Projekte der Hoffnung – Der Alternative Nobelpreis: Ausblick auf eine andere Globalisierung.
Mehrmals schon haben wir in der KursKontakte auf Veranstaltungen, Projekte und Veröffentlichungen im Zusammenhang mit dem Alternativen Nobelpreis hingewiesen, der in seiner Zielsetzung dem Anliegen dieser Zeitschrift („Wie wollen wir heute und morgen leben?“) so ähnlich ist. In einem Portrait des Preis-Begründers Jacob von Uexküll (Ausgabe 136; siehe www.kurskontakte.de) vertrat ich die Ansicht, dass die globale kultur-kreative Bewegung mit dieser Auszeichnung quasi ihre hellsten Köpfe und mutigsten Pioniere ins Rampenlicht stellt. Der offiziell „Right-Livelihood-Award“ genannte Preis für die „richtige Lebensführung“ macht Lösungen für die alten und neuen Probleme der Welt publik. Einmal abgesehen von der Matriarchatsforschung kenne ich keine Organisation oder Initiative die der am Abgrund stehenden Menschheit mehr konkrete Hoffnung und Inspiration geben könnte als die illustre Gemeinschaft der bisherigen alternativen NobelpreisträgerInnen!
Im März 2005 waren im Münchener Goethe-Institut mehr als ein Dutzend dieser mutigen Visionäre zu einer Konferenz zusammengekommen. Der Autor Geseko von Lüpke (siehe seinen Beitrag für die Ausgabe 136), der sich bereits mit seinem wunderbaren Buch „Die Alternative – Wege und Weltbild des Alternativen Nobelpreises“ (Riemann 2003) um das Thema verdient machte, hat nun gemeinsam mit Peter Erlenwein die besten Redebeiträge dieser Konferenz für ein Buch zusammengestellt. Zur Sprache kommen darin der Quantenphysiker Hans Peter-Dürr, der Konfliktforscher Johan Galtung, der „Barfuß-Ökonom“ Manfred Max Neef, die Fürsprecherin (nicht nur) der indischen Kleinbauern. Vandana Shiva, der Risikotechnologie-Kritiker Pat Mooney, die Begründerin der kenianischen Baumpflanz-Bewegung Wangari Maathai (siehe Ausgabe 134), der ägyptische Unternehmer Ibrahim Abouleish (siehe Ausgabe 131), die Globalisierungskritikerin Helena Norberg Hodge, der Greifswalder Ökologe Michael Succow, der finnische Dorfaktivist Tapio Mattlar (siehe Ausgabe 140), der buddhistische Sozial- und Umweltaktivist Sulak Sivaraksa sowie der Theoretiker der globalen Zivilbewegung Nicanor Perlas. In ihren Beiträgen beschreiben die Autoren ihren eigenen Werdegang zum Aktivisten, vor allem aber die Geschichte und Anliegen ihrer jeweiligen Projekte. Einige der Preisträger porträtiert Geseko von Lüpke auch in der Form eines Interviews. Vorangestellt ist dem Buch zudem die brilliante Eröffnungsrede Jacob von Uexkülls, dem es hier sehr eindrücklich gelingt, den Wahnsinn des derzeitigen Welt-Systems (und des dahinterstehenden Paradigmas) auf den Punkt zu bringen.
Die Gesamtheit der vom Alternativen Nobelpreis ausgezeichneten Initiativen und Projekte zeigt tatsächlich auf, dass bereits erprobte Lösungen für die allermeisten globalen Probleme existieren. Wir müssen diese Wege nur endlich ansehen und die Kunde von dieser wahrhaft ganzheitlichen und umfassenden Alternative auf breiter Ebene in die Welt tragen! Dann zeigt sich schnell, dass der Alternative Nobelpreis viel mehr ist als nur irgendeine alljährliche Preisverleihung, der man für gewöhnlich nur einige Sekunden Aufmerksamkeit bei der Zeitungslektüre widmet. Dieser Preis ist ein leuchtender Hoffnungsstern. und das Buch „Projekte der Hoffnung“ ist ebenso sehr wie die anderen Bücher Von Lüpkes geeignet, uns selbst und andere für eine alternative Globalisierung von unten zu inspirieren.
Geseko von Lüpke, Peter Erlenwein: „Projekte der Hoffnung – Der Alternative Nobelpreis: Ausblicke auf eine andere Globalisierung“, 221 Seiten, oekom-Verlag München 2006, ISBN 3-86581-006-3, 19,80 Euro
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