Roberto, wenn du die Prinzipien der Damanhurianischen Politik beschreiben solltest, worauf kommt es an?
Roberto Sparagio: Wir gehen immer von einer philosophischen Vision aus, die ein harmonisches Gleichgewicht alles Lebendigen annimmt, also auch des Menschen mit seiner Umwelt im Sinn eine Balance von Territorium, Ressourcen, Ökonomie und Gesellschaft. Politik ist die Fähigkeit, die verschiedenen Aspekte zusammenzuhalten, die Teil unseres Umweltkonzepts sind, das alle Ressourcen, Pflanzen- und Tierwelt, die ganze Erde einschließt. Alle Elemente sind untereinander in Einklang zu bringen. Evolution bedeutet, dieses Gleichgewicht stetig zu verbessern. Politik sollte alles ordnen und in Vorteile für alle Beteiligten wandeln, das Leben aller und von allem verbessern – ohne Stagna-tion, sondern im Bewusstsein, dass Leben Bewegung ist, Veränderung, Wandel.
lIhr seid spirituell und doch politisch aktiv?
Wer sich mit Spiritualität beschäftigt, muss sich zwangsläufig mit Politik beschäftigen, sonst würden die geeigneten Instrumente fehlen, um diese Aspekte in die Gesellschaft zu tragen. Andernfalls würde man es anderen überlassen, das Gleichgewicht zu definieren und zu finden, und diese anderen haben nicht unbedingt die gleiche Sensibilität, sind vielleicht unfähige Politiker und interessieren sich möglicherweise nicht für dieses Ideal.
Die Beschäftigung mit Politik ist damit für uns eine logische Konsequenz. Wir unterscheiden uns von radikaleren Gruppen, die Politik grundsätzlich als -korrupt ablehnen. Es ist richtig, dass sich Politiker in einer anderen Welt mit eigenen Regeln bewegen, aber bestimmte Prinzipien anzuwenden, ist gut: Handeln, statt abzuwarten, bis andere etwas tun. Also beginnen wir mit konkreten Taten, Initiativen, die harmonisch in die vorhandenen Aktivitäten eingefügt werden. Denn es geht nur gemeinsam.
lWie seid ihr vorgegangen?
Wir wollten Personen oder Parteien finden, die für unsere Vision des Lebens empfänglich sind. Wir haben in jener Zeit eher zu Personen als zu Parteien Kontakt aufgenommen. Die großen Interessen und das Politikverständnis der Parteien sind, zumindest in Italien, ziemlich kompliziert. Es ist besser, Personen zu finden, die ihre Fähigkeit bewiesen haben, effektiv Politik zu betreiben. Wir haben wenige gefunden. Gesprochen haben wir mit allen, unabhängig von der Parteienzugehörigkeit, wir haben uns über Programme, Projekte und unsere Vision ausgetauscht.
lDann habt ihr eine eigene politische Vereinigung gegründet …
Im Verlauf der Jahre war diese Erfahrung manchmal mühsam, manchmal interessant, aber es reichte ab einem bestimmten Punkt nicht mehr aus, als experimentierfreudige Freiwillige aufzutreten, als fähige und interessante Gruppe, die etwas ausprobieren will. Es war wichtig, eine eigene politische Vereinigung zu gründen. Es ging uns nicht um eine Partei, sondern um eine eigene politische Bewegung, die wir 1995 als Con te per il Paese („Mit dir für das Land“) gegründet haben. Wir hatten damit ein direktes Instrument, um unsere Vorschläge einzubringen und Kooperationen mit anderen einzugehen – in erster Linie mit einzelnen Politikern, nicht mit Parteien. Die Mitglieder von „Con te per il Paese“ sind Damanhurianer, aber die Vereinigung ist auch für andere offen. Wir betrachten uns als politische Bewegung, die in ganz Italien aktiv ist, und sind dafür offen, uns auch gemeinsam mit anderen politischen Bewegungen auf europäischer Ebene zu engagieren. Wir haben dieselben Prinzipien auf „Con te per il Paese“ angewandt, die die Philosophie Damanhurs charakterisieren: geistige Öffnung; in sehr großen, weitreichenden Projekten denken, die über die aktuelle Situation hinausgehen; langfristige Ziele, die auch auf lokaler Ebene zu nützlichen Ergebnissen führen. Diese typisch Damanhurianische Vision hat in den letzten zehn Jahren Resultate gezeigt.
lWas waren Eure Erfolge?
Wir haben uns immer mit Politik beschäftigt, auch auf lokaler Ebene. Seit Mitte der 80er Jahre haben wir unseren Vertreter im nächsten Ort Vidracco gehabt. Diese Person repräsentierte die damanhurianischen Bewohner in diesem kleinem Ort von 500 Personen. Der Sprung erfolgte 1995, als wir vier Ratsmitglieder stellten und seit 1999 auch den Bürgermeister. Wir haben uns auch an Kommunalwahlen in anderen Orten beteiligt und waren innerhalb von 10 Jahren in neun Kommunen des Tals mit 22 Gemeinderatsmitgliedern präsent. Unser Ziel war die Wiederbelebung des Tals. Wir sind systematisch vorgegangen und haben zunächst das Gebiet politisch-ökonomisch wie geologisch hinsichtlich der Ressourcen analysiert. Das hat zum Beispiel zu einem doppelten Wasserkreislauf in Vidracco geführt, um den Trinkwasserverbrauch zu reduzieren. Viele Maßnahmen waren ganz praktischer Natur: Verbesserung der Straßenbeleuchtung in Hinblick gerade auf den großen Anteil älterer Bevölkerung, für die Licht Sicherheit bedeutet. Mit der Förderung ehrenamtlicher Tätigkeit konnten wir die Altenbetreuung organisieren und eine eigene Rotkreuzstation mit Bereitschaftsdienst rund um die Uhr in Vidracco eröffnen. Vidracco hat ein eigenes Katastrophenschutzteam auf freiwilliger Basis, das bei Unwetter, Wasserknappheit, Schnee und anderen -Notlagen sofort im Interesse der Bevölkerung eingreift. Ein -politisches Instrument der Gemeinde ist die Gestaltung des -Bebauungsplans, den wir in unserem ökologischen Interesse derzeit umarbeiten. Es wird dann -möglich sein, -Materialien und architektonische -Elemente wie Glaswände zu benutzen, die für modellhafte Energiesparhäuser eine Voraussetzung sind, aber derzeit nicht in den alten Bestimmungen vorgesehen sind.
lWie kann diese Erfahrung in der großen Politik nützlich sein?
Unsere Beziehung zu örtlichen Initiativen ist sehr eng. Die lokale Ebene lässt verstehen, was anwendbar ist und was keine interessanten Ergebnisse bringt. Das Prinzip ist immer dasselbe: Wir suchen die Anwendung von nationalen Modellen auf lokaler Ebene, und ein kleines Gebiet muss sich bewegen wie ein ganzes Land, eine Nation. Um ein Beispiel zu geben: Wir schlagen jetzt vor, dass ein Tal wie das unsrige sich verpflichtet, die Inhalte großer Beschlüsse zu ratifizieren, wie z.B. das Abkommen von Kioto, ohne auf die Anweisungen der nationalen Regierung zu warten, die sagt, was zu tun ist. Dies gilt für erneuerbare Energie, den Abbau der Umweltverschmutzung wie auch das Abfallmanagement, wie es in vielen europäischen Ländern bereits praktiziert wird, also eine differenzierte Müllentsorgung von Haustür zu Haustür.
Eine Region kann dieselben Prinzipien anwenden wie die Nation. Regionale Beispiele könnten uns vorbildhaft für das ganze Land aufzeigen, wie gut Alternativen im Alltag funktionieren. Damit wird Politik sehr lebendig, dynamisch und erfahrungsbezogen.
lWie kann die Bevölkerung dafür gewonnen werden?
Es braucht konkrete Lösungen, um auf die Bedürfnisse der Bevölkerung einzugehen. Nehmen wir die Mobilität: Man kann nicht einfach einen Verzicht auf das private Auto fordern, sondern muss Wahlmöglichkeiten bieten, die die Lebensqualität verbessern. Das Ziel bleibt, die Lebensqualität des gesamten Territoriums zu verbessern. Es geht nicht nur um das Gleichgewicht der Erde, sondern auch um das Wohl des Menschen. Besonders wichtig sind kleine, typische Produktionen vor Ort, die eng mit den Bedürfnissen der Bevölkerung verbunden sind. Sie garantieren die Qualität der Dienstleistungen sowie die Qualität der Nahrungsmittel.
lFührt eine eigenständige Regionalentwicklung nicht zum Provinzialismus?
Die Region soll sich eigenständig entwickeln, nicht im Sinn von Abschottung, sondern indem sie frei darüber entscheidet, wie sie mit der Außenwelt in Austausch tritt. Bioregionalismus ist ein Konzept des Austauschs und des Dialogs mit der Welt. Wir wollen keine glücklichen Inseln, die losgelöst vom Rest der Welt sich von den Problemen fern halten. Es braucht Austausch mit der Welt, eine Politik, die in alle Richtungen blickt und sowohl den Körper wie den Geist befriedigt, auch Kunst und Kultur einbezieht. Das geht nur über Kommunika-tion. Dies ist unsere Vision, die wir bei den Grünen einbringen, in die Kommunen wie in die größeren Körperschaften der Region Piemont.
lWie gestaltet sich eure Beziehung zur Partei der Grünen?
In diesen zehn Jahren haben wir uns auch an der Politik der Provinz und der Region beteiligt, wobei wir eine gezielte Kooperation auf der Grundlage von Treffen, Analysen und Einschätzungen von Parteiprogrammen vorgenommen haben. Die einzige Partei, die unserer Politikvision nahe stand, war die Partei der Grünen. Wir stimmen nicht in allen Punkten überein, aber es verbinden uns mehr Elemente als uns trennen. Diese Ko- operation ist noch sehr jung, konkretisiert hat sie sich erst in den letzten zwei Jahren. Mit dieser Entscheidung sind heute fast alle Damanhurianer Mitglieder der Grünen, wir sind offiziell in eine Partei eingetreten, was wir nie zuvor gemacht haben.
lWas war der Grund für den Beitritt zu den Grünen?
Wir sind einen Wettlauf mit der Zeit eingegangen. Auch wenn wir uns immer schon mit Politik beschäftigt haben, war offensichtlich, dass die Dinge sich beschleunigten, als wir uns als „Con te per il paese“ organisiert hatten – es gab konkrete Umsetzungserfolge. Je größer unsere Präsenz und direkte Partizipation war, umso mehr gingen die Dinge voran. Als ein Damanhurianer zum Bürgermeister von Vidracco gewählt wurde, war offensichtlich: Eine direkte Teilnahme bringt mehr Ergebnisse und das auch noch schneller. Wir haben die Partei der Grünen gewählt und sind ihr beigetreten, um unsere Ideen einzubringen, besonders unseren Beitrag, dass Politik immer große Ideale und praktische Lösungen verbinden muss, die auf lokaler Ebene angewandt werden können, aber auch auf regionaler oder nationaler Ebene. Wir haben unsere Ideen, Ideale, auch Vorschläge bei den Grünen eingebracht, um sie so schneller Wirklichkeit werden zu lassen.
lGing das einigermaßen reibungslos, oder gab es Widerstand?
Es war ein kompliziertes, schwieriges Unterfangen, weil die Partei schon strukturiert war. Es gab Diskussionen, Auseinandersetzungen, sagen wir mal „dynamische“ Situationen, die nicht gerade einfach waren, weil es bei den Grünen wie überall Gruppen mit unterschiedlichen Interessen gibt. Wir sind in eine sehr lebhafte Situation eingestiegen, in die wir trotz allem unsere Erfahrungen und Vorschläge eingebracht haben. Eine große Schwierigkeit war die Vermittlung unseres ganzheitlichen Umweltverständnisses, das Menschen und Ökonomie eben nicht in einen unversöhnlichen Gegensatz zum Umweltschutz setzt.
lWie plant und organisiert ihr politisches Vorgehen?
Unserer Meinung nach ist Politik kein individuelles Unterfangen, sondern in homogenen Gruppen zu organisieren, die ähnliche Ideen haben. Man kann Programme und Projekte nicht improvisieren. Dafür braucht es strukturierte Auseinandersetzungen. Vor allem braucht Politik Personen, die in der Lage sind, konkrete, verwirklichbare Vorschläge zu entwickeln. Wir haben uns in einem wöchentlichen Treffen organisiert, um alle Personen zusammenzubringen, die gewählt worden sind oder sich ohne offizielles Amt für Politik interessieren. In wenigen Monaten haben wir eine Arbeitsgruppe von 30 bis 40 Personen zum Laufen gebracht. Der minimale Einsatz sind 2 bis 3 Stunden pro Woche. Das reicht aus, um Personen zu beteiligen und Ideen zu entwickeln. Es ist sehr nützlich, weil es Amtsträgern einen Blick von außen ermöglicht. Diese Konfrontation ist fundamental, es kommen Ideen, Vorschläge, auch Unterstützungs-angebote. In einer organisierten Gruppe setzt man sich auseinander und diskutiert die wichtigsten Themen, nimmt Positionen ein. Das heißt auch Abstimmung per Handheben, wenn es unterschiedliche Vorstellungen gibt. Diese Arbeitsweise ist einfach, aber sehr wirksam. Entscheidungen werden gemeinsam getroffen und von allen mitgetragen. Mit diesem Geist bewegen wir uns innerhalb der Grünen. Eine organisierte Gruppe hat ein anderes Gewicht als eine Einzelperson, die einen Gesichtspunkt bringt. Wir haben einen Damanhurianer in den Nationalrat der Grünen gewählt. Dieses Organ besteht aus ca. 60 Personen und diskutiert die großen Themen auf nationaler und internationaler Ebene. Ein anderer Damanhurianer ist in das Führungsgremium auf regionaler Ebene hier im Piemont gewählt worden. Wir haben an den Regionalwahlen als Grüne teilgenommen. Es ist klar, dass wir in diesen Treffen innerhalb der Grünen das tun, was wir immer gemacht haben: unsere Sicht einbringen. Es geht uns nicht um eine nur passive Zugehörigkeit, sondern wir wollen Erfahrungen, Ideen und Vorschläge beitragen. Wichtig ist, dass unsere Vorschläge aufgrund unserer Erfahrungen, die wir als Gemeinderatsmitglieder machen, von sehr pragmatischen Grundlagen ausgehen. Wir kennen die Probleme der Personen, der Ökonomie, des Territoriums. Die Sichtweise und die Vorschläge müssen immer praktikabel und auf lokaler Ebene verifizierbar sein.
lWas sind eure konkreten Vorschläge?
Die politischen Forderungen der Bewegung „Con te per il Paese“ lauten:
– Wir sind für Forschung auf dem Gebiet der Technologie, wo Technologie im Dienst der Evolution steht, ohne das Gleichgewicht zu stören. Wir sind nicht für Konservativismus oder eine Rückkehr zur Vergangenheit.
– Als wesentliche Entscheidung wird der Umwelt große Aufmerksamkeit gewidmet: Wir fordern den Stop der Nutzung genetisch modifizierter Organismen (GMO). Dies richtet sich nicht gegen die Forschung, aber alle Entscheidungen sind mit maximaler Sicherheit zu treffen. Wir fordern, dass mit genetisch manipulierten Organismen über lange Zeiträume experimentiert wird, bevor sie ins Freiland kommen.
– Die Nahrungsqualität ist grundlegend, wenn man über eine Verbesserung der Lebensqualität sowohl für Menschen wie für Tiere spricht. Biologische Landwirtschaft mit Qualitätsorientierung schafft auch neue Märkte für Produzenten von Bioprodukten.
– Wir unterstützen den fairen Handel, das heißt auch: Produktkontrolle; Begünstigung von Produkten, die auf der Grundlage von Fair Trade produziert werden; Förderung kleiner lokaler Produzenten, die diese Ethik garantieren. In unserem Gebiet haben wir einen Beitrag im Kleinen geleistet, indem Vidracco zu einem Anti-GMO-Gebiet erklärt wurde – mit der gleichen Logik, die auf ein sehr viel größeres Gebiet zur Anwendung kommen könnte.
– Wir sind für die Förderung erneuerbarer Energien auf nationaler Ebene und darüber hinaus, für die Begünstigung technologischer Forschung zur Verbesserung von Materialien, kurz: für gezielt ökologische Entscheidungen, die auch zu ökonomischen werden. Wir befürworten kleine Kraftwerke, die erneuerbare Energien produzieren – statt großer Kraftwerke, die nur schwer kontrollierbar (wie Atomkraft) oder stark verschmutzend sind.
– Wir haben eine multiethnische Sicht der Gesellschaft, die Personen zusammenführt, die zum Handeln bereit sind. Das bedeutet Respekt gegenüber allen Individuen unabhängig ihrer Herkunft, Religion, Hautfarbe …
– Ehrenamtliches Engagement ist eines der Instrumente, die wir auf lokaler wie regionaler Ebene propagieren. Es bringt in die Zivilgesellschaft eine Orientierung auf konkrete Solidarität hin.
– Unsere neueste Idee: Die Anerkennung von Vereinen und Gemeinschaften durch die nationalen und regionalen Regierungen als Hüter eines bestimmten Gebiets. An sie können Hoheitsrechte delegiert werden.
Wie lässt sich die Essenz eures Engagements zusammenfassen?
Wir befürworten eine bioregionale Perspektive für ein Gebiet wie dieses Tal, aber auch für die Provinz Turin und die Region Piemont. Bioregionalismus deckt sich mit unserer Damanhurianischen Sicht von einer sich wandelnden Gesellschaft, in der sich Konsumgewohnheiten, soziale Strukturen und der Umgang mit der Natur tiefgreifend verändern. Unsere Vision einer Umwelt, die aus einer Balance zwischen Menschen, Ressourcen und Land besteht, vertreten wir seit einiger Zeit, aber sie ist in Italien schwer vermittelbar. Umwelt wird hier in Italien als Territorium verstanden, das bestimmte Bedürfnisse hat. Dann gibt es die Menschen mit ihren Bedürfnissen. Aber so getrennt betrachtet, bildet sich leicht ein Gegensatz zwischen Umwelt und Menschen, der häufig zu unausgewogenen Entscheidungen geführt hat, wie die letzten 50 bis 60 Jahre zeigten. Die Perspektive des Entweder-Oder begünstigt den einen Aspekt zu Lasten des anderen, als sei dieser Gegensatz unauflösbar. Diese beiden Aspekte zusammenzuführen ist eine Frage der Philosophie, es bedeutet, die Umwelt als einen einzigen Organismus zu denken, ein letztlich ganzheitliches Konzept. Die Umwelt ist die einzige, außer ihr gibt es keine Welt. ´
Roberto Sparagio ist Journalist und Mitglied des Gemeinderats von Vidracco. Er ist zuständig für den Sektor Tourismus und Ökologie. Er lebt seit 20 Jahren in Damanhur.
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