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Editorial
erschienen in Ausgabe 153
Liebe Leserinnen,liebe Leser,

„wir sind Teiler, nicht Besitzer“, zitiert Jochen Schilk in seinem Artikel über den Roman „Planet der Habenichtse“ von Ursula K. Le Guin den Protagonisten. Neuerdings heißt das Buch „Die Enteigneten“, und wir finden, dass dies das Gemeinte verzerrt: „The Dispossessed“, wie der englische Originaltitel lautet, schildert eigentlich eine Gesellschaft, deren Mitglieder ohne Eigentum auskommen.
„Hinfort, du Habenichts!“, schimpft die Prinzessin im Märchen den -armen -Freier – und scheint zu bestätigen, dass nur das Haben zu Ansehen und Rang berechtigt. Doch subversiv, wie Märchen sind, ist der arme -Freier ein wahrhaft Freier, von nichts und niemandem aus dem Potenzial seiner Kräfte herausgebogen, herauserzogen, nicht vom klebrigen Köder eines habenden Lebens geleimt. Im Vollbesitz seiner Kräfte erledigt er die drei Aufgaben und wird königlicher Bräutigam der üppigen Frau Welt – denn niemand anderes als sie ist die patriarchal korrumpierte Gestalt der Märchenprinzessin.
Warum verleihen die Religionen dem Nicht-Habenden -heilige Würde und machen ihn (obwohl selten erfolgreich) den Habenden zum Vorbild? Wo sowieso jeder weiß, dass man nichts in die nicht-materielle Welt, in die wir aus der Körperhülle zurückschlüpfen, mitnehmen kann, außer dem, was die Intelligenz unseres Herzens geläutert hat?
„Besitzen“ wir die Erkenntnis des All-eins-Seins, oder ist sie es, die uns aus dem unendlichen Feld der Information (als das wir heute den Kosmos mit dem Segen der Besten der Wissenschaft bezeichnen -dürfen) ergreift und in Besitz nimmt? „Besitze“ ich die Fähigkeit, zu lieben, oder habe ich mich als Liebender dieser Kraft übergeben und werde vollständig von ihr besessen?
„Besitzen“ wir die Erde? Eher teilt die Erde mit uns ihren kosmischen Raum, ihre Lebenskraft. An meinem neuen Lebensort habe ich erfahren, dass der eigentümlichen Bindekraft der Gedankenform „mein Land“ nicht leicht zu -begegnen ist. Zu verstehen, dass in Wahrheit ich es bin, der sich bereit macht, dem Land als Eigentum -anzugehören, ihm als Freier zu dienen und es zu -bereichern – nicht mich mit ihm –, bedurfte einiger Klärungen meines zerebralen Kulturguts.
Die These, wir Menschen übernähmen freiwillig nur Verantwortung für das, was uns gehöre, ist vor dem Hintergrund des Hinüber--schlüpfens in das kosmische Feld, dem wir angehören, sicher falsch. Sie erklärt nicht die Selbstlosigkeit, die Steigerung der Eigentumslosigkeit. Verantwortung für etwas zu übernehmen, das einem nicht gehört, etwas zu achten, dem man nicht anhaftet, etwas zu lieben, das man nicht besitzt – wenn wir das auf -unsere Beziehung zur üppigen Frau Welt -übertragen, dann bekommt das Wort „Ent-Eignung“, dessen Verwirklichung letztlich „Zu-Geeignete“ aus uns macht, einen neuen, irgendwie attraktiven Klang.

Herzlich, Ihr
Johannes Heimrath


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Heimrath, Johannes

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