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Keine Furcht vor dem Wandel
erschienen in Ausgabe 143  PDF-Version (323.98 KB)
Die Kibbuzbewegung in Israel – Rück- und Ausblick aus Sicht einiger Pioniere.

Einst waren sie eine treibende Kraft in der Entstehung Israels – die Kibbuzim. Bereits vierzig Jahre vor der Staatsgründung wurden die ersten Kibbuzim von jungen, meist aus Osteuropa stammenden Zionisten errichtet. Heute werden die zionistischen Kommunen von vielen Israelis als überkommene Lebens- und Wirtschaftsweise betrachtet. Doch die Kibbuzim leisten noch immer einen wichtigen Beitrag für den Fortbestand der Gesellschaft. So werden Einwanderer in den sogenannten Ulpan mit Sprachprogrammen und anderen Angeboten an die israelische Gesellschaft herangeführt.


Auch auf dem ökonomischen Sektor hat sich einiges getan. Fünfzig Prozent der Einnahmen werden mittlerweile mit modernen Industriebetrieben und Touristik erwirtschaftet. Dessen ungeachtet stellen die Kibbuzim noch immer die Hauptversorger des Binnenmarkts mit Obst und Gemüse dar. Sie erzeugen vierzig Prozent aller israelischen Agrarprodukte. Doch die moderne Kibbuzbewegung macht Kompromisse. Selbst am sozialistischen Grundprinzip „gleicher Lebensstandard für alle“ wird gerüttelt. Was sagen die Pioniere von einst zur aktuellen Entwicklung? Wir haben mit Akteuren aus Gründerzeiten gesprochen.
Revivim bedeutet Regenschauer. Der Name für den vor etwa 60 Jahren gegründeten Kibbuz zeugt von Optimismus. Denn Revivim liegt mitten in der Wüste Negev, wo durchschnittlich nur 75 Millimeter Niederschläge pro Jahr fallen – das ist achtmal weniger als in Berlin. „Als wir hier ankamen, war hier gar nichts, nur Wüste“, erklärt Ruth Yogev, die seit 1949 in dem Kibbuz nahe der ägyptischen Grenze lebt.
„Ich will Ihnen etwas zeigen, das alles erklären wird.“ Ruths Ehemann Yaakov steht vor einer Karte, auf der die Grenzen des Staates Israel, so wie sie 1947 von der UNO-Vollversammlung beschlossen wurden, eingezeichnet sind. Die Karte hängt in einem der Steinhäuser im unbewohnten Teil des Geländes, dem „alten Kibbuz“, wo heute in einem kleinen Museum das Leben und die Geschichte der Pioniere nachgezeichnet werden.
„Ich war 17 Jahre alt und besuchte gerade die berühmte Landwirtschaftsschule in Kaduri, oben im Norden“, erinnert sich Yaakov. „Als der Staat Israel ausgerufen wurde, tanzten wir in den Straßen. Noch in derselben Nacht begann der Krieg.“
Am 15. Mai 1948 griffen die Armeen Ägyptens, Jordaniens, Syriens, Libanons und Iraks den gerade gegründeten Staat Israel an. Yaakov und Ruth kämpften damals in der Palmach, der Elite-Einheit der jüdischen Untergrundverteigungsarmee Haganah. Die Palmach war 1941 unter anderem deswegen gegründet worden, weil eine deutsche Invasion in Palästina befürchtet wurde. Zwar erachteten die britischen Kolonialherren die Truppe als illegal, in den ersten Jahren des Zweiten Weltkriegs arbeiteten sie dennoch eng mit der Palmach zusammen. „Ich bin mit 14 in die Haganah eingetreten“, erzählt Yaakov. „Wir bekamen eine Pistole und mussten unterschreiben, dass sie für die jüdische Siedlungspolizei bestimmt war.“
Nach dem Krieg ging er in die Wüste, um den Kibbuz mit aufzubauen. „Unsere Generation orientierte sich an dem, was für das Land wichtig war“, sagt Yaakov ohne Pathos, „wir dachten weniger darüber nach, was wir selbst wollten. Hier im Negev wurde Verstärkung gebraucht.“ Diese Devise hatte die Führung der sozialistischen Zionistenbewegung Hashomer Hazair ausgegeben. Staatsbegründer David Ben-Gurion rief ebenfalls dazu auf, den Negev zu besiedeln, um zu garantieren, dass die Region Teil des Staates Israel werde.
Der Kibbuz Revivim war ein strategisch wichtiger Punkt: Die Verteidigung des südlichsten jüdischen Außenposten wollte gut organisiert sein. Die PionierKibbuzniks mussten zahlreichen Angriffen der ägyptischen Armee standhalten. Der Schützengraben, der sich rund um das Gelände mit dem Charakter eines Wehrdorfs zieht, zeugt von diesen Kämpfen.
Auch Ruth erinnert sich im Kibbuzmuseum an ihre Zeit in der Armee. „Das war mein Job in der Palmach“, sagt die 76-Jährige, nimmt in der Schreibstube Platz und bedient das dort ausgestellte Morsegerät, als ob sie erst gestern die letzte Nachricht gedrahtet hätte. „Du kannst mich nachts aufwecken und ich kann sofort losmorsen“, sagt sie lachend. An der Wand zeigt ein Bild einen jungen Pionier, der ein russisches Hemd und ein Palästinensertuch trägt. „Das war die modische Kombination zu dieser Zeit“, kommentiert Yaakov und zeigt auf ein weiteres Foto, auf dem die 20-jährige Ruth über den Waschtrog gebeugt in die Kamera lächelt.
Ruth floh 1934, als sie fünf Jahre alt war, mit ihren Eltern von Berlin ins damalige Palästina. Kurz nach dem israelischen Unabhängigkeitskrieg kam sie nach Revivim und machte sich zunächst in der Wäscherei nützlich. „Meine Eltern hielten mich für meschugge“, sagt Ruth, „weil ich mich ausgerechnet hier niederlassen wollte.“ Auch Yaakovs Eltern hätten ihren Sohn lieber an der Universität als im Negev gesehen.
Vom Wachturm des alten Kibbuz aus erblickt man Olivenhaine, so weit das Auge reicht. Obwohl der Regen ausblieb, haben die israelischen Siedler die Wüste bezwungen – dank ausgeklügelter Bewässerungssysteme, bei denen Brack- und Salzwasser genutzt wird.
Revivim ist reich – zumindest im Vergleich zu vielen Kibbuzim in Israel. Doch längst sind es nicht mehr nur Oliven, Milch oder Zitrusfrüchte, die in dem Betrieb für eine gesunde Wirtschaftslage sorgen. In den meisten der rund 270 Kibbuzim, in denen immerhin über zwei Prozent der israelischen Bevölkerung leben, macht die Landwirtschaft nur noch einen Bruchteil des Umsatzes aus. Auch in Revivim stammen zwei Drittel des Einkommens aus der Fabrik, in der unter anderem Tankdeckel für VW hergestellt werden.

Kibbuz-Filiale in Luxemburg

Das unscheinbare Gebäude der „Raval Ltd.“ verbirgt im Inneren hochmoderne Anlagen und liegt im neuen Kibbuz, wo auch Ruth und Yaakov wohnen. „Vor 15 Jahren war es so etwas wie eine Sünde, einen Investor in den Kibbuz zu bringen – heute suchen wir händeringend danach.“ Die Kibbuzniks aus dem Negev wurden fündig und beschlossen, sich den Zugang zum europäischen Markt durch eine Filiale vor Ort zu erleichtern. Vor drei Jahren wurde deshalb Raval Europa SA gegründet, mit Sitz im Süden von Luxemburg.
Beim Kaffee mit Apfelkuchen erzählen Ruth und Yaakov Yogev indessen davon, dass im modernen Kibbuz nicht immer alles so läuft, wie es die Pioniere ursprünglich im Sinn hatten. „Der Wunsch nach Veränderungen ist deutlich zu spüren“, betont Ruth. „Du hast Angst davor“, wirft Yaakov ein. „Nein, ich höre das, was die Leute reden“, lautet die Antwort. Und: „Unsere -Ideale sind wunderbar, aber die Leute sind nicht dement-sprechend.“
Zwar wurde in Revivim bislang nicht, wie in manchen anderen Kibbuzim, am Grundpfeiler der Kibbuz-idee gewackelt: dem gleichen Lebensstandard für alle. „Ist dieses Prinzip abgeschafft, kann man nicht mehr von einem Kibbuz sprechen“, betont Yaakov unerbittlich. Dennoch hat sich ein differenziertes Lohnsystem auch bereits in Revivim eingeschlichen. Die Arbeiter in der Fabrik werden je nach Qualifikation und Aufgabe unterschiedlich bezahlt. Die Gehälter der Kibbuzniks fließen in die Gemeinschaftskasse und werden dann einheitlich nach einem komplizierten Bedarfsmodell verteilt. Die Angestellten von außerhalb gehen mit unterschiedlich gefüllten Lohntüten nach Hause.
„Nur ökonomisch gesunde Kibbuzim können es sich leisten, wie ein klassischer Kibbuz zu funktionieren“, stellt Yaakov fest. „Dort ist der Druck nicht so groß, weil sich die Leute mehr leisten können“. Dennoch hat sich auch in den wohlhabenden Kibbuzim der Blickwinkel verändert. „Anstatt alle Energie dazu aufzubringen, den Kuchen größer zu machen, diskutiert man nun darüber, wie er aufgeteilt werden soll“, fasst Yaakov die Entwicklung zusammen. Auch den Optimisten ergreift im Lauf des Gesprächs eine Portion Realismus: „Ein Kibbuz ist nach außen ein normaler Betrieb – er benimmt sich wie eine sozialistische Insel im kapitalistischen Ozean. Wenn der Tsunami kommt, wirst Du weggeschwemmt.“
Im Lauf der Jahre hat Yaakov gelernt, sich in diesem Ozean zu bewegen. Immer wieder ließ er sich neue Geschäftsideen einfallen. Zuerst organisierte er eine Lilienzucht, nun hat er eine Fischzucht aufgebaut. Überall in der Welt ist er herumgereist, um sich landwirtschaftliche Projekte anzusehen. Im Nebenzimmer steht ein PC, den die betagten Kibbuzniks ganz selbstverständlich nutzen. Ein Internetanschluss gehört in Revivim zur Grundausstattung. Ebenso wie ein Lebensentwurf, der durchaus individuelle Bedürfnisse zulässt. Ruth ging wie Yaakov, nachdem der Kibbuz auf stabilen Füssen stand, im Alter von 40 Jahren doch noch auf die Universität und studierte Sozialarbeit. Und die vier Kinder? „Die waren doch im Kibbuz bei ihrem Vater gut aufgehoben“, antwortet Ruth verdutzt. Die gut organisierte Kinderbetreuung sowie die qualitativ hochwertige Gemeinschaftsküche und der praktische Wäsche-service sorgen dafür, dass die private Hausarbeit sich in Grenzen hält.
Zur Ruhe setzen wollen sich die beiden Kibbuzniks trotz hohem Alter noch nicht. Das Arbeitsethos wird nicht nur in Revivim gepflegt. „Letzte Woche starb unser ältestes Mitglied im Alter von 97 Jahren,“ erklärt Nahman Ras, der vor 80 Jahren im Kibbuz Geva geboren wurde und seitdem dort lebt. „Eine Woche davor hat die Verstorbene noch gearbeitet“, fügt er stolz hinzu. Geva liegt im Norden von Israel, oberhalb der Westbank zwischen Afula und Bet Shean und gehört wie -Revivim zu den wohlhabenden Kibbuzim. Die beiden Fabriken erwirtschaften gute Gewinne. Das sieht man der gepflegten Parkanlage an, in der die Häuschen der Kibbuzniks zwischen Palmen und Mandelbäumen locker verstreut sind. Auch Touristen kommen gerne nach Geva und mieten sich für ein paar Tage ein.

Kollektiver Individualismus

Nahman Ras sitzt im etwas biederen Gemeinschaftsraum des Kibbuz und zeigt stolz das Bild von sechs Russen, die den Kibbuz im Jahr 1919 gegründet haben. Sein Vater ist darauf zu sehen und der Onkel von Moshe Dayan. Heute zählt der Kibbuz etwa 700 Mitglieder, der Altersdurchschnitt ist mit 42 verhältnismäßig niedrig.
Auch hier ist „Veränderung“ das Wort, das die meisten Diskussionen bestimmt. „Wann ist ein Kibbuz kein Kibbuz mehr?“ fragt sich Ras und weiß darauf scheinbar keine Antwort. „Verändert hat sich bereits vieles“, meint die 84-jährige Rahel Caro, die 1938 mit der Jugend-Alijah aus Berlin nach Geva kam. „Das Leben im Kibbuz war für mich ein Ideal,“ sagt die gebürtige Stuttgarterin, die im Kibbuz einen Berliner heiratete. 25 Jahre lang arbeitete sie als Babypflegerin im Kinderhaus, ebenfalls einem Grundpfeiler der Kibbuzbewegung. „Früher haben die Kinder nicht bei ihren Eltern gewohnt und wurden gemeinschaftlich erzogen,“ sagt Caro. Heute ist das Kinderhaus ein Kindergarten; der Kibbuznachwuchs wächst in der Kleinfamilie auf. Derzeit kämpfen in Geva die jugendlichen Kibbuzniks für ihr Recht, mit 16 eine eigene Wohnung auf dem Kibbuzgelände zu bekommen. Vor ein paar Tagen haben sie einen Sitzstreik organisiert, weil dieses Alter auf 18 angehoben werden sollte. „Auch die modernen Kibbuz-eltern haben sich verändert,“ erzählt Caro lachend.

McDonald’s stört nicht

Vor dem Speisesaal, dem zentralen Treffpunkt im Kibbuz Gan Shmuel, parken ein paar von diesen geräuscharmen Elektrofahrzeugen, die besonders bei den älteren Kibbuzniks sehr beliebt sind. Gan Shmuel liegt nördlich von Tel Aviv, nur einige Kilometer von der Küste entfernt. Auch im Frühling kann es hier schon drückend heiß werden. Angenehm kühl ist es dagegen im Dining Room, einem Mehrzweckraum mit schlichtem Steinboden und ein paar Scheinwerfern an der Decke, die für Feste und Parties dort angebracht worden sind. Das unaufhörliche Fließbandrattern der Industriespülmaschine wird gebrochen von klapperndem Essbesteck und vom Gemurmel der wenigen Kibbuzniks, die an diesem Sonntag, dem ersten von sechs Werktagen, um 9 Uhr noch nicht zur Arbeit gegangen sind.
Der achtzigjährige Uri Adiv hat es heute nicht so eilig, obwohl der von der Parkinsonschen Krankheit Geplagte noch immer regelmäßig in der Kibbuz-eigenen Saftfabrik arbeitet und nicht selten sogar Nachtschichten schiebt. Adiv, dessen Eltern 1922 aus Russland kamen, ist in Gan Shmuel geboren worden und war viele Jahre für die ökonomischen Belange des Kibbuz verantwortlich, quasi als „Manager“ des kompletten Betriebs. Noch heute hat er einen genauen Einblick in die wirtschaftliche Situation des Kibbuz, der neben einer Saftfabrik unter anderem auch ein großes Einkaufszentrum inklusive McDonald’s-Restaurant betreibt.
„Wir brauchten eine neue Einkommensquelle,“ sagt Adiv, „heute bringt uns der Supermarkt etwa 460000 US-Dollar Nettogewinn.“ Insgesamt erwirtschaftete der Konzern Gan Shmuel 2004 rund 8,5 Millionen US-Dollar. Der Löwenanteil entstammt der Saftproduktion.
McDonald’s im Kibbuz stört Uri Adiv nicht. „Wir fürchten uns nicht vor dem Wandel“ sagt er, „doch gleichzeitig wollen wir die traditionellen Werte erhalten“. Das bedeutet für Adiv vor allem Sozialismus nach innen und Marktwirtschaft nach außen: dass alle Kibbuzniks weiterhin über die gleiche Menge an Gütern und Geld verfügen können. Um zu zeigen, wie die Bewohner davon profitieren, dass an Althergebrachtem festgehalten wird, führt er uns über das Gelände. Zuerst zeigt er uns das Altersheim des Kibbuz. Das Gebäude ist wie die anderen Wohnhäuser von üppigem Grün umgeben. Auch wenn die Wasserversorgung hier ebenfalls ein Problem ist, mit den Bedingungen im Negev hat sie nichts gemein. Etwa 20 Personen sind im Pflegeheim untergebracht, die meisten von ihnen Kibbuzmitglieder, die sich dauerhaft nicht mehr selbst versorgen können. Die Kosten für die Pflege werden teils vom Staat, teils vom Kibbuz übernommen. „Wir schicken die alten Leute aus dem Kibbuz nicht ins Altersheim sondern kümmern uns um sie,“ sagt Krankenschwester Hanna Knaz.
Im Herzstück des Kibbuz, in der Saftfabrik, arbeiten die meisten der insgesamt 500 Kibbuzniks. Im Hof stehen unzählige Container mit Zitrusfrüchten. Unablässig fahren Sattelschlepper auf eine Rampe, von der die Ladung in ein Reinigungsbecken rutscht und zur Weiterverarbeitung in die Saftpresse transportiert wird. „Im Jahr 1940 haben wir damit angefangen,“ erzählt Adiv. „Damals war es eine Notlösung, da wir im Zweiten Weltkrieg keine Früchte exportieren konnten.“ Heute werden 58000 Tonnen Früchte pro Jahr verarbeitet, 4000 Tonnen stammen aus eigenem Anbau.
Den intensiven Zitrusduft hinter sich lassend, setzt Adiv die Führung in der Zierfischzucht fort. Hier werden auch die begehrten, mehrere tausend Dollar teuren Kois gezüchtet. „Ich dachte einmal, die Zierfische würden die Zukunft der Agrarwirtschaft,“ sagt Adiv lachend. „Noch immer verzeichnen wir 1,5 Millionen Dollar Exporteinnahmen mit diesem Wirtschaftszweig. Doch die meisten Fachkräfte sind heute abgewandert.“
Die Mitgliederzahl ist in Gan Shmuel seit Jahren ungefähr konstant. Doch Adiv macht sich wie die anderen Pionier-Kibbuzniks wegen der „ideologischen Veränderungen“ Sorgen. Heute fühle man sich dem Kibbuz nicht mehr in demselben Maß verbunden wie zu Gründerzeiten. „Früher konnte man beispielsweise sagen: Mir gefällt diese Arbeit nicht. Ich will eine andere Arbeit. Das gibt es so nicht mehr.“ Immerhin blieb das Prinzip „jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinem Bedürfnissen“. Ob Bildhauer oder Fabrikmanager, „der Lebensstandard des Kibbuz beruht auf dem Einkommen, dass die Mitglieder zusammen einbringen“.
Längst hat man sich in Gan Shmuel wie Revivim und Geva vom Prinzip verabschiedet, keine Arbeitskräfte von außerhalb einzustellen. Für Adiv ist der Einfluss der 200 Angestellten und Arbeiter auf die Alltagskultur im Kibbuz ein wesentlicher Grund für den Wandel, der sich vollzieht. „Man fängt an, sich zu vergleichen, in Konkurrenz zu gehen. Eine verstärkte Trennung von Arbeit und Privatleben setzt ein,“ kritisiert Adiv.
Oft hat sich der Achtzigjährige mit Blick auf seine Ideale überlegt, ob er in Gan Shmuel noch am richtigen Platz sei: „Ich denke, ich würde das Gleiche noch einmal tun: Helfen, diesen Kibbuz aufzubauen.“ Auch Ruth und Yaakov Yogev bereuen es nicht, ihr Leben im Kibbuz verbracht zu haben. „Nicht einen einzigen Tag,“ sagt Yaakov. „Selbst wenn ich ein drittes Mal wählen müsste, würde ich nicht anders entscheiden.“´


Dieser Artikel erschien erstmals in der Internetzeitschrift www.telepolis.de. Abdruck mit freundlicher Genehmigung.

Weitere Informationen:
www.kibbutzprogramcenter.org, www.ganshmuel.com.



  Autoren

Daniele Weber, Thorsten Fuchsgruber

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