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Impressum
Schon was vor bis Dezember 2009?
erschienen in Ausgabe 160  PDF-Version (188.69 KB)
Ein eindringlicher Apell zur gemeinsamen Vorbereitung auf die Welt-Klimakonferenz von Kopenhagen.

Was würdest du tun, wenn dir das Wasser sprichwörtlich bis zum Hals steht, der letzte Orkan das Dach weggefegt hat, 100 hilfesuchende Menschen bei dir um Einlass bitten, du nicht weißt, wo das Essen für dich und deine Familie für morgen herkommen soll, die Regierung wie immer nur leere Versprechungen von einer besseren Zukunft macht?


Was ist es, das uns offenbar daran hindert, wahrzunehmen, dass das für viele Menschen auf dieser Erde bereits Realität ist, dass wir selbst – und vor allem unsere Kinder – hier im reichen Norden in wenigen Jahrzehnten ebenfalls vor genau diesen Problemen stehen werden, wenn wir jetzt nicht handeln? Warum machen wir so weiter wie bisher? 95 Prozent der KlimawissenschaftlerInnen sind sich einig darüber, dass wir bereits in sehr ernsthaften Schwierigkeiten stecken. Die Erde und ihre lebenserhaltenden Systeme werden von uns Menschen seit einiger Zeit massiv angegriffen und laufen Gefahr, zusammenzubrechen. Das weltweite Artensterben hat beängstigende Ausmaße angenommen. Für viele von uns ist das alles nichts Neues, und wir tun ja auch schon viel.
Aber tun wir auch genug? Kommt es überhaupt darauf an, etwas zu tun? Unsere bisherigen Aktivitäten haben anscheindend die Gefahr nicht bannen können. Braucht es vielleicht völlig neue Ansätze, Ideen und vor allem gemeinsame Anstrengungen, um sich dem Problem endlich zu stellen? Es scheint ja nicht ausreichend zu sein, wenn jede und jeder von uns für sich bereits „so viel“ tut. Wenn alle so handeln würden, gäbe es auch höchstwahrscheinlich kein Problem. Offenbar sind wir also zu wenige, als dass unsere einzelnen Bemühungen die Gesellschaft rechtzeitig verändern könnten. Fünf bis zehn Jahre ist die Zeitspanne, die uns die wissenschaftlichen Prognosen noch geben, um den totalen Klimakollaps zu vermeiden. Wir können das natürlich anzweifeln: Welche eigennützigen Motive haben die WissenschaftlerInnen, solches zu behaupten? Es gab doch schließlich schon immer Warm- und Kaltzeiten etc.
Sind wir wirklich bereit, abzuwarten und zuzuschauen, ob die ExpertInnen recht haben? Steht nicht zu viel auf dem Spiel? Wollen wir riskieren, die derzeitige Vielfalt des Lebens auf diesem Planeten und die Zukunft der Menschheit unserer Bequemlichkeit zu opfern?
Wir haben die Wahl. Jeder einzelne von uns kann sich entscheiden: Entweder zu versuchen, den drohenden Klimakollaps aktiv abzuwenden, oder darauf zu hoffen, dass die WissenschaftlerInnen sich irren, oder darauf, dass wir Menschen schon noch eine technische Lösung finden werden, um uns mit dem kollabierten Klima zu arrangieren.

Persönliche Anstöße
Es ist jetzt bereits ein Jahr her, dass ich persönlich meine Entscheidung getroffen habe. Da jetzt die Zeit ist, noch etwas zu verändern, habe ich mich auf den Weg gemacht, mit noch vielen Fragen, wie wir eine Aufgabe solchen Umfangs überhaupt lösen können, getreu dem Motto der mexikanischen Zapatistas: „Fragend schreiten wir voran.“
Ich habe inzwischen festgestellt, dass es viele Wege gibt, das Problem anzugehen, und dass es darauf ankommt, dass jeder einzelne auch gegangen wird. Die PolitikerInnen z. B. haben die Möglichkeit, Weichen zu stellen. Nur werden sie das von sich aus höchstwahrscheinlich nur insoweit tun, wie es die Interessen der derzeitigen Eliten in Nord und Süd nicht zu sehr gefährdet. Deshalb braucht es das gemeinsame Aufbegehren vieler Menschen weltweit, um die Waage der Macht wieder weg von den Konzerninteressen hin zu den Bedürfnissen der Menschen und des Planeten pendeln zu lassen. Wir dürfen uns nichts vormachen: Auch ein „grüner“ Kapitalismus wird die Probleme, die durch die kapitalistische Verwertungslogik (Profitmaximierung) erst hervorgerufen werden, nicht lösen können. Es braucht einen gesellschaftlichen Wandel auf globaler Ebene und in den grundlegenden Wertorientierungen. Die PolitikerInnen werden dazu nur den Mut haben, wenn sie darin von vielen Menschen unterstützt werden.
Bei meinem „fragenden Voranschreiten“ bin ich bisher vielen interessanten und engagierten Menschen begegnet, ohne dass ich jedoch das leise Gefühl der Hilflosigkeit losgeworden wäre. Eine Begegnung allerdings war anders. Das war auf dem diesjährigen Treffen von GEN Europe/­Africa (Globales Ökodorf Netzwerk-Treffen der europäischen und afrikanischen Ökodorfprojekte), hier im Ökodorf Sieben Linden.

Bedeutung von Kopenhagen
Die Frage stand im Raum, was GEN und die angeschlossenen Ökodorfprojekte eigentlich zum Klimawandelprozess beitragen können, und zwar im Hinblick auf die im nächsten Jahr in Kopenhagen stattfindende COP15.
COP15, das ist kein billiger Hollywood-Thriller. Es handelt sich dabei um die 15. „Conference Of Parties“. Dahinter verbirgt sich nicht weniger als ein Zusammentreffen der Staats- und Regierungsvertreter aller Länder, die bis zum Dezember 2009 einen internationalen Vertrag ausarbeiten wollen, um die Welt vor dem drohenden, menschengemachten Klimakollaps zu bewahren. Genauer gesagt geht es ­darum, die internationalen Bemühungen um eine Reduktion der klimaschädlichen Treibhausgase – was sich im Vertrag von ­Kyoto niedergeschlagen hat – fortzuführen. Der ­Kyoto-Vertrag endet 2012, und Dezember 2009 ist der späteste Zeitpunkt, zu dem ein Kyoto-Folgevertrag auf internationaler Ebene noch vereinbart werden kann. (Über Sinn und Unsinn des Inhalts des Kyoto-Vertrages kann mensch sich durchaus streiten, das würde hier aber zu weit führen).
Kopenhagen 2009 eignet sich also wunderbar als Kris­tallisationspunkt für den weiteren Verlauf unserer Bemühungen für (überhaupt) eine bessere Zukunft. COP15 ist in den offiziellen politischen Bemühungen ein wichtiger Meilenstein. Genau da wollen wir ansetzen. Und übrigens nicht nur wir: Weltweit bereiten sich viele Menschen ­darauf vor und versuchen, eine breite, globale Bewegung zu mobilisieren!

Träume realisieren
Und so kam beim diesjährigen GEN-Treffen ein Kreis von Menschen aus unterschiedlichen Ländern und Kontinenten zusammen, um gemeinsam darüber nachzudenken, welchen Beitrag GEN leisten kann. Glücklicherweise nahm auch John Croft an diesem Treffen teil (Bild links). John ist vor kurzem von Australien nach Deutschland gezogen und hat eine Methode namens „Dragon Dreaming“ entwickelt, mit der er bereits viele Projekte sehr erfolgreich durchgeführt hat. Es war ein Glücksfall für uns alle, dass wir spontan die Idee hatten, seine Methode mit unserer Frage zu verbinden. Das Ergebnis hat uns alle überrascht und vor allem nachhaltig begeistert. Was ist das Besondere an dieser Methode?
Der Dragon-Dreaming-Prozess motiviert die Menschen, wieder zu träumen und – was noch viel entscheidender ist – die Träume dann auch zu verwirklichen. Im Dragon Dreaming träumen wir gemeinsam einen großen Traum, der sich aus vielen individuellen Träumen zusammensetzt. Wenn ich mich an diesem Prozess beteilige, dann entscheide ich mich auch dafür, dass wir gemeinsam 100% unseres Traums verwirklichen. Das ist es, was Menschen am Dragon Dreaming begeistert. Es geht entscheidend um die Beziehungen zwischen den beteiligten Menschen und darum, dass der gesamte Prozess dem Wachstum der Beteiligten dient. Durch die Verbindung von Arbeit mit Spiel entsteht eine Lust am Mitmachen, die Energien freisetzt, die sonst oft durch die Größe eines Projektes eher blockiert werden.
Für Kopenhagen 2009 bedeutet dies, dass wir über das üblich Machbare hinausgehen werden. Der Spruch „Um das Mögliche zu erreichen, musst du das Unmögliche wollen“ wird plötzlich lebendig und greifbarer, bleibt kein abgedroschener Allgemeinplatz mehr. Es begann mit der Frage: Was soll am Ende des Projekts für mich persönlich dabei herauskommen, damit ich sagen kann: „Das war das Beste, womit ich meine Zeit verbringen konnte!“
Der Traum, den wir gemeinsam geträumt haben und nun versuchen umzusetzen, ist zu lang, um ihn hier abzudrucken. Man muss ihn als einen Prozess begreifen, der sich permanent weiterentwickelt. Er wächst mit jedem Menschen, der das Projekt auch zu dem seinen macht. Die Entwicklung kann im Internet verfolgt und aktiv mitgestaltet werden. Wir sehen dieses Projekt als den Beginn eines völlig neuartigen Prozesses, in dem wir Gemeinschaften uns öffnen und alle einladen, mit uns gemeinsam diesen Weg zu gehen. Konkret werden wir einen Raum kreieren, in dem während der Konferenz in Kopenhagen gemeinschaftliches Leben sicht- und erlebbar wird. Wir wollen gemeinsam die Tatsache feiern, dass wir auf den Wandel nicht mehr warten müssen, sondern dass wir bereits mittendrin sind. Schon im Vorfeld wollen wir uns mit allen Menschen und Initiativen vernetzen, die ohnehin am „Großen Wandel“ arbeiten. Es soll ein Netzwerk von Netzwerken entstehen und so eine breite Bewegung für Veränderung sichtbar machen.
Also, schon was vor bis Dezember 2009 – und darüber hinaus? Lust auf Veränderung, Gemeinschaft, Beziehungen? Dann meldet euch bei uns! ♠

Jörg Zimmermann, 36, bio-veganer Landwirt, lebt im Ökodorf Sieben Linden, Infos: www.copenhagen09.org

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Zimmermann, Jörg

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