KidsCall – Robert Turner stellt die Kampagne des Weltzukunfsrates für junge Menschen vor.
Unkonventionelle Lobbyarbeit an den Parlamenten der Welt für den Erhalt einer lebenswerten Zukunft ist die Aufgabe, die sich der Weltzukunftsrat gestellt hat. Bezeichnenderweise beginnt er seine erste öffentlichkeitswirksame Kampagne gemeinsam mit jungen Menschen.
Trotz ihres im Verlauf der Geschichte beispiellosen Wissens und ihrer enormen technischen Möglichkeiten ist die Menschheit heute auf Kollisionskurs mit ihrer eigenen Zukunft. Globaler Ressourcenverbrauch und Umweltverschmutzung, wachsende Ungleichheit von Arm und Reich und das resultierende Potenzial für gewaltsame Konflikte verursachen Angst und Unsicherheit. Entscheidungen, die heute getroffen werden, haben längerfristige Auswirkungen als je zuvor, aber unserere Wirklichkeit wird von kurzfristigem Denken dominiert. UNO-Konferenzen und -Kommissionen haben sich bemüht, viele dringende Themen abzuhandeln, aber es wird immer deutlicher, dass selbst minimale strukturelle Veränderungen die maximale politische Umsetzbarkeit übersteigen. Das führt zu Misstrauen in nationale und internationale Organisationen.
Institutionen, die den Status Quo verteidigen, sind gut etabliert und koordiniert, aber die Zukunft hat keine vergleichbare Stimme. Um diese Lücke zu schließen, wurde am 10. Mai 2007 im Hamburger Rathaus der World Future Council (WFC) oder Weltzukunftsrat gegründet.
In diesem Rat sind 50 bedeutende Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Kultur und NGOs aus der ganzen Welt versammelt. Sie wollen dazu beitragen, eine faire und zukunftssichere Weltordnung zu schaffen und notwendige Veränderungen zu beschleunigen. Dazu gehören vor allem die Sicherung einer nachhaltigen ökologischen Basis für die zukünftige Entwicklung sowie Fairness im komplexen weltweiten Beziehungsgeflecht.
Internationale Meinungsumfragen haben gezeigt, dass sich die Werteskalen in allen Kulturen der Welt gleichen. Wir alle wollen eine gute Zukunft für unsere Kinder, eine gesunde Umwelt, ein Leben ohne Kriege und gegenseitiges Vertrauen und Respekt. Der World Future Council kämpft für politische und ökologische Rahmenbedingungen, in denen diese Werte erfolgreich gelebt werden können. Er versteht sich als globales Gewissen, das sich dem immer gefährlicher werdenden Zeitgeist, einer brisanten Mischung aus Habgier, Trägheit und Gleichgültigkeit, entgegenstellt.
Aktuelle Aktivitäten
Im World Future Council arbeiten Menschen zusammen, hinter denen große Netzwerke mit erstaunlicher gesellschaftsverändernder Kraft stehen, z.B. die aus Indien stammende Umweltschützerin und Bürgerrechtlerin Vandana Shiva, die fundamental dazu beigetragen hat, die Praxis und Denkmuster im Bereich der Landwirtschaft und der Lebensmittel zu verändern. Ihre Bücher „The Violence of Green Revolution“ und „Monocultures of the Mind“ wurden zu grundlegenden Herausforderungen des vorherrschenden Paradigmas einer nicht-nachhaltigen, reduktionistischen Agrarrevolution.
Auch Prinz El Hassan Bin Talal, Präsident des Club of Rome, sitzt im Rat. Er ist Vorsitzender von und Mitglied in zahlreichen internationalen Organisationen, u.a. dem Zentrum für Friedensstudien und Konfliktlösung der University of Oklahoma, dem Unabhängigen Büro für Humanitäre Angelegenheiten, dem Internationalen Komitee des Rats für auswärtige Beziehungen und der Initiative gegen nukleare Bedrohungen.
Die Vorsitzende des Lenkungsausschusses des World Future Councils ist die Menschenrechtsadvokatin -Bianca Jagger. Seit über 20 Jahren setzt sie sich für soziale und ökonomische Gerechtigkeit und den Umweltschutz auf der ganzen Welt ein. Sie ist Goodwill Ambassador (Botschafterin des guten Willens) des Council of Europe, Mitglied des Executive Directors’ Leadership Council für Amnesty International, USA, Mitglied des Advisory Committee of Human Rights Watch America und Vorstandsmitglied von People for the American Way.
Derzeit leistet der WFC in erster Linie Forschungsarbeit und untersucht weltweit Gesetzgebungen, die vom ethisch-ökologischen Standpunkt her ideal sind. Das deutsche Energieeinspeisegesetz ist ein solches Beispiel. Gegenwärtig wird eine Initiative aufgebaut mit dem Ziel, dieses Gesetz durch gezielte Lobbyarbeit in möglichst vielen Ländern der Welt zu verankern. Die Forschungsarbeit geht einher mit dem Aufbau einer „Best Policy“-Internetplattform für Politiker. Außerdem arbeitet der WFC aktiv mit NGOs und internationalen Netzwerken von Parlamentariern zusammen, um handfeste Strategien und langfristige Problemlösungen international zu verbreiten, Lösungen, mit denen wir alle unserer Verantwortung gegenüber den zukünftigen Generationen gerecht werden. Und die neue Generation hat bereits sehr klare Vorstellungen von der Welt, in der sie leben möchte. Um zu zeigen, dass eine neue Welt nur im Dialog zwischen Jung und Alt entstehen kann, hat der Weltzukunftsrat eine erste Kampagne ausgerufen: die Aktion „KidsCall“.
Kinder sollen zu Wort kommen
Immer mehr Kinder machen sich wegen des Klimawandels und der weltweiten Umweltzerstörung große Sorgen: Sorgen um ihre eigene Zukunft – und Sorgen um die Zukunft der Erde. Der World Future Council will den Kindern Gehör verschaffen und bietet ihnen die Möglichkeit, sich an die mächtigsten Politiker der Welt zu wenden und ihnen in Briefen und Bildern mitzuteilen, was sie bewegt und was sie fordern.
Beim Live-Earth-Konzert, das im Juli dieses Jahres in Hamburg stattfand und weltweit übertragen wurde, gab die WFC-Vorsitzende Bianca Jagger mit über 100 Kindern aus 20 Ländern den Startschuss für KidsCall. In dieser Kampagne werden alle Kinder und Jugendlichen unserer Erde ermuntert, mitzumachen und Briefe zum Thema „Erhaltet das Leben“ zu schreiben.
Selbstverständlich ist es nicht im Interesse der Kampagne, die Kinder zu instrumentalisieren, sondern sie genau bei ihren ureigenen Bedürfnissen abzuholen. Daher hat in Hamburg Anfang Juni bereits eine erste Kinderkonferenz stattgefunden. In dieser Konferenzsituation wurden die Kinder durch den engagierten Bildungsjournalisten und Filmautor Reinhard Kahl und Salman Ansari vom Leibniz-Institut für Pädagogik der Naturwissenschaften sorgfältig für die inhaltlichen Aspekte sensibilisiert und anschließend auf die eigentliche Kampagnentätigkeit vorbereitet. In diesem Prozess hat sich nun eine Kerngruppe von Kindern gebildet, die den Weltzukunftsrat bei allen Aktionen begleiten und unterstützen wird, so dass bereits in der Gestaltung der gesamten Aktion Kinder und Erwachsene eine gleichstarke Stimme haben. Diese Gruppe ist selbstverständlich offen gehalten, so dass während der ganzen Kampagne neue Kinder dazustoßen können. Es geht für die Kinder also nicht nur darum, Briefe und Appelle zu schreiben, sondern den Weltzukunftsrat regelmäßig zu beraten und gemeinsam die Veranstaltungen rund um KidsCall zu gestalten.
Schon in den ersten Briefen, die auf dem KidsCall-Sammelpostfach in Hamburg eingingen, wurde deutlich, wie ernst es den Kindern mit dem Schutz des Klimas und der Umwelt ist. So schreibt die 13-jährige Larissa aus Kanada:
„Liebe Politiker, wollen Sie wirklich, dass Ihre Urenkel oder Ur-Urenkel nur noch aus dem Geschichtsbuch erfahren, was für ein wundervoller Ort diese Welt einmal gewesen ist?“
Der Brief ist mit einer Erde in Form eines Herzens bemalt, auf dem ein Wundpflaster klebt. Der WFC ist überzeugt, dass die politischen Entscheider sich den vielen tausend Appellen von Kindern nicht werden entziehen können. Die ersten Briefe zeigen, dass es hier nicht nur um Forderungen oder Anklagen, sondern um sehr ernstzunehmende Ansichten der Kinder geht.
Ausstellungen in den wichtigsten Parlamenten der Welt
Der WFC verspricht den jungen Absendern, alle Briefe sorgsam zu lesen und die Weltöffentlichkeit mit Nachdruck über die Gedanken und Forderungen der Jugend zu informieren. Dafür muss man selbstverständlich mehr tun, als lediglich die Briefe an die Politiker weiterzuleiten, und so sind eine Reihe von Aktionen geplant, wie eine weltweite Wanderausstellung der (meist liebevoll bemalten) Briefe durch Parlamente und Regierungsgebäude der G8-Teilnehmer, aber auch in den zukunftsträchtigen Entwicklungs- und Schwellenländern sollen die Briefe gezeigt werden. In Deutschland wird angestrebt, eine Ausstellung im Berliner Reichstag zu organisieren. Auch an vielen anderen kulturellen Orten außerhalb der Regierungsgebäude soll die Ausstellung zu Diskussionen anregen.
Im Juli 2008 wird die Kampagne auf dem G8-Gipfel in Japan ihren Höhepunkt erreichen, indem Kinder aus der ganzen Welt gemeinsam mit Bianca Jagger vor den Regierungschefs der G8-Staaten und der Schwellenländer Brasilien, Südafrika, China, Indien und Mexiko stehen und ihnen die gesammelten Sorgen und Wünsche der Jugendgeneration überreichen werden – der Generation, für deren zukünftiges Leben sie mit ihren Entscheidungen einen Großteil der Verantwortung tragen.
Die beteiligten Kinder werden an den Pressekonferenzen und Ausstellungseröffnungen teilnehmen. Insbesondere die Übergabe der Appelle in Japan wird zusammen mit Kindern gestaltet werden. Bei dieser aktiven Einbeziehung der Kinder geht es dem Weltzukunftsrat sowohl um eine Authentizität, die allen Handlungsschritten während der gesamten Kampagne zugrundeliegt, als auch um die Erfahrung der Kinder, dass es sich lohnt, aktiv und kreativ zu werden und sich für ihre aufrichtigen Ziele einzusetzen.
Helfen Sie mit, KidsCall bekannt zu machen! Je mehr Kinder mitschreiben, desto stärker wird das politische Gewicht dieser Kampagne. Darum bittet der Weltzukunftsrat herzlich um Ihre Hilfe. Es gibt viele Möglichkeiten:
!Erzählen Sie den Lehrern in Ihrer Stadt davon.
!Ermuntern Sie Kinder in Ihrer Familie und Nachbarschaft zum Mitmachen auf www.kidscall.info.
!Informieren Sie Ihre Freunde und Kollegen im In- und Ausland: Der WFC möchte Kinder aus der ganzen Welt zu Wort kommen lassen.
!Sammeln Sie selbst Briefe, und reden Sie mit Ihrer lokalen Presse darüber.
!Organisieren Sie Ausstellungen oder Lesungen von Briefen in Ihrem Rathaus oder anderswo, bevor Sie dem WFC die gesammelten Briefe schicken.
Ihrer Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. ´
Das Sammelpostfach für die Briefe:
An die Staatschefs auf dem G8-Gipfel in Japan
c/o KidsCall, Postfach 111711
20417 Hamburg, Germany
www.kidscall.info, www.worldfuturecouncil.org
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