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Spiritualität und Ökonomie
erschienen in Ausgabe 150  PDF-Version (144.38 KB)
Gandalf Lipinski, Mitglied bei dynamik5 und den Violetten, moderierte ein erstes Gespräch zwischen Vertretern beider Gruppierungen zu deren vorliegenden Wirtschaftskonzepten. Seine Gesprächspartner waren Joachim Sturzenegger von dynamik5 aus der Schweiz, verantwortlicher Redakteur des ausführlichen Wirtschaftskonzepts, das wir bereits an dieser Stelle veröffentlich haben, sowie Hans Neumeyer und Josef Geiss vom bayrischen Landesvorstand der Violetten.


Ein kurzes, knackiges Papier von den Violetten in der Hand (Wirtschaft, Finanzen, Soziales) und noch beflügelt von den Ideen zur Ökonomie des Schenkens, denen ich in der Regionalkonferenz in Klein Jasedow begegnet war, ging ich in unsere kleine Gesprächsrunde am Rande eines Bundestreffens der Violetten in Kassel. Wir hatten überlegt, wie wir die Essenzen beider Konzepte möglichst kurz auf den Punkt bringen könnten, so dass sich Interessierte nicht beide Papiere vorher vollständig erarbeiten müssten. Dazu organisierten wir ein direktes Gespräch zwischen maßgeblichen Mitautoren. Hier stellen wir die subjektiven Zusammenfassungen der Beteiligten vor.
Joachim Sturzenegger: „Die Diskussion war erfreulich engagiert und belebend, getragen von Sympathie und ideellen Ähnlichkeiten ebenso wie von Widersprüchen.“ Und Josef Geiss formuliert dazu die Quint-essenz der Übereinstimmung. „Es besteht Konsens in der generellen Ausrichtung für die neuen Konzepte und in der Wahrnehmung des Status Quo. Das heißt, wir haben alle das gleiche negative Empfinden bezüglich des neoliberalen Kapitalismus, der in keiner Weise den wahren Bedürfnissen der Menschen gerecht wird, da dieser mittels des Zinssystems und diverser Marktmechanismen die Welt ausbeutet. Auch führt diese Form des ‚Wirtschaftens‘ zu einer Macht-/Kapital-Konzentration, die alle Formen der Demokratie ad absurdum führt.“
Auch Joachim Sturzenegger erklärte dazu: „Erfreulich war für mich die Feststellung, dass die großen Linien der als nötig erachteten wirtschaftspolitischen Reformen in beiden Konzepten recht ähnlich sind. Insbesondere betonen beide die zentrale Bedeutung von Selbstverantwortung/Demokratisierung, gerechter Verteilung von Lasten und Gewinnen, damit Beendigung der Trennung von Kapital und Arbeit sowie Nachhaltigkeit im Umgang mit der Natur.
Als kontroverser und zum Teil auch unklarer als die wirtschaftspolitischen Ideen erwiesen sich die Vorstellungen darüber, welche Veränderungen hinsichtlich Mentalität, Lebensstil, Fähigkeiten etc. eine demokratische, gerechte und nachhaltige Wirtschaftsweise erst ermöglichen und wie sie gefördert werden können.“
Hans Neumeyer betonte weitere Gemeinsamkeiten zur Rolle von Selbstverantwortung und Subsidiarität im System. Er wies aber auch auf die Unterschiede beider Konzepte hin: „Unser Papier geht inhaltlich nicht so tief, wird aber von Teilen der Öffentlichkeit leichter wahrgenommen und verstanden. Hierbei ist der Anspruch weniger die Detaillösung als vielmehr das Aufzeigen von neuen Wegen und Visionen.“ Und er bemerkte noch, dass „ein Funktionieren des dynamik5-Ansatzes wiederum ein starkes zentralistisches Moment erfordert. Hierbei stellt sich mir die Frage, ob es nicht gerade die Aufgabe neuer Politik ist, genau diesen Ansatz umzukehren. Sollte es nicht so sein, dass die Politik nur einen breiten, auf spiritueller Basis ausgerichteten Rahmen erstellt und die Menschen diesen in Eigenverantwortung und in kleinen Einheiten nach ihren Vorlieben und Möglichkeiten ausfüllen können und sollen? Politik sollte heute doch bedeuten, Freiraum zu geben, anstatt noch mehr Vorschriften und Regelungen einzuführen. Der Politik käme damit auch eine neue Funktion zu, nämlich Förderin, Mentorin, Mediatorin und Helferin für die Bürgerinnen und Bürger zu werden.“
Beim Thema Grundeinkommen sind die Violetten derzeit wohl eins mit mehreren Initiativen in Deutschland. Es wird aber auch über tagespolitische -Schritte hinausgedacht, dahin, worum es eigentlich geht. „Wir sind eingebettet in ein Naturprinzip des Gebens, des Schenkens, das ökonomisch über Millionen von Jahren erfolgreich existiert. Nur in unserem Wirtschaftssystem haben wir diese Prinzipien umgekehrt – mit all den negativen Auswirkungen von sozialer Schieflage bis zu ökologischer Ausbeutung. Meiner Meinung nach muss ein nachhaltiges Konzept genau an diesem natürlichsten aller natürlichen Prinzipien ansetzen. Wenn die Menschen diese Gesetze wieder erinnern oder begreifen lernen und erkennen, dass sie damit mehr Gewinn – auf allen Ebenen des Seins – erreichen, brauchen wir immer weniger Regelungen und Gesetze.“
Und damit rückt natürlich das Thema Spiritualität und Bewusstsein in den Mittelpunkt des Gesprächs „Für uns ist die spirituell-ganzheitliche Wahrnehmung die Grundvoraussetzung aller gesellschaftlichen Veränderungen in Richtung Nachhaltigkeit. Ohne diese Voraussetzung wird sich wieder alles im -kurzsichtigen Materialismus verlieren. Denn nur wenn sich der Einzelne seines wahren geistigen Ursprungs bewusst ist, wird er sich auch verantwortungsbewusst in die Gesellschaft einordnen. Alleine die Akzeptanz des Resonanzgesetzes wird ihr Übriges tun. Somit liegt einer der Schwerpunkte unserer spirituellen Politik in der Heraushebung einer neuen Bildungspolitik, die auch eine forcierte Erwachsenenbildung erfordert.“
Joachim Sturzenegger bemerkte dazu: „Es ist ein Markenzeichen beider Organisationen, dass sie solche Veränderungen unverzichtbar finden und mit dem Etikett Spiritualität versehen. Was an dieser Spirituali-tät jedoch für die Verbesserung der bestehenden Zustände wesentlich ist und wie es verwirklicht werden kann, darüber gibt es noch viel zu klären.“
Er verwies schließlich auf die Gefahr, in diesem Zusammenhang oft Glauben mit Erfahrungen zu verwechseln, sowie auf die Notwendigkeit psychisch-emotionaler Entwicklung, die der spirituellen Entwicklung den Weg bereiten muss. Wir werden weiter über die begonnene Zusammenarbeit und die Diskussion zentraler Begriffe bei den Beteiligten berichten. ´


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Lipinski, Gandalf

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