3. bis 10. August in St. Arbogast/Vorarlberg
Unabhängig davon, ob wir von Weisheit oder Spiritualität, ganzheitlichem oder integralem Bewusstsein sprechen, begreifen immer mehr Menschen, dass für eine nachhaltige und lebensdienliche Politik ein anderes, umfassenderes Bewusstsein notwendig ist. Diese Auffassung verbindet die zum Kongress einladenden Organisationen dynamik5, Die Violetten, Integrale Politik Schweiz, Konvergenz-Gesellschaft und Netzwerk Holon.
Im Zentrum des Kongresses stehen fünf aufeinander aufbauende Thementage, an denen die Weite, Komplexität und Tiefe integraler Politik in einem gemeinsamen Prozess ausgeleuchtet werden soll. Zu jedem Themenfeld wird es Vorträge, Workshops und Arbeitsgruppen geben. Inhalte und Ziele integraler Politik sollen schließlich in einem gemeinsamen Manifest konzentriert werden. Wichtig ist den Veranstaltern auch eine ganzheitliche Tagungskultur und der Aufbau eines authentischen Handlungswillens. Neben den theoretischen wird es auch tänzerische, rituelle, naturbezogene und körperlich bzw. stimmlich bewegende Angebote geben. Tägliche Treffen in regionalen Zusammenhängen sollen eine nachhaltige Wirkung des Kongresses in den Regionen anregen.
Am Nachmittag des Anreise- und Eröffnungstags (Sonntag, 3. August) wird Gil Ducommun den Kongress mit einem Vortrag eröffnen. Durch seine Bücher „Aufbruch von Innen“ und „Nach dem Kapitalismus“ hat das Gründungsmitglied von Holon, dynamik5 und nun der IPS wesentlichen Anteil am Zustandekommen des Kongresses gehabt.
Integrale Politik unterscheidet sich unter anderem dadurch von den traditionellen politischen Links-Rechts-Standpunkten, dass es ihr nicht um Rechthaben im Sinn der Durchsetzung einer bestimmten Position, einer Wahrheit oder einer Perspektive als der einzig Richtigen geht, sondern um eine möglichst umfassende Sicht der Dinge. Die Frage lautet also nicht „Wer hat recht?”, sondern „Was müssen wir alles berücksichtigen, um zu einem wahrhaft umfassenden, das heißt integralen Lösungsansatz der oft komplexen Probleme unserer Gesellschaft zu gelangen?”, wie es in der Präambel des neuen Schweizer Vereins zur Gründung einer Integralen Partei heißt.
Am ersten Abend wird ein Eröffnungsplenum in die Themen und Strukturen der gemeinsamen Woche einführen. Am Montag stößt Werner Binder von der IPS den ersten Themenkreis „Ganzheitliches, spirituelles, integrales Bewusstsein“ an: „Ich möchte Dimensionen und Entwicklungen von Bewusstsein aufzeigen und beleuchten“, so der Referent. „An diesem ersten Tag soll unser Verständnis von Spiritualität und integralem Bewusstsein nicht so sehr akademisch definiert als vielmehr in Zusammenhang gebracht werden: miteinander und mit den gesellschaftlichen Sphären, die wir als Politik bezeichnen.“ An diesem Tag steht vor allem die Kenntnis und gegenseitige Anerkennung der verschiedenen Wege, ganzheitliches Bewusstsein und Weisheit wieder in die Sphären gesellschaftlicher Gestaltung zu integrieren, im Mittelpunkt.
Für den Dienstag hat sich Gandalf Lipinski von der Konvergenz-Gesellschaft das Thema „Gesellschaft und Gemeinschaft in Geschichte und Gegenwart“ vorgenommen und rückt die Manifestation unseres kollektiven Bewusstseins in Form gesellschaftlicher Strukturen und Prozesse in den Fokus. Die historische Dimension kann Lipinski zufolge ein Licht auf den Prozess unseres gesellschaftlichen Geworden-Seins werfen: „Wenn wir verstehen, wie wir wurden, was wir sind, verbessern wir unsere Chancen, beim Entwerfen von Zukunft die Bodenhaftung nicht zu verlieren. Eine Politik, die das Gemeinwohl und das Wohl der ganzen Erde im Auge hat, kann auch den Blick auf die Kräfte und Strukturen nicht ausblenden, die den Interessen der Gemeinschaft entgegenwirken.“
Wir befinden uns in der Endphase eines Monopolyspiels
Der Themenkreis des Mittwochs umspannt „Wirtschaft, Finanzen und Soziales“. Peter Germann von den Violetten hält hierzu das Impulsreferat. Jenseits aller alten Rechts-Links-Schemata und den daraus entstandenen Wirtschafts- und Politstrategien geht es dabei unter anderem um eine nüchterne Zurkenntnisnahme der globalen finanzpolitischen Dynamiken, die derzeit der Endphase eines Monopolyspiels gleichen – nur dass es dabei für viele der globalen Mitspieler heute um Leben oder Tod geht. Der Kongress steigt am dritten Tag tief hinab in die Materie. „Die Visionen sozialerer und gerechterer Systeme haben nur eine Chance, wenn ihre Träger den Blick ins Herz der Gegenwart ertragen“, so Germann.
Am vierten Tag weitet sich der Fokus weit über die menschliche Gesellschaft hinaus: „Von der Umwelt zur Mitwelt, Gaia und Kosmos“ lautet der Themenkreis, den Siegfried Prumbach von der Akademie Anima Mundi anregen wird. Ein spirituelles und integrales Verständnis unserer Beziehungen zu Pflanzen, Tieren, materiellen sowie geistig-seelischen Manifestationen kann den „Umweltschutz“ nicht eindimensional reduziert belassen. Die Erfahrung und das Begreifen der lebendigen und systemischen Qualität unserer Beziehungen zur „Mitwelt“ verändert nicht nur unser Selbst- und Weltbild, sondern auch unser gesellschaftliches Handeln.
Am Freitag setzt der Kongress zur Landung in den täglichen Zusammenhängen an. KursKontakte-Herausgeber Johannes Heimrath führt die Teilnehmer an das Thema „Erdung, Regionalisierung, Vernetzung“ heran. In den ergänzend zu den Themenkreisen täglich arbeitenden Regionalgruppen bereits vorbereitet, geht es am fünften Tag darum, die verschiedenen Ausflüge ins Grundsätzliche aus den vorigen Tagen herunterzubrechen auf die Ebene, die entscheidend sein wird bei der Umsetzung der Kongress-Ziele in Realpolitik: die regionale Ebene. „Soll Integration mehr als Wunschdenken sein, müssen wir auch die Menschen einbinden, deren Lebensentwurf die gegenwärtige Welt dominiert. Wie machen wir das, ohne in die alten Muster von gut und böse, von Ausgrenzung und Frontenbildung zurückzufallen?“, fragt Heimrath. Dazu gehört eine gemeinsame Strategie mit dem Ziel, die sozialen Nischen zu verlassen, die Regionen als Ganze autark zu machen und sich mit allen gutwilligen Kräften zu vernetzen.
Für den Samstag ist ein Abschlussvortrag oder -podium vorgesehen. Wesentliches Ergebnis wird die Verabschiedung des gemeinsamen Manifests und gegebenenfalls einer „Agenda 2012“ zur Koordination gemeinsamer Vorhaben in den nächsten vier Jahren sein. Eine spirituelle Feier am Nachmittag und das Abschlussfest am Abend transformieren die Ergebnisse der gemeinsamen Woche auf eine höhere Ebene.
Möglichst gemeinsam soll dann am Sonntag, dem 10. August, abgereist werden. Dieser Tag wird außerdem für perspektivische Verabredungen des Programmrats sowie zwischen den Vertretern der verschiedenen Organisationen und Regionen genutzt. ♠
Information und Anmeldung: Sekretariat dynamik5,
Tel. +41 (0 31) 3 98 80 50, Info@dynamik5.org
oder über die Bundesgeschäftsstelle der Violetten,
Tel. +49 (04 31) 67 09 80 82, sh@die-violetten.de.
Tagungsgebühr: 190 EUR/310 Fr., ermäßigt 120 EUR/200 Fr.
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