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Das Herz einer neuen Kultur
erschienen in Ausgabe 158  PDF-Version (174.05 KB)
Duale Wirtschaft, Wertschätzung, differenzierte Macht – Erfahrungen aus 15 Jahren LebensGut Pommritz. Philosophische Reflexionen von Maik Hosang.

Kürzlich beging das LebensGut Pommritz seinen 15. Jahrestag. Der Philosoph Maik Hosang, Mitbegründer und Mitbewohner des LebensGuts, berichtet über die Entstehung und Entwicklung dieser Gemeinschaft bei Bautzen in Sachsen. Sie wurde damals bekannt wegen ihrer besonderen Förderer.


Die BewohnerInnen des LebensGutes nutzten wie viele andere den relativen Freiraum der ­neuen Bundesländer nach 1990, um neue Wege zu gehen. Wie viele wissen, hatte dieser Neubeginn im LebensGut auch einige ganz spezielle Hintergründe: Es entstand ideell durch Rudolf Bahro, Professor am damaligen Institut für Sozialökologie an der Humboldt-Universität Berlin, und außerdem mit politischer Unterstützung durch den damaligen sächsischen Minister­präsidenten Kurt Biedenkopf. Hintergrund dieser ungewöhnlichen Koalition war das Wissen beider, dass das bisherige politische oder wissenschaftliche oder wirtschaftliche Handeln für die Herausforderungen der bereits damals sichtbaren ökologischen Krise völlig ungenügend ist; dass es neuer Herangehensweisen quer zu den bisherigen Denkweisen bedarf. Dazu kam beider Einigkeit in der für Wissenschaftler eher ungewöhnlichen Sicht, dass die moderne Entfremdung zwischen Individuum bzw. Kleinfamilie und abstraktem Staat eine Neubelebung der menschlichen Zwischenräume bedarf – „kleine Lebenskreise“ nannte das Biedenkopf, bei Bahro hieß es „kommunitäre Subsistenzwirtschaft“.
Diese Koalition ermöglichte es, dass mit dem LebensGut Pommritz in der Reihe der größeren deutschen Gemeinschaftsprojekte ein vorwiegend von Ostdeutschen getragenes Projekt entstand. Entgegen vieler Gerüchte blieb die staatliche Starthilfe für das Projekt zwar sehr bescheiden – die Bürokratie war auch hierzulande nicht fähig, ressortübergreifend in die Zukunft zu denken –, und mit dem Kauf der landwirtschaftlichen Flächen sind wir noch immer beschäftigt. Doch der letztliche Rückhalt durch die beiden bewahrte das Projekt vor falschen Sektenvorwürfen und ähnlichen Widerständen der „Normalität“. Und er ermöglichte uns den Zugang zu und inzwischen den Besitz von diesem traditionsreichen und mit seiner vielfältigen Natur (Park, Obstwiesen, Teich etc.) sehr schönen Gut.

Mein Interesse an Gemeinschaft
Für mich selbst war der Dreiklang von theoretischer Begründung (durch Bahro), öffentlichem Rückhalt (durch Biedenkopf) und freier menschlicher Initiative der besondere Reiz, der mich von Anfang an bei diesem Projekt mitwirken ließ und lässt – trotz aller bei solch offenen Experimenten nie vermeidbaren Widersprüche, ungelösten Fragen und menschlichen Konflikte.
Da die Zerstörung ursprünglicher menschlicher Gemeinschaftsgefühle einer der schwerwiegendsten Fehlentwicklungen der modernen Zivilisation war, ist es wesentlich, dafür neue Entwicklungsräume zu finden. „Das Herz einer neuen Kultur ist eine wahrhaftige Gemeinschaft. Ein komplexer, vielfältiger, transparenter, gewaltloser Organismus freier, in Liebe, Arbeit und Wissen verbundener Menschen, die ihre Unterschiede nicht als Kampf gegeneinander, sondern als einander ergänzenden Reichtum erfahren“, – so lautet nicht zufällig der Kernsatz der Pommritzer Verfassung
Neue, ideologiefreie Gemeinschaftsprojekte setzen so genau am Tabu, am Schatten, an der Achillesferse der Moderne an und haben es entsprechend schwer, innere wie äußere Energien für ihre Entwicklung zu mobilisieren. Der gemeinsam mit Rudolf Bahro erarbeitete „integ­rale“ sozialökologische Ansatz besteht darin, weder allzu sehr „gegen“ noch „für“ die bestehenden Normen und Strukturen zu wirken, sondern davon auszugehen, dass die Grenzlinie zwischen alter und neuer Welt nicht zwischen Parteien, sondern quer durch jeden Menschen verläuft. Weder sind die in Gemeinschaftsprojekten lebenden Menschen „Heilige“, noch sind die in alten Strukturen klebenden Unternehmer, Wissenschaftler oder Politiker von Grund auf „verdorben“.
Wir bemühen uns darum, in der Kommunikation mit der „Normalität“ diese nicht abzulehnen, sondern ihre Themen mit denen ihrer Vertreter auf subtil andere Weise aufzugreifen und so Spielräume für Veränderung um uns herum zu eröffnen. Auch wenn manch ­andere Gemeinschaftsprojekte uns dafür kritisch beäugen, wir freuten uns darüber, dass auf unserer 15-Jahresfeier neben zahlreichen unmittelbaren Freunden auch externe Wissenschaftler sowie der Landrat und der Bürgermeister teilnahmen, und dass Kurt Biedenkopf ein sehr schönes Grußwort formulierte (siehe Kasten). Neben der praktischen Erfüllung vieler meiner Sehnsüchte – nach naturverbundenem Alltag, authentischer und liebevoller Kommunikation, sinnvollem Leben etc. – war das praktische Projekt immer auch eine Herausforderung an den Philosophen in mir, die Entwicklungen und Widersprüche zu verstehen und zu reflektieren.

Philosophische Reflexionen
Da ich denke, dass diese Reflexionen auch für andere ähnliche Projekte hilfreich sein können, will ich meine folgende konkrete Darstellung des heutigen Pommritzer LebensGuts daran orientieren. Dazu benutze ich eine Matrix sozialökologischer Strukturen, die ich zusammen mit anderen Wissenschaftlern entwickelte. ­Diese ist ähnlich der Sozialen Dreigliederung Rudolf Steiners (in Wirtschafts-, Sozial- und Geistesleben) oder die Viergliederung von Johannes Heinrichs (in der Kultur- und Grundwerteebene das Geistesleben weiter differenziert), sie unterscheidet jedoch in Anlehnung an die humanistische Psychologie und die östlichen Chakra-Lehren sieben Dimensionen menschlicher Existenz: Physis, Sexus, Macht, Liebe, Sprache, Erkenntnis und Sinn. Desweiteren beziehe ich mich auf einen integralen Denksatz. Dieser geht davon aus, dass die kommende Epoche der Menschheit einige durch die moderne Entwicklung verdrängte Bewusstseins- und Organisationsweisen reaktivieren wird, ohne jedoch in vormoderne Strukturen zurückzukehren, sondern die sinnvollen Errungenschaften der Moderne integrieren wird.
! Physis (Duale Wirtschaft): Aus ökologischen Gründen ging es dem LebensGut von Anfang an darum, einen möglichst großen Teil der Stoff- und Energieverbräuche lokal bzw. regional zu reorganisieren; dementsprechend entstanden hier eine starke, vielseitige und regional vermarktende ökologische Landwirtschaft (mit 70 Hektar Land, 20 Milchkühen und 80 Milchziegen, Gartenbau, Käserei und Bäckerei). Es gibt in Teilen eine regenerative Energieversorgung (Holzgasheizung, Solarthermie und derzeit geplante Photovoltaik), mehr und mehr werden lokale Baustoffe wie Lehm und Holz benutzt und auch viele Gesundheitsdienstleistungen lokal organisiert. Andererseits war es nie Ziel, sich von der für viele technische und kulturelle Produktionen effektiven globalen Arbeitsteilung abzukoppeln, das heißt Autos, Computer, Maschinen, Erkenntnisse etc. werden ohne schlechtes Gewissen verwendet.
Die meisten der insgesamt rund 60 Menschen (gut 20 Kinder und je knapp 20 Frauen und Männer), die wegen des Projekts nach Pommritz zogen und so diesen Ort zu einem der wenigen menschlich wachsenden in Sachsens ländlichem Raum machten, wohnen im großen Gutshaus, welches nach und nach saniert und vielfältig kreativ verschönt wurde und inzwischen mit ausreichend Privaträumen und zahlreichen Gemeinschaftsräumen (Meditationsraum, Musikraum, Saal, Speiseraum, Kinderraum, Bibliothek, Sauna u. a.) einen recht angenehmen Lebensraum darstellt. Da es jedoch irgendwann zu eng wurde, lebt etwa ein Drittel im Dorf Pommritz, in gekauften, gemieteten oder neu gebauten Häusern.
! Sexus: Dies betrifft das erotische Leben im engeren Sinn, für welches hier insofern ein relativ offener Raum besteht, als nicht vorgegebene Normen, sondern individuelle Haltungen und Resonanzen entscheiden, ob Mann/Frau kleinfamiliär, polyamor oder abstinent lebt. Wobei die Mehrzahl der heutigen PommritzerInnen primär in lang- oder kurzjährigen monogamen Liebesverhältnissen mit ausreichend Distanz lebt und diese durch lokale Freundschaften für diese oder jene Zwecke ergänzt.
Sexus betrifft aber auch das Verhältnis weiblicher und männlicher Qualitäten im weiteren Sinn: Die eher weiblichen Tätigkeiten wie Lebenserhalt (Kinder gebären und betreuen) und Naturschutz, welche in der „normalen“ Gesellschaft für Zwecke des Wirtschaftswachstums und der Kapitalvermehrung entwertet und ausgebeutet sind, werden hier aufgewertet und in ihrer Bedeutung den wirtschaftlichen Produktionen gleichgesetzt. Um das zu realisieren, wurde von Anfang an eine Art Grundeinkommen eingeführt, welches den Einzelnen den nötigen Freiraum gibt, um vorwiegend den Tätigkeiten und Talenten nachzugehen, die er/sie für das Ganze am besten einbringen kann. Wir vermuten, dass unsere für Deutschland relativ gesunde Geburtenrate von 2,4 je Frau ein Ergebnis dieses etwas anderen Werte- und Wirtschaftssystems ist.
! Macht („Politik“): In der alternativen Szene ist es oft üblich, den offenen oder verdeckten patriarchalen Machtstrukturen der „Normalität“ eine möglichst intensive Basisdemokratie entgegenzusetzen. Man beruft sich dabei oft auf die konsensuellen Palaver früherer Stammesgesellschaften. Diese Basisdemokratie und die ihr zugrundeliegende prinzipielle Gleichwertigkeit aller Menschen hat zweifellos ihre Berechtigung. Nur sie ermöglicht eine ununterdrückte freie Entwicklung jedes Einzelnen. Insofern neue Lebensformen aber auch Teil arbeitsteiliger globaler Strukturen (siehe oben) sind, ist die Verabsolutierung von Basisdemokratie, Ämterrotation etc. ebenso wenig eine Lösung wie deren Verdrängung. Rudolf Bahro wies bereits in seiner berühmten „Alternative“ darauf hin, dass neue Gesellschaften neben der menschlichen Gleichwertigkeit auch die informationsorganisatorische Verschiedenheit der Einzelnen nutzen und integrieren müssen, wenn sie mehr als schöne Illusionen hervorbringen wollen. Erfolgreiche Communities wie die Farm (USA), Damanhur (Italien) oder Likatien (Bayern) weisen sogar eine relativ starke Spezialisierung von Führungsfunktionen auf.
Die Pommritzer Erfahrung und Realität sieht so aus, dass sich nach anfänglich sehr starker Betonung der Ämterrotation, was neben guten Gefühlen viele Kompetenzkonflikte und Entwicklungshemmnisse erzeugte, auch funktionale Kompetenz zunehmend herauskristallisierte. Es gibt mit der monatlichen Vereinsversammlung weiterhin eine basisdemokratische Letzt-Instanz, doch die Markenzeichen, welche das Lebensgut auszeichnen – der starke ökologische Landbau, die Kinderfreundlichkeit, das Philosophiemuseum oder die nach wie vor gute politische und wissenschaftliche Vernetzung – wären undenkbar ohne jene langjährig etablierten individuellen Kompetenzen, welche diese Bereiche jeweils zu ihrer Blüte führten.
! Liebe (Anerkennung, Mitgefühl): Sowohl einseitige Machtkonzentrationen, aber auch übertriebene Basisdemokratie und Gleichheit haben meist den Schatten, dass die Einzelnen einander nicht wirklich in ihrer jeweiligen Besonderheit anerkennen und unterstützen, sondern oft auch frustrieren. Das Wachstum der ­Liebe, die emotionale Anerkennung und Unterstützung des Anderen in seinem Da- und So-Sein, ist die entscheidende Qualität oder Energie für eine neue menschliche Welt. Sowohl in Bahros Denkansatz als auch in der Lebensgut-Verfassung wurde ihr ein zentraler Stellenwert eingeräumt. Und manche Besucher ­bestätigen, dass auch die Pommritzer Realität eine angenehme und selten zu findende Priorität des Menschlichen vor Prinzipien und Strukturen aufweist. Dennoch sind die unmittelbar am Projekt Beteiligten selbst noch lange nicht glücklich mit dem alltäglich gelingenden Maß dieser Liebe, das zu oft noch von mitgebrachten und aufeinander projizierten Selbstzweifeln und Liebes­defiziten geprägt wird. Deshalb experimentieren wir seit kurzem mit einer „Wertschätzungsrunde“: An unregelmäßigen Abenden treffen sich alle, die Lust dazu haben, und sprechen über die schönen Eigenschaften, Talente und Qualitäten jeweils derer, die ein Bedürfnis danach haben. Nach ersten Erfahrungen trägt dies sehr zur allgemeinen Hebung der Lebensfreude bei.
! Sprache (Kommunikation): Ob duale Wirtschaft, integ­rale Erotik, differenzierte Macht oder Entfaltung von Liebe – das Medium ihrer gemeinsamen Organisation ist eine möglichst optimale, freie Kommunikation, welche durch möglichst wenig unbewusste Machtansprüche oder Liebesdefizite gestört werden sollte. Nachdem ausgedehnte allwöchentliche Plenen und Foren der Pommritzer Anfangsjahre nicht nur eine gewisse Sättigung des gegenseitigen Kennlernbedürfnisses, sondern auch immer neue Störfelder für funktionale Differenzierungen und Verantwortungsübernahmen brachten, wurden sie auf ein gesundes Maß reduziert. Unmittelbare Kommunikationen für alle interessierten Projektmitglieder sind jetzt noch die ungefähr monatliche Vereinsversammlung, kurze wöchentliche Arbeitsbesprechungen und im Bedarfsfall veranstaltete Foren für emotionale Konflikte oder Entwicklungsprozesse.

Erkenntnis ist Bedingung für Freiheit
! Erkenntnis (Wissenschaft): Eine integrale ­Perspektive betont die Reaktivierung des in der modernen Welt oft vernachlässigten „Bauchgefühls“ genauso wie die Bedeutung von kritisch-distanzierten Beobachtungen, Reflexionen und Konzeptionen. Wirkliche Erkenntnis ist eine wesentliche Bedingung für Freiheit und machbare Utopien. Eine zwar gestufte (private Räume, Arbeits- und Kreativkreise, Gesamtverein), doch letztlich menschlich direkte Community wie das Lebensgut ist zwar ein guter sozialer Raum zur Reaktivierung von Gefühl und Intuition, doch zu klein und zu unmittelbar alltäglich für wissenschaftliche Reflexion. Deshalb bemühten wir uns, die uns in die Wiege gelegte Begleitung durch kritische sozial-ökologische Forschung auch nach der akademischen Schließung des Berliner Instituts fortzusetzen. In Zusammenarbeit mit externen Wissenschaftlern wurden nicht nur hin und wieder Analysen des Pommritzer Geschehens organisiert, sondern auch Netzwerke und Projekte zu weit über das Lebensgut hinausgehenden Themen einer neuen Welt initiiert.
! Sinn: Intentionale Communities unterscheiden sich von ideologischen Gemeinschaften genauso wie von einer „Normalität“, welche übergreifende Orientierungs-, Identitäts- und Sinnfragen in übertriebenem Individualismus und Konsumismus verdrängt und ertränkt. Da der Mut zum Wagnis neuer Wege jenseits der natur- und kulturzerstörenden „Normalität“ eine aktive innere Sehnsucht oder Stimme braucht, die am ehesten durch freie, individuelle Suche nach dem Sinn des eigenen Daseins erwächst, ist der Raum dafür von Anfang an Teil des Pommritzer Konzepts. Die individuellen Wege dafür sind hier vielfältig, reichen von Yoga, Meditation und Gebet bis hin zu ausgeprägter Liebe zur Natur, zur Liebe oder zur Weisheit. Ansehnliches Ergebnis dieser starken Offenheit des Orts für neue Sinnfindungen sind z. B. die auch für externe Besucher und Gruppen offene „Lernwerkstatt für Philosophie und Ethik“, die vor allem hier entstandene Hör-CD „Hölderlinprojekt“ oder das gerade erschienene Buch „Eves Welt. Liebe in Zeiten des Klimawandels“.
Als Fazit dieser kurzen Reflexion von 15 Jahren LebensGut Pommritz sei hier noch einmal festgehalten: Entgegen vieler Gerüchte hat das LebensGut die Konflikte seiner Anfangsjahre nicht nur überstanden, sondern daraus auch manches gelernt. Es ist dabei, sich reflektierter als bisher weiterzuentwickeln, ohne dabei bereits alle Widersprüche gelöst zu haben. Die stärks­ten Konflikte der Anfangsjahre – die zwischen landwirtschaftlicher und geistiger Arbeit oder die zwischen prinzipieller menschlicher Gleichheit und funktionaler Verschiedenheit der Verantwortung oder die zwischen eher weiblichen und eher männlichen Tätigkeiten – haben relative Lösungsformen gefunden, doch sind sie noch lange nicht immer harmonisch gelöst.
Auf der Positivliste stehen der relativ junge Altersdurchschnitt und Qualitäten wie die starke Ökolandwirtschaft, das Philosophiemuseum und die Forschungsarbeit. Rudolf Bahro, der selbst nie hier lebte, leider schon 1997 starb, wäre vermutlich glücklich ­darüber, dass einige seiner Ideen hier weiterleben. Und die lobenden Worte, die Biedenkopf in seinem Grußwort fand, sprechen für sich. ♠



Grußwort von Kurt Biedenkopf
„Es ist schwer zu glauben, dass seit der Gründung des LebensGutes Pommritz schon 15 Jahre vergangen sind. Was zur damaligen Zeit von vielen auch in der Sächsischen Staatsregierung für Träumerei gehalten wurde, die an der Wirklichkeit scheitern werde, hat sich inzwischen als lebensfähiges Konzept erwiesen. Viele der Skeptiker von damals sehen heute, dass die Veränderungen und weltweiten Umbrüche der letzten 15 Jahre zumindest die Frage nach alternativen Lebensformen rechtfertigen – und damit auch die Suche nach nachhaltigen Antworten. Zugleich erkennen sie die Notwendigkeit, nach Alternativen zum heute herrschenden Wachstumsziel und zur umfassenden Ökonomisierung unseres Lebens zu suchen und ­diese zu entwickeln.
Mit seinem Mut zur Alternative ist das LebensGut und sein nachhaltiger Erfolg für all jene eine Ermutigung, denen es um zukunftsfähige Alternativen geht. Viele sehen in ihm einen Pfadfinder in einer neuen, bisher noch kaum vermessenen Welt der Ideen.
Für mich ist das LebensGut Pommritz Bestätigung für die neue Sicht der Dinge, die mich – auch angeregt durch die Begegnungen mit Rudolf Bahro – seit Ende der siebziger Jahre beschäftigt und auch in der Zukunft beschäftigen wird.
Mit allen guten Wünschen für die kommenden 15 Jahre des LebensGutes Pommritz und für den wichtigen Beitrag, den das Gut und alle, die an seinem Leben und seiner Zukunft beteiligt sind, zu einem neuen Denken leisten.“



Maik Hosang (47) studierte Philosophie und Psychologie und habilitierte sich 1999 im Fachgebiet Sozialökologie. 1990 bis 1997 Mitarbeiter Rudolf Bahros. In Pommritz ist er vor allem für die politische und wissenschaftliche Arbeit zuständig, Dozent, Autor und Projektentwickler.
Kontakt: maik@hosang.com, www.lebensgut.de

Literatur: Rudolf Bahro: Apokalypse oder Geist einer neuen Zeit, 1995 • Maik Hosang/Stefan Fränzle/Bernd Markert: Die emotionale Matrix. Grundlagen für gesellschaftlichen Wandel und nachhaltige Innovation, 2005 • Maik Hosang: Eves Welt. Liebe in Zeiten des Klimawandels, 2008


  Autoren

Hosang, Maik

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