Artikel
Kulturkreatives Spektrum (108)
Andere Welten (55)
Freie Gesundheitsberufe (22)
eurotopia (166)
Matriarchale Perspektiven (35)
Holon (77)
Editorial (30)
Briefe aus Amerika (6)
Anders Lernen (47)


Ausgabe 166 (12)
Ausgabe 165 (12)
Ausgabe 164 (12)
Ausgabe 163 (13)
Ausgabe 162 (13)
Ausgabe 161 (15)
Ausgabe 160 (12)
Ausgabe 159 (11)
Ausgabe 158 (13)
Ausgabe 157 (11)
Ausgabe 156 (15)
Ausgabe 155 (13)
Ausgabe 154 (12)
Ausgabe 153 (16)
Ausgabe 152 (12)
Ausgabe 151 (13)
Ausgabe 150 (14)
Ausgabe 149 (14)
Ausgabe 148 (16)
Ausgabe 147 (13)
Ausgabe 146 (13)
Ausgabe 145 (13)
Ausgabe 144 (11)
Ausgabe 143 (13)
Ausgabe 142 (12)
Ausgabe 141 (13)
Ausgabe 140 (15)
Ausgabe 139 (14)
Ausgabe 138 (12)
Ausgabe 137 (11)
Ausgabe 136 (14)
Ausgabe 135 (12)
Ausgabe 134 (8)
Ausgabe 133 (6)
Ausgabe 132 (9)
Ausgabe 131 (9)
Ausgabe 130 (10)
Ausgabe 129 (8)
Ausgabe 128 (9)
Ausgabe 127 (8)
Ausgabe 126 (6)
Ausgabe 125 (8)
Ausgabe 124 (9)
Ausgabe 123 (6)
Ausgabe 122 (7)
Ausgabe 121 (7)
Ausgabe 120 (3)
Ausgabe 119 (5)
Ausgabe 118 (1)
Ausgabe 115 (1)
Ausgabe 114 (11)

Zuletzt besucht
Artikel: Die Matrix der (Un-)Freiheit

Artikel: Entwurf für eine Kooperative Wirtschaftsordnung

Artikel: Community Gardens (Teil 2)

Artikel: Fliegen Pilze?

Artikel: Kinder-Recht und Schul-Pflicht


Über uns
Impressum
Die Zeiten ändern sich
erschienen in Ausgabe 153  PDF-Version (176.87 KB)
Rainer Kroll sieht die Zeit für Mehrgenerationen-Wohnprojekte gekommen.

Der Bundesverband „Forum gemeinschaftliches Wohnen“ – ursprünglich nur „Wohnen im Alter“ genannt – setzt sich seit längerem für die -breite gesellschaftliche Umsetzung neuer Wohnformen ein. Sein Vorstandsmitglied Rainer Kroll beschreibt die gewaltigen Umbrüche und Herausforderungen in unserer Gesellschaft als eine Chance für neue Wege der Solidarität und des Zusammenlebens.


Die Zeiten ändern sich – diese vielleicht etwas banale Aussage gewinnt vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und den Folgen der Globalisierung eine zunehmende Bedeutung für den persönlichen Lebensbereich jedes Einzelnen. Und so beginnt eine immer größere Anzahl von Menschen zu reagieren: durch Schaffung neuer Lebensräume in gemeinschaftlichen Wohnprojekten, durch Gründung von Netzwerken, von Genossenschaften und anderen Institutionen in der Zivilgesellschaft.
Das „Forum gemeinschaftliches Wohnen“ ist eine Bundesvereinigung von über 300 Personen und Institutionen, von Wohnprojekten und Wohnprojektinitiativen in ganz Deutschland. Ziel ist es, das gemeinschaftliche Zusammenleben und Wohnen als eine normale Wohnform zu etablieren.
Hervorgegangen ist der Verein aus den ersten Pionierprojekten für ein gemeinschaftliches Wohnen im Alter. Seit einigen Jahren verfolgt das Forum einen breiteren Ansatz und propagiert ein generationen-übergreifendes, integrierendes Wohnen. Letztlich geht es um die Wurzeln einer zivilen Gesellschaft, in der die Verhältnisse so gestaltet sind, dass jeder gerne die Zukunft annimmt und mitgestaltet. Die Nachfrage steigt seit einigen Jahren rasant, weit über 10000 Anfragen erreichen die Bundesgeschäftsstelle des Forums jedes Jahr.

Gesellschaftlicher Hintergrund
Die demografische Entwicklung ist eine unserer größten Herausforderungen. Wir alle sind Teil einer gesellschaftlichen Veränderung, die es in dieser Form und Größenordnung in der bekannten Menschheitsgeschichte noch nicht gegeben hat: Zum ersten Mal wird die Zahl der Älteren größer sein als die der Kinder.
Manche sprechen verharmlosend vom demografischen Wandel, andere nennen es die „demografische Zeitbombe.“ Im Wesentlichen treffen zwei Phänomene zusammen: Wir werden immer älter, unsere Lebensdauer nimmt immer weiter zu – und wir bekommen immer weniger Kinder. Deutschland gehört zu den Ländern mit der geringsten Geburtenrate weltweit. „Wie kommt es, dass wir in Deutschland immer weniger Kinder haben? Glauben wir nicht mehr an unsere Zukunft? Kinder bedeuten Neugier, Kreativität und Zuversicht. Kinder sind Brücken in die Welt von morgen. Wir müssen uns alle anstrengen, eine familien- und kinderfreundliche Gesellschaft zu werden“, so Bundespräsident Horst -Köhler.
Die materiellen Folgen dieser Entwicklung werden die meisten Bürger zu spüren bekommen, sei es durch Verringerung der Leistungen aus den sozialen oder privaten Versicherungen oder durch die Zunahme der Ausgaben für Steuern, Zuzahlungen, Zusatzversicherungen z.B. für die Gesundheit. Für die jungen Genera-tionen wird das dramatisch. Immer weniger Beschäftigte zahlen in ein System ein, das ihnen nicht annähernd die Leistungen bieten wird wie der heutigen Rentnergeneration. Die sinkenden Einkommen für immer größere Teile der Bevölkerung verstärken die Problematik. Insgesamt verändert sich der soziale Zusammenhalt der gesamten Gesellschaft:
!Veränderung traditioneller Netze
Parallel ändern sich gesellschaftliche Strukturen. Die traditionellen Solidargemeinschaften wie Familien- und Dorfstrukturen sind immer weniger in der Lage, die Fürsorge zu übernehmen. Diese Entwicklung wird verschärft durch die zunehmende Zahl Alleinlebender ohne Kinder. Die erste Generation von Rentnern ohne familiäre Einbindung steht uns bald bevor.
!Schwierigkeiten junger Familien
Auf sich alleine gestellt, wird es für die junge Generation immer schwieriger, sich für Kinder zu entscheiden. Bei den Gutsituierten bedingt die Berufstätigkeit beider Partner und die heute geforderte Flexibilität, dass selbst für die eigenen Kinder die Zeit oft zu kurz ist. Und am unteren Ende der Gesellschaft steigt seit Jahren das Armutsrisiko bei Kindern, Fami-lien und Alleinerziehenden.
!Räumliche Isolierung
Nach Auszug der Kinder verbleiben die Älteren oft in ihren bisherigen Wohnräumen. Insbesondere in den klassischen Eigenheimgebieten und Dörfern, die meist weit entfernt von einem Orts- oder Stadtteilzentrum sind, kommt es zu einem starken Rückgang der Bewohnerdichte. Abwandernde Geschäfte führen zu einer Unterversorgung, es entsteht eine starke menschliche sowie räumliche und infrastrukturelle Isolierung. Durch die abnehmende Mobilität alter Menschen werden die Probleme weiter verstärkt.
!Gesucht: Alternativen zum Heim
Wir alle wissen: Das tägliche Leben in Altersheimen wird oft den berechtigten Wünschen der alten Menschen nicht gerecht. Selbstbestimmtheit und Verbleib in der vertrauten Umgebung bei einem möglichst normalen Alltag sind zentrale Bedürfnisse alter -Menschen. Professionelle Zuwendung ersetzt nicht das Netz nachbarschaftlicher, freundschaftlicher oder familiärer Beziehungen. Ohnehin ist ein Heimplatz in einer wünschbaren Qualität auf Dauer kaum finanzierbar, weder privat noch durch den Staat.
!Neues Selbstverständnis der älteren Generation
Das Selbstverständnis von alten Menschen hat sich grundlegend gewandelt. Jenseits familiärer und beruflicher Verpflichtungen gibt es einen Lebensabschnitt, den viele vergleichsweise frei von materiellen -Sorgen und meist bei guter Gesundheit gestalten können. Gleichzeitig sind viele private und gesellschaftliche Funktionen, die alte Menschen bisher hatten, als Großeltern, als Hüter von Haus und Hof oder als erfahrene Ratgeber, gar nicht mehr möglich. Das ist ein historisch einmaliger Vorgang. Es gibt keine Erfahrungen, keine Vorbilder für den persönlichen oder gesellschaftlichen Umgang mit dieser Situation. Wie jeder damit umgeht, wie er diesem Lebensabschnitt einen Sinn gibt, das muss er letztlich selbst herausfinden.

Reaktionen der Politik
Immer mehr Menschen werden ihr Leben im Alter mit erheblich weniger Mitteln gestalten müssen, als sie ursprünglich errechnet haben. Und die Jungen müssen immer mehr Belastungen schultern. Es besteht zumindest die Gefahr, dass die Interessensgegensätze zwischen den Generationen mit zunehmender Vehemenz ausgetragen werden. Das soziale Netz, die Institu-tionen der sozialen Fürsorge sind in ihrer bisherigen Form an ihre Grenzen geraten. Eines ist ganz deutlich: Der Staat alleine wird es nicht richten! Ernst-Wilhelm Barkhoff, der Gründer der GLS-Bank, war der Ansicht, dass vor allem Investitionen in soziale Strukturen, in die junge Generation, wirkliche Vorsorge schaffen können. Wir müssen neue Formen des Miteinanders der Genera-tionen entwickeln.
Das hat auch die Politik erkannt und unterstützt zunehmend die „Neuen Wohnformen“. In Rheinland-Pfalz beispielsweise hat die Landesregierung ein -Kooperationsforum „Gemeinschaftliche Wohnformen in einer Gesellschaft des längeren Lebens“ eingerichtet. Das Bundesfamilienministerium fördert mit einem Modellprogramm „Wohnen im Alter“: Unter anderem soll zusammen mit dem Forum Gemeinschaftliches Wohnen und weiteren Kooperationspartnern ein bundesweites Kompetenznetzwerk aufgebaut werden. Das Bauministerium unterstützt vor allem das Programm „Soziale Stadt“ und mit Mitteln aus dem Forschungsprogramm „Experimenteller Wohnungs- und Städtebau (ExWoSt)“ modellhafte Stadt- und Projektentwicklungen. Und es fördert die neuen Genossenschaften sowie die Frage der Altersvorsorge in Verbindung mit dem genossenschaftlichen Wohnen.

Neue Wohnformen als Keimzelle gesellschaftlichen Wandels
Wer das Krisengerede nicht mehr hören kann: In diesen Entwicklungen liegt auch eine große Chance für mehr Zuwendung zu unseren Mitmenschen und Nachbarn. Die Entwicklung geht von der Versorgungs- zu einer Beteiligungs- und Mitwirkungsgesellschaft. Die bisherige Versorgung durch den Staat wird zunehmend ergänzt durch den Aufbau neuer Dorf- oder Stadtgemeinschaften. In Erweiterung der bisherigen Gemeinschaften ist die Grundlage des Miteinanders jetzt die Wahlverwandtschaft: Es finden sich Menschen zusammen, die gemeinsam etwas miteinander machen wollen. Auch im Internetzeitalter hat das sehr viel mit Wohnen zu tun, gerade die Jüngsten und die Ältesten leben sehr auf ihren unmittelbaren Wohnstandort bezogen!
Die sogenannte 50plus-Generation will jenseits von beruflichen und familiären Verpflichtungen noch einmal etwas wagen und eine neue Gemeinschaft auf-bauen. Man sucht eher zwangloses Miteinander, achtet aber zunehmend auf die eigene Vorsorge und sucht Wohnmöglichkeiten, aus denen auch in der letzten Lebensphase nach Möglichkeit nicht ausgezogen werden muss. Die Älteren und Alleinstehenden wollen bei den sich zunehmend verringernden Bekanntschaften und Bewegungsmöglichkeiten nicht einsam sein. Die junge Generation, besonders die jungen Familien oder die Alleinerziehenden, können ihren Alltag und die Vereinbarung von Familie und Beruf meist nur bewältigen, wenn sie in einer Umgebung leben, wo Kinder willkommen sind und konkrete Betreuung angeboten wird. Übrigens ähnlich, wie es den ganz Alten, den Pflege-bedürftigen oder Menschen mit Handicap geht. Das bietet erhebliche Potenziale, sich gegenseitig zu ergänzen: Die jungen Mobilen, das „etablierte Mittel-alter“ mit meist geregeltem Lebensalltag und schließlich die Hochaltrigen und die Kinder, die viel mehr auf ihr Wohnumfeld bezogen leben. Das ermöglicht ein neues Zusammenspiel der Generationen: Die volle Lebenswirklichkeit kann nur im gegenseitigen Erleben aller Generationen erfolgen.
Das macht gerade die Lebendigkeit und Vielfalt der gemeinschaftlichen Wohnprojekte aus, hier kommen Menschen zusammen, die ihre unterschiedlichen Potenziale und Bedürfnisse einbringen. Für gemeinschaftliche Wohnprojekte interessieren sich in der Regel nur Menschen, die etwas einbringen wollen und die eine größere Offenheit und Toleranz mitbringen. Im Kern geht es darum, mehr zu unternehmen, mehr soziale und räumliche Möglichkeiten zu haben und sich gegenseitig zu unterstützen, wenn es darauf ankommt.
Gute Gemeinschaft ist nichts Selbstverständliches, für viele Menschen sogar eine große Herausforderung. In jedem Fall ist sie eine Aufforderung zu aktivem Handeln und eine Chance für neue, sinnerfüllte Lebensperspektiven. ´


Weitere Informationen

Forum Gemeinschaftliches Wohnen e.V.Brehmstraße 1 A, 30173 Hannover Tel. (0511) 4753253 oder -73, Fax (0511) 4753530 info@fgwa.de, www.fgwa.de Kostenloser Bezug des Newsletters über fgwa-online@freenet.de

Projektbüro „Dialog der Generationen“ Fehrbelliner Straße 92, 10119 BerlinTel. (030) 443 83 475
dialog-der-generationen@pfefferwerk.dewww.generationendialog.de

WohnBund-Beratung, Birgit Schmidt Humperdinckstraße 16, 06844 Dessau Tel. (0340) 2215346, b.schmidt@wohnbund.de www.wohnbundberatung.de

!Modellvorhaben KoopGeno Mitteldeutschland
Dr. Winfried Haas, Konstantinstraße 12, 04315 LeipzigTel. (0341) 6993010, info@akiw.dewww.akiw-leipzig.de>


  Autoren

Kroll, Rainer

Partner
sge-button
© by Human Touch Medienproduktion GmbH, info@kurskontakte.de