Dieter Halbach stellt die Autobiographie der 80-jährigen Anna Schicht über ihren Weg in die Gemeinschaft Sieben Linden vor.
Mit über 80 Jahren geht Anna fort von ihrem Mann und zieht in eine große Lebensgemeinschaft – ins Ökodorf Sieben Linden. Dort, unter den Suchenden aller Altersstufen, findet sie ihre neue Heimat. „Die alte und die neue Anna“ heißt dann auch der Titel ihres Buchs. Auslöser für ihren Umzug ist die Liebe ihres Mannes zu einer jungen polnischen Helferin in ihrem gemeinsamen Gartenbetrieb. Auch diese heißt Anna, ist seine „neue Anna“. Die alte Anna geht nach 40 Jahren Ehe durch eine tiefgreifende Krise. Das intensiv geführte Tagebuch dieser Krise und Wandlung bildet das Herzstück des Buchs. Anna wird zur neuen Anna.
Beschrieben wird die ungewöhnliche Geschichte einer gewöhnlichen Frau. Nach einem für andere gelebten Leben, nach einer bedrückenden Jugend im Faschismus, nach Beruf, Familie und einem Leben als dienende Ehefrau wagt sie den radikalen Neuanfang. Aufgebaut wie eine Collage aus Erinnerungen, Tagebüchern, Reflexionen, Photos und Briefen endet ihr Bericht in einem bunten Strauß von Stimmen aus ihrer Gemeinschaft. Es ist zu spüren: Anna ist im Leben angekommen. In ihrer Einleitung schreibt sie: „Ich war erst einige Wochen im Ökodorf, da kam eine Journalistin auf mich zu und fragte, was ich denn hier suchen würde. Meine Antwort: Ich will lernen. Damals wusste ich noch nicht, was. Heute weiß ich: Hier entdeckte ich mich eigentlich erst. Hier kommt raus, was ich mein Leben lang versteckt habe. Es ist das Geschenk meines Lebens. Es ist ein unfassbares Glück, dass ich das alles erleben durfte. Ich habe eine große Dankbarkeit gegenüber dem Leben und der Gemeinschaft hier. Manchmal muss ich schreien und weinen. Aber da muss ich durch – und die Sieben-Lindener ertragen mich dabei. Es ist für mich eine sehr große Freude, dieses Leben unter so vielen Menschen. Alle sind hier Suchende. Erlebe dich in einer anderen Lebensweise und du entdeckst dich selbst.“
Das ermutigende Buch scheint einen gesellschaftlichen Trend zu bestätigen: Einer Studie des renommierten BAT-Freizeitforschungsinstituts zufolge bezeichnen zwölf Prozent aller Bundesbürger eine Wohngemeinschaft, „in der mehrere Generationen eine eigene Wohnung haben und jederzeit in Gemeinschafträumen zusammenkommen können“, als ihren Zukunftstraum.
Ein anderes Leben ist möglich, jederzeit! – Das ist die Botschaft der „neuen Anna“ an die vielen Menschen, die diesen Zukunftstraum in sich tragen. ´
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