Geld wird in aller Öffentlichkeit gemacht – nur will es niemand wahrhaben.
Das Tatsache, dass das unserem Geld-system eingebaute Prinzip des Zinses-zinses effektive Schritte in Richtung einer nachhaltigen Gesellschaft erschwert, dringt nach und nach auch vielen Nicht-Geldexperten ins Bewusstsein. Dabei wird jedoch in der Regel ein anderer zentraler Punkt übersehen: die Frage nämlich, wer eigentlich welches Geld wie und wofür macht. Eberhard Hierse verschafft uns hier Aufklärung.
„Es fehlt an Geld? Nun gut, so schafft es denn!“Mephisto in Goethes „Faust II“
Was ist Geld? – Geld ist das, womit bezahlt wird: Scheine und Münzen und ein Kontostand. So stellt es sich für die meisten, die dafür arbeiten und/oder denen es an Geld mangelt, dar. Für die anderen, die Geldmacher Staat und Banken, ist Geld beliebig aus dem Nichts schöpfbare Information und Energie, mit der sie die Welt nach ihrem Willen gestalten. Ein Kurzschluss zwischen dem Volksglauben und der Macht der Eingeweihten könnte uns in eine andere Welt befördern.
Stellen Sie normalsterblichen Menschen in Ihrer Umgebung doch einmal nachfolgende Fragen. Der Dialog wird wahrscheinlich ungefähr so ablaufen:
„Wieviel Gold bekomme ich bei der Bundesbank für meine Euros?“ – „Keine Ahnung, aber es wird schon was geben, denn dafür sind die Goldreserven ja da …“
Leider falsch. Man bekommt bei der Zentralbank in Frankfurt für seine Euros nur Euros. Eine Goldeinlösepflicht gibt es hierzulande schon seit 1914 nicht mehr.
„Warum gibt es Zinsen?“ – „Die Zinsen sind die Belohnung dafür, dass jemand Geld verleiht. Denn er muss ja darauf verzichten, solange es verliehen ist.“
Das ist im Prinzip richtig, solange jemand Geld verleiht, der dieses Geld nicht einfach aus dem Nichts machen kann. Falls jedoch eine Bank Geld „verleiht“, wird diese Begründung schwierig, denn sie verzichtet auf dieses Geld nicht, sondern erschafft es einfach im Akt der Kreditvergabe/Kreditaufnahme, so wie sie auch sonst durch den Ankauf von Immobilien oder Wertpapieren etc. beliebig Geld machen kann, aber dennoch Gebühren, Provisionen, Zinsen und Tilgung kassiert. (siehe hierzu Quelle 1, S. 45). An dieser Stelle müsste nun eigentlich das Prinzip der bankmäßigen doppelten Buchführung erklärt werden, aber das würde hier den Rahmen sprengen. Vereinfacht kann man sagen: Geld (der an den Kunden gegebene Kredit) und bilanzmäßiger Gegenwert (die Forderung der Bank gegenüber dem Kunden) entstehen sozusagen in derselben magischen Sekunde. Das Bankgeschäft unterscheidet sich tatsächlich sehr stark von der Vorstellung normalsterblicher Menschen, derzufolge nur solches Geld ausgegeben werden kann, das zuvor eingenommen wurde. Aber nur weil es diese beiden unterschiedlichen Welten gibt, funktioniert das Ganze überhaupt: Die einen machen das Geld, und die anderen arbeiten dafür.
Nächste Frage: „Wo bleibt das Geld, das man auf sein Konto einzahlt?“ – „Das bleibt in der Bank liegen, bis diese es als Kredit vergibt.“
Falsch: Auch das eingezahlte Geld entstand letztlich durch Kreditvergabe. Eine Bank muss keineswegs erst Geld einsammeln, um Kredite vergeben zu können.
„Wer macht das Geld?“ – „Der Staat bzw. die Europäische Zentralbank/Bundesbank macht das Geld.“
Das trifft nur auf die physischen Geldscheine und Münzen zu. Bargeld ist nur sichtbar gemachtes Guthaben, das ebenfalls durch Kreditvergabe und den Einkauf von Werten durch Geschäftsbanken mit Geld „aus dem Nichts“ entstand. Die Guthaben entstehen aber auch durch den Staat, der sich bei Bedarf bei der (von ihm per Gesetz erschaffenen) Zentralbank verschuldet – ohne je zurückzuzahlen. Dennoch tut der Staat so, als müsse er sparen und deshalb die Steuern und Abgaben erhöhen, während er gleichzeitig seine Leistungen einschränkt. Warum aber macht der Staat das Geld nicht einfach direkt und ohne Umwege selber und verschont uns mit Finanzämtern und Tributforderungen?
Geldschöpfung zu Ende gedacht
Letzte Frage: „Müssen Schulden bezahlt werden?“ – „Selbstverständlich, denn sonst wäre es Betrug am Kreditgeber.“
Das ist im Prinzip richtig, wenn man von jemandem Geld leiht, der kein Geld machen kann. Dennoch bestehen bekanntlich auch Banken, die das als Kredit ausgezahlte Geld aus dem Nichts schöpfen, auf Rückzahlung plus Zins – zumindest bei Krediten an Normalsterbliche, obwohl diese dem geschöpften Geld durch ihre Leistung überhaupt erst einen Wert verleihen.
Allerdings „leihen“ sich Banken auch untereinander Geld, das heißt sie schöpfen Wertpapiere bzw. Schuldtitel, gegen die sie wiederum Kreditgeld schöpfen, und auch der Staat „leiht“ sich Geld. Bei all diesen Kreditformen wird jedoch netto nie getilgt, sondern es werden letztlich einfach nur Zahlen in den Bilanzen, sogenanntes Buchgeld, produziert, für das die Geldmacher allerdings sehr wohl ganz real einkaufen. Ist das Selbstbedienung? Ja, das ist Selbstbedienung.
Anders als man meinen könnte, geschieht dieser unglaubliche Vorgang allerdings nicht heimlich, denn sogar die Bundesbank erklärt diese „zauberhafte“ Geldschöpfung in ihrem Lehrmaterial für deutsche Schulen.1 Und auch Sie selbst können und dürfen das: Sparen Sie ein paar tausend Euro, kaufen Sie Aktien bzw. Aktienfondsanteile (am besten Rohstoffwerte), und nehmen Sie darauf Kredit auf.2 Dabei entsteht Geld aus dem Nichts, für das Sie weitere Wertpapiere kaufen können. Und weil das viele andere auch tun, steigen auch die Börsen und in der Folge auch Ihre Aktien immer weiter – für die Sie dann immer mehr Kredit bekommen … Und solange Sie nicht in die Nähe der mit den Kursen steigenden Beleihungsgrenze kommen, können Sie das immer weiter treiben, wobei Sie nichts zurückzahlen müssen, noch nicht einmal die Zinsen, da Ihre Bank diese einfach nur bucht. – Das glauben Sie nicht? Probieren Sie es aus, die Informationen dazu finden Sie unten in der Quelle 2. Sie meinen, wenn es tatsächlich so wäre, würde keiner mehr arbeiten? Genau, immer mehr Leute tun es, denn Arbeiten lohnt sich tatsächlich immer weniger (das machen die Maschinen viel billiger). Und je mehr es tun (nicht mehr arbeiten und sich selbst bedienen), desto wertloser wird der Euro werden. Deshalb rate ich Ihnen: Tun Sie es möglichst schnell, solange es noch geht und Sie für das Geld „aus dem Nichts“ so schön einkaufen können …
Langsam kommt die Diskussion um die Fragen der Geldschöpfung sogar in der Geldreformbewegung in Fahrt. Die Geldreformer3 (z.B. die „Freiwirte“) machen sich Gedanken darüber, warum es in der Welt immer mehr schamlosen Überfluss gibt (bei denen, die Geld machen) und, auf der anderen Seite, immer mehr beschämenden Mangel (bei denen, die noch arbeiten oder nicht mehr arbeiten dürfen), und es kommt langsam zum Kurzschluss mit den Geldmachern, die die Spielregeln festlegen, die eben nicht für alle gleich sind (Banker, Regierende, Juristen, Kaufleute, Spekulanten).
Die Lösung der „Freiwirte“ geht nach der Theorie von Silvio Gesell davon aus, dass das angeblich knappe Geld nur schnell genug umlaufen müsse, indem man das Halten/Horten von Geld mit einer Gebühr belegt. Zudem sind sie überzeugt, dass durch Geldhortung Zins von jenen erpresst werden kann, denen eben dieses Geld fehlt. Tatsächlich war all dies zu Gesells Zeiten richtig, da das damalige Goldgeld de facto materiell knapp war. Allerdings greift Gesells Theorie beim modernen stofflosen, nach Bedarf schöpfbaren Kreditgeld zu kurz. Eine Heilung des „Schuldgeldsyndroms“ erschöpft sich mit Sicherheit nicht in der Abschaffung des Zinses als vermeintlicher Wurzel allen Übels (Denn auch die Zinsen werden von den Banken durch zusätzliche Kreditvergabe erzeugt und letztlich einfach nur gebucht).
Die Tatsache, dass unser stoffloses Computergeld ganz nach Bedarf erzeugt werden kann, erledigt – zu Ende gedacht – nicht nur den Zins (ein Geldmacher, der Geld „verleiht“, verzichtet auf nichts und kann tatsächlich ganz real einkaufen – mit Geld aus dem Nichts), sondern auch die Tilgung! Warum muss das Geld wieder zum Geldmacher zurückfließen und vernichtet werden, solange ein Geldbedürftiger damit erfolgreich wirtschaftet – sprich: dem zusätzlichen Geld aus dem Nichts überhaupt erst einen Wert verleiht?
Auch den Kapitalmärkten ist genau genommen bereits die Geschäftsgrundlage entzogen. Denn da, wo Geld für reale Investitionen ganz nach Bedarf – nämlich dort, wo die Preise steigen – geschöpft wird, muss kein Geld mit irgendwelchen Renditen eingeworben werden. Und auch Steuern und Abgaben sind letztlich überflüssig (endlich könnten alle ihren Arbeitslohn ganz und gar selbst behalten, denn der Staat könnte sich zu hundert Prozent durch Geldschöpfung finanzieren, was er heute durch nie rückzahlbare Staatsverschuldung teilweise schon tut. Zusätzlich kassiert der Staat jedoch immer höhere Steuern und Abgaben und schränkt seine Leistungen ein, um die explodierenden Zinsen für seine Schulden, seine Zwangsapparate zur Eintreibung von Steuern und Abgaben sowie die Kosten von Pleiten und Wirtschaftskrisen durch die simulierte Geldknappheit (dank Zinsen, Tilgung und überflüssiger Steuern und Abgaben) zu bezahlen.
Fazit: Ein Staat, der sich nicht mehr um die Beseitigung der Nebenwirkungen eines absurden Geldsystems kümmern müsste, wäre allenfalls noch ein dezenter Wächter im Hintergrund, der die Einhaltung von Recht und Gesetz sicherstellt. So ein Minimalstaat wäre mit Sicherheit sehr viel preiswerter.
Die Alchemie des Geldes
Seiner Zeit weit voraus, verwies der großherzoglich-weimarische Finanzminister Goethe in seinem „Faust II“– angesichts der Fehlschläge beim Versuch, Gold herzustellen – auf das magisch-alchemistische Prinzip des Geldmachens.4 Das faustische Handwerk der Geldschöpfung (auch Banking genannt) kann als irdische Entsprechung zur göttlichen Schöpfung aus dem Nichts gedeutet werden, denn Geld aus dem Nichts schafft reale Werte (Investitionen), die dem zusätzlichen Geld durch zusätzliches käufliches Angebot Wert verleihen: Geld schafft Wert schafft Geldwert. Es muss eben nicht zuerst Geld „da“ sein, um gespart und dann investiert zu werden!
Diese quasi göttliche Macht wird nach wie vor wenig weise und schon gar nicht im demokratischen Sinn eingesetzt – wohl auch, weil die Trennung des Geldes vom mengenmäßig begrenzten Gold in der Praxis längst geschehen ist, von den Köpfen der Normalsterblichen aber nur schwer begriffen wird. Auch aus diesem Umstand nährt sich die Macht derer, die das Geld im zauberhaften Akt der Bilanzverlängerung dank doppelter Buchführung gleichsam aus dem Hut zaubern.
Das Geldmittel-Knappheitsgefühl beim Volk ist von Seiten der Geldmacher ganz und gar erwünscht und wird von ihnen entsprechend aktiv simuliert und stimuliert: durch Zinsen, Kapitalmärkte, Steuern, Abgaben und vor allem durch das pseudo-goldene „barbarische Relikt“ der Tilgung. Warum muss Geld aus dem Nichts wieder verschwinden, wenn es reale Werte geschaffen hat, die menschliche Bedürfnisse befriedigen? Wer soll diese zusätzlichen Werte kaufen, wenn das entsprechende zusätzliche Geld fehlt? Wohin sind einst die Gold- und Silbermünzen wieder verschwunden? Wohin verschwinden Information und Energie wieder?
Wer bestimmt die Spielregeln?
Seltsamerweise wird die wohl interessanteste Frage einer mit Geld wirtschaftenden Gesellschaft bisher nicht gestellt: Wer macht welches Geld wie und wofür? Wer bestimmt, was wieviel wert ist, wofür Geld geschöpft und wie investiert wird? Wer legt die Spielregeln fest?
Demokratie fängt bei der Volkssouveränität über das Geld- und Bankensystem überhaupt erst an. Dazu braucht es keine Kulturrevolution und auch keine herrschaftliche Lösung (die es wohl freiwillig kaum geben wird – dazu haben die Systemprofiteure zu viel Gewalt über die Legislative). Besseres, weil demokratisch legitimiertes Geld kann man tatsächlich auf regionaler Ebene selber machen, Geld, das liquider ist als das spekulativ gehortete Edelmetall und werthaltiger/stabiler als das hemmungslos inflationierte Zentralbank-Monopol-Zwangsgeld.
Unsere Gesellschaft braucht in Zukunft ein Geld, das den vielen Arbeitslosen und Unterbeschäftigten wieder ermöglicht, „Wirtschaft zu spielen“, denn Erwerbslosigkeit ist zumindest in unseren Breiten eher ein psychologisches denn ein materielles Problem. Voraussetzung hierfür wäre eine kleiner, informeller, sich durch soziale Kontrolle selbstregulierender Markt, in dem sich Handwerken und Selbermachen wieder lohnte, weil es von Rendite- und Tributforderungen (Steuern, Abgaben, Zinsen, Bürokratie) und Maschinenkonkurrenz weitgehend befreit wäre.
Ich glaube hingegen nicht, dass es ausreicht, den im Produktionsprozess „Überflüssigen“ ein von Erwerbsarbeit unabhängiges Einkommen zur Grundversorgung zu verschaffen. Eigenmotivation, Selbstverantwortung und kreatives Selbstmanagement ohne irgendwelche äußeren Notwendigkeiten über- und unterfordern die meisten Menschen zugleich, denn in unserer Kultur sind wir so gut wie alle von Kindesbeinen an auf (Erwerbs-)„Arbeit“ dressiert worden. Wirtschaft zu „spielen“ kann auch durchaus Spaß machen, so wie die Menschen auch sonst gern Monopoly, Siedler von Catan oder all die anderen Geldspiele spielen. Nur eben, dass bei einem großen, realen „Geldspiel“ auch viel Brauchbares herauskäme. Regional wäre bis auf einige technologische Produkte fast der komplette Lebensbedarf informell zu decken. Und: Ökologische Nahrungsmittel aus der Region sowie von Freunden, Nachbarn und Bekannten Selbstgemachtes haben gegenüber Industriewaren eine besondere ästhetische und kulturelle Qualität. Hierfür scheint zeitbasiertes Geld (ähnlich wie z.B. die „Ithaca-Hours“5) das Mittel der Wahl: ein Tauschclub mit Barzahlung in Zeiteinheiten und dauerhaftem Markt bzw. Laden.
Das System könnte unter der Bezeichnung „Tauschring und Nachbarschaftshilfe“ laufen und den Behörden gegenüber tatsächlich als Tauschring, organisierte Nachbarschaftshilfe, Bildungsprojekt, Planspiel, wirtschaftswissenschaftliches Experiment oder als Kunstform („soziale Skulptur“) deklariert werden, um von Regulierung und Abgabendruck freigestellt zu bleiben. (In vielen anderen Ländern hat man staatlicherseits bereits eingesehen, dass die eingesparten Kosten durch Kriminalität und soziale Verwahrlosung die entgangenen Steuereinnahmen bei weitem aufwiegen.)
Auf diese Weise könnte ein Treibhaus für Kleinunternehmen entstehen. Leute, die bisher durch Bürokratie und Abgabendruck vor der Selbständigkeit zurückschrecken, fänden hier eine Spielwiese, auf der sie wirtschaftliches Handeln einüben könnten, um sich im Erfolgsfall auf dem „richtigen“ Markt für „richtiges“ Geld zu etablieren. Es würde sich also im Prinzip um einen Tauschring mit Barzahlung und permanentem Laden bzw. Markt handeln, der auch als -Informationszent-rale, Handelsplatz, sozialer und kultureller Treff- und Mittelpunkt diente. In diesem Laden würde das Angebot für Regionalwährung an- und verkauft. Das Angebot im Laden diente als wertmäßige Deckung der Regionalwährung, und der Laden wäre zugleich die „Zentralbank“, die auch den Markt und die Infrastruktur organisierte, um werthaltiges Geld zu schaffen.
Reine Barzahlung in kleinen Scheinen erfordert im Gegensatz zu elektronischer Zahlung kaum technischen Aufwand und hätte auch den Effekt einer automatischen Umlaufsicherung, denn erhebliche Mengen gehorteten Geldes verursachen schnell Aufbewahrungsprobleme und Verlustrisiken.
Zusätzlich könnte man dem Geld bei Bedarf Beine machen, etwa wenn durch demokratischen Beschluss die umlaufenden Scheine ungültig und unter teilweiser Umverteilung der großen Guthaben in neue Scheine umgetauscht werden müssten. Dazu würde es allerdings wohl nie kommen müssen, denn spekulativ gehortetes Geld würde bereits wieder in den Umlauf eingebracht, sobald auch nur das Gerücht einer solchen Maßnahme aufkäme. Inflation könnte durch gezielten Ausbau des Angebots in Regionalwährung begegnet werden. Hierfür ließen sich aus einem Investitionsfonds zins- und tilgungsfreie Eurokredite für Produktionsmittel vergeben – unter der Bedingung, dass das entstehende Angebot gegen Regionalwährung verkauft werden müsste.
Die Alternative: Geld sucht Sinn
Diese Eurokredite würden sich aus einem Stiftungsvermögen speisen, das in Rohstoffwerten angelegt wäre. Da die Eurogeldmenge durch exzessive Geldschöpfung explodiert, werden die Rohstoffpreise spekulativ bereits seit circa drei Jahren viel stärker als die Warenpreise in die Höhe getrieben. Indem die Ausweitung der Eurogeldmenge durch Beleihung von Rohstoffwerten möglich ist, ist der inflationäre Exitus des Zentralbankgeldes programmiert: Das zusätzliche Geld treibt die Rohstoffpreise, so dass immer mehr Geld durch Beleihung dieser Werte entsteht (und wieder großteils in Rohstoffe investiert wird). Tatsächlich drosseln die Förderunternehmen schon jetzt die Fördermengen, weil es viel lohnender ist, die Rohstoffe in der Erde zu belassen und sich über den Verkauf ihrer im Kurs explodierenden Aktien zu finanzieren: eine Selbstalimentierung mit Turbo-effekt! So dürfte uns die kapitalistische Götterdämmerung ganz von selbst die Schonung der natürlichen Ressourcen und eine regionalisierte Recyclingwirtschaft – die „ökosoziale Kulturwende“ durch astronomische Rohstoff- und Transportkosten – bescheren.
Im vorgestellten Modell ließen sich alle Geldformen sinnvoll integrieren: das Warengeld Gold, Silber und andere Rohstoffe durch Euroschöpfung über die Kapitalmärkte (siehe oben), was reale, produktive Euroinvesti-tionen zur Deckung realen Bedarfs im informellen, regio-nalen Markt (im Gegensatz zur oben beschriebenen Geldmacherei) ermöglichen und somit die Voraussetzung für eine werthaltige Regionalwährung schaffen würde. Es bleibt zu hoffen, dass auf diese Weise schnell genug funktionierende regionale Märkte entstehen, die so attraktiv sind, dass qualifizierte Leute von sich aus kommen und eigenes Kapital investieren, ohne angeworben werden zu müssen – bevor die Kapitalmärkte und das Zentralbanksystem vollständig durchdrehen und sich in einer inflationären Abschlussgala verabschieden und das Einkaufen im Supermarkt wirklich keinen Spaß mehr macht …
Immer mehr Wohlhabende begreifen, dass tote Geldrendite letztlich überhaupt nichts nützt (vor allem jenen nicht, die schon alles – außer Sinn – besitzen). Und sie erkennen nun auch soziale, kulturelle und ökologische „Rendite“ als wertvoll. Was nützt monetärer Reichtum, wenn man sich vor seinen Mitmenschen fürchten muss und sich in einer verwüsteten Welt auf Inseln des Wohlstands selbst inhaftiert? Die beiden reichsten Männer der Welt machen es vor: Warren Buffett schenkte Bill Gates’ Stiftung den größten Teil seines Vermögens: die Kleinigkeit von 30 Milliarden Dollar.
Doch die beste Geldanlage der Welt ist wohl, mit so vielen Euros wie möglich besseres Geld zu machen, solange man für Euros etwas einkaufen kann. Eine solche Strategie nutzt den Kapitalismus nach Art asiatischer Kampfkunst, um ihn zu überwinden. Das System wird sich selbst verzehren, sobald genug Leute den Gold-Geld-Schuld-Schein, die absurde Simulationsshow zur Erzeugung von Mangel für die Massen und maßlosem Überfluss für die Elite, durchschauen – und die mit einer demokratisch kontrollierten Geldschöpfung verbundene gewaltige Befreiungschance erkennen und verwirklichen.
Nochmals: Es gibt keine Geldknappheit. Geld entsteht jeden Tag in unglaublichen Mengen und ist in gigantischen Massen unterwegs. Allein in Deutschland werden jedes Jahr 150 Milliarden Euro vererbt, und es gibt mindestens 18000 Stiftungen6 und jede Menge Fördertöpfe auf der Suche nach zukunftsweisenden Projekten. Warum finden Geld und Sinn noch immer so schleppend zueinander? ´
Quellen: (1) www.bundesbank.de/bildung/bildung_sekundarstufe2.php (2) www.cortalconsors.de (Suche unter „Effektenkredit“), (3) www.geldreform.de, www.regiogeldkongress.de, www.berndsenf.de, www.sozialwissenschaftliche-gesellschaft.de (4) Binswanger, Hans-Christoph: Geld und Magie. Deutung und Kritik der modernen Wirtschaft anhand von Goethes Faust, Stuttgart: Weitbrecht-Verlag, 1985. (5) www.ithacahours.org (6) www.stiftungsindex.de, www.bewegungsstifung.de, www.anstiftung.de
Eberhard Hierse ist ein arbeitsfreier Geldmacher. Er lebt in dem Gemeinschaftsprojekt LebensGut Cobstädt (www.lebensgut-cobstaedt.de) und macht sich Gedanken, wozu Freiheit und Euros ohne Ende wohl nütze sein könnten. Kontakt: e.hierse@gmx.de
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