Joachim Pfeffinger über die kommunikativen Herausforderungen, die in jeder zielgerichtet arbeitenden Gruppe entstehen.
Im Juni haben wir den ersten Teil des neuen Grundsatzpapiers von dynamik5 vorgestellt und mit Bernd Hercksen diskutiert. Diesmal stellt Joachim Pfeffinger einen weiteren Kerntext aus „Wie wir wirklich leben wollen“ vor.
Die weltweite Situation sich zuspitzender Krisen im wirtschaftlich-monetären, sozialen und ökologischen Bereich kann nur positiv verändert werden, wenn sich Menschen an der Basis zusammentun, um Vorschläge für neue, taugliche Strukturen zu erarbeiten, diese überzeugend vertreten und umsetzen. Der folgende Text schildert Schwierigkeiten und Hindernisse, die bei der Zusammenarbeit immer wieder auftreten, reflektiert mögliche Gründe und zeigt Wege auf, um die Zusammenarbeit zu einem fruchtbaren Dialog werden zu lassen.
1. Kooperation
Unter Kooperation verstehen wir das bewusste Zusammenwirken von Handlungen mehrerer Personen oder Gruppen zum Nutzen dieser und über deren Eigeninteressen hinaus mit dem Ziel, das Gemeinwohl möglichst umfassend zu fördern. Um einer Gruppe von Menschen die Zusammenarbeit zu ermöglichen oder zu erleichtern, kann die Anwendung von Hilfsmitteln wie Moderation, Tagesordnungen, Abstimmungsregeln, Vereinbarungen zur Gesprächsführung usw. mitunter sinnvoll oder gar notwendig sein. Bewährt haben sich die „themenzentrierte -Interaktion“ von Ruth Cohn, die Kommunikationshilfen von Gordon (Ich –Botschaften und aktives Zuhören), die gewaltfreie Kommunikation von Marshall B. Rosenberg, die Methoden der Transaktionsanalyse, die auf Eric Berne zurückgehen, und andere.
Hindernisse
Das Gelingen der Zusammenarbeit hängt entscheidend davon ab, mit welcher Achtsamkeit jede Person von Beginn an am Kooperationsprozess beteiligt ist.
Kämpfe um Ideologien und der Aufbau von „Schutzwällen“ haben mit der Angst zu tun, sich zu verlieren oder in Frage gestellt zu werden. Viele Menschen fühlen sich in den Weltanschauungen einer Religion oder in der einen oder anderen religionsun-abhängigen Denkrichtung bedeutender Persönlichkeiten als Quelle für ihren Lebenssinn zu Hause, oder sie haben sich auf diese gründend in eine ganz eigene Weltsicht eingelebt. Bewusste und entwickelte Menschen haben diese Denkrichtungen so verinnerlicht, dass sie ihrem innersten Wesen entsprechen und dieses dadurch echt bereichert wird. Werden diese Religionen, Denkrichtungen und persönlichen Grundhaltungen aber als Ideologie zur äußeren Identitätsstiftung benötigt, können Lebenshaltungen anderer Menschen als Bedrohung empfunden werden und zum Kampf um die „richtige“ Ideologie führen. Zur Überwindung solcher „Schutzwälle“ ist ein sich Öffnen für die Haltung des Anderen notwendig, das -Loslassen eigener Anschauungen, ohne diese preiszugeben.
Sachwissen muss für jedes zu bearbeitende Thema vorausgesetzt werden. Wissensunterschiede können jedoch unausgesprochene Hierarchien erzeugen, bei denen die „Wissenderen“ den Ton angeben und die weniger Wissenden zu überfahren drohen. Andererseits kommt es auch häufig vor, dass sich „Wenigerwissende“ in den Vordergrund spielen und so auf den Arbeitsprozess blockierend wirken. Durch Selbsteinschätzung und Feinfühligkeit kann schnell geklärt werden, bei welchem Thema welcher Teilnehmer die größere Kompetenz hat. So können innerhalb einer Gruppe je nach Sachthema verschiedene Personen die Kompetenzführung übernehmen.
Kritik ist die Kunst der Beurteilung, der Differenzierung von Fakten und der Infragestellung. Konstruktive Kritik fußt auf der Fähigkeit der objektiven Bewertung eines Fremdvorschlags. Sie kann sinnvolle Änderungs-vorschläge hervorbringen. Im Gegensatz dazu wird Kritik häufig nur zur persönlichen Kritik benutzt, oder das Mitgeteilte wird vom Empfänger negativ-persönlich aufgefasst, ohne dass es so gemeint war. Kritik kann aber durchaus auch berechtigt sein und einfach nicht ertragen werden, obwohl Sachlichkeit und Transparenz vorhanden sind. Und schließlich ist auch eine Kritikhaltung möglich, die eigene Vorstellungen aufdrängen möchte und sich nicht an den Absichten, die der Sache selbst zugrundeliegen, orientieren will. Sucht man die Qualität in der Haltung des Gegenübers, statt sich am Mangel an derselben aufzuhalten, und gibt man aus dieser (Fremd-)Haltung heraus eine Anregung, indem deren Qualitäten verstärkt -werden, fördert man sein Gegenüber und lernt zusätzlich dazu.
Machtspiele finden oft subtil und unterschwellig von Beginn an statt, sie entfalten jedoch erst nach einiger Zeit ihre destruktive Wirkung. Für den Anfang eines Prozesses ist es durchaus wünschenswert, dass Träger oder Initiatoren eines Grundgedankens den Ton und die Richtung angeben. Mit der Zeit kann sich eine solche Hierarchie hemmend auf die Zusammenarbeit auswirken, weil wichtige, neue Impulse verhindert werden. Wenn neue Initiatoren zu einer Gruppe -stoßen, geschieht es nicht selten, dass wichtige Grundgedanken in Frage gestellt werden. Es kann dann zum Machtkampf um die „richtigen“ Inhalte kommen. Jeder Initiator muss an einem bestimmten Punkt seiner ins Leben gerufenen Bewegung den Mut haben, sein „Kind“ loszulassen und „die Fackel weiterreichen“ (Joseph Beuys).
Dies ist dann möglich, wenn man annehmen kann, dass alles Sinnstiftende von einer höheren geistigen Realität getragen ist.
Sympathie und Antipathie sind bei der Zusammenarbeit von Menschen in der Regel immer in irgendeiner Form beteiligt. Sympathie für den einen oder anderen Teilnehmer kann mir den Blick auf fragwürdige Punkte in seinem Verhalten ebenso wie entsprechend Antipathie den Blick auf positive Aspekte seiner Erscheinung verstellen. Andererseits kann Sympathie ebenso stimulierend auf die Vertiefung der Beziehung zu einer Person wirken wie Antipathie, wenn ich in der Lage bin, diese bei mir zu erkennen und so zu verwandeln, dass ich zum eigentlichen Wesen der Person finde. Sympathie und Antipathie anzuerkennen ist die eine Herausforderung – diese in entscheidenden Augenblicken nicht zur Grundlage des kooperativen Handelns zu machen, die andere …
Kurskorrekturen, die dazu führen, (Teil-)Ziele neu zu definieren, können eine Verlängerung oder auch die Veränderung des bisher verfolgten Arbeitsprozesses bewirken. Bestehen zu genaue Erwartungen von Erfolgen, die sich nicht entsprechend und schnell erfüllen, kann dies den Arbeitsprozess in Frage stellen. Geduld ist eine entscheidende Fähigkeit zur Erlangung eines Ziels, einer Fähigkeit oder eines Prozess-ergebnisses. Hoffnung verleiht zusätzlich eine Art Kraftmoment, das gerade festgefahrene Situationen überwinden hilft.
Die Missachtung individueller Aspekte führt -früher oder später zur Demotivation einzelner Personen in einem Kooperationsprozess. Jede Person, die sich in einen Kooperationsprozess hineinbegibt, hat unter Umständen auch den Wunsch, ihre speziellen Aspekte berücksichtigt zu finden. Ihre Berücksichtigung sollte geprüft werden, auch wenn diese Personen zurückhaltender sind als andere. Die Vermeidung solcher Probleme setzt voraus, dass sich alle Teilnehmer in ihren Motivationen Respekt und Achtung entgegenbringen.
Die Fähigkeit zum Umgang mit Konflikten beruht auf der Einsicht, dass Licht immer Schatten wirft. Konflikte entstehen grundsätzlich dort, wo Menschen gemeinsam etwas tun. Konflikte werden zunächst als etwas Trennendes empfunden. Bleibt es dabei, muss man sich arrangieren oder die Zusammenarbeit beenden. Wenn sich die am Konflikt Beteiligten aktiv um das kümmern, was auf ihrer Gefühls- und Gedanken-ebene abläuft, kann das Bemühen um die Bereinigung eines Konflikts zu einem inneren Gewinn werden und zusätzlich eine tief reinigende Wirkung auf den -ganzen Arbeitsprozess entfalten.
Kompetenzen
Die zu bearbeitenden Inhalte und ihre thematische Ausrichtung bewegen sich auf einer Skala von starker Sachbezogenheit mit scharf umrissenen Grenzen des jeweiligen Sachgebiets hin zu Themen mit visionärem Charakter.Während bei sachbezogenen Themen Sachkenntnis weitgehend ausreicht, um auf ein Ziel hinzuarbeiten, muss bei der Erarbeitung von visionären Themen über die Sachkenntnis hinaus die Fähigkeit vorhanden sein, neue Beziehungen zwischen Sach-themen herzustellen, diese in neue Kontexte zu anderen Inhalten zu bringen, um daraus Neues entstehen zu lassen. Dies erfordert intuitive und gestalterische Fähigkeiten, kreative Kompetenzen, die auf Phantasie beruhen.
Je visionärer der thematische Hintergrund einer Zusammenarbeit ist, desto mehr werden die unterschiedlichen Welt- und Menschenbilder der Teilnehmer bei der Zusammenarbeit eine Rolle spielen – was, wie oben gezeigt, schnell zu Hindernissen führen kann. Zu den Sach- und Kreativkompetenzen muss daher verstärkt eine soziale Kreativität hinzukommen, eine quasi innere Strukturiertheit der Kooperierenden, die immer mehr äußere Strukturen und Regeln ersetzt. Wer sich auf ein solches Feld begibt, der schult sich zum Lebenskünstler, er wird beginnen, das ganze Leben als Kooperationsprozess aufzufassen.
2. Die Tiefendimension von Kooperation
Begegnung
Die Kooperation von Menschen wird über den Sachnutzen hinaus durch bewusste Begegnung zum „erfreulichen Weg“, zum „Labor der Selbsterforschung“ und zum kontinuierlichen, bereichernden Prozess. Begegnung ist ein geborgenes Sein im Geben und Nehmen, aktives und passives Handeln zugleich, eine Art geistig-seelische Verschränkung, welche einen Kooperationsprozess auf eine höhere menschliche Ebene bringt. Ein visionär ausgerichteter Arbeitsprozess wird dabei umso positivere Arbeitsergebnisse hervorbringen, je mehr sich die dabei -stattfindende Begegnung durch eine möglichst hohe Intensität, das Einnehmen verschiedener Wahrnehmungsperspektiven (Ich – Du – Wir) sowie den Einsatz verschiedener Wahrnehmungsebenen (Körper – Seele – Geist) auszeichnet. Dann wird jeweils der ganze Mensch am Geschehen teilhaben. Kooperative Prozesse als Begegnungsraum zeichnen sich dadurch aus, dass die Wahrnehmungsebenen und die Wahrnehmungsperspektiven zueinander – mehr oder weniger bewusst – ständig in Bewegung sind. So finden oft Einzelbegegnungen, gemeinsame Tätigkeiten und stille Zurückhaltung einzelner Menschen gleichzeitig statt. Diese Dynamik kann mit dem Verhalten von -Wasser verglichen werden, mit Haupt- und Nebenwellen, Tälern, Sohlen, kleinen oder großen Strudeln und ganz ruhigen Flächen.
Begegnung kann nicht einfach gemacht, sondern muss zugelassen werden. Sie geschieht und setzt ein oder mehrere Gegenüber voraus. Sie ist mehr, als ein Treffen zu veranstalten oder Kontakte zu knüpfen; sie geschieht nur dann, wenn sie aktiv zugelassen wird; sie berührt und öffnet unbekannte Räume; sie stiftet Lebenssinn und erweitert das eigene Wesen, wird als innerer Wert empfunden; sie ist ein Dialog, die Voraussetzung jeder menschlichen Beziehung; sie ist daher wirkliches Leben (Martin Buber).
Intensitäten
Die Begegnung zwischen Menschen spielt sich auf einer Intensitätsskala von „oberflächlich“ bis „tief“ ab. „Tiefe“ wird umso mehr gegeben sein, wenn sich alle Beteiligten immer (selbst-)bewusster einbringen können und dabei ihre eigenen Gefühle und Gedanken wahrnehmen, wenn ein gesteigertes gegenseitiges Zuhören und Verstehen angestrebt wird (was mit Wachheit und Achtsamkeit verbunden sein muss) oder wenn sich das eigene Verhalten immer mehr zu Offenheit, Unbefangenheit und Vertrauen wandelt.
Die Kunst der sprachlichen Kommunikation
Ein zentraler Aspekt innerhalb jeder Zusammenarbeit ist die Art und Weise, wie Begegnung auf der kommunikativen Ebene, die sich natürlich nicht allein auf das gesprochene Wort beschränkt, stattfindet.
Die Kunst des Sprechens besteht in der Art, wie gesprochen wird (Redefluss, Geschwindigkeit, Deutlichkeit, Gestik und Mimik). Dabei ist es wichtig, Botschaften deutlich in der Ich-Form zu vermitteln. Dann wird die ganze Verantwortung für den individuellen Beitrag übernommen, und andere Personen werden nicht unfreiwillig benutzt, um eigene Darlegungen zu untermauern, was bei einem Satzbeginn mit „man“ oder „es sollte“ der Fall ist. Sprechbotschaften in der Du-Form haben zudem oft anklagenden Charakter und können zum Hindernis werden. „Killer“ jeder sachlichen Auseinandersetzung sind nicht selten Aussprüche wie „das glaube ich nicht“ oder „das ist Geschmackssache“ …
Die Kunst des Zuhörens besteht darin, die -eigene innere Stimme zum Schweigen zu bringen, indem ganz die Rede des Anderen wahrgenommen wird. Das stille Formulieren von Gegenargumenten, während ein Gesprächspartner spricht, bewirkt eine Konfrontation der Weltsichten anstatt einer Begegnung und gegenseitigen Bereicherung.
Das Gold des Schweigens ist in einer vollkommen von ökonomischen Zwängen durchdrungenen Welt, in der pausenlos Aktivität herrschen muss, ein noch zu hebender Schatz. Neue Gedanken offenbaren sich in einer Atmosphäre der Offenheit durch die Person, die gerade dazu berufen ist. Sich das Reden zu verbieten, auch wenn der Drang nach dem Aussprechen gerade dieses eigenen Gedankens übergroß ist, gehört zur höheren Schulung in Sachen Lebenskunst. Durch bewusstes Schweigen wird die Mitte freigegeben, wird ein geistiger Raum geschaffen, in den sich der Gedanke durch die dafür auserwählte Person ergießen kann. Das eigene Stillhalten ermöglicht so die gewinnbringende Aktivität der Anderen. Insofern kann Schweigen als eine Art von Dienen verstanden werden. Es kann oft bemerkt werden, dass eigene Gedanken in einer viel tieferen Form durch einen anderen Menschen zur Sprache kommen können und sollen.
Es gilt, die hohe Kunst zu üben, den Anderen im Gespräch zum Aussprechen dessen zu bringen, was er ohne diese Begegnung niemals hätte formulieren können (Heinz Zimmermann).
TEIL 2 AUS AUSGABE KK 156:
Bevor nun die Quintessenz für die Zusammenarbeit bei dynamik5 den Kerntext abschließt, soll über die immer wieder auftauchenden Hindernisse und Konflikte, die praktisch jedes Zusammenwirken von Menschen begleiten, weiter nachgedacht werden. Selbst wenn wir als Teilnehmer an einer Gruppenarbeit genauestens über die entstehenden Hindernisse Bescheid wissen, ist es doch immer wieder ernüchternd, dass es oft nicht gelingt, sie zu verhindern. Wir können zwar alles erdenkliche Wissen ansammeln, zum Beispiel über die Zusammenhänge um die Notwendigkeiten eines „integralen Bewusstseins“. Und doch geraten wir – quasi im Eifer des Gefechts – immer wieder in verschiedenen Situationen in das gewohnte Fahrwasser. Mit dem Wissen um die Hindernisse und Konflikte allein ist es also nicht getan.
Selbsterkenntnis …
Ein erster Schritt ist getan, wenn mir mein Fehlverhalten selbst ins Bewusstsein kommt, wenn ich mir selbst auf die Spur komme. Alle Mitteilungen von Mitgliedern der Gruppe oder der Lebensgemeinschaft, der ich angehöre, haben solange begrenzten oder keinen Erfolg, meine sozialen Defizite zu beheben – zum Beispiel andere nicht ausreden zu lassen oder immer gleich aufzubrausen –, bis sie in meiner eigenen Seele als Hindernisbild auftauchen. In diesem Moment kann ich empathisch mein Wirken auf Andere erkennen, für einen kurzen Moment sehe ich mich als Doppelgänger. Eine solche Wende, die in Wirklichkeit eine Wandlung ist, schmerzt, und dies umso mehr, je tiefgreifender der soziale Zusammenhang ist. Als zweiter Schritt wird die errungene Kompetenz fortan verinnerlicht. Auch wenn ich vielleicht immer wieder scheitere, was die Bedingung für das Fortschreiten ist, handle ich fortan aus Einsichten in Notwendigkeiten. Ich bin in diesem oder jenem Punkte nicht mehr der Spielball meiner Leidenschaften oder meiner Sympathien und Antipathien. Im Grunde geht das Erringen sozialer und kreativer Kompetenzen mit dem Erlangen von innerer Freiheit einher. Es gibt etwas im menschlichen Bewusstsein, geistig-seelische Möglichkeiten, wodurch dieses sich aus freier Entscheidung mit höheren geistigen Inhalten füllen kann. Gleichzeitig erschließt sich ein neuer Lebenssinn, denn ich bemerke, dass ich auf diese Weise den Menschen in ihrem Wesen näherkam.
Spiritualität ist der Kern des Religiösen innerhalb der zukünftigen Kultur des Menschen, eine individuelle Beziehung zum omnipräsenten Ursprung, welche keine feste und endgültig gegebene ist. Aus dieser geistigen Verbindung resultiert eine immer tiefere Sicht in alle Vorgänge der Welt und des Lebens und ein neues Wollen in Bezug auf die Neugestaltung der Lebensverhältnisse. Spiritualität – auch wenn das Wort gerne gemieden wird – verleiht der Welt- und Menschensicht des Menschen Sinn und Orientierung, aber auch eine Kraft zum Vorwärts, denn die Impulse des Lichtes in uns sind Aktivität. Spiritualität ist die Grundbedingung im Menschen, um sinnvoll und mit Phantasie zu handeln.
Quintessenz
Nachfolgend sollen die Eckpfeiler von Kooperation als Rahmen für Begegnungen bei dynamik5 skizziert werden.
! Wahrnehmen, in welcher Phase sich ein Gruppenprozess befindet: 1.) in der Aufbau- und Themenfindungsphase, 2.) in der Phase der gemeinsamen Urteilsbildung oder 3.) in der Entscheidungsphase. In der Themenfindungsphase bereits Entscheidungen herbeizwingen zu wollen, ist ebenso destruktiv, wie in der Entscheidungsphase durch neue Ideen das Erarbeitete ständig neu in Frage zu stellen.
! Die Treffen klar strukturieren und sich an diese Strukturen halten. Dazu gehört, dass eine Zusammenkunft einen klaren Anfang und ein klares Ende hat.
! Eine Gesprächskultur pflegen. Wenn sich jede TeilnehmerIn so bewusst wie möglich in respektvoller und rücksichtsvoller Art in den Prozess einzubringen vermag, kann dies erreicht werden. Alle sind selbst Moderatoren und tragen die Mitverantwortung am Gelingen des Arbeitsprozesses, jeder ist (Mit-)Gestalter. Moderation ist bei heiklen, konfliktbeladenen Zusammenkünften oder Zusammenkünften mit großen Teilnehmerzahlen allerdings unabdingbar.
! Entscheidungen basisdemokratisch und – wo möglich und sinnvoll – im Konsensverfahren fällen. Konsens kann nur durch die verschiedenen Wahrnehmungsperspektiven, die von den Gruppenmitgliedern eingenommen werden, entstehen. Es ist meistens unmöglich, dass alle beteiligten Personen eine gleich hohe Zufriedenheit mit gefällten Entscheidungen haben werden, und es ist wenig sinnvoll, jede Entscheidung zeitraubend und unter Umständen in demotivierender Art im Konsensverfahren zu fällen. Es gilt daher: konsensuelle Entscheidungsfindung bei wichtigen Fragen; qualifizierte Mehrheitsentscheide bei weniger wichtigen Fragen; und einfache Mehrheitsentscheide oder die Delegation an eine kompetente Person bei unwichtigen Fragen.
! Ohne pyramidenförmige Befehlsstrukturen auskommen. Dies bedingt den Anspruch an alle Mitglieder, sich unaufgefordert einzubringen, für Fehlendes da zu sein, Eigenverantwortung zu übernehmen. In letzter Instanz sollte möglichst die Gesamtheit der Kooperierenden nach Maßgabe ihrer sachlichen und kreativen Kompetenz Entscheidungen treffen können, was mit einem hohen Maß an Selbstverantwortung (die auch Anderen zugestanden werden muss) verbunden ist.
! Ich-Botschaften geben und aktiv zuhören. Wahrnehmen und zeigen, was mich wie berührt und was ich wünsche, sowie mit den Wünschen und Anliegen der Anderen mitschwingen, was sehr gut durch Befindlichkeitsrunden erreicht werden kann.
! Besonders die immer wieder auftretenden Störungen und Konflikte ernst nehmen. Das Nichtbeachten von eigenem und fremdem Unbehagen, von Bedürfnisdifferenzen und Verletzungen, die Mitglieder erfuhren und immer wieder erfahren, führt früher oder später zur Lähmung jeder Zusammenarbeit. Daher soll der Lösung dieser Störungen und Konflikte eine vorrangige Stellung eingeräumt werden. Ein wichtiger Aspekt ist hier die Versöhnungsarbeit.
! Konstruktive Kritik üben, die sich an der Qualität der Sache orientiert, statt auf den Mängeln „herumreiten“. Insofern Kritik, wie sie in einseitiger Weise oft verstanden wird, im Sinn von „Anregung“ mit empathischen Zügen üben. Kritische Urteile sollten persönliche Untertöne vermeiden.
! Dem gemeinsamen Geist, der alles verbindenden Essenz, die uns alle zu Schwestern und Brüdern macht, Raum geben. Als Zeichen dafür brennt während der Treffen und Tagungen in der Mitte der Versammlung immer eine Kerze. Das Verbindende soll auch durch gemeinsame meditative Übungen stets neu lebendig bleiben können.
! Eine Tagung oder eine Arbeitssitzung beginnt mit einer poetischen/künstlerischen Handlung und endet mit dem stillen Abschiedskreis. Sie kann, je nach Dauer, durch solche Handlungen zusätzlich bereichert werden. Rituale können einer Gemeinschaft zusätzliche verbindende Kräfte verleihen.
! In die Gegebenheiten einer Tagung oder Sitzung richtig „hineinhorchen“ können. Sturheit in der Einhaltung eines zuvor ausgedachten Programms hat, ebenso wie Unstrukturiertheit, eine lähmende Wirkung auf einen gruppendynamischen Prozess. Es zeigt sich nicht selten, dass gerade etwas ganz anderes an der Reihe ist, als ursprünglich geplant war. ♠
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