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Als wäre die Welt dein Kind
erschienen in Ausgabe 149  PDF-Version (156.69 KB)
Thomas Hübl spricht über die Wartung des gemeinschaftlichen Felds.

Wie kann der Aufbau neuer Gemeinschaftsfelder zu einer höheren und umfassenderen globalen Bewusst-heit führen? Über diese Frage sprach Thomas Hübl, im Rahmen einer Woche der Begegnung von 90 Menschen aus unterschiedlichen Gemeinschaften im Lebenspark Tollense (siehe auch den anschließenden Beitrag von Dieter Halbach). Thomas Hübl wird als „junger Stern am Guruhimmel“ gehandelt. Der folgende Text ist eine Mitschrift seiner Rede.


Jede Blume oder jeder Baum braucht zum Wachsen Wasser, Sonne, Erde, Nährstoffe. Was braucht unser gemeinschaftliches Feld, um zu wachsen, wenn wir von der Vision sprechen, Gemeinschaften aufzubauen, die so leuchten, dass es uns bewusst aus den persönlichen Verstrickungen anhebt, dass wir zumindest diese persönlichen Kämpfe sehen können. Wie können wir so etwas schaffen?
Was unterstützt uns, diese Felder zu schaffen, die so hochenergetisch schwingen, dass sie von sich aus heilsam sind? Nur dahin zu kommen, wäre schon heilsam.
Meinem Gefühl nach gibt es dazu drei Gesichtspunkte. Der eine ist: Gott oder die Essenz oder was auch immer du damit verbindest, braucht seinen oder ihren Platz in deinem Leben und als äußeres Zeichen einen Platz in einer Gemeinschaft. Ohne dass wir dem transpersonalen Anteil, in dem wir alle leben, gemeinschaftlich Raum geben, wird es uns nie gelingen, solche Plätze zu schaffen. Genauso, wie du dafür eine persönliche Form findest, wie auch immer du es tust, so kannst du dieses Heiligtum auch in deiner Gemeinschaft ehren. Ob das fünf Minuten am Tag sind oder eine Stunde ist oder ob du dein ganzes Leben dem widmest, das wird einen Unterschied machen. Und: Es braucht seinen Platz!

Spirituelle Praxis braucht ihren Platz

Ganz egal, was deine Praxis ist, je mehr Raum du ihr gibst, desto mehr wird sie sich entfalten. Und genauso braucht es auch in den Gemeinschaften, in denen wir zusammenleben, einen Raum dafür. Meiner Meinung nach funktioniert es nicht anders. Solange wir nicht das ehren, was uns die ganze Zeit hervorbringt, solange wir nicht das ehren, was uns anhebt über unsere Person hinaus, werden wir immer wieder zurücksinken in dieses Gefängnis von Persönlichkeit.
Der zweite Punkt: Feldwartung heißt, jedes Feld lebt von dem Bewusstsein, das wir alle da hineingeben. Eine Gemeinschaft kann nur leben, wenn jeder was hineingibt, nicht, wenn jeder was herausnimmt. Hineinzugeben heißt, dass wir unsere Wahrhaftigkeit dort reingeben. Wir können zwar Gemeinschaften schaffen, wo das nicht stattfindet. Aber mein Gefühl ist: Das werden nie Gemeinschaften sein wie die der Vision, die wir zu zeichnen begonnen haben. So eine Vision kann nur nachhaltig getragen werden von unserer Nacktheit voreinander. Erst wenn wir nackt vor dem Leben und vor Gott stehen – und das heißt einfach nur, dass die Schöpfung durch uns reibungslos passieren kann – erst dann kann jeder in sein oder ihr Potenzial einsteigen, das sich durch uns manifestiert. Für manche ist das von Grund auf leichter; vielleicht bringen diese nicht soviel Altlasten mit. Für andere ist ein Teil ihres Lebens eben auch, Altlasten zu transformieren. Wir leben alle in einem Gemisch dieser Voraussetzungen. Wenn wir es nicht schaffen, absolut wahrhaftig miteinander zu sein, wird das Feld mit der Zeit Risse bekommen. Ein Punkt, an dem sich eine Gemeinschaft formen kann, ist, dass sich ein klares Feld formt, das auch geehrt wird. Ein Feld, das „Ja“ und „Nein“ sagen kann. Wenn ein Feld nicht „Nein“ sagen kann, wird es krank werden.
Wovon ich spreche ist, Plätze zu schaffen, wo Menschen ganz in ihr erleuchtetes Potenzial gehoben werden. Dass wir uns zur Verfügung stellen für etwas, das größer ist als unsere Person. So dass -unsere Gemeinschaft nicht eine persönliche Gemeinschaft ist aus persönlichen Interessen, sondern dass unsere Gemeinschaft zumindest aus dem Impuls unserer -Seele motiviert ist. Aus etwas, das größer ist als die -Person, durch die wir hindurchschauen. Die Vorlieben, die Kleinheiten und die Größen einer Person sind für so eine Gemeinschaft nebensächlich. Da wirkt etwas Größeres durch uns alle. Können wir uns an diesem Größeren ausrichten? Was es uns massiv erleichtert, ist, wenn diese Vehikel hier durchscheinender werden. Wenn wir transparenter werden. Wir alle bringen das mit, wodurch wir konditioniert sind. Rudolf Steiner hat einmal gesagt, wir alle beginnen bei dem Niveau, auf dem wir geboren werden, wir alle schauen durch diese Matrix, und jetzt liegt es an dir, was du daraus machst. Möchtest du dein Leben lang darin gefangen bleiben, oder möchtest du diese Grenzen transzendieren und in etwas ganz Großes gehen? Und das ganz Große kann sein, dass du in einer Höhle oder in einer einsamen Hütte irgendwo im Wald sitzt. Das hat nichts mit materieller Größe zu tun. Das kann es auch sein, aber es braucht es nicht zu sein.
Wenn wir so wahrhaftig werden miteinander, so dass wir alle diese zwischenmenschlichen Reibungspunkte integrieren, dann sind wir bereit, das andere viel leichter durchzulassen.
In jeder Gemeinschaft ist es notwendig, dies zu ehren, sonst wird das Leben immer wieder in das gleiche Fahrwasser kommen. Es wird dann kein leuchtender Platz geschaffen, weil wir dann nicht mehr ganz wachsam sind. Wenn wir zu sehr eingebunden sind in den persönlichen Kampf – wie gewaltfrei oder gewaltsam der auch immer stattfindet – dann wird das im Außen eine Wirkung zeigen. Wir werden dann nicht mehr wachsam sein für die ständigen Veränderungen. Unser Blickwinkel ist etwas Flüssiges, und worauf wir schauen, ist auch etwas Flüssiges. Du bist nichts Fixes, und das, worauf du schaust, ist auch nicht fix. Deine kosmische Adresse verändert sich jeden Augenblick. Unser waches Leben zu leben, bedeutet, dass wir mit den Wellen der Zeit permanent mitgehen können. Wir sehen das oft an Menschen, die wirklich Dinge hervorbringen. Die lassen auch Dinge wieder los. Wenn Dinge alt sind, sind sie die ersten, die gehen. Dann gibt es vielleicht viele Menschen, die das kritisieren. „Jetzt hast du es aufgebaut, und warum bleibst du nicht? Du bist mit nichts verbunden …“ Manchmal sind sie jedoch in keiner Weise unverbunden, sie spüren nur, dass es vorbei ist. Sie spüren es, bevor es alle anderen wissen. Es sind die ersten, die das Schiff verlassen und auf ein neues Schiff aufsteigen. Irgendwann sagen wir zu diesen Menschen „Visionäre“.
Bist du so wach, dass du jeden Moment mit der Welle mitgehst? Das ist die Praxis, von der ich spreche. Die Praxis ist, jeden Moment so wachsam zu sein, dass jeder Schritt, den du machst, in dieser Welle ist. Ich habe mal ein schönes Bild gesehen. Da war ein Dach, und da stand ein Seiltänzer, der hatte sein eigenes Seil in der Hand. Er ging auf dem eigenen Seil, Schritt für Schritt für Schritt … in die Leere. Unser Leben ist genau so! Je wacher wir sind, desto weniger gibt es etwas Fixes. Du gibst dir jeden Moment den nächsten Schritt, wenn du wachsam bist, z.B. in jedem Gespräch, das du führst. Solange das Gespräch passieren möchte, kann es passieren. Wenn es vorbei ist, ist es gut, es vorbei sein zu lassen. So kann es mit allen Dingen in deinem Leben sein. Du brauchst dir nicht einmal eine Stunde Meditationszeit am Tag zu nehmen, du brauchst nur wachsam zu sein, wann es Zeit ist, zu sitzen. Und vielleicht wirst du dann den ganzen Tag nicht sitzen, weil du es gar nicht brauchst.
Plätze, die nachhaltig in einem hohen -Bewusstsein leben, wo Dinge möglich sind, die wir jetzt auf der Erde für unmöglich halten, dazu sagen wir heute, das wären Wunder. Mein Gefühl ist hingegen, dass es kein Wunder ist, sondern etwas Natürliches, einen Platz zu schaffen, an dem Menschen heilen können, nur indem sie dort hinkommen. Es ist natürlich, dass wir alle alles von allen sehen, und alle wissen, wenn es einer Person in der Gemeinschaft schlecht geht, selbst wenn dort 500 Leute leben. Das mag für uns vielleicht wundersam klingen, aber wenn wir einmal da sind, wenn wir -diese Wirklichkeit schauen, ist es kein Wunder, sondern unser natürlicher Zustand.

Eine andere Kommunikation ist möglich

Wir können ganz andere Formen der Verständigung in unseren Gemeinschaften verwirklichen, in denen wir viel telepathischer verbunden sind. So wüsste jeder, was sein Platz ist. Wir müssten nicht alles gleich machen, sondern eine Führungspersönlichkeit kann eine Führungspersönlichkeit sein und ein Organisator ein Organisator, jemand der gerne den Garten pflegt, den Garten pflegen, und alle gemeinsam schwingen. Wir können über die Stufe von Neid und Eifersucht und Klein-Sein, Sich-nicht-Leben, hinausgehen. Und: Gott braucht seinen oder ihren Platz! Was auch immer das heißt, in jedem Leben, in jedem Augenblick. Sonst bleiben wir verhaftet in einem ewigen Spiel von Illusionen, die leben und sterben, die ganze Zeit.
Ein weiterer Punkt zur Feldwartung, ein weiterer Teil dieser Praxis ist, dass jeder am Morgen sich fühlbar verbindet, mit dem, was auch immer seine Gemeinschaft ist – und wenn es die ganze Menschheit ist! Wer sich fühlbar mit dem Ganzen verbindet, erhält ein Gefühl oder eine Einsicht, wo dieses Energiefeld heute steht. Wenn sich alle am Platz jeden Tag miteinander verbinden, dann schafft das einen bewussten Fokus. Jede Erfahrung, die darin stattfindet, wird bewusst umarmt, jeden Tag. Und das wird immer stärker.
Wenn ich noch einmal in die Gemeinschaft schaue, in der ich lebe: Gibt es etwas, das durch mich gesagt werden möchte? Gibt es mehr Wahrhaftigkeit von meiner Seite, mehr Berührbarkeit? Gibt es etwas, das die Essenz mir zeigen möchte? Gibt es Menschen, vor denen ich mich kontrahiere und die ich deswegen nicht mehr sehen kann? Oder steht schon länger ein Schritt für mich an, den ich nicht mache? Was ist der Grund meiner Spannung? Fang ich an, mich zu beklagen, oder bin ich bereit, mich auf einer tieferen Ebene zu fragen, welchen Beitrag ich leisten kann? Hab ich Lust, mich ganz nackt zu zeigen, vor den Menschen mit denen ich lebe?
Lass dich die ganze Gruppe, die mit dir zusammen ist, einfach energetisch umarmen. Du bekommst ein Gefühl von den Menschen, als würde das Ganze hier in dir stattfinden. Als wäre die Welt dein Kind. ´


  Autoren

Hübl, Thomas

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