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Editorial
erschienen in Ausgabe 145
Liebe Leserinnen,liebe Leser,

in der letzten Woche waren wir Teil einer bewegenden Konferenz. Die Fachklinik Heiligenfeld in Bad Kissingen hatte eingeladen unter dem Motto „Der neue Geist in der Wirtschaft – Bewusstsein, Verantwortung, Spiritualität“. Wo immer wir in den letzten Monaten an solcherlei Zusammenkünften teilgenommen haben, immer ging es um die Heimholung verdrängter seelischer Ressourcen. Und immer sprachen die Redner in deutlichen Worten von der großen Krise, die die wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Fundamente unserer Gesellschaften rasant korrodiert. Dabei ist der Ton nicht fatalistisch, nicht panisch. Man spricht darüber ruhig, man weiß, was auf uns zukommt, es wird ganz fürchterlich, es ist unabwendbar, aber die potente Minderheit hat die Welt so gewollt, wie sie jetzt ist. Die meisten Redner vermitteln eine engagierte Verbundenheit mit ihrer Innenwelt und der Gegenwart – und kaum Hoffnung auf die Zukunft. Das haben sie mit den Zuhörerinnen und Zuhörern gemeinsam. Sie wissen, dass die Öko- und Friedensträume der 70er-, 80er-Jahre erledigt sind, doch wirken sie gefasster und positiver als mancher ökosoziale Mahner zu Zeiten der frühen grünen Bewegung.
Was treibt die Menschen zu solchen Konferenzen? Immerhin saßen im Saal gut 500 Personen aus Wirtschaft und -kulturkreativen Initiativen. Klar, es gab Business, Abmachun-gen, Projekte und das alles, doch man versuchte nicht, die Abwesenheit langfristiger Hoffnung mit kurzfristigen Vorteilen aufzuwiegen. Über allem schwebte ein eigenartiger „Sinn“, der als bisher selten gekanntes Gefühl eines sich Sammelns der „guten Menschen“ (wofür eigentlich?) spürbar war. Als würde demnächst etwas beginnen, wofür man sich besser vergewissert, ob man alles (was eigentlich?) dabei hat und ob auch alle, die dazugehören, da sind und bereit sind ...
Wir hören, die Menschheit sei ein Superorganismus – ein eigenes großes Lebewesen im Leib der Erde. Der Einzelne spiele für das Leben der Menschheit keine größere Rolle als eine Hautzelle, die wir schließlich als Schuppe aus der Kleidung klopfen. Und doch ist unsere Rolle auch nicht kleiner! Ein System im labilen Gleichgewicht ist extrem sensibel, und hier genügt der sprichwörtliche Flügelschlag des Schmetterlings, um es kippen zu lassen. Hans-Peter Dürr hat dies mit einem Pendel eindrucksvoll vorgeführt. Dass unser Planet in einer sensiblen Phase ist, ist unbestritten; es ist gleich, ob das Kippen in 20, 50 oder 100 Jahren geschieht. Welchen Flügelschlag aber müssen wir tun, wenn wir nicht als völlig Überflüssige aus der Kleidung geklopft werden wollen?
Das Wichtigste dürfte sein: die Augen aufreißen, die Tatsachen anschauen, das Ganze lieben. Gehen Sie an die Sammelpunkte und sehen Sie nach, ob dort alles vorbereitet ist und wer mit Ihnen schon da ist.

Herzlich, Ihr
Johannes Heimrath


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Heimrath, Johannes

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