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Unter der Bedeckung eines Hutes
erschienen in Ausgabe 158  PDF-Version (160.88 KB)
Befragungen zum Leben des Journalisten Erhard Otto Müller.

Erstmals bringen wir hier ein Portrait über einen Menschen, der bereits verstorben ist: Unser Freund Erhard Otto Müller, weithin als „E.O.“ bekannt, Redakteur der Zeitschrift „Zukünfte“ und unermüdlicher Aktivist für die Stärkung der Zivilgesellschaft, verstarb überraschend am 14. Mai dieses Jahres im Alter von 53 Jahren an einer Gehirnblutung. Er war auf einem Kongress in Riga, wo er am Tag zuvor noch einen Vortrag gehalten hatte.

Erstmals bringen wir hier ein Portrait über einen Menschen, der bereits verstorben ist: Unser Freund Erhard Otto Müller, weithin als „E.O.“ bekannt, Redakteur der Zeitschrift „Zukünfte“ und unermüdlicher Aktivist für die Stärkung der Zivilgesellschaft, verstarb überraschend am 14. Mai dieses Jahres im Alter von 53 Jahren an einer Gehirnblutung. Er war auf einem Kongress in Riga, wo er am Tag zuvor noch einen Vortrag gehalten hatte.
An seinem Todestag mailte uns der Fotograf Boris Goldammer das Bild, das diesen ­Artikel illustriert. Das Foto war auf der Tagung „Demokratie und Selbstbestimmung“, die wir zwei Wochen vor E.O.s Tod in Klein Jasedow veranstaltet hatten, entstanden. Nichtsahnend freuten wir uns über das gelungene Bild, das unseren Hauptredner ausdrucksstark und energiegeladen zeigte – wenn auch ohne den obligatorischen Hut –, und wir freuten uns auf die weiteren mit ihm geplanten Veranstaltungen. Auf der Tagung hatten wir seit langem endlich die Zeit gefunden, einen Gesprächsfaden, der immer schon zwischen uns und E.O. geschwungen hatte, gemeinsam weiterzuspinnen: die Herausforderung, den spirituellen Gehalt von Demokratie in Worte zu fassen. Es ging auf der Tagung plötzlich um die „Seele der Demokratie“, um den Impuls, der Menschen letztlich dazu antreibt, sich gestaltend in ihr Lebensumfeld einzubringen – nicht aus Pflichtgefühl oder aufgrund von Ideologien, sondern aus einer tief empfundenen Verbundenheit mit dem Leben, der eigenen Identität, aus der Erfahrung, ein selbstbestimmter Mensch zu sein. E.O. sprach in der kleinen Arbeitsgruppe zu diesem ­Thema darüber, dass diese Erfahrung den Menschen mit Leib und Seele erfassen muss und nicht über politische Programme und Maßnahmen vermittelt werden kann. Als wir in der Diskussion die Schnittstelle, an der sich Politik und Spiritualität berühren, erreichten, öffnete sich ein Kanal der Inspiration, der uns neue Gedanken, Bilder und Gefühle aussprechen ließ.
Dieses inspirierte Sprechen gehörte zu den besonderen Begabungen von E.O. Er konnte sich mit neuen Gedanken, die gerade im Raum schwebten, aber für die meisten noch unsagbar waren, in ungewöhnlich leidenschaftlicher Art verbinden und sie auf die Erde ziehen, sie begreifbar machen und in konkretes Tun übersetzen. Wir haben nie erlebt, dass er in Diskussionen andere lediglich von seiner Meinung überzeugen wollte, vielmehr suchte er nach der Verbindung mit der Wahrheit, die zwischen allen Beteiligten zu schwingen begonnen hatte. Vielleicht war er deshalb so beliebt als Moderator zahlloser Arbeitskreise rund um die Themen Bürgerbeteiligung, mehr Demokratie und Zukunftsforschung.
Wenn man solche inspirierten Momente miteinander erlebt, entsteht eine besondere Nähe, das Gefühl, sich gegenseitig gut zu kennen, ohne dass man weiß, welche Lieblingsfarbe der andere hat und wie sein Wohnzimmer eingerichtet ist. Entsprechend heftig hat uns die Nachricht von E.O.s plötzlichem Tod gebeutelt. Wir hatten diese Nähe gespürt, die eben entsteht, wenn man gemeinsam an Bewusstseinsfeldern webt, und nun war diese Verbindung zumindest auf der irdischen Ebene jäh abgerissen. Als wir uns später die Aufgabe stellten, ein Porträt über ihn zu schreiben, gesellte sich zu dem Gefühl der Nähe auch das der Fremdheit. Wie wenig kannten wir doch unseren Freund und Kollegen jenseits herausgehobener Situationen wie Kongresse oder Arbeitstreffen verschiedener Initiativen. Was hat er denn an einem ganz normalen Tag so getrieben?

Auf der Suche nach einem Leben
Wir baten Menschen aus unserem Bekanntenkreis, von denen wir wussten, dass sie mit E.O. viel zu tun gehabt hatten, um Interviews. Alle vermissten ihn ­schrecklich. „Er war eine Konstante in meinem Leben. Egal auf welche Veranstaltung man ging, E.O. war dort, und wenn man ihn traf, freute man sich“, hörten wir bei unseren ersten Interview-Anfragen immer wieder. Und viele zeichneten das gleiche Bild, wenn wir fragten, was ihnen in den Sinn käme, wenn sie an E.O. dachten: Gerade hat man mit der Diskussion begonnen und sich auch schon verrannt, die Fronten sind etabliert, nichts bewegt sich. Da kommt ein Mann mit Hut, Schal und Cordjacket in den Raum gehechtet, reißt einen Witz über seine chronische Zuspätkommerei, lümmelt sich in den Stuhl, so dass nur noch die Nasenspitze über den Tisch schaut, und lächelt sein Gegenüber aufmunternd an. Nach wenigen Minuten hat er die Lage überblickt und formuliert eine kluge Idee: Die Diskussion fließt wieder, neue Lösungsmöglichkeiten tun sich auf. Das war E.O.
Einen Satz, den wir auch oft hörten, machte uns nachdenklich: „Ich habe in diversen Projekten mit ihm zusammengearbeitet, aber eigentlich habe ich ihn privat nicht näher gekannt, fragt lieber jemand anderen, wenn ihr mehr über ihn erfahren möchtet, als ihr sowieso schon wisst.“ Wir begannen zu ahnen, dass E.O. „privat“ vielleicht nur schwer zu kennen gewesen war. Um Menschen zu finden, die mit ihm vertraut waren, mussten wir einige Zeit suchen.
Einer der ersten Weggefährten von Erhard Otto Müller, mit denen wir länger sprachen, war Stefan Richter, heute Geschäftsführer der „Grünen Liga“. Er hatte E.O. im Berlin der dynamischen Wendezeit kennengelernt, als dieser die „runden Tische“ moderierte, an denen die Bürgerbewegungen aus dem Osten Deutschlands und die West-Grünen zusammenfanden, um zur Partei Bündnis 90/Die Grünen zu werden. E.O. war in dieser Zeit einer der wenigen, der mit beiden Seiten vertraut war – als Gründungsmitglied der Grünen im Westen und ehemaliges Mitglied der studentischen linksradikalen Gruppe „Liga gegen den Imperialismus“, die sich schon in den 70er-Jahren intensiv mit der Problematik Osteuropas befasst hatte. Es gelang ihm, den Einigungsprozess behutsam zu moderieren, und so war es nicht verwunderlich, dass er im September 1991 als einziger Westdeutscher für den ersten Bundesvorstand von Bündnis 90 kandidierte und auch gewählt wurde. In den folgenden Jahren war E.O. wie viele andere Bürgerbewegte enttäuscht, dass die basisdemokrati­schen Prozesse, die eigentlichen Motoren des Wandels, sich in der Politik des frisch vereinigten Deutschlands kaum niederschlugen. Auf der Suche nach neuen Bahnen für die Kräfte der Zivilgesellschaft jenseits von Parteipolitik stieß er auf die Agenda-21-Prozesse. Ihm schwebte vor, die Methode des „runden Tisches“ auch auf die lokale Agenda anzuwenden. Seit 1997 koordinierte und konzipierte er daher den „Runden Tisch zur Nachhaltigen Entwicklung in Berlin und Brandenburg“ als Dialogforum der gesellschaftlichen Interessengruppen im Rahmen der Agenda 21.
„Mein Thema im Agenda-Prozess war Umwelt- und Klimaschutz“, berichtet Stefan Richter, „E.O.s Steckenpferd die Bürgerbeteiligung, Partizipation. So haben wir uns gegenseitig ergänzt, aber uns auch zuweilen gerieben, wenn er der Ökologie eine ­untergeordnete Bedeutung gab. E.O. war der Motor im gesamten Agendaprozess, hatte verschiedenste Funktionen vom Vorstandsmitglied des Berliner Vereins ‚Haus der Demokratie und Menschenrechte‘ bis zum Moderator und Sprecher einzelner Fachforen. Wenn sich irgendwo ein Arbeitskreis ergab, dann war er nicht nur Mitglied, sondern bald Sprecher und Koordinator der Aktion.
In dieser Zeit setzten wir uns intensiv damit auseinander, wie es gelingen kann, Gruppen zusammenzuführen, die normalerweise nicht miteinander sprechen,“ erzählt Stefan Richter. „Schließlich hatten wir die runden Tische so strukturiert, dass es sieben Bereiche gab, von den NGOs über die Wirtschaft, Regierung, Verwaltung, Bildung und Wissenschaft bis zu den Gewerkschaften. E.O. ging es immer darum, möglichst viele Menschen in Prozesse einzubeziehen.
Es war für mich seltsam, dass ich ihn trotz der intensiven Zusammenarbeit nicht privat kennengelernt habe. Ich hatte den Eindruck, er wollte sein privates Leben ganz geschützt halten.“
Dieser Satz war uns inzwischen bekannt. Erst als wir mit Edgar Göll, der mit E.O. in der Redaktion der Zeitschrift „Zukünfte“ zusammengearbeitet hat, am Telefon sprechen konnten, entstand ein vages Bild davon, wie vielleicht E.O.s Lebensgefühl und ein „ganz normaler Tag“ in seinem Berliner Leben gewesen sein mochte. Edgar Göll gehört auch zu den Drahtziehern in den informellen Arbeitskreisen im Hintergrund der Agenda-Prozesse. „Ich kannte E.O. zunächst nur aus diesen Diskussionen, aber eines Abends in der Nach-Weihnachtszeit traf ich ihn völlig unerwartet in einem Kreuzberger Café, und wir stellten fest, dass wir gar nicht so weit voneinander entfernt wohnten. Er war damals sehr traurig, weil sich eine Frau von ihm getrennt hatte, und wollte sich mir mitteilen – das war das einzige Mal, dass er mir über seine Nöte und Sorgen erzählt hat, und er tat das sehr freimütig, obwohl wir uns, wie gesagt, zum ersten Mal außerhalb unserer politischen Arbeit getroffen hatten. Ich habe den Eindruck, dass bei ihm die Trennung von Privatem und politischem Engagement nicht so stark ausgeprägt war. Weil zu Hause niemand auf ihn wartete, hatte er nach den politischen Gesprächsrunden oft noch Zeit, mit den Beteiligten zusammenzusitzen. Die Bewegungen, in denen er engagiert war, waren ein Familienersatz. Nach unserem ersten Treffen im Café ist er mir im Kiez immer wieder über den Weg gelaufen. Er traf oft Leute im Café, er war überall im Einsatz. Dass er jemanden in seine Wohnung mitnahm, kam so gut wie gar nicht vor, denn er legte offenbar keinen großen Wert auf eine aufgeräumte Wohnung und wollte in seinen vier Wänden ganz für sich alleine sein.“

Die Kultur der 70er-Jahre
Eva Quistorp, die wie E.O. zu den Gründerinnen der Grünen gehört und ihn seit den Anfängen der Friedens- und Ökologiebewegung kannte, lacht herzlich, als das Thema auf seine Wohnung kommt: „Er hat eine Menge Kultur oder auch Unkultur aus der Zeit der linken 70er-Jahre beibehalten. ‚Ich habe keine Kinder, keine feste Partnerin, meine Wohnung ist unaufgeräumt, und ich kann meine Rechnungen nicht bezahlen. Die Vision entschuldigt alles.‘ Das war eine verbreitete Lebensphilosophie, mit der auch die Schwierigkeit einherging, wie die in der linken Politik hundertprozentig engagierten Männer ihr wildes Leben und ihre Liebesbeziehungen in Einklang bringen sollten. Oft gingen sie davon aus, dass immer genug Frauen irgendwo auf sie warteten, oft hatten sie schreckliche Angst, ihre ‚Freiheit‘ zu verlieren, und oft erlebten sie so auch selbstverschuldet viel Einsamkeit. Das ist und bleibt ein ungelöstes Problem. Aber es liegt auch viel Positives in dieser frühen grünen Zeit, beispielsweise in der Diskussionskultur. Früher saß man noch nicht am Internet, sondern war ständig im Gespräch. Alle haben trainiert, zu argumentieren, und viel gelesen. Erhard konnte politisch fantastisch zuspitzen und vehement seine Standpunkte vortragen. Dass wir ihn heute vor allem als Moderator in Erinnerung haben, zeugt von einem beachtlichen Reifeprozess.
Erhard und ich hatten im Grunde eine geschwister­liche Beziehung, auch wenn eine gewisse Distanz blieb. In den 70er-Jahren, als er Sozialwissenschaften studierte, lebte er in Bielefeld in einer WG mit meiner Schwester, er trieb sich überall dort herum, wo ich auch engagiert war. Er war dabei, als ich auf dem Parteitag der Grünen nach meiner Rede zu Tschernobyl 1986 fast an einer Herzattacke gestorben wäre. Er war derjenige, der meine Schwester angerufen und ihr von diesem existenziellen Ereignis erzählt hat. So etwas schafft Verbindung, ohne dass man viele Worte darüber verlieren muss.
Ich kam aus dem feministischen Hippie-Milieu, er aus dem betont intellektualistischen, linkspolitischen Lager, aber das spielte keine Rolle, denn wir arbeiteten beide für den Abbau von falschen Fronten. Bei den Grünen in Nordrhein-Westfalen hat sich Erhard von Anfang an sehr eingesetzt, dass die Leute aus dem K-Gruppen-Millieu, aus der Alternativszene, die Altlinken, diejenigen aus den grünen Bürgerbewegungen eine gemeinsame Gesprächsebene finden konnten. Er hatte genug Nerven und Witz, sich Diskussionsbeiträge anzuhören, von denen alle wussten, dass sie unsinnig sind, aber er hat auch diese Meinung zu Wort kommen lassen und war nie abschätzig. Er ist ja als viertes von sechs Geschwistern auf dem Wittekindshof am Rande von Bad Oeynhausen aufgewachsen, wo sein Vater in einer diakonischen Einrichtung für Menschen mit Behinderung als Diakon und Krankenpfleger arbeitete arbeitete, und so war ihm das Leben mit Außenseitern und Toleranz gegenüber denjenigen, die anders sind, von Anfang an vertraut. Auch ich komme als Pfarrerstochter aus einer Familie mit christlichem Hintergrund, und die Auseinandersetzung mit Religiosität war ein gemeinsames Thema von Erhard und mir. Seine Großeltern gehörten im Dritten Reich der Bekennenden Kirche an. Wir haben zwar nicht viel darüber gesprochen, aber dieses Thema stand im Raum. Oder es war plötzlich präsent, wenn wir auf Protestmärschen gute, alte Kirchenlieder schmetterten und alle anderen, die sich doch von der Kirche und den Traditionen freimachen wollten, auf die Palme brachten. Das Singen hat uns überhaupt sehr verbunden. Ich habe bei Friedensaktionen oft die alten Protestlieder angestimmt, und Erhard hat die zweite Stimme dazu gesungen. Er kannte alle möglichen Lieder und sang mit Vorliebe immer diejenigen, die nicht in das jeweilige Milieu passten. Die kleinkarierten Alternativleute ärgerte er mit ‚Schwarzbraun ist die Haselnuss‘, die Kommunisten mit schmachtigen Liebesliedern und die Hippies mit Arbeiterliedern von Hannes Wader. Sein scharfer Humor war überhaupt wunderbar. Er hatte große Lust an der Sprache, auch Lust am Streit, aber nicht im agressiven Sinn, sondern am Streit als Überhöhung einer intellektuellen Debatte. Er wollte seine Leidenschaft überprüfen, herausfinden, ob seine Meinung noch standhielt oder ob ein Perspektivenwechsel angesagt war.

Die Inspiration
Unsere Verbundenheit aus dieser Pionierzeit hat über die Jahre hinweg gehalten. Zuletzt hatte ich ihn eingeladen, bei einer Baumpflanz-Aktion junger Frauen, darunter auch türkische, in Berlin am Landwehr-Kanal in Kreuzberg dabeizusein und eine Rede zu halten. Da stand er in Hut und Schal strahlend auf der Brücke und hielt seine Ansprache, während ich bei diesem ­Spektakel verkleidet eine Herbstfee spielte. Ich wusste, dass wir uns in diesem Moment trotz unserer Verkleidungen gegenseitig als Menschen erkannten, wir wussten, welche Geschichte hinter uns steht und was uns bewegt, wenn wir sehen, wie europäsche Agenda-21-Politik und freundliche, kreative Bürgerinnen-Aktionen hier vor Ort leicht und spielerisch zusammenwirken. Das Bild auf der Brücke ist mein Abschiedsbild, mit dem ich ihn in Erinnerung behalte. Er sah damals aus, als sei er zu ­Hause angekommen. So sehe ich auch bei allem Schmerz über den Verlust sein Sterben in Riga zu Pfingsten.“
Evas Geschichte mit E.O. hat uns unseren Freund im Nachhinein noch näher gebracht, ebenso wie ein Gespräch mit seinem trauernden Bruder Klaus, der an einem Archiv von E.O.s Texten arbeitet. Auch wir trösten uns mit dem Gefühl, dass er bei unserer letzten Begegnung mit ihm dieses „Angekommensein“ ausstrahlte. Er war seinen Weg zur Seele der Demokratie gegangen, und das war auch ein Weg zu seiner eigenen Seele. Auf diesem Weg hatte er in seinem doch bis zuletzt links­politisch geprägten Umfeld nicht allzuviele Begleiter. Das war ein Grund, warum er seit 2002 verstärkt Kontakt zu den Mitgliedern der Mediengruppe Kulturkreative suchte. Wir erinnern uns an ein Arbeitstreffen im Jahr 2003, bei dem E.O. als Gast teilnahm und die Bemerkung einwarf, „wir sind doch alle voneinander abhängig.“ Johannes Heimrath meinte damals, dass Abhängigkeit nicht das richtige Wort sei, es gehe doch vielmehr um Beziehung. In diesem Moment wurde es um E.O. ganz still, und er begann, sich etwas Neues zu erschließen. Nach seiner Antwort erlebten wir erstmals, wie sich gemeinsam mit ihm dieser Kanal der Inspira­tion öffnete, wie plötzlich alle Beteiligten im Raum in der Lage waren, genau das auszudrücken, was sie im Innersten bewegte – es war ein brilliantes Gespräch über die Abkehr vom Paradigma der Abhängigkeit zum Paradigma der Beziehung, in dem nicht ein Einzelner sich mit großen Ideen profilierte, sondern alle gemeinsam aus der Inspiration sprachen. Wir wünschen E.O.s großer Seele, dass es auch in Riga vor dem Tod einen solchen Moment gegeben hat. Möge Erhard Otto Müller, gehalten von dieser Verbindung, die Erde in Frieden verlassen haben. ♠

  Autoren

Lara Mallien, Johannes Heimrath

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