Zufriedene, nicht-traumatisierte Babys und Eltern – Träger einer neuen Gesellschaft. Onlinefassung der Teile 1, 2 und 3
Erst allmählich werden die essenziellen natürlichen Bedürfnisse von Neugeborenen wieder anerkannt und befriedigt. Willi Maurer zeigt in seiner Artikelserie, was für großes therapeutisches – und nicht zuletzt gesellschaftsveränderndes – Potenzial damit erschlossen wird.
Der etwa zweijährige Junge strahlt den alten Mann mit patriarchalem Vollbart im gegenüberliegenden Zugabteil an und sagt ihm ungefragt, dass er nächstes Jahr in den -Kindergarten dürfe. Da müsse er dann aber brav sein, erwidert der Alte, offenbar missbilligend, dass der Junge kurz zuvor seine Mutter um ein Stück Brot und einen Schluck Tee gebeten hatte und seinem Wunsch ohne erzieherische Einwände entsprochen wurde. Der Junge gibt, keinerlei Zweifel aufkommen lassend zurück, er sei brav. Ich muss unwillkürlich schmunzeln, als ich das griesgrämige Gesicht des Alten sehe, der es ungehörig zu finden scheint, dass Kinder -bestimmen dürfen, was sie brauchen, ungefragt Erwachsene ansprechen und dann noch mit derartigem Selbst-bewusstsein zu widersprechen wagen.
Der Zug hält an, die Mutter nimmt ein Tuch aus der Tasche, in das sie ihren Sohn mit geübten Handgriffen bettet, bevor sie es sich um die Schultern bindet, und ehe der Alte sich versieht, sind beide freundlich grüßend verschwunden.
Kontakt zum Innersten
Bestimmt ist auch Ihnen schon aufgefallen, wie groß die Zahl von Frauen und Männern ist, die ihr Baby auf verschiedenste Art am Körper tragen und gemeinsam am kulturellen Leben teilnehmen, ganz entgegen dem weitverbreiteten Vorurteil, dass vor allem Mütter unter der sozialen Isolation zu leiden hätten.
Haben auch Sie schon bemerkt, dass getragene Babys seltener weinen und selbstbewusst am sozialen Geschehen teilnehmen? So selbstbewusst, wie es vielen Erwachsenen nicht in den Schoß gelegt ist – und dies hat seine Geschichte.
Anlässlich eines Kongresses zum Themenbereich „Embryologie – Therapie – Gesellschaft“, der im Jahr 2002 in den Niederlanden stattfand, bot sich mir die Gelegenheit zu einem Erfahrungsaustausch mit Fachleuten, Forscherinnen und Forschern auf den Gebieten der Geburtshilfe, der natürlichen Geburt, der Psychotherapie, der Neurobiologie, der Genforschung und des Strafvollzugs.
Ihre Aussagen bestätigten viele meiner Beobachtungen und daraus abgeleiteten Folgerungen, die ich im Verlauf von rund 25 Jahren in der Begleitung von suchenden Menschen gemacht habe. In dieser Gefühls- und Körperarbeit finden Menschen, ausgehend von ihren aktuellen Konflikten oder körperlichen Empfindungen und dem Ausdruck der zugehörigen Gefühle folgend, Verbindung zu primären verdrängten Kindheitssituationen. Dies führt oft zum Wiedererleben einer traumatisch verlaufenen Geburt und vorgeburtlicher Erlebnisse.
Dabei wurde ich Zeuge, welche Auswirkungen die Verdrängung von Anlagen im Leben dieser Menschen hat, aber auch welche Veränderungen in ihrem Leben eintraten, nachdem sie diese Situationen -wiedererlebt und integriert hatten. Die Zusammenhänge sind so komplex, dass in diesem Artikel nur kurze -Hinweise möglich sind. Ausführliche Beschreibungen, die auf konkreten Erfahrungen beruhen, sind in meinen Büchern enthalten.
Der Mensch, der über Bewusstseinsarbeit den Kontakt zu seinem Innersten, nämlich den verdrängten Gefühlen und Traumatisierungen des „inneren Babys“ gefunden hat, wird fähig, Neugeborene als kompetente Wesen zu erkennen, die uns genauestens mitteilen, was sie brauchen. Der achtsame und einfühlsame Umgang mit den Neugeborenen trägt wesentlich dazu bei, dass diese ihre Ganzheit bewahren können. Dies geschieht vor allem dann, wenn sie vor unaushaltsam schmerzlichen Erfahrungen (z.B. der räumlichen Trennung von der Mutter), gegen die sich die Seele durch Verdrängung und Abspaltung schützen muss, verschont bleiben.
Die meisten der zukünftigen Eltern sind in ihrer Kindheit nicht davon verschont geblieben und haben deshalb keinerlei Zugang zu ihrem Innersten. Mit der Erfahrung, dass ihre Bedürfnisse ignoriert wurden, sind sie es von früh an gewohnt, sich von anderen sagen zu lassen, was gut oder schlecht für sie ist. So übergehen sie ihre meist stimmige Intuition und vertrauen dem Rat schulwissenschaftlicher oder religiöser -Autoritäten. Diese haben aber in der Vergangenheit wesentlich dazu beigetragen, dass die Geburt sowohl für die Mutter als auch für das Kind traumatisierend verlief.
Die Bedeutung der ersten Begegnung
Zum Beispiel wurde und wird mancherorts noch heute die liegende Gebärstellung empfohlen – dies offenbar im Unwissen, dass diese Stellung das Wirken der Schwerkraft verhindert und deshalb zu genau den Komplikationen führen kann, die ärztliche Hilfe erforderlich machen. So wird dann oft mittels Oxitozin-Injektionen die Geburt zu beschleunigen versucht, was die natürlichen Abläufe völlig durcheinanderbringen und unnötig große Schmerzen verursachen kann. Andererseits wünschen Frauen aus Angst vor Schmerzen eine lokale Betäubung, eine Peridural-Anästhesie, die heute in vielen Kliniken gar standardmäßig zur Anwendung kommt, oder es wird im Unwissen um die Auswirkungen auf das Kind eine Kaiserschnittgeburt vorgeplant – eine Methode, die von technokratisch orientierten Ärzten gar als die Geburt der Zukunft bezeichnet wird. [Tatsächlich wird in Deutschland bereits jedes dritte bis vierte Baby per Kaiserschnitt entbunden; sehr oft liegt dabei keine medizinische Notwendigkeit vor und auch das Komplikationsrisiko ist bei dieser Methode statistisch nicht kleiner. Anm. d. Red.] Ihnen scheint kaum bekannt zu sein, dass sowohl die Peridural-Anästhesie als auch die Kaiserschnittgeburt den alle Sinne umfassenden Kontakt zwischen Mutter und Baby, das sogenannte Imprinting, die für das ganze Leben prägend wirkenden Momente nach der Geburt, zu beeinträchtigen oder verhindern vermag.
So zeigen Forschungen zum Beispiel, dass Schafe, die unter Anwendung der Peridural-Anästhesie oder des Kaiserschnitts gebären, den Kontakt zum Jungen verweigern und somit das Imprinting nicht stattfinden kann. Das Jungtier und seine Mutter erkennen sich gegenseitig nicht und zeigen ein gestörtes Sozialverhalten. Erwachsene Schafe, denen als Lämmchen das Imprinting verunmöglicht war, verweigern ihren frisch geborenen Jungen ebenfalls den alle Sinne umfassenden Kontakt, auch wenn sie ohne Medika-tion -gebären.
Der Mensch, der seit Generationen den Mangel an Imprinting in sich trägt, ist heute offenbar unfähig, das fundamentale Bedürfnis des Neugeborenen – das Getragensein am Körper der Mutter – zu erkennen und entsprechend zu handeln!
Der schweizer Familien- und Psychotherapeut Franz Renggli kommt durch seine Nachforschungen zu dem Schluss, dass das Baby mit dem Aufkommen der Wiege im Mittelalter den letzten Rest an Geborgenheit einbüßte, weil es sich von da an nachts alleine zurechtfinden musste. Heute richten selbst Eltern, die eine natürliche Geburt planen, ein Kinderzimmer ein, weil sie keine Kenntnis davon haben, dass das Baby eine Tragezeit von weiteren neun Monaten braucht und das Schlafen in einem separaten Zimmer nicht seinem Bedürfnis entspricht.
Die Verhinderung des prägenden Körperkontakts entsprach in den vergangenen hundert Jahren sowohl im deutschen als auch im amerikanischen Kulturkreis einer staatlichen Erziehungsdoktrin, die in entsprechenden Büchern formuliert (in einer Auflage von weit über 50 Millionen) einen verheerenden Einfluss ausübte. Im Bemühen, eine gute Mutter zu sein, versuchten Frauen – oft gegen ihre inneren Impulse handelnd – diese unmenschlichen Empfehlungen einzuhalten. Als Folge davon sind Generationen von Menschen hervorgegangen, die ihren Babys und anderen Menschen das antaten und antun, was ihnen selbst angetan wurde. Dies zeigt sich unter anderem auch in kulturellen Gebräuchen und Ritualen, die Abgrenzung, Ausschluss, Einsperrung, Entwürdigung, Qual, Bestrafung, Gewalt und Machtmissbrauch beinhalten. Die Leidtragenden sind vor allem Kinder und Frauen, aber auch Gefangene und Tiere. Die Auswüchse davon finden wir im Holocoust, im Israel-Palästina-Konflikt und in den Folterszenen von Abu Ghuraib.
Geburtstraumata prägten unsere Welt
Abgespaltenheit und ihre Folgeerscheinungen wie Eifersucht, Neid und Gier betrachten wir fälschlicherweise als eine durch die Geburt und den damit verbundenen Verlust des Paradieses bedingte Normalität. Deshalb tun wir uns schwer mit dem Gedanken, dass Abspaltung kulturspezifisch bedingt sein könnte und ihre Wurzeln im unmenschlichen Umgang mit neugeborenen Babys haben könnte, hier insbesondere dem Weglegen der Babys von der Mutter im Anschluss an die Geburt.
Um die fundamentale Wichtigkeit des Imprintings zu verstehen, kann es dienlich sein, unser Augenmerk auf die Entwicklung des menschlichen Gehirns zu richten. Während der gesamten embryonalen und fötalen Entwicklungszeit tragen sowohl angenehme als auch traumatisierende Einwirkungen zur Bildung von Verknüpfungen zwischen verschiedenen Gehirnzweigen (sogenannten Synapsen) bei. So kommt das Baby gemäß dem Neurobiologen Gerald Hüther, Professor an der Universität Göttingen, mit einer schon ausgebildeten Gehirnmatrix zur Welt. Es handelt sich um ein „zerebrales Netz“ mit gespeicherten Erinnerungen, die dem sozialen Verhalten im Umfeld der Mutter dienlich sind und lebenslang Wirkung entfalten werden. Hüther hat festgestellt, dass starke emotionale Erschütterungen, wie sie zum Beispiel in Liebesbeziehungen geschehen können, diese Matrix auflockern können – was ihm zufolge Neuorientierung und Wachstum ermögliche.
(Teil 2:)
Als ich diese Aussage hörte, wurde mir augenblicklich klar, dass die Geburt selbst ein solch aufwühlendes Erlebnis par excellence darstellt, das imstande ist, die angelegte Gehirnmatrix bei allen emotional Beteiligten, also sowohl beim Neugeborenen als auch bei der Mutter und dem Vater, zu öffnen. Dies zu wissen, ist von großer Bedeutung. Es bietet nicht nur einem komplikationslos geborenen, sondern auch einem vor oder während der Geburt traumatisierten Baby in den anschließenden Momenten des Imprintings die einmalige Gelegenheit, seine Matrix neu ordnen und erweitern zu können! Voraussetzung dafür ist jedoch, dass es sich am Körper der Mutter geborgen fühlen kann, weil es nur hier seinen möglicherweise mitgebrachten Schmerz verarbeiten kann. Medikation, Stress, Gewalteinwirkungen, lieblose Behandlung und Trennung von der Mutter hingegen verunmöglichen diesen heilbringenden Prozess und zementieren die mitgebrachte Matrix. Der Schmerz überschreitet dann für das Baby die Schwelle des Erträglichen, und die Seele schützt sich durch Verdrängung und Abspaltung des Erlebten und der zugehörigen Gefühle.
Ähnliches geschieht der Mutter. Auch ihre Matrix öffnet sich durch das Erlebnis der Geburt, und dies ist eine einmalige Gelegenheit zum Wachstum, vorausgesetzt, sie fühlt sich in einer liebevollen Umgebung getragen und respektiert. Dann kann in der Tat ein Wunder geschehen, das zutiefst mit Religion, dem Finden von Rückverbindung (lat.: religio), zu tun hat. Dieses Wunder wird durch den alle Sinne umfassenden Hautkontakt zwischen Mutter und Neugeborenem ermöglicht. Laut Michel Odent, einem Pionier der natürlichen Geburt, löst dieser Kontakt bei der Mutter eine Ausschüttung der Botenstoffe Oxitozin (das Hormon der Liebe) und Prolactin (regt die Milchproduktion an) sowie wichtigen Endorphinen aus.
Genau diesen Liebesimpuls habe auch ich als Mann erlebt, als ich Menschen im Anschluss an das Wiedererleben ihrer traumatisierend verlaufenen Geburt an mein Herz nahm. Es war innerhalb eines Forschungsprojekts für therapeutisch Tätige, als es mir zum ersten Mal geschah, dass ein solch erwachsenes „Baby“ an den Hautfalten meines Oberkörpers zu saugen begann. Dabei kam in mir augenblicklich, neben der mütterlich-sorgsamen Freude, ein immenser Schmerz hoch. Es handelte sich um den Schmerz darüber, dass ich diese liebevolle Zuwendung, die ich dem „Baby“ gerade schenkte, selbst nicht bekommen hatte, sondern – eingeschlossen in einem Zimmer – mich mit dem Gefühl der Verlassenheit abfinden musste. Ausgelöst durch die Ankunft und Berührung dieses „Babys“ meinem Weinen freien Lauf lassend, fand ich mich in das Erleben der eigenen Geburt und ersten Lebensmomente hineinkatapultiert. Dadurch fand ich in kürzester Zeit Kontakt zu bisher tief in meinem Innersten verdrängten Persönlichkeitsanteilen, konnte sie integrieren und erkannte dabei, welch großen Einfluss sie auf mein Beziehungsverhalten im Erwachsenenleben auszuüben vermochten.
Wohl oder Wehe
Wenn Eltern bei der Ankunft ihres Kindes diese Trauer- und Integrationsarbeit nicht möglich ist, kann dies bei der Frau eine postpartale Depression zur Folge haben und beim Mann Eifersucht auf die Nähe zwischen seiner Partnerin und dem Baby. Das ist der unbewusste Grund dafür, dass der Mann dazu tendiert, Empfehlungen abzugeben wie die, das Baby möglichst schnell abzustillen, es nicht zu verwöhnen oder es bald ans Kinderzimmer zu gewöhnen. Dieses auf einem inneren Mangel beruhende Denken ist oftmals auch beim Klinikpersonal anzutreffen.
Im Erfahrungsaustausch mit Müttern und Vätern erfuhr ich später, dass diejenigen, die ihr Kind frei von Stress und Medikalisierung empfangen durften und es ihrer Intuition trauend am Körper trugen, Ähnliches erlebten wie ich. Die dabei in Gang gesetzte Integration ihres „inneren Babys“ ermöglichte es ihnen, sich in die Bedürfnisse ihrer Kinder einzufühlen und ihren Wahrnehmungen gemäß sinnesgerecht zu handeln.
Beeinflusst durch Fehlinformationen der Pharmaindustrie wurde lange Zeit auch dem Kolostrum, der mit Schutzstoffen angereicherten Vormilch, kein Wert beigemessen.Ebenso wird die Tatsache verschwiegen, dass die Placenta das Neugeborene auch nach der Geburt mit Nahrung und Schutzstoffen versorgt, die ihm vor den in der Umgebing der Mutter vorkommenden Bakterien Schutz bieten – nicht jedoch gegen andere, von fremden Menschen, oder gar denen, die in Krankenhäusern zirkulieren. Im Wissen, dass das Kind frei von Bakterien zur Welt kommt und innerhalb weniger Momente von Milliarden von Bakterien besiedelt wird, bekommt dies eine besondere Bedeutung. Im weiteren hat die übliche Abtrennung der Nabelschnur auch einen Schock und eine Traumatisierung zur Folge. Im Wissen um solche Zusammenhänge kommt der kaum bekannten sogenannten Lotus-Geburt, bei der das Baby mit der Placenta verbunden bleibt, bis sich die Nabelschnur nach einigen Tagen von selber löst, eine besondere Bedeutung zu. Nun können wir ermessen, wie sehr die Kleinkinder, die all der natürlichen Schutzstoffe und des, den Lebenswillen stärkenden Hautkontaktes zur Mutter beraubt werden, ein derart geschwächtes Immunsystem haben, dass sie anfällig für Krankheit sind. Durch den Zwang zu Impfungen wird das ohnehin schon schwache Immunsystem nochmals vermindert. Die Nebenwirkungen vermögen lebenslang die Gesundheit zu schädigen.
Das Natürliche ist heute die Ausnahme
Das Ausmaß dieser Schädigungen ist inzwischen so groß, dass sich selbst der freieste Mensch in einer Art Geiselhaft wiederfindet, und es verwundert nicht, dass in der Gesundheitspolitik inzwischen die Pharmaindustrie das Sagen hat. Ihre Einflussnahme hat zur Einführung von Gesetzesgrundlagen geführt, die eine wahre Hexenjagd auf all diejenigen ermöglichen, die es wagen, im Gesundheitsbereich Alternativen zu entwickeln. Ein Beispiel dafür ist Marina Marcovich, früher Oberärztin am Kinderspital in Wien, die Frühgeborene wann immer möglich auf den Körper der Mutter (oder auch des Vaters) legte, wodurch sich die Überlebensrate um ein Drittel erhöhte. Im Weiteren machte sie die Erfahrung, dass bei über 90% der zu früh geborenen Babys auf Intubation und künstliche Beatmung verzichtet werden konnte, was zu einer Verminderung der Langzeitschädigungen von 30 % auf 4% führte. Ärzten, die Frühgeborene intubieren und in den Brutkasten legen, kann laut Gesetz niemals der Vorwurf gemacht werden, nicht alles zur Überlebenssicherung getan zu haben, während nach dem Tod zweier Frühgeborener Dr. Marcovich der Prozess gemacht und ihr Berufsverbot erteilt wurde. Diese Beispiele zeigen, wie sehr nun die politische Kraft der bewusst gewordenen Menschen notwendig ist.
Die Zeit scheint nun reif dafür zu sein, dass sich die Kulturkreativen, die im europäischen Raum inzwischen auf etwa 80 Millionen geschätzt werden, für eine in Liebe und spirituellen Werten gegründete Politik einzusetzen beginnen. Dies bedeutet, neue Leitbilder zu schaffen. Eine Fokussierung unserer Veränderungskräfte auf die Geburt und das Imprinting hätte eine große Bedeutung bei der Einleitung der angestrebten gesellschaftlichen Veränderungen. Damit schaffen wir die Voraussetzungen, dass die notwendigen Paradigmenwechsel nicht aufgrund intellektueller Bemühungen, sondern als Frucht der erhalten gebliebenen Ganzheit und der daraus erwachsenden schöpferischen Intuition entstehen.
Anlässlich der Sommertagung des Holon-Netzwerks im schweizerischen Gwatt kam es zu einem äußerst kreativen Erfahrungsaustausch. Dabei warf Hans Neumayer, Vertreter der Partei der „Violetten“, die Frage auf, was es denn sei, das der Verwirklichung visionärer Lebensformen im Wege stehe. Ich bin der Überzeugung, dass es die in früher Kindheit abgespaltenen Erlebnisse und die dazu gehörigen Gefühle sind. Die Integration des inneren Babys sowie natürliche Geburtsbedingungen, die zukünftigen Genera-tionen die Abspaltung ersparen, sind wesentliche Voraussetzungen zur Schaffung einer Welt, in der wir uns wohlfühlen. Wenn wir der Politik, deren Definition „Die Kunst des sozialen Zusammenlebens“ lautet, die ursprünglichen Inhalte zurückgeben wollen, kommen wir nicht umhin, den nachfolgend beschriebenen Teil unserer Geschichte ans Licht zu holen.
Solange wir Menschen der industrialisierten Welt mehrheitlich von unserem Innersten abgespalten sind, finden wir uns in einem Wiederholungszwang gefangen, dem ich in Anlehnung an die griechische Mythologie den Namen „Jokaste-Laios-Syndrom“ gegeben habe. Jokaste und Laios sind die Eltern von Ödipus, die ihr Baby mit durchbohrten Fesseln in der Wüste ausgesetzt hatten, um so die Erfüllung einer Prophezeiung zu verhindern, derzufolge der Sohn einst seinen Vater umbringen und seine Mutter heiraten würde. Ödipus ist identisch mit dem von seinen Wurzeln abgespaltenen Menschen, der sich auf die Suche nach seiner Herkunft macht und dabei, über den Umweg leidvoller Erfahrungen, Bewusstsein über die verdrängte eigene Geschichte erlangt. Man könnte also sagen, dass Ödipus dem Menschen entspricht, der durch eine medikalisierte Geburt und/oder die frühkindliche Trennung von seiner Mutter seine Wurzeln und sein Zugehörigkeitsgefühl verloren hat.
Ödipus als Archetyp des abgespaltenen Menschen
Das Jokaste-Laios-Syndrom hält uns in einem auf vielfältige Weise wirkenden Wiederholungszwang gefangen. Dieser manifestiert sich in Mischformen aus nachfolgend skizzierten Zusammenhängen, deren Wurzeln im verunmöglichten „Imprinting“ liegen – dem alle Sinne umfassenden Hautkontakt zwischen der Mutter und dem neugeborenen Baby.
• Die Suche nach Zugehörigkeit u.a. bei nationalistischen, religiös-fundamentalistischen und ähnlichen Gruppierungen, vor allem aber auch in von Projektionen (Verlieben) bestimmten Beziehungen, stellt einen Versuch dar, das durch verunmöglichtes Imprinting verlorene Zugehörigkeitsgefühl zu kompensieren.
• Das weitverbreitete Gefühl, unwert zu sein, und die damit verbundene Tendenz, Liebe und Aufmerksamkeit durch Verzicht auf eigene Bedürfnisse, durch Pflegeleichtigkeit, Aufopferung, intellektuelle oder berufliche Fähigkeiten, Verführungskunst oder sexuelle Attraktion zu erhalten, steht im Zusammenhang mit übergangenen oder gar bestraften Bedürfnisäußerungen, die in diesem Lebensstadium nur als Weinen artikuliert werden konnten.
• Das Streben nach Macht und ihr Missbrauch sowie auch die Androhung oder Anwendung von Gewalt dienen unbewusst dem Zweck, dem Aufkommen von alten Gefühlen der Machtlosigkeit zuvorzukommen. Als Baby weggelegt und dem Diktat der Eltern ausgeliefert gewesen zu sein, kann Gefühle der Ohnmacht und des Ungerecht-behandelt-worden-Seins hinterlassen. Wer allzu gebrochen ist, schließt sich in seiner Existenzangst einem Führer an, der ihm Sicherheit verheißt. Staatsterror findet auf derartigem Terrain den zugehörigen Nährboden.
• Übersteigertes Konsumverhalten und die Tendenz, Besitz anzuhäufen, versucht den Mangel an liebevollem Kontakt, der durch die Trennung in der Phase des Imprintings verunmöglicht war, zu kompensieren.
• Der Mobilitäts- und Handykult mit seinen zerstörerischen Nebenwirkungen ist vor dem Hintergrund zu sehen, dass das unabgelenkte Sein im Hier und Jetzt beim von sich abgespaltenen Menschen an das unerträglich schmerzliche Abgetrenntsein der frühen Kindheit rührt. Deshalb ist der Mensch ruhelos auf der Suche nach Befriedigung seiner unstillbaren (da für ihn ungreifbaren) Sehnsucht. Die heutigen technischen Mittel „erleichtern“ diese fruchtlosen Bemühungen.
• Fremdenhass und rassistisch motivierte Gewalttaten sind im Neid der in früher Kindheit Zukurzgekommenen gegründet, die auf die Zuwendung, die nachfolgende Geschwister erhielten, mit Eifersucht und Hass reagierten. Es ist ein Gefühl, das aus Angst vor Strafe keinen Ausdruck finden durfte und sich deshalb zu einem innerlichen Hasspotential aufgeschaukelt hat, das sich später auf willkommene Sündenböcke -entlädt.
• Im Adoleszenzalter werden die Einsamkeits- und Unwertgefühle der frühen Kindheit angerührt, und dies könnte die Ursache für die Wortlosigkeit und die insbesondere unter Mädchen verbreitete passive Nahrungsverweigerung in Form von Anorexie und Bulimie sein. Dies ist möglicherweise eine der Spätfolgen, die in solchen Menschen ihre Wirkung entfalten, die als Baby durch aufgezwungene Nahrung und medikamentöse Behandlung zum Überleben in einer von ihnen als feindlich oder lieblos empfundenen Umgebung gebracht wurden. Vor diesem Hintergrund ist auch das allgemein destruktive Verhalten dem Leben gegenüber zu sehen sowie auch die verbreiteten Anfälligkeiten für Krankheit, Depression, Suizidgedanken oder auch andere Gefahrensituationen.
Da die Entstehungsgeschichte der genannten Anlagen mit herkömmlichen schulwissenschaftlichen Methoden nicht erfassbar ist, müssen wir neue Parameter berücksichtigen, die beispielsweise in den Erkenntnissen der humanistischen Psychologie gegründet sind und die auf dem subjektiven Erleben oder Beobachtungen basieren. Im dritten Teil meines Beitrags in der kommenden Ausgabe werde ich einige Bruchstücke skizzieren, die im zu erstellenden Mosaik solcher Beobachtungen von großer Wichtigkeit sind.
(Teil 3:)
In patriarchalen Familien und Gesellschaften ist die Ankunft eines männlichen Babys vielfach Anlass zu großer Freude. Dieses muss jedoch den Erwartungen der Eltern entsprechen, um geliebt zu werden. Das um sich greifende Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom könnte eine versteckte Antwort darauf sein, mit der das Kind sagt, dass es darunter leidet, nicht in seinem wahren Wesen erkannt zu sein. Das Wechselbad von Liegengelassenwerden im Kinderzimmer und Überbemuttertwerden (eine verbreitete Handlung von Müttern, die unbewusst das in früher Kindheit angelegte Gefühl der Leere, angerührt durch die Abwesenheit des Mannes, zu kompensieren versuchen) verbunden mit einem Drill, mit dem vor allem der Junge dem Wunschbild der Eltern entsprechend geformt werden soll, hinterlässt in ihm ein Gefühl der Enge. Wenn er später der Frau seiner Träume begegnet, rührt deren Wunsch nach Nähe und Beziehung das alte Gefühl der Enge an.
Mädchen sind in patriarchalen Gesellschaftssystemen weniger erwünscht als Jungen und werden öfter liegengelassen. Dadurch prägt sich ein Gefühl, des Unwert-Seins ein, infolgedessen sie dazu tendieren, sich als Störfaktor und darüber hinaus noch schuldig dafür zu fühlen. Derart innerlich gebrochen, bleibt ihnen nur, ihre Gewaltimpulse im Selbsthass aufzureiben. Im Bemühen, geliebt zu werden, werden sie pflegeleicht, indem sie auf ihre Bedürfnisse verzichten. Ihre Aufopferungsbereitschaft und später die Hervorhebung ihrer sexuellen Reize ist von der Hoffnung getragen, aus der Einsamkeit errettet zu werden und Nähe und Zugehörigkeit zu finden.
Mit dieser Rolle, die früher vorwiegend die Mädchen betraf, finden sich in den letzten Jahren auch immer mehr Jungen belastet, deren Eltern beruflich oder anderweitig abwesend sind und die Kinderbetreuung ausschließlich an Drittpersonen delegieren.
Mann und Frau verlieben sich in Partner, die in den eben erwähnten Aspekten komplementär sind. Die Wurzeln des Sich-Verliebens sind beim verpassten Imprinting zu suchen. Verliebte geben einander genau das, was sie nach der Geburt von ihrer Mutter gebraucht hätten. Doch wenn nun der Wunsch nach Nähe des einen, meistens der Frau, beim Mann Fluchttendenzen vor der sich einstellenden Enge auslöst, macht sich Enttäuschung breit, und es schleicht sich das Gefühl ein, ungeliebt zu sein, was die Liebesbezeugungen versiegen lässt. Die sich versagenden Partner wandeln sich – auf psychologischer Ebene – exakt zur Mutterfigur, die unerreichbar war. Und dann sind beide Partner, ohne sich dessen bewusst zu sein, mit den Gefühlen der frühesten Kindheit konfrontiert. Diese Gefühle melden sich in Form von Enttäuschung, Ohnmacht und Hass auf den andern, der, wie die Kindheitsmutter, die Macht hat, Zuwendung oder Liebe zu versagen, und in der Form von Eifersucht bzw. der Angst, dass der Partner oder die Partnerin sich anderswo Liebe holen könnte.
Ver-gessen, ver-drängt, ver-liebt
Verliebtheit beziehungsweise die Enttäuschung, die ihr folgt, vermag – einem homöopathischen Mittel gleich – die in frühester Kindheit verdrängten -Gefühle mit voller Intensität in Resonanz zu versetzen. Dann ist der Mensch den Gefühlen der frühen Kindheit nahe. Diese emotionale Berührung bietet den Einstieg, um das Jokaste-Laios-Syndrom (siehe Teil 2) auflösen zu können und das Herz für die Liebe zu öffnen. Diese Chance, zum verdrängten Innersten zu finden, bietet sich allerdings nur denjenigen Menschen, die bereit sind, hinzuschauen und sich vom alten, zuvor verdrängten Schmerz berühren zu lassen.
Ist der Mensch nun auf ewig dazu verurteilt, diesen mühsamen Weg zu gehen? Einige meinen gar, dass dieser Erkenntnisweg dem Menschen einen eigentlichen Lebenssinn verleihen könnte. Durch das Zusammenfügen von Fragmenten, bestehend aus eigenen Erfahrungen, Beobachtungen und Aussagen von Menschen, die in der Praxis auf verschiedensten -Gebieten neue Wege beschritten haben, kam ich jedoch zur Erkenntnis, dass Abspaltung nicht naturgegeben ist. Sie steht im Zusammenhang mit der Unsitte, Babys nach der Geburt vom Körper der Mutter fernzuhalten.
Nach der Ermordung tausender Hebammen im Mittelalter übernahmen in Europa männliche Ärzte die Kontrolle über die Geburt. Sie führten die liegende Gebärposition und die Gebärzange ein. Waren sie sich bewusst, dass durch das fehlende Wirken der Schwerkraft die natürlichen energetischen Abläufe derart beeinträchtigt werden können, dass Babys mit der Zange oder der Saugglocke herausgeholt werden müssen? Der bei dieser Gebärlage unnötig erzeugte starke Schmerz galt bis vor Kurzem als normal und sogar gottgewollt, als „Sühne der sündigen Frau“.
In der Neuzeit wird derartigen Schmerzen standardmäßig durch eine peridurale Injektion entgegen-zuwirken versucht. Viele Ärzte tendieren dazu, -solchen Komplikationen zu umgehen, indem sie die Kaiserschnittgeburt empfehlen, was in den industrialisierten Staaten bei rund 35% der Geburten der Fall ist. Leider besteht weder beim medizinisch ausgebildeten Personal noch bei den Eltern ein Bewusstsein darüber, dass all diese Eingriffe den fürs ganze Leben prägenden, alle Sinne umfassenden Mutter-Baby-Kontakt, das Imprinting, behindern oder unmöglich machen.
Der Mensch kreiert in seinem Leben Situationen – oder fühlt sich von solchen angezogen – die in ihm Empfindungen und Gefühle stimulieren, die denen der rund um die eigene Geburt erlebten entsprechen. Dies zeigt sich unter anderem in Wechselwirkungen im sozialen Verhalten, in der Unfähigkeit, die wirklichen Bedürfnisse zu kommunizieren, in krankmachenden Ernährungsgewohnheiten, im Eingehen von Unfallrisiken, in Suchtverhalten, im Extremsport, in der Pädophilie und der Pornographie.
Freilich finden auch prägende Traumatisierungen in den späteren Phasen des Heranwachsens statt. Weil normalerweise nur diese unserem Erinnern zugänglich sind, deuten wir sie fälschlicherweise als Hauptursache vom erwähnten Verhalten. In dieser Verkennung gefangen, setzten wir bisher den Schwerpunkt unserer Bemühungen, das Kind auf gesunde Bahnen zu lenken, auf korrigierende Erziehung anstelle von Geburtsbedingungen, die der Unversehrtheit dienlich sein könnten. Ein entsprechender Paradigmenwechsel kann jedoch nur zustandekommen, wenn erkannt wird, dass alle späteren Traumatisierungen, holographisch angeordnet und durchschimmernd, in den ganz frühen Traumata Resonanz finden und dadurch verstärkt werden.
Kinder werden als Wesen mit sozialer -Kompetenz geboren. Es liegt an uns Erwachsenen, sie als -solche zu erkennen, und dies bedarf paradoxerweise der Wechselwirkung eines erfolgreichen Imprintings. Dieses hat die Wirkung einer Initiation, die den Menschen zum Schöpfer einer lebenswerten Welt macht.
Gesucht: Imprinting-LehrerInnen
Wesentlich ist auch, zukünftige Eltern über ihre Wahlmöglichkeiten zu informieren. Frauen mit der Erfahrung des Imprintings wären die -kompetentesten Personen, um dieses Wissen in Schulen, in der Erwachsenenbildung und in den Massenmedien zu vermitteln. Doch viele Frauen halten sich nicht für kompetent, und dies ist Ausdruck dafür, dass sie in dieser von Männern dominierten Welt von früher Kindheit an gewohnt sind, sich wenig Selbstwert beizumessen. Es gab zu allen Zeiten Hebammen, die das alte Wissen um die natürlichen Geburtsabläufe zu vermitteln wussten. Doch wer anders als die Frauen, die das Imprinting erlebt haben, weiß besser um die notwendigen Geburtsvorbereitungen, die einem würdigen Empfang des Menschenbabys förderlich sind?!
Da leider nicht jede Geburt reibungslos verläuft, sei es aus Unwissen, sei es infolge unvorhergesehener Komplikationen, ist es wichtig zu wissen, dass auch in solchen Situationen der hautnahe Kontakt zwischen Mutter (oder Vater) und Baby auf beide einen heilenden Einfluss ausüben kann. Ein Einfluss, der sich sowohl im Verhalten des Individuums, als auch der Gesellschaft widerspiegeln wird.
Hier will ich nochmals die Schlüsselfunktion der natürlichen Geburt und dem nachfolgenden Imprinting zusammenfassen:
Der alle Sinne umfassende primäre Hautkontakt zur Mutter, oder wenn dies nicht möglich ist, zum Vater, ermöglicht einem vor oder während der Geburt traumatisierten Baby, sein Trauma zu verarbeiten und seine mitgebrachte Gehirnmatrix für Wachstum zu öffnen. Medikamentierung, Stress, Gewalteinwirkungen, lieblose Behandlung und Trennung von der Mutter verunmöglichen diesen heilbringenden Prozess.
Auch die Matrix der Mutter öffnet sich durch das aufwühlende Erlebnis der Geburt, und auch dies bietet eine einmalige Gelegenheit zum Wachstum – vorausgesetzt, sie fühlt sich getragen in einer liebevollen Umgebung. Der Kontakt mit dem Neugeborenen löst bei der Mutter einerseits die Ausschüttung der Botenstoffe Oxitozin, dem Hormon der Liebe, und Prolactin, das die Milchproduktion anregt, aus. Andererseits kann auch Schmerz darüber aufkommen, dass sie die liebevolle Zuwendung, die sie dem Baby schenkt, selber nicht bekommen hat. Ähnliches kann beim anwesenden Vater geschehen. Wenn Eltern diese Trauer- und Integrationsaufgabe nicht annehmen (können), so ist bei der Frau oft eine postpartale Depression und beim Mann Eifersucht auf die Nähe zwischen seiner Partnerin und dem Baby die Folge.
Der Mensch, der als Neugeborenes sein Innerstes nicht abspalten musste, besitzt natürliche Anlagen, die gesellschaftliche Veränderungen einleiten werden:
• Die Gesetzgebung, die destruktives Verhalten mit ebensolchem zu bannen versucht und die den Besitz- und Machtsüchtigen Vorteile bietet, hat dann ausgedient und wird einer Gesetzgebung Platz machen, die der Gerechtigkeit und der Lebensqualität dient.
• Die Ökonomie, die Wachstum und die Besitzanhäufung einiger Weniger zum Ziel hat, wird sich wandeln zu einer, die dem Teilen des natürlichen Reichtums, dem Austausch der erschaffenen Werte und der Erhaltung einer gesunden Umwelt dient.
• Die Religion, die versucht, die Folgehandlungen und das Leid der Abspaltung zu verwalten – einer Abspaltung, die sie vielleicht durch Regeln und Verbote mitverursacht hat – wird die Anziehungskraft verlieren, die sie auf all jene auszuüben imstande ist, die in früher Kindheit ihr Zugehörigkeitsgefühl verloren haben. Wirkliche Religion hat die Schaffung von Rückverbindung (lateinisch re-ligio) zu den abgespaltenen Teilen des Menschen zum Ziel; wenn dies geschafft oder gar nicht erst nötig ist, nimmt das Feiern der Dankbarkeit den ihm gebührenden Platz ein.
• Der Tod wird dann nicht mehr belastet sein mit der Projektion des verdrängten allzu Schmerzhaften, das wir rund um die Geburt erfahren haben. Er wird sich zum freudigen Loslassen von einem erfüllenden Leben im Hier wandeln, so dass der Übertritt ins Jenseits, ins ewige Dasein, unbelastet stattfinden kann.
Die Einsicht in unsere abgespaltene Geschichte ermöglicht uns, aus begangenem Fehlverhalten die erforderliche Weisheit zu schöpfen, um Unheil erzeugende Verhaltensweisen verändern zu können. Es ist jedoch wichtig, dass sich die gewonnene Weisheit möglichst bald auch in politischen -Dimensionen zu manifestieren beginnt. Wir sind dazu angehalten, der in Verruf geratenen Politik (Politik = die Kunst des sozialen Zusammenlebens) neue Inhalte zu geben, damit sie ihre Aufgabe, der verlängerte Arm im Dienst unserer wesentlichen Bedürfnisse zu sein, zu erfüllen vermag. Noch habe ich kein Parteiprogramm zu Gesicht bekommen, das der Geburt und den prägenden ersten Erfahrungen eines Kindes den Wert eines heiligen Akts beimessen würde. Solange dieser Ansatz in der Politik keinen Stellenwert einnimmt, bleiben Friedens- und Umweltpolitik leere Hüllen.
Der nun anstehende Wertewandel scheint für viele Menschen, die sich über Kompensationshandlungen schadlos zu halten versuchen, mit Unheilsprojektionen belastet zu sein. Die Menschen hingegen, die als Neugeborene ihr Innerstes gar nicht erst abspalten mussten und Liebe und Achtsamkeit verinnerlicht haben oder wieder zurückgewonnen haben, werden den Mut haben, gesellschaftliche Veränderungen einzuleiten. Der Mensch ist nicht nur der Schöpfer der Welt von heute, sondern auch der von morgen. ´
Willi Maurer begleitet seit 25 Jahren suchende Menschen mit Gefühls- und Körperarbeit und unterrichtet Aikido verbunden mit meditativer Gymnastik. Im Holon-Netzwerk koordiniert er die Arbeitsgruppe „Schritte zum Frieden“. Zu den Themen seines Artikels bietet er den Workshop „Begehrte Früchte“, ein interaktives Theaterspiel mit anschließendem Gesprächskreis, sowie den Kurzvortrag mit Videobeitrag ,„Geburt – Prägung – Gesellschaft“.
Publikationen: „Zugehörigkeit“ (im Selbstverlag, zu beziehen beim Autor) „Mère et bébé l‘un contre l‘autre“, Verlag Le Souffle d‘Or.
Kontakt: wimaurer@smile.ch,
http://home.sunrise.ch/maurer_/
Bücher zum Thema:
Chamberlain, Sigrid: "Adolf Hitler, die deutsche Mutter und ihr erstes Kind", Psychosozial
Kirkilionis E., "Ein Baby will getragen sein", Kösel
Liedloff Jean, "Auf der Suche nach dem verlorenen Glück", Beck‘sche Reihe
Maurer Willi, "Zugehörigkeit" (im Selbstverlag, zu beziehen beim Autor) und
Maurer Willi, "Mère et bébé l'un contre l'autre", Le Souffle d'Or
Odent Michel: "Die Wurzeln der Liebe", Walter
van den Peereboom Ingrid: Peau à Peau, Jouvence
Ina May Gaskin: "Die selbstbestimmte Geburt, Handbuch für werdende Eltern, mit Erfahrungsberichten", Kösel Verlag München, 2004
Allgemeine Informationen im Internet:
www.birthworks.org/primalhealth/
www.fraternet.org/naissance//docs/pau-fr.htm
www.psc.uc.edu/hs/HS_Prescott1.htm
Babytragetücher und Babytragekurse:
www.babytragen.com, www.carryme.ch, www.portareipiccoli.it, www.peau-a-peau.be
Geburt: www.forum.geburt.ch , www.nascereacasa.it
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