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Editorial
erschienen in Ausgabe 147
Liebe Leserinnen,liebe Leser,

wir alle kennen die Momente im Leben, in denen etwas ganz und gar Neues geschieht. Das Bewusstsein registriert blitzschnell: Soeben habe ich das Tor zur neuen Erkenntnis, zur neuen Chance durchschritten. Neue Perspektiven entfalten sich mühelos, wie von selbst, alles scheint perfekt vorbereitet, als hätte es nur auf diesen Moment gewartet.
Vorbereitet? Ohne Vorbereitung scheint der Wandel nicht möglich. Doch gilt auch: Wer zu fleißig übt, sich allzu fest ausmalt, worauf er sich vorbereitet, verpatzt die Manifestation. Zum Wandel gehören auch Unschuld und das Aushaltenkönnen des Zustands des Nichtwissens. Es scheint wichtig, den Impuls zum Wandel zu stärken und zu nähren, doch zugleich möchte er ganz frei- und losgelassen werden.
Im Gedankenexperiment bilden die Milliarden inneren Impulse, die uns Menschen auf diesem Planeten im Fluss der Zeit vorantragen, ein auratisches Geflecht von schwingenden Feldern. Präsente Gestalten aus Interferenzen flirren im Wellengewebe. Es gibt Chaos, Evolution, Verstärkung – und es gibt Orte der Auslöschung, die wie tot erscheinen. Doch schwingen auch jene Orte mit derselben Energie wie alles andere – die Phasen sind nur komplementär, darum bewegt sich scheinbar nichts. Geraten die Phasen wieder aus dem Gegentakt, verschwindet die Auslöschung, die Dynamik des Orts wird offenbar. Darauf kann man sich verlassen, das liegt in der Schwingungsnatur des Kosmos.
Am 8. November 1989 sah die Berliner Mauer unverrückbar aus, so wie sie seit dem 13. August 1961 stand, gebaut für die sozialistische Ewigkeit. Einen Tag später existierte die Grenze nicht mehr. Der tote Ort (und Todesort), die Auslöschung der Freiheits-schwingung war überwunden, unzählige Wandlungsimpulse hatten die Koordinaten verschoben, ein Fortissimo des Freiheitsakkords erklang.
Die Frage schwingt in mir, wie wir uns auf den globalen -Wandel vorbereiten sollen, so, dass er gut wird. Dazu gehört -zweifellos, den Verstand mit den Szenarien der Zukunftsforscher zu füttern, und es ist richtig, wenn der praktische Geist konsumloses Verhalten einübt, sich das Gefühl mit dem Verlust jeglicher Sicherheit vertraut macht. Doch könnte es sein, dass wirs verpatzen, wenn wir die ökologischen, sozialen, ökonomischen und politischen Änderungen, die auf uns zukommen, zu sehr beschwören, zu -eifrig bei der Katastrophe verweilen. Vor möglichen Veränderungen derart radikaler Art, dass alle heutigen Kategorien obsolet -werden, erscheint konkrete Vorbereitung für das Gute sinnlos. Und doch ruft etwas mit Macht dazu auf.
Vielleicht bleibt uns nur, im Hier und Jetzt sämtliche Potenziale der eigenen Person als ungebremste Impulse in den Klang der globalen Schwingungen einzuspeisen – und den Wandel frei- und loszulassen.

Herzlich, Ihr
Johannes Heimrath


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Heimrath, Johannes

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