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Mehr Gemeinschaften in Stadt und Land
erschienen in Ausgabe 147  PDF-Version (118.27 KB)
Ein Bericht über das „Weiter geht's“-Gemeinschaftsfestival.

An die 200 Menschen, Gemeinschaftssuchende, neue Gemeinschaftsinitiativen und bestehende Gemeinschaftsprojekte, kamen dieses Jahr zum Pfingstfest im Ökodorf zusammen, und wohl alle teilten einen Wunsch und ein Ziel: mehr Gemeinschaften in Stadt und Land aufzubauen.



Neben der Vorstellung der älteren bestehenden Projekte (u.a. Kommune Niederkaufungen, ZEGG, Sieben Linden, Lebensgarten Steyerberg, Zwölf Stämme) war der meiste Raum für die neu entstehenden Gemeinschaftsinitiativen vorgesehen. Auf übersichtlich gestalteten Programmtafeln und im Plenum konnten die freien Angebote vorgestellt werden. Allein diese pralle Lebensfülle erleben zu dürfen, war schon ein Fest. Doch nach einigen Jahren selbstorganisierter Gemeinschaftsbewegung wissen wir auch von der großen Zahl scheiternder und schwieriger Geburtsprozesse. Neben der Kontaktbörse ging es also auch um so etwas wie gegenseitige Geburtshilfe. In den morgendlichen Einstimmungen (gehalten vom „Hand-in-Hand“-Team für Gemeinschaftsberatung Kosha, Eva und Dieter, die auch als Hauptverantwortliche das Fest organisierten) zu Gemeinschaftsaufbau, Kommunikation und Ökonomie wurde ein vertiefter Einstieg in wichtige Themen gegeben. Mit den methodischen Angeboten, u.a. zu gewaltfreier Kommunikation, Forum, Tiefenökologie, Mediation, konnten Werkzeuge für den Gemeinschaftsaufbau erprobt werden. Doch nicht nur die vielen Einzelinitiativen, sondern auch die globalen und politischen Hintergründe für die Notwendigkeit einer neuen Gemeinschaftsbewegung wurden in den Blick genommen. Einen beindruckenden Überblick mit Bildern aus aller Welt gab die Arbeit des Global Ecovillage Network. Mit Lisinka Ulatowska, zufälligerweise gerade in Magdeburg bei der dortigen Gruppe der Weltbürger, hatten wir eine kompetente und inspirierende Vertreterin der entstehenden Weltgemeinschaft zu Gast. Mit ihrem „All-Win Network“ versucht sie seit vielen Jahren, innerhalb der UNO eine Kommunikation auf Gegenseitigkeit und Achtsamkeit zu begründen. Das „Forum gemeinschaftliches Wohnen“ war durch sein Vorstandsmitglied Rainer Kroll vertreten. Mit dem Forum entsteht gerade ein Dachverband für alle Initiativen generationenübergreifender Lebensformen, die so auch gegenüber der Politik und Öffentlichkeit mehr Einfluss gewinnen wollen. Die Frage der Vereinzelung und Ausgrenzung der wachsenden Zahl alter Menschen (aber auch unserer Kinder) wird mit Sicherheit die Zukunft unserer Gesellschaft bestimmen und dem Gemeinschaftsgedanken neuen Auftrieb geben. Schön, dass wir mit Anna Schicht und anderen älteren MitbewohnerInnen hier gute Vorbilder leben haben: Es ist nie zu spät für ein gutes Leben! Annas Lesung aus ihrer gerade erschienen Biografie „Die alte und die neue Anna“ vor dem großen Abschlussplenum war eines von vielen kleinen Highlights des Treffens. Neben allen genannten Ereignissen waren es natürlich die vielen Begegnungen, das Singen, die Stille, die Kultur … eben das gemeinschaftliche Erleben, das uns in diesen Tagen beflügelte. Pfingsten ist wirklich eine ganz besondere Zeit. Der Pfingstmythos der urchristlichen Gemeinschaftsgründung in Jerusalem – „und der Geist weht, wo er will“ – wirkt vielleicht immer weiter …
So war dieses Treffen nicht nur ein besonders schönes verlängertes Wochenende, sondern ein weiterer Schritt in Richtung Vernetzung und Zusammenarbeit von Gemeinschaften. Viele Samen wurden gelegt und wollen weiter gepflegt werden. In diesem Sinne sagen wir „Weiter geht’s“! ´




Kommentar zum „Weiter geht’s“
„Inspiration und freudvolle Energie – das haben wir mitgenommen aus Sieben Linden. Beschwerlich war es ja schon, vier Erwachsene und ebensoviele Kinder unserer Projektgruppe „Ökodorf Wald“ mit dem Nachtzug von Österreich in die Altmark zu bringen. Gelohnt hat es sich allemal. Das Festival war für uns ein Kaleidoskop von unterschiedlichsten Projekten, die mit dem vereinenden Anspruch „gemeinsam anders leben“ sich daran machen, kulturell-kreative Erfahrungen miteinander zu teilen und damit auch ein klein wenig „die Gesellschaft zu verändern“. Musik begleitete uns von Anfang bis zum Schluss in diesen Tagen, der wunderbare Chor mit Martin Stengel oder unter die Haut gehende Lieder von Dieter Halbach und seinen Freunden oder einfach nur Tanzen – dadurch konnten wir das nasskalte Wetter gut überstehen. Was noch? Gutes Essen, wertvolle Inputs, gute Gespräche und neue Kontakte (neue deutsche Freunde besuchten uns bereits an einem unserer Projektwochenenden). Kaum überbietbar fanden wir die Kinderbetreuung.“
(Martin Kirchner)



Weitere Informationen
Wer eine Liste mit den entstandenen Initiativen erhalten möchte, kann diese über das Hand-in-Hand-Team anfordern: info@gemeinschaftsberatung.de


  Autoren

Halbach, Dieter

Partner
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