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Andere Welten gibt es schon!
erschienen in Ausgabe 148  PDF-Version (121.95 KB)
Claudia Flatten und David Moya berichten vor ihrer Forschungsreise zu Gemeinschaften in Europa. Teil 4.

In den letzten Ausgaben haben unsere beiden Forschungsreisenden ausführlich über Initiativen und Netzwerke in Frankreich berichtet. Nun stellen sie das Gemeinschafts-Netzwerk RIE, die alternative Messe „Biocultura“ und die Friedensschule „Karavan“ in Spanien vor.


Das RIE (Red Ibérico de Ecoaldeas, Netzwerk iberischer Ökodörfer) existiert seit 1998. Es umfasst mehr als 20 Gemeinschaften und steht in direktem Kontakt mit GEN, dem globalen Netzwerk der Ökodörfer und Gemeinschaften. Ausschließlich Bewohnerinnen und Bewohner von Gemeinschaften erhalten eine Mitgliedschaft im RIE, das einmal im Jahr zu einem viertägigen Treffen in einer der teilhabenden Gemeinschaften einlädt. Wir waren im September 2005 beim 8. Treffen in Cáceres dabei. Die einladende Gemeinschaft war „Ecotopia“ in der Sierra de Gata. Leider fand wenig direkter Austausch mit dieser Sufi-Gemeinschaft statt, das Innenleben der kleinen Dorfgemeinschaft blieb uns verschlossen, was bei der Besucherzahl von ca. 400 Personen allerdings verständlich ist. Unzählige Konferenzen, Workshops, Filme oder Kurse von unterschiedlicher Dauer wurden angeboten. Diese bezogen sich stets auf eines der sieben in diesem Jahr behandelten Themen, die durch die unterschiedlichen Regenbogenfarben markiert waren. Orange stand für Gesundheit und Erziehung, Blau für Wissenschaft und alternative Technologien, Grün für Ökologie, Permakultur und Wasser, Gelb für Kommunikation, Rot für die Vorstellung der einzelnen Gemeinschaften sowie für Nachhaltigkeit und alternative Bauweisen, Lila für persönliche Entwicklung und Spirituelles und Dunkelblau für Kunst und Kreativität. Sowohl die Veranstaltungs-orte wie auch die einzelnen Programmpunkte waren mit diesen Farben gekennzeichnet. So wurde beispielsweise darüber berichtet, was denn letztlich ein Ökodorf ausmacht und welche Schritte man gehen muss, um ein solches Vorhaben beginnen zu können. Man konnte lernen, wie man ein bogenförmiges Tor aus Strohballen und Kalk baut oder wie man ein Dach begrünt. Solar-öfen wurden konstruiert und andere Techniken vermittelt. Es gab theoretische und praktische Einführungen in Permakultur, zur besonderen Energie des Wassers, zu Konfliktlösungsansätzen oder Meditationsformen. Auch konnte man interessante Dokumentarfilme sehen, an Exkursionen in die Umgebung teilnehmen oder die abendlichen Konzerte im Café genießen. Ein herrlicher kleiner Stausee am Fluss Gon gab die Möglichkeit, sich in der trockenen und heißen Mittagszeit ein wenig zu erfrischen und persönliche Gespräche mit anderen Teilnehmern oder Referenten zu führen.
Für Menschen, die sich für alternative Lebensweisen in Spanien interessieren und das Leben in Gemeinschaft kennenlernen wollen, ist dieses Treffen eine wundervolle Möglichkeit, Information zu sammeln.

Die Alternativmesse Biocultura
Die Mitglieder des RIE treffen sich mehrmals im Jahr, so zum Beispiel auf der „Biocultura“. Diese Alternativ-Messe dauert vier Tage und findet zweimal im Jahr statt, im Frühling in Barcelona, wo auch wir uns dieses Jahr eingefunden haben, und im Herbst in Madrid. Sie wird vom Verein „Vida Sana“ organisiert und stellt die wichtigste Zusammenkunft der spanischen Alternativbewegung dar. Sie präsentiert rund 650 Anbieter und Darsteller, darunter unterschiedliche Firmen, die ihre Produkte und Dienstleistungen aus dem ökologischen Sektor vorstellen (regionale biologische Nahrungsmittel, natürliche Pflegeprodukte, ökologische Kleidung und Schuhe, biologische Baumaterialien, erneuerbare Energien, Bücher, sanfte Therapieformen, Kunsthandwerk etc.). Autoren stellen ihre neuen Bücher, Vereine ihre Arbeit im sozialen oder ökologischen Sektor vor. Neue Studiengänge und Ausbildungen im Bereich Umwelt oder alternative Therapieformen werden präsentiert. Gemeinschaften zeigen ihre Angebote: Dienstleistungen aller Art, Lebensmittel aus der eigenen Produktion oder beispielsweise neu entwickelte Techniken zur Gewinnung ressourcenschonender Energien. Das Programm wird außerdem von Filmen und Konferenzen zu unterschiedlichen Themenbereichen wie solidarische Ökonomie, Bioklimatik oder Biodynamik begleitet. In den letzten Jahren wurde die Zahl von 130000 Besuchern überschritten.

Die Friedensschule Karavan

Diesen Sommer fanden sich in Nordspanien etwa 25 Menschen aus Spanien, Deutschland, Österreich, Brasilien, Argentinien, der Schweiz und Frankreich zusammen, um gemeinsam eine Umwelt- und Friedensschule entlang des Jakobswegs auf die Beine zu stellen. Die Karawane zog mit drei Tipis, einem Zirkuszelt, einer großen Zirkuskuppel, drei Planwägen mit vier Pferden, einem zur Küche umfunktionierten LKW und einer kleinen fahrenden Bar los. Sie startete Ende Juni in -Estella und sollte nach drei Monaten am westlichsten Zipfel der Atlantikküste in Finisterre ankommen. Einem strikten Zeitplan folgend, kampierte die Karawane insgesamt siebenmal auf ihrem Weg für jeweils sieben Tage, um Kurse, Workshops, Konferenzen und Filme anzubieten. Die Karawane war als Kooperation von insgesamt zwölf autonomen Projekten geplant, die parallel zueinander ihre unterschiedlichen Angebote durchführen wollten. Auf Grund der geringen Anmeldungen wurde die Projektzahl bald auf neun reduziert: Zirkusschule, Umweltschule, vegane Küche, alkoholfreie Bar, das dokumentierende Filmteam, Organisation des Abendprogramms (Kino, Konzerte, Partys), Kursangebote zum Thema „Gleichgewicht zwischen Körper und Geist“ (Yoga, Taiji, Meditation, Puppenbau etc.) sowie Erhalt und Transport der gesamten Infrastruktur.
Das Pilotprojekt „Karavan“ wurde von den verschiedenen Gemeinden herzlich aufgenommen. Allerdings wurde auch schnell klar, dass dieses Vorhaben für eine Premiere zu groß geplant war. Vor allem fiel es zunehmend schwerer, die beiden Ziele einer „reisenden Schule“, die nach außen wirken will, und eines „reisenden Ökodorfs“, das als Gemeinschaft viel Aufmerksamkeit nach innen lenken muss, zu vereinbaren. Auch die Tatsache, dass die unterschiedlichen Mitglieder sich vorher nicht untereinander kannten, erschwerte die Zusammenarbeit. Wir haben unsere Teilnahme dennoch nicht einen Moment lang bereut, denn wir haben für uns und unser Verständnis über Gemeinschaftsleben und die damit verbundenen Freuden, Problematiken und Konfliktsituationen sehr viel gelernt und hautnah erleben können, was uns bisher auf unseren Reisen in den besuchten Gemeinschaften oft erzählt worden war. Viele von denen, die seit dem Start in Estella dabei waren, sind sich sicher, dass die Karawane nächstes Jahr wieder losziehen wird und sie – um die Erfahrungen des ersten Versuchs bereichert – wieder dabei sein werden. Vielleicht wird es sogar zwei Projekte geben: die wandernde Schule und eine parallel reisende Gemeinschaft, allerdings dieses Mal mit dem Ziel, dass die Gemeinschaft für längere Zeit auf Reise geht. ´

Claudia Flatten (32) studierte nach einer Bildhauerlehre Systemdesign. Seit ihrem Abschluss arbeitet sie im Bereich der nachhaltigen ländlichen Regionalentwicklung.
David Moya (30) hat sich nach dem Studium der Anthropologie dem Studium des menschlichen Verhaltens gewidmet. Kontakt: OISA.info@gmail.com.>


  Autoren

Claudia Flatten, David Moya

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