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Impressum
Politik aus dem mütterlichen Prinzip
erschienen in Ausgabe 158
Eine kulturkreative Pilgerreise durch das wahlkämpfende Bayern

Seit 1995 setzt sich der Verein „Die Feder“ für die Versöhnung zwischen den Religionen ein. Bisheriger Höhepunkt der Vereinsgeschichte wird im August 2008 die Organisation der sogenannten Wahl-Fahrt sein – einer Pilgerfahrt sowohl religiösen als auch politischen Inhalts. Die Initiatorin der Wahl-Fahrt, Monika Herz und ihre Gefährten werden vom 5. bis 15. August den Weg von Hohenpeißenberg über München nach Altötting zu Fuß zurücklegen.



Ausgangspunkt und Ziel der Reise sind berühmte Marien-Wallfahrtsorte. Am Feiertag Mariä Himmelfahrt werden die Pilger bei der Schwarzen Madonna in der Altöttinger Gnadenkapelle eintreffen.
„Schon in jungen Jahren war ich irritiert darüber, dass der christliche Gott als etwas Männliches präsentiert wird, dem sogar die ‚Mutter Gottes’ untergeordnet wird“, sagt Monika Herz. „Das stimmte für mich irgendwie nicht, und so begann ich zu erforschen, wie denn diese Angelegenheit in anderen Religionen behandelt wird. In der tiefsten Tiefe fand ich immer denselben Kern: etwas Unaussprechliches, ein großes Geheimnis. Religionen wurden in der Geschichte der Menschheit immer wieder instrumentalisiert, um nach Macht zu greifen, um Kriege zu rechtfertigen, um die Menschen in Angst zu versetzen. Unsere Aktion möchte zu der Erkenntnis beitragen, dass wir alle denselben Keim in uns tragen, ob wir uns nun Christen, Hindus, Moslems, Buddhisten oder auch Atheisten nennen. Mit dieser Wahl-Fahrt folge ich einfach einem Traum, sowohl einem persönlichen Traum als auch dem Menschheitstraum.“
Mit dieser Aktion wollen die Pilger die symbolische Wiederkehr des Archetyps der Großen Mutter „begehen“ und feiern, der vielen Kulturen auf der ganzen Welt heilig ist. Durch die Verdrängung der Muttergottheit ist es zu einer einseitigen Dominanz männlicher Werte wie Logik, Konkurrenz, Härte, Hierarchie, Wachstum, Willenskraft und Kontrolle gekommen. Dies betrifft den Umgang der Menschen miteinander, ebenso wie die „große Politik“ und die Ideologien vieler offizieller Religionen. Die Teilnehmer streben für ihre Aktion öffentliche Vorträge und Lesungen, Freundschaftstreffen mit Vertretern verschiedener Glaubensbekenntnisse und die Verbreitung ihrer Ideen mittels Zeitschriftenartikel an. So sind Treffen mit einem Vertreter des Sufismus und mit Vertretern tibetischer und christlicher Orden geplant.
Die Wahl-Fahrt will also zugleich ein spirituelles Bekenntnis sein und auch politisch ein Zeichen setzen. Auch Maria, die Mutter Jesu, die in unserem Kulturkreis heute bekannteste Verkörperung der „Großen Mutter“ war keine unpolitische Person: Im Lukasevangelium sagt Maria in einer visionären Schau: „Er zerstreut die, die im Herzen voller Hochmut sind. Er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen. Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben und lässt die Reichen leer ausgehen“. Eine Mutter sucht immer den Ausgleich und Gerechtigkeit. Sie würde niemals einem ihrer Kinder im Überfluss zu essen geben und andere Kinder hungern lassen. Der chinesische Weise Laotse rät dem Politiker daher, den Staat „aus dem mütterlichen Prinzip heraus“, zu regieren. Das meint z.B. das Gesetz des Ausgleichs, es meint aber auch Gnade, Bescheidenheit, Hingabe und Harmonie mit den Zyklen der Natur.
Im Zusammenhang mit der Wahl-Fahrt wird es daher auch Informationsveranstaltungen und Vorträge zu politischen Themen geben, so über Regionalwährungen, das Bedingungslose Grundeinkommen sowie Direkte Demokratie. Die Wahlfahrt wird tatkräftig unterstützt von den Vereinen „Mehr Demokratie in Bayern“, „Der Regio im Oberland/Der Regio in München“, „Der Ammerlechtaler“, „Initiative Natürliche Wirtschaftsordnung“, „Arbeitskreis Grundeinkommen“ sowie dem Magazin Connection. Der Verein „Mehr Demokratie e.V.“ stellte der Unternehmung sogar ein eigenes Begleitfahrzeug und einen Praktikanten zur Verfügung. Das „Mehr-Demokratie-Mobil“ wird jeweils an den Etappenzielen der Wahl-Fahrt Info-Stände an den Marktplätzen aufbauen und den Menschen Möglichkeiten zeigen, auch als Einzelperson politisch aktiv zu werden. Die Stationen des „Mehr-Demokratie-Mobils“ sind Treffpunkte für Interessierte. Dazu werden voraussichtlich die Marktplätze in Wessobrunn, Andechs, Starnberg, München Rotkreuz-Platz und Sendlinger Tor, Grafing, Haag, Ampfing und Mühldorf gehören.
Unsere Pilgerreise von Peißenberg nach Altötting heißt „Wahl-Fahrt“, weil es sich auch um eine politische Reise handelt, die nicht zufällig nahe dem Termin der bayerischen Landtagswahl stattfindet. Es ist auch deshalb eine Wahl-Fahrt, weil diese Pilgerreise die Menschen darauf aufmerksam machen will, dass sie immer die Wahl haben, die Kräfte des Mitgefühls zu wählen oder die Kräfte der Hartherzigkeit, die Kräfte der Kooperation oder diejenigen der Konkurrenz, die Aufrechterhaltung von Privilegien für Wenige oder aber die gerechte Verteilung an alle Kinder von Mutter Erde.
Und warum wählte der Verein die Form einer Marienwallfahrt, um diesen Anliegen zum Durchbruch zu verhelfen? Die tief verwurzelte Liebe der Bayern zur Mutter Maria zeigt, dass diese all das, wofür die Große Mutter steht, noch immer in ihrem Herzen tragen, auch wenn die politischen Entscheidungen oft in eine ganz andere Richtung gehen. Diesen Keim möchten wir erwecken und zu neuer Blüte bringen.♠

www.diefeder.org

  Autoren

Rottenfußer, Roland

Partner
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